Blossom Lake Whispered Lies, Broken Hearts by LilithRaven at Inkitt
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Blossom Lake - Whispered Lies, Broken Hearts

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Summary

Ein tyrannischer Vater. Ein gefährlicher Rivale. Eine Liebe, die im Schatten von Gewalt überleben muss. Jenna Dixon ist die neue Sheriff von Blossom Lake – doch ihr größter Feind ist ihr eigener Vater. Jeffrey, einst selbst Sheriff, herrscht noch immer mit Gewalt über sie und die Stadt. Mit jedem Schlag, jeder Drohung erinnert er Jenna daran, dass sie nie wirklich frei ist. Als Jeffrey gegen den charismatischen, aber skrupellosen Enrico de Santos um das Bürgermeisteramt kämpft, gerät Jenna zwischen die Fronten eines Machtspiels, das Blossom Lake zu zerreißen droht. Enricos verführerische Höflichkeit täuscht nicht über die Gefahr hinweg, die er für die Stadt – und für Jenna – bedeutet. Der Einzige, dem sie vertraut, ist Dante McKinsey. Musiker, Bad Boy, ihr bester Freund seit Kindheitstagen – und der Mann, der sie immer beschützt hat. Doch Dante kämpft mit seinen eigenen Dämonen: Alkohol, Drogen und einer Liebe, die er seit Jahren geheim hält. Zwischen whispered lies und broken hearts muss Jenna entscheiden: Bricht sie endgültig aus der Gewalt ihres Vaters aus – oder verliert sie nicht nur Blossom Lake, sondern auch Dante?

Genre
Drama
Author
LilithRaven
Status
Complete
Chapters
5
Rating
n/a
Age Rating
18+

one

one

>>no license, I’m still ridin’ crashed into a tree and kept driving’ <<

“Irgendwann buchte ich dich ein”, murmelte Jenna, als sie den Streifenwagen hinter dem ihr wohlbekannten Pickup parkte, welcher wenige Sekunden zuvor noch in Schlangenlinien durch halb Blossom Lake gefahren war. Seufzend schaltete sie das Blaulicht an, welches sich auf der Hauswand zu ihrer Rechten einen Tanz erlaubte, ehe sie ausstieg, ihre dunkle Lederjacke zurecht zupfte und auf das Auto zuging.

Zeitgleich öffnete sich das Fahrerfenster, eine halb fertig gerauchte Zigarette wurde im hohen Bogen auf die Straße geschnipst, gefolgt von zwei Händen, die aus dem Fenster gestreckt wurden - bereit, sich Handschellen anlegen zu lassen.

“Okay, okay, okay, Sheriff. Erwischt”, murmelte der Fahrer, blickte mit gläsernen Blick zu Jenna herauf und wartete bereits auf die Standpauke.

Mit verschränkten Armen lehnte Jenna sich gegen den Pickup, schüttelte den Kopf, würdigte den Fahrer jedoch keines Blickes. Vielleicht einfach, um sich nicht wieder in seinen stahlblauen Augen zu verlieren und ihm jede noch so kleine Straftat zu verzeihen.

“Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du das Auto stehen lassen sollst, wenn du von irgendeiner Verbindungsparty kommst?”

Die Hände verschwanden wieder im Inneren des Fahrzeugs, ein leises Poltern war zu hören, kurz darauf öffnete sich die Tür des dunkelblauen, rostigen Pickups und ein großgewachsener Blondschopf trat auf die Fahrbahn. Zwischen den Lippen wieder eine glühende Zigarette.

“Ich hab gar nicht so viel..” Sein Satz wurde durch einen einzigen Blick von Jenna unterbrochen. Beschämt schaute er zu Boden, fuhr sich mit der rechten Hand durch seine blonden, zerzausten Haare, seine Linke griff nach dem Glimmstängel zwischen seinen Lippen. Ein gewohntes Bild von Dante McKinsey. Zumindest für Jenna. Beinahe jedes Wochenende griff sie ihren besten Freund so auf. Beratungsresistent. Und trotzdem hatte sie ihn bisher nicht ein mal mit aufs Revier genommen. Nicht ein mal musste er in einer Zelle übernachten. Obwohl sie oft darüber nachgedacht hatte. Es war schließlich ihr Job. Und gerade jetzt, wo sie doch frisch zum Sheriff ernannt wurde, sollte sie härter durchgreifen.

Ohne ein weiteres Wort drehte sich die Blondine um, ging zurück zu ihrem Streifenwagen. Dicht gefolgt von einem sichtlich angetrunkenen Dante, der genau wusste, dass jegliche Diskussion zwecklos war. Wie ein eingespieltes Team ließen sich beide auf die Sitze im Streifenwagen fallen. Jenna schaltete das Blaulicht aus, während Dante den Sitz für seine Größe perfekt einstellte und die Füße, an welchen er alte DocMartens trug, auf dem Armaturenbrett ablegte. Ein kurzer Blick, ein leichtes Kopfschütteln und schon wurde der alte Streifenwagen gestartet und auf die Straße gelenkt.

Es war relativ früh am Morgen. Das kleine Örtchen in der Nähe von Washington war noch in seinem Tiefschlaf. Lediglich Mister Miller war mit seiner Dackeldame, wie jeden Morgen, auf den verregneten Straßen unterwegs. “Der sieht noch genauso alt und verbittert aus, wie damals, als wir ihm diese Streiche gespielt haben”. Ein kläglicher Versuch seitens Dante, die Situation irgendwie aufzulockern. Doch Jenna starrte stur aus der Windschutzscheibe, lenkte den Wagen auf die Brookside Avenue. Am Ende der Straße bog sie links auf die lange Einfahrt, welche zu einem alten Haus im Kolonialstil gehörte. Eben so eins, wie es viele im Ort gab.

Der Motor verstummte, keiner der beiden rührte sich. Die Stille zwischen den besten Freunden wurde einzig und allein durch den prasselnden Regen auf das Autodach gestört.

Minuten vergingen, bevor Jenna einmal tief ein und aus atmete, sich etwas zur Seite drehte, um Dante besser anschauen zu können.

“Ich will dich einfach nicht irgendwann vom Asphalt kratzen müssen, McKinsey. Ich werde sicherlich keine Rede an deinem Grab halten.” Auch Dante drehte sich zur Seite, lehnte seine Schläfe gegen die Kopfstütze.

“Aber Sheriff.., es waren doch nur ein paar Shots.”

Jenna richtete sich auf, legte den Kopf leicht zur Seite.

“Ein paar Shots? Und ein paar Joints. Die ein oder andere Line.”

Mit dem Zeigefinger tippte sie sich auf ihre Nasenspitze.

“Du hast da noch was.” Hastig wischte der Blonde sich durchs Gesicht, klappte die Sonnenblende herunter und betrachtete sich in dem kleinen Spiegel, der darin eingelassen war.

“Haha Blondie, der Punkt geht an dich.”

Er lies sich wieder zurück in den Sitz fallen, grinste schüttelnd den Kopf.

”Du glaubst doch nicht, dass ich dich auf dieser gottverdammten Welt alleine lasse.”

Dantes ganz spezielle Art zu sagen, dass es ihm leid tat. Natürlich wusste er, dass es jedesmal riskant war, sich hinters Steuer zu setzen. Und er konnte von Glück reden, dass bisher nie was passiert war oder irgendein anderer Cop ihn von Washington bis Blossom Lake aus dem Verkehr gezogen hatte. Da hätte er schon längst eine Zelle von innen gesehen.

*****

“Komm lass uns rein gehen”, er deutete mit einem Nicken in Richtung des Hauses, in welchem er mit seiner Mom Judy lebte.

“Du siehst aus, als könntest du einen Kaffee gebrauchen. Oder zwei oder auch drei”. Mit den Worten öffnete sich die Beifahrertür, Dante stieg aus, stolperte um den Streifenwagen herum, öffnete Jenna die Tür.

“Sheriff Dixon…” Er machte eine ausladende Geste in Richtung der Haustür. Ein Grinsen konnte er sich dabei nicht verkneifen.

Kopfschüttelnd und ebenfalls mit einem Lächeln auf den Lippen, stieg Jenna aus dem Wagen. Verflogen war die anfängliche Wut auf ihren besten Freund. Sie war noch nie gut darin, lange sauer zu sein. Zumindest nicht auf Dante. Wie könnte sie auch? Die beiden Freunde waren seit ihrer Kindheit unzertrennlich. Teilten alles miteinander, standen füreinander ein. Und das bedeutete auch, dass Jenna bei Dante ihren Job nicht allzu ernst nahm.

“Sei froh, dass ich viel zu müde für eine Standpauke bin!”

Mit diesen Worten verpasste sie ihm einen leichten Hieb mit dem Ellenbogen, ehe sie sich an ihm vorbei schob und schnellen Schrittes Richtung Haus huschte.

Die Haustür war nicht abgeschlossen. Wie so üblich in kleinen Vorstädten, in denen jeder jeden kannte und aufeinander acht gab. Also marschierte Jenna völlig selbstverständlich - wie schon als Kind - in das Haus der McKinsey’s.

Judy hatte bereits das ganze Haus für Halloween dekoriert. Überall standen kleine Kürbisse herum. Girlanden aus bunten Plastik-Laubblättern schmückten den Durchbruch zu jedem Raum. Im ganzen Haus roch es nach frisch gebackenen Pumpkin Pie.

Nach all den Jahren fragte sich Jenna immer noch, wieso Dantes Mutter sich die all diese Mühe machte. Ihr Sohn war schließlich nicht mehr in dem Alter, dass er Schulfreunde nach Hause einlud, um gemeinsam mit ihnen eine Halloween Party zu feiern. Doch irgendwie war der Krankenschwester dies noch immer wichtig. ‘Man muss Traditionen wahren, Jenna. Sonst verlieren wir diese’. Judy’s Standart Antwort. Und irgendwo hatte die Dame doch recht. Alten Traditionen und Bräuchen wurde kaum noch Beachtung geschenkt. Alles wurde durch Social Media zerstört. Jeder wollte den anderen in seinen Handlungen übertrumpfen. Umso besser, dass die Familien in Blossom Lake noch sehr viel von Traditionen hielten.

“Guten Morgen, Kinder”. Judy saß mit ihren hastig hochgesteckten Haaren am Küchentresen. Eine große Tasse Kaffee umschloss sie mit beiden Händen. Sie sah sichtlich erschöpft aus. So, als hätte sie die letzten Nächte kaum ein Auge zugemacht.

“Mom. Wir sind keine Kinder mehr”. Dante stapfte in die Küche, drückte im Vorbeigehen seiner Mutter einen Kuss auf die Wange, öffnete den Küchenschrank und griff ohne hinzuschauen nach zwei seiner Lieblingstassen. Eine im Jack Skellington Design und die andere im passenden Sally Design. Beides Tassen, welche er und Jenna aus ihrem Disney World Trip mitgebracht hatten. Ein Trip, an denen beide sich gerne zurück erinnerten. Das war, bevor Dantes Vater verstorben war. Tom hatte damals die ganze Familie - inklusive Jenna - mit diesem Trip überrascht.

“Ihr werdet immer meine Kinder bleiben. Egal wie alt ihr seid.” Judy nahm einen tiefen Schluck aus ihrer Tasse, wobei ihr Blick auf die Uhr an ihrem Handgelenk fiel.

“Oh Gott, ich bin schon wieder viel zu spät dran. Ich muss deine Mutter abholen, Jenna.”

Ein letzter Schluck aus der Tasse, ein Griff nach der Handtasche und schon verschwand die Dame aus dem Haus.

Währenddessen hatte Dante Jenna’s und seine Tasse mit Kaffee gefüllt. Er schob seiner besten Freundin ihre herüber, stützte sich mit den Unterarmen auf dem Tresen ab und schob Jack Skellington zwischen seinen Händen hin und her.

“Blondie.. Irgendwann kommst du in Teufelsküche wegen mir.” Ein kurzer Blick nach oben, dann starrte er wieder in seine Kaffeetasse hinein.

“Irgendwann?” Jenna lachte leise auf, griff nach ihrer Tasse und machte sich auf den Weg in den Flur, wo sie vor der weißen, hölzernen Tür, die in den Keller führte, stehen blieb.

“Der Arsch hat mich zum Sheriff gemacht. Also läuft jetzt alles nach meinen Regeln”, rief sie Dante in der Küche zu.

Dieser richtete sich wieder auf, griff ebenfalls nach seiner Tasse und schlurfte Jenna hinterher. Unter seinen großen, schweren Schuhen knarzten die Holzdielen, was ein Anschleichen für ihn unmöglich machte.

“Ja, das hat er. Dennoch will ich nicht, dass du irgendwann wegen mir Probleme bekommst. Du musst mich nicht immer schützen, das weißt du hoffentlich.”

“Bau einfach keine Scheiße, McKinsey, dann muss ich dich nicht schützen!”

*****

Dantes Reich erstreckte sich im kompletten Kellerbereich. Den hatte er damals gemeinsam mit Tom und Jenna ausgebaut. Jenna war mehr ein nettes Beiwerk, da die Blondine handwerklich völlig unbegabt war. Mehr als ein paar Bilder an die Wand zu hängen bekam sie nicht hin. Aber das war egal. Die drei hatten eine Menge Spaß in der Zeit gehabt und genau diese Zeit war wichtig für Dante gewesen. Er hatte so schon kaum was von seinem Vater, da Tom durch die Army die meiste Zeit im Ausland unterwegs war. Jenna wusste also, dass der Grund, weshalb Dante mit 27 Jahren noch zu Hause zu leben, nicht seine Bequemlichkeit war, sondern die Tatsache, dass er hier seinem Vater am nächsten war. Außerdem würde es Dante niemals in den Sinn kommen seine Mutter alleine zu lassen. So war er nicht erzogen worden.

Der Keller ähnelte eher einem kleinen Apartment. Es gab alles, was das Herz begehrte. Ein kleine Küchenzeile, ein relativ großes Badezimmer, ein Schlafzimmer und mittlerweile hatte Dante sich sogar ein eigenes, kleines Studio aufgebaut, in welchem er Songs schrieb und Akkorde auf seinen Gitarren übte. Sofort fiel Jennas Blick auf das Drumset, das in der Ecke des Studios stand, in welches sie hinein schauen konnte, da die Tür offen stand.

“Ein Schlagzeug? Und Judy hat dich noch nicht rausgeworfen?”

Der Blondschopf lehnte im Türrahmen zu seinem Schlafzimmer, hob beiläufig die Schultern und schlürfte genüsslich an seiner Kaffeetasse.

“Ist von Raúl. Hab gesagt er soll es stehen lassen, wenn er eh schon andauernd hier rum schwirrt.” “Santos? Wirklich? Ich dachte wir hätten darüber gesprochen. Der Kerl ist… Irgendwas stimmt nicht.”

Dante stieß sich vom Türrahmen ab, ging grinsend auf seine beste Freundin zu. Kurz bevor er sie erreicht hatte, stellte er seine Tasse auf einem Sideboard im Raum ab, verschränkte die Arme, ging weiter auf sie zu und blieb unmittelbar vor ihr stehen. Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, blickte er zu ihr hinunter und schaute sie eindringlich an.

“Irgendwas stimmt nicht? Meinst du seine blauen Augen die dich ständig durchbohren, wenn du in seiner Nähe bist? Oder meinst du trotz seiner charmanten Art die Bad-Boy-Vibes die er ausstrahlt? Weißt du Blondie. Ich glaube, du findest Raúl ziemlich heiß, willst es aber einfach nicht zugeben, weil du mich nicht kränken willst. Ich mein. Hallo? Wer könnte mir das Wasser reichen? Der Typ ist eine billige Kopie von Prinz Eric aus Arielle. Und ich.. Ich kann singen, bin von oben bis unten tätowiert. Es wird nie langweilig mit mir, nicht wahr.. Blondie?”

Mit den letzten Worten zog Dante sich sein schwarzes Shirt über den Kopf, drückte es Jenna in die Hände und kehrte ihr dann den Rücken zu.

“Kein Grund, rot zu werden, Jenna. Nichts, was du noch nicht gesehen hast.”

*****

Jenna schoss tatsächlich die Röte ins Gesicht. Doch dafür gab es eigentlich gar keinen Grund. Weder hatte Dante sie einer heimlichen Schwärmerei für Raúl de Santos enttarnt, noch war ihr sein halbnackter Anblick unangenehm. Denn wie er bereits sagte, es war nichts, was sie noch nie gesehen hatte.

Sie knitterte Dantes Shirt zusammen und warf es ihm hinterher.

“Oh ja, natürlich. Weil ich ja auch auf diesen Bad-Boy-Vibe stehe. Ich bringe solche Kerle in den Knast, Dante. Und glaub mir, früher oder später, landet auch er in einer Zelle.”

“Dann pass lieber auf, dass ihm oder auch dir das am Ende nicht gefällt.”

Der Blondschopf ließ sich auf die Couch fallen, hob aber gleich wieder abwehrend die Hände in die Luft.

“Ey, sag später nicht, ich hätte eure Lovestory nicht vorhergesehen”.

Sowohl Dante, als auch Jenna liebten es, sich gegenseitig aufzuziehen. So lief es schon immer zwischen den Beiden. Sich immer wieder irgendwelche Sprüche an den Kopf werfen, war ein großer Bestandteil der Kommunikation zwischen den beiden Freunden.

“Jetzt komm schon her, Blondie.” Dante klopfte sich mit der flachen Hand auf die Brust.

“So lange ich noch die Chance habe, dich ganz allein für mich zu haben, muss ich diese doch nutzen”.

Das ließ sich Jenna nicht zweimal sagen. Zumal diese Art der Zweisamkeit zwischen den Beiden viel zu kurz gekommen war. Verständlich. Denn Dante war seit über einem Jahr in einer Beziehung mit Amy. Irgendein Möchtegern Model, für die Jenna ein riesiger Dorn im Auge war. Dante behauptete zwar immer, das Amy gut von der Blondine reden würde, doch sie wusste, dass es anders war. Schließlich hatte sie ihr schon mehr als nur einmal deutlich klar gemacht, dass sie von Jenna und ihrer Freundschaft zu Dante nichts hielt und alles nur als eine temporäre Freundschaft ansah.

Wenn man temporär als über 20 Jahre betiteln wollte, hatte Amy sicherlich Recht mit ihrer Aussage, weshalb Jenna eigentlich gar nicht so viel um diese Worte gegeben hatte. Dennoch war irgendwas anders, nachdem Amy in Dantes Leben getreten war. Jenna konnte es nicht definieren. Da war dieses unwohle Gefühl in der Magengegend, wenn McKinsey erwähnte, dass er mit seiner Freundin den Abend verbringen würde, weil sie mal wieder in Washington war. Oder dieser plötzliche Schwall von Eifersucht, welche aufkam, wenn Dante über Amy sprach. Jenna schob diese Gefühle immer beiseite, ignorierte es förmlich. Sie tat es damit ab, dass es nun mal eine ungewohnte Situation für die beiden war. Man hockte nicht mehr ununterbrochen aufeinander. Da war jetzt eine andere Person, die eben genauso viel, wenn nicht sogar noch mehr, Aufmerksamkeit benötigte. Und daran musste sie sich erstmal gewöhnen. Ganz sicher.

Dante schloss seine tätowierten Arme um den zierlichen Oberkörper seiner besten Freundin und zog sie somit noch näher an sich heran.

“Ich vermisse das ja schon”, murmelte er gegen ihr blondes Haar.

“Du solltest mit zur nächsten Party kommen. Lass dich mal wieder gehen. Seit wann bist du eigentlich so eine Spießer-Barbie geworden?”

“Ich bin kein Spießer. Aber ich hab jetzt eine Position, wo ich.. wo ich eben noch mehr aufpassen muss, was ich mache!”

“Also keine Joints mehr am Cherry Creek oder in der Bay?”

Jenna seufzte leise. Sie wollte gar nichts mehr zu diesem Thema sagen. Früher hatten die Freunde sich die Nächte um die Ohren geschlagen. Hatten Joints am See geraucht. Kamen dadurch auf die dümmsten Ideen. In unzählige Häuser sind die beiden eingestiegen. Sie haben nie etwas geklaut. Es war einfach nur für den Kick. Und zum Glück wurden sie nie dabei erwischt.

Bevor Jenna zum Sheriff ernannt wurde, wurde dieses Amt durch ihren Vater bekleidet. Sie wollte sich nicht eine Sekunde ausmalen, was Jeffrey mit den beiden angestellt hätte, hätte er sie auch nur einmal bei ihren Aktionen erwischt. Allein der Gedanke daran ließ Jenna erschaudern.

*****

Dante wusste genau was gerade im Kopf von Jenna herumschwirrte. Und dafür hasste er sich so. Er hatte das Thema Jeffrey angeschnitten - wenn auch nur indirekt. Er wusste doch genau, wie es zwischen seiner besten Freundin und ihrem Vater stand. Er wusste es besser als jeder andere. Wie oft stand Jenna mitten in der Nacht weinend vor der Tür oder direkt vor seinem Bett, wenn Jeffrey mal wieder die Hand oder sogar die Faust ausgerutscht war? Wie oft musste seine Mutter ihre Wunden verarzten? Wie oft mussten Tränen getrocknet werden?

Wie oft war er schon kurz davor, bei den Dixons einzufliegen und Jeffrey eine Abreibung zu verpassen? Unzählige Male hatte er sich dieses Szenario vorgestellt, doch immer wieder war es Jenna, die ihn davon abgehalten hatte.

“Er ist mein Vater. Und er ist der Sheriff. Jeder liebt ihn. Niemand wird uns glauben. Am Ende steckt er dich in den Knast.”

Immer und immer wieder waren es die gleichen Worte, die Dante davon abgehalten hatten. Jenna zur Liebe. Doch er schwor sich und ihr, dass eines Tages Nichts und Niemand ihn aufhalten werde. Schon gar nicht, sollte sie jemals wieder weinend vor ihm stehen.

Tagtäglich musste der Student in den letzten Jahren mit ansehen, wie seine beste Freundin unter einem tyrannischen Vater litt. Kein Wunder, dass das Mädchen damals mehr bei den McKinseys zu Hause war, als bei ihren eigenen Eltern.

Jeden Tag heckten die beiden Pläne aus, wie sie Jeffrey das Handwerk legen könnten. Trotzdem hatte dieser Kerl am Ende immer die Oberhand und Jenna war es, die klein bei gegeben hatte und zurück nach Hause gegangen war.

Eigentlich war es damals ein Segen, als Dixon seine Tochter mit gerade mal 15 Jahren vor die Tür gesetzt hatte. Er hatte etwas heraus gefunden, was er niemals hätte heraus finden dürfen. Ein Geheimnis, welches Jenna stets gewahrt hatte.

Bis heute ist es für Dante unerklärlich, wie niemand in diesem 700 Seelen Dorf von der Tyrannei des perfekten Sheriff Dixon mitbekommen konnte. Ein perfekter Manipulateur. Der scheinbar jeden der dumm genug war, um den Finger wickeln konnte. Und in Blossom Lake gab es scheinbar sehr viele dumme Menschen. Oder man interessierte sich eben doch nicht so sehr für das Leben seiner Nachbarn, wie man es immer vorgab.

*****

Das Klingeln von Jennas Handy riss sowohl die Blondine als auch Dante aus ihren Gedanken. Hastig kramte sie das Smartphone aus ihrer Hosentasche, verzog kurz das Gesicht, als sie den Namen eines Kollegen auf dem Display erblickte.

“Jenna, du hast schon eine Doppelschicht hinter dir”, murmelte der offensichtlich völlig übermüdete Dante hinter ihr.

“Der Sheriff hat nie Feierabend”, brachte sie ihm nur entgegen, erhob sich dann vom Sofa und nahm das Gespräch entgegen.

Während des Telefonats lief sie auf und ab, etwas, was sie nur machte, wenn sie nervös wurde, was Dante gleich aus seinem Anflug von Müdigkeit heraus riss.

Am anderen Ende war Mason Reed. Ein Deputy aus dem Sheriff Office, welcher für den Tag die Frühschicht übernommen hatte. Dieser teilte Jenna mit, dass ein aufgebrachter Herr im Department stand und vehement nach dem Sheriff verlangte. Als man ihr mitteilte, wer dieser Herr war, wurde der Blondine speiübel. Denn ihr war bewusst, dass das nichts Gutes zu bedeuten hatte.

Jenna beendete das Gespräch, schob das Handy zurück in ihre Hosentasche, trat an die Couch, beugte sich zu Dante herunter und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.

“Ich muss los. Mach dir keine Sorgen, es ist alles okay.”

Dante schnalzte mit der Zunge.

“Klar. Deswegen siehst du auch aus, als hättest du einen Schlag in den Magen bekommen.”

Bevor seine beste Freundin sich zum Gehen abwenden konnte, griff er nach ihrem Handgelenk und zwang sie so, einen Moment inne zu halten.

“Egal was ist… Du weißt.. SOS und ich stehe mit Dad’s Knarre direkt im Office.”

“Und du weißt, dass ich selber eine Waffe habe und damit sogar weiß umzugehen. Ich muss jetzt wirklich los. Ich ruf dich an.”

Mit diesen Worten löste sich Jenna aus Dantes Griff und verließ im nächsten Augenblick auch schon das Haus.

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Good Writing

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