Kapitel 1
Schnell raus! Es ist schon 14 Uhr. Ich wollte pünktlich da sein. Hmm, was nehme ich. Normalerweise würde ich die Röhre nehmen, weil die umsonst ist, aber heute habe ich wenig Zeit. Außerdem wohnt Opa so weit draußen. Also nehme ich besser die Kugel. Die ist schneller und individuell. Ja, sie kostet Geld. Aber ich will Opa nicht warten lassen. Vielleicht nehme ich auf dem Rückweg die Röhre und laufe ein bisschen.
Also wo ist eine freie Kugel?
Ach, da steht ja schon eine. Lohnt sich quasi nie, eine über die Leitung extra anzufordern. Die stehen quasi überall rum.
Wie war das nochmal, schon so lange her, ach ja! "Akeru!"
Wer auch immer sich das ausgedacht hat, befehle an die Kugel immer in Japanisch. Wie machen die das in Japan? Öffnen die versehentlich die Kugeln? Oder benutzen die eine andere Sprache? Ach egal. Rein jetzt und anschnallen, sonst wird es ungemütlich.
Einmal habe ich das vergessen und bin die ganze Fahrt durch die Kugel gekullert. Ich weiß auch nicht, warum diese vermaledeiten Dinger durchsichtig sein müssen, so dass es auch noch alle gesehen haben. Das passiert mir nicht nochmal!
Och nö, frisch gereinigt und noch feucht das Ding. Einerseits ist es ja super, dass die regelmäßig automatisch gereinigt werden, aber das mit dem Trocknen bekommen die immer noch nicht hin. Und das, obwohl die Technik des verlustfreien Reinigens ohne Rohstoffverschwendung schon so alt ist. Angeblich soll das Prinzip mal jemanden eingefallen sein, als die Person ein Aquarium beobachtet hat. Dinge gibts.
So, jetzt konzentrieren und an Opas Adresse denken. denk. "Diese Fahrt kostet 300 Credits" bestätigen.
Ah, hat geklappt. Ganz ehrlich… mit Gedanken Eingaben machen, damit sie niemand hört… Da ist mir das Japanische lieber. Bei Gedankensteuerung muss ich mich immer so übermäßig konzentrieren, ich brauche die Energie doch später!
Und dann 300 Credits. Die sind doch verrückt. Aber egal, vielleicht gibt Opa mir ja was dazu.
Oh, Moment… Ah! doch! Ich habe es dabei. Puh.
Opa hat zwar auch eins, aber ich wollte ihm doch mein neues Brett zeigen.
Brettspiele haben bei uns in der Familie Tradition, wir alle spielen die ein oder anderen Spiele. Es gibt einem was zu tun und wenn man nicht reden will, kann man auf diese Weise trotzdem was schönes zusammen machen.
Wir spielen mindestens einmal im Monat Schach und er erzählt mir von früher.
Manche dinge klingen vollkommen verrückt. Angeblich sind die früher selbst Fahrzeuge gefahren. Und dann gab es manchmal Unfälle, bei denen Menschen sterben konnten. Nur weil sie irgendwo hin wollten oder mussten. Und das wurde einfach so hingenommen und nicht darüber geredet.
Ne, dann lieber laufen und Röhre oder 300 Credits als zu Sterben, nur weil man mal den Opa besuchen will.
Manchmal erzählt Opa auch von seinem Opa. Der kam aus einer Zeit, in der es noch Krieg gab. Zum Glück ist Krieg irgendwann im Zeitalter der Ressourcen Revolution unnötig geworden. Aber das lernt man ja im Geschichtsunterricht.
Eigentlich mag ich es ja, wenn er mir von früher erzählt. Aber er hat die Tendenz, sich zu wiederholen.
Irgendwann habe ich ihn mal gefragt, warum er das macht. Er meinte, weil sein Opa das gemacht hat, er wisse, dass es nerven kann, und ich werde es verstehen, wenn ich älter werde und vielleicht selbst Enkelkinder habe. Er würde ein langfristiges Ziel damit verfolgen.
Ich bin gespannt, ob ich es tatsächlich irgendwann mal verstehe.
Aber für den Moment ist mein Ziel, Opa heute im Schach zu schlagen.








