Sündikat Bis Deine Wellen Für Uns Brechen by Teresa at Inkitt
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sÜndikat- Bis deine Wellen für uns brechen

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Summary

Ein Leben geleitet von Struktur, Ordnung und Status: Marina steckt in einer Zwangsjacke, geformt von ihrem Vater und dem Bedürfnis endlich von ihm gesehen zu werden. Sie kämpft gegen alles was sie ausmacht, nur um seine Vaterliebe erfahren zu dürfen. Doch am Ende ist es er, der sie in die Arme von John, einem Anhänger des illegalen Syndikats gegen Wirtschafts-Spionage, rennen lässt, um sich selbst zu retten. Doch mit John wird sie alles sein, außer eins-Allein.

Genre
Romance
Author
Teresa
Status
Ongoing
Chapters
6
Rating
n/a
Age Rating
18+

1-John- Zieh dich aus.

Ich hasse die Ausrüstung vom Syndikat.

Die gestellte Ausrüstung passt zu einem Sondereinsatzkommando, aber nicht zu denen, die sich tatsächlich am helllichten Tag unters Volk mischen müssen. So wie ich. Der einheitliche schwarze Flecktarn lässt alle wie Personal aussehen, das Nacht für Nacht den Müll der Gesellschaft fein sortiert und entsorgt. Aber irgendwie sind wir das ja auch. Warum haben alle ständig das Bedürfnis mich vom Gegenteil überzeugen zu wollen?

Ich schüttele gedankenverloren den Kopf. Ich soll mich locker machen. Die Aufträge genießen, bis ich zu alt dafür bin und nur noch am Schreibtisch hänge, weil ich nicht mehr im aktiven Dienst eingesetzt werden kann. Dabei hört sich das gar nicht so schlimm an.

Ich öffne das Fahrerfenster und zünde mir eine Zigarette an. Erst danach drücke ich den Knopf zum Rolltor der Tiefgarage und fahre die enge Rampe hinunter. Wie vereinbart steht Dan mit einem kleinen, dunkelblauen, aber vor allem alten Kleinwagen, wie abgesprochen, bereits da. Ein typisches Einsteiger-Fahrzeug, welches jeder dritte Student in der Stadt stolz durch die Gegend fährt. Schön finde ich ihn nicht, aber ich verstehe es. Ein fünfer Golf, Baujahr fünfundneunzig. Er ist günstig, überall zu haben, und es passen mindestens vier Kästen Bier hinein. Es tut fast weh, meinen schwarzen Ford Expedition Dan fahren zu lassen. Er ist ein grauenhafter Fahrer. Mein Vater war zwar auch grauenhaft, aber immerhin hat er mir vernünftiges Fahren beigebracht. Allerdings würde er sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass ich doppelt so schnell wie er fahre. Aber dafür müsste er erst einmal ein Grab haben.

»Wow, der dunkle Lord erscheint heute spät.«, begrüßt mich Dan theatralisch mit einer Verneigung bevor ich überhaupt aus dem Auto gestiegen bin.

Als ich dann tatsächlich einen Fuß auf den Boden setze, sieht er mich irritiert an.

»Ich feiere ja wirklich deinen Techwear-Style, aber in einer Uni ist das definitiv das falsche Outfit.« Er wirbelt mit seinem Zeigefinger unhöflich herum.

Mir ist bewusst, dass ich von der Haarspitze bis zur Unterhose ein und dieselbe Farbe trage. Allerdings lässt Dan nie eine Möglichkeit aus meinen Style ändern zu wollen.Ich laufe um das Auto herum und lehne mich an den Kofferraum. Dann schaue ich schamlos mit ausgestreckten Armen auf mich herab. »Was? Findest du die Schnallen und Lederabsätze tragen zu stark auf?« Entspannt fahre ich mir mit der Hand durch die Strähnen, die mir ins Gesicht gefallen sind. »Außerdem passt es zu meinen wunderschönen Haaren, die im Gegensatz zu deinen noch kein Eigenleben entwickelt haben.«, ich zeige genauso frech auf seine wilden, kurzen, hellen Locken. Bisher habe ich keine andere Lösung gefunden, als ihm die gleiche Frisur wie mir zu verpassen. Oben lang, Seiten auf Kontostand. Nicht mein Kontostand natürlich. Mein Konto ist immer gut gefüllt. Aber wie soll es auch anders sein, bei der aktuellen Flut von Aufträgen?

»John im Ernst. Hast du dir die Akte überhaupt richtig durchgelesen?« Er schwingt sich zu mir rüber. Kommentarlos hält er eine Hand auf. Wir brauchen keine Worte mehr, um zu wissen, was der andere benötigt, und so landet eine meiner Zigaretten zwischen seinen Fingern.

»Ja Papa, ich hab’ meine Hausaufgaben erledigt.«, stöhne ich auf.»Die Zielperson ist sechsundzwanzig, so groß wie ein Gartenzwerg und bekommt wahrscheinlich von ihren Eltern das Studium bezahlt. Stattdessen säuft sie sich wahrscheinlich auf dem Campus zu. Mich interessiert hauptsächlich, warum solch eine Göre überhaupt ins Auge gefasst wird. Warum sollte sich das Syndikat für eine Studentin interessieren? Hat sie vielleicht Verbindungen zu höheren Tieren?«

»Keine Ahnung, du wirst es spätestens morgen herausfinden.« Er zuckt mit den Schultern. »Aber sie studiert Wirtschaft. Vielleicht arbeitet sie heimlich mit ihren Eltern zusammen? Was stand denn in der SMS?«

»Zielperson festhalten. Auf weitere Befehle warten.«

»Mehr nicht?« Er verschränkt die Arme.

»Mehr nicht.«, stimme ich zu.

»Puh-sie soll nicht einmal Fragen beantworten?«

»Nein. Nichts.«, gebe ich kopfschüttelnd zurück. Ich drücke meine Zigarette mit dem Stiefel aus und trete den Stummel in die nächste Ecke.

»Wie auch immer, dein Outfit passt so gar nicht. Ich kann dich so nicht gehen lassen.« Er geht einen Schritt zurück und mustert mich eindringlich. Dann tritt er mit gewohnter Lässigkeit auch seine Zigarette aus. »Na komm, zieh dich aus.«

»Ich soll nackt hingehen? Mensch, vielleicht hätte ich doch studieren sollen.«, pruste ich.

Dan schaut in den nicht vorhandenen Himmel und stimmt in sein Gebet ein. »Gott, mit welcher Aufgabe hast du mich beauftragt? Schicke mir einen Jünger mit Gehirn. Ich bitte dich, oh Herr!«

»Amen.«, stimme ich mit ein.

Resigniert lässt er seinen Oberkörper fallen und beginnt dann plötzlich sein T-Shirt auszuziehen. »Nein, du Idiot. Wir tauschen Klamotten. Besonders die Zweige Wirtschaft und Finanzen laufen dort eher schick herum. Sei froh, dass ich dich nicht zum Herrenausstatter schleppe.« Bevor ich überhaupt die Chance eines Widerwortes habe, hat er auch seine dunkelblaue Leinenhose ausgezogen und steht nur noch in Unterwäsche vor mir. Ich starre auf den Wäscheberg in seiner Hand, als sei er stinkender Abfall. Dabei stinken seine Sachen, wenn überhaupt, nach Sandelholz. Alles bei Dan stinkt verdammt noch einmal danach.

»Nein.«

»Das war keine Frage.«

»Ich werde darin albern aussehen.«

»Das werden die anderen auch denken, wenn du in Springerstiefel auftauchst. Ach, stimmt, welche Schuhgröße hast du eigentlich?«

»Dan! Ich werde deine Klamotten nicht anziehen.«

»Zieh sie an oder ich lasse dich nie wieder nachts bei mir zocken.«

Ich schaue ihn schockiert an.

»Dan? Das kannst du einem Mann mit massiver Schlafstörung nicht antun.«

Grinsend neigt er seinen Kopf und hält mir demonstrativ seine makellos weißen Turnschuhe vor die Nase.

»Wetten doch?«

Der Kerl hat mich an den Eiern. Allein die Vorstellung, nachts nur noch in Gesellschaft meiner eigenen Gedanken zu sein, bereitet mir Übelkeit.

»Wichser.«, zische ich und beginne den Schnürsenkel meiner Stiefel zu lösen. Während ich mich in eine Version meiner selbst aus einem Paralleluniversum verwandle, muss ich bei Dans Anblick in meinen Sachen schmunzeln. In seinen besten Jahren war der Computer-Nerd mal richtig durchtrainiert. Natürlich hält er sich fit, aber mein hängendes Shirt an seinen Schultern spricht Bände. Dafür passen seine Klamotten an meinem Körper wie angegossen.

»So, fertig.« Mit Stolz erfüllt schaut er sich sein Werk an. »Na dann hol dir mal die Kleine. Wie hieß sie noch gleich? Maria?

»Marina heißt sie.« Augenrollen zupfe ich am Shirt, was mir bei näherer Betrachtung doch etwas zu eng sitzt. »Marina Rivers.«

»Rivers?« Dan’s Blick verhärtet sich. »Na ja, wie auch immer. Halt mich auf dem Laufenden, ja?« Dann wendet er sich ab und steckt die Hände in die Hosentaschen. »Ha! Trinkgeld!«, ruft er ein letztes Mal mit meinem Geldschein wedelnd. Dann knallt er die Fahrertür meines Autos zu.

»Das ist ein Auto, kein Panzer!«, rufe ich ihm hinterher. Aber ich sehe nur noch die Rücklichter und seine spöttisch winkende Hand aus dem Fenster strecken.

»Unglaublich. Der Kerl macht mich fertig.«

Es ist ungewohnt, in ein so niedriges Auto zu steigen. Nachdem ich erfolgreich alle Spiegel eingestellt habe, atme ich ein letztes Mal durch.

Dieser Auftrag ist anders. Das ist das Einzige, was mich bei dieser Mission nervös macht. In der Regel sind die Zielpersonen älter. Die meisten sind CEO’s oder arbeiten hinter den Kulissen in Lagern. Einige waren Manager bei großen Konzernen und haben ihre Position ausgenutzt, um als Puppenspieler zu fungieren. Doch das Mädchen ist fast zehn Jahre jünger als ich. Sie hat keinen Job und bei ihrem Nachnamen klingelt bei mir auch nichts.

Ich frage mich, ob mir einfach nur die nötige Erfahrung fehlt. Ich habe nicht im Ansatz so viele Aufträge wie Dan oder Sam abgeschlossen. Vielleicht wurde ich nur zufällig Zielpersonen zugeteilt, die sich ähneln. Ich meine, die Auftragsmörder des Syndikats werden nur dazu geholt, wenn alle Verhandlungen im Vorfeld gescheitert sind und keine andere Lösung mehr bleibt.

Zum wahrscheinlich zehnten Mal heute öffne ich ihre Akte auf meinem Handy. Ich scrolle durch die Bilder, die der Datei angehängt wurden. Auf den meisten Fotos ist sie förmlich gekleidet. Sie trägt, wie Dan gesagt hat, in der Uni eher Outfits, die in ein Büro passen würden.

Aber die Kombinationen wirken unstimmig, als wüsste sie nichts davon, wie man in diesem Setting bewegt. Sie geben mir das Gefühl, dass sie versucht, in eine Welt hineinzupassen, für die sie nicht gemacht ist. So geht es vielen Menschen. So geht vor allem mir. Die Fotos lösen in mir eine Verbundenheit aus, die Dan nie nachvollziehen könnte. Er weiß nicht, wie es ist, das Vertaute hinter sich zu lassen und neu anfangen zu müssen. Aber wie denn auch? Er wurde vom Syndikat selbst großgezogen. Er kennt nichts anderes.

Mein Lieblingsbild von ihr ist das Letzte. Es zeigt meiner Meinung nach ihr echtes Wesen, oder immerhin bilde ich mir das ein.

Bunt, schrill, wild, auf einer Tanzfläche. Von einer Menschenmasse umgeben, tanzt sie dort nur für sich allein. Mit geschlossenen Augen wirft sie ihre dunklen Haare nach hinten. Es ist das Foto, das mich davon überzeugt hat, den Auftrag anzunehmen. Vielleicht, weil ich meinen eigenen Freigeist von früher darin wiedererkenne. Nicht nur einmal habe ich mir vorgestellt, mit ihr zusammen dort zu stehen und meine eigenen Hände durch diese dichten Wellen streifen zu lassen.

Aber wer weiß schon, welches dieser Bilder ihr wares Gesicht zeigt. Vielleicht trägt sie auch nur mehrere Masken, die sie je nach Situation austauscht. Wer es auf die Liste des Syndikats schafft, hat mindestens zwei davon und bisher habe ich jede davon herunterreißen können.

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