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Ich senke schutzsuchend den Kopf und kรคmpfe mich weiter die schmutzige Straรe entlang, wรคhrend mir der eiskalte Regen erbarmungslos ins Gesicht peitscht.
Meine nassen Kleider kleben an mir, weil ich vergessen habe, meinen Mantel zuzuknรถpfen. Wasser rinnt meine Beine hinab und sammelt sich in den Gummistiefeln. Selbst meine Haare, die ich erst vor Kurzem sorgfรคltig gewaschen und gefรถhnt habe, kleben zerzaust an meinem Hals.
Nachdem ich eine ganze Weile gehetzt durch die Dunkelheit gestolpert bin, werden meine Schritte schleppender, bis ich schlieรlich stehen bleibe. Unter normalen Umstรคnden wรผrde ich ganz selbstverstรคndlich meinen Jeep nehmen, um nach Hause zu fahren. Aber nach dem, was ich durch Marcusโ achtlos zugezogene Vorhรคnge gesehen habe, ist jeder klare Gedanke wie weggeblasen. Ich bin einfach davongelaufen โฆ Noch immer sehe ich das Bild vor mir, das sich unauslรถschlich in mein Gedรคchtnis eingebrannt hat: Marcus in leidenschaftlicher Umarmung mit seiner Geliebten.
Auf meiner blinden Flucht muss ich direkt an meinem Wagen vorbeigelaufen sein. Ein unangenehmes Kratzen im Hals macht mir das Atmen schwer. Ich muss unbedingt nach Hause kommen, bevor mich die aufgewรผhlten Emotionen endgรผltig รผberwรคltigen.
Mittlerweile verstehe ich sein Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche. Mal ist er zu beschรคftigt, um sich mit mir zu treffen, dann wieder aufmerksam und liebevoll. Seine Zuneigung war nur geheuchelt โ er braucht mich als Alibi, um seine Affรคre mit der jungen Ehefrau eines eifersรผchtigen Pferdezรผchters zu vertuschen.
Ich werde blass. Ich war so naiv und habe ihm geglaubt, dass er mich aus Respekt vor meinem schmerzvollen Verlust nicht drรคngen wollte. Er sagte, ich solle mir vollkommen sicher sein, bevor ich mich auf eine echte Beziehung einlasse.
Und ich Unschuldige war mir sicher. Ich wollte ihm beweisen, dass ich eine begehrenswerte Frau bin, erwachsen und bereit fรผr eine ernsthafte Bindung. Aus unzรคhligen Frauenmagazinen habe ich zusammengetragen, was er sich von einer Geliebten wรผnschen kรถnnte. รngste und Zweifel habe ich energisch รผber Bord geworfen, sogar ein neues Kleid habe ich mir besorgt.
Mein bitteres Lachen wird vom Wind fortgetragen. Er hat mich niemals gewollt. Ich war zu unerfahren und verblendet, um zu erkennen, dass er mich nur ausnutzt. รbelkeit schnรผrt mir die Kehle zu, und ich kรคmpfe verzweifelt gegen den Wรผrgereiz. Ich beuge mich vor und bemerke ein schwaches Licht auf meinen Stiefeln. Vergessen ist fรผr einen Moment das Bild verschlungener, nackter Kรถrper in meinem Kopf โ woher kommt dieses Licht?
โBrauchen Sie Hilfe?โ, dringt eine tiefe Stimme durch die Dunkelheit.
Verwirrt richte ich mich auf und blinzle in das grelle Scheinwerferlicht. Dann erkenne ich die Silhouette eines Mannes โ groร, schlank und fremdartig. Seine auffallend breiten Schultern sind beeindruckend, und ich verspรผre den Impuls, mich an seine Brust zu schmiegen und auszuweinen.
Glรผcklicherweise gewinnt mein Verstand wieder die Oberhand. Ich habe keine Ahnung, wer dieser Mann ist. Zudem muss ich gerade erst lernen, wie wenig Verlass auf meine Menschenkenntnis ist. Marcus besaร alles, was ich mir bei einem Mann ertrรคumte โ jedenfalls habe ich das geglaubt.
Die Silhouette nรคhert sich mir, und erst jetzt wird mir die Ausstrahlung des Fremden bewusst.
โIhnen geht es offenbar nicht gut. Wie kann ich Ihnen helfen?โ, fragt er mit einem leichten Akzent.
โWer sind Sie?โ, erkundige ich mich zรถgernd, kaum hรถrbar.
Fรผr einige Sekunden herrscht Stille, nur das Rauschen von Wind und Regen ist zu hรถren.
โIch bin Gast auf Tallawanta Stud. Ich wohne dort vorรผbergehend im Haupthaus.โ
Jetzt erkenne ich auch den riesigen Gelรคndewagen, dessen Scheinwerfer mich blenden. Nur das Beste fรผr die Gรคste im Haupthaus! Und diese Woche handelt es sich um den Gesandten des Scheichs von Shajehar, der das Gestรผt inspizieren soll.
Das erklรคrt den Akzent. Er spricht ein deutlich einstudiertes Englisch, wie es auf britischen Schulen unterrichtet wird. Aber die sanfte Betonung verleiht seiner Aussprache etwas aufregend Exotisches.
โOder sollen wir beide hier drauรen stehen bleiben, bis wir bis auf die Haut nass sind?โ
Seine Worte klingen nicht ungeduldig, trotzdem lรคsst der leise Unterton keinen Widerspruch zu. Ich bemerke, dass der Mann keinen Mantel trรคgt.
โTut mir leidโ, beeile ich mich zu sagen. โIch bin gar nicht โฆโ
โHatten Sie einen Unfall?โ, unterbricht er mich sanft, aber nachdrรผcklich.
โNein. Keinen Unfall. Ich โฆ Kรถnnten Sie mich vielleicht ein Stรผck mitnehmen?โ Ich zรถgere nicht, ihn um Hilfe zu bitten. Immerhin ist er ein Ehrengast, von dem ich schon gehรถrt habe. Wir befinden uns auf der Privatstraรe des Gestรผts, und bei diesem Wetter ist ohnehin niemand Fremdes unterwegs.
โSelbstverstรคndlich.โ Galant fรผhrt er mich zu dem luxuriรถsen Gelรคndewagen. Seine Schritte sind geschmeidig, als wรผrde er รผber einen roten Teppich und nicht รผber eine schlammige Straรe gehen. Mit wackeligen Knien stolpere ich hinter ihm her.
Er รถffnet die Beifahrertรผr und greift nach meinem Ellenbogen, um mir hineinzuhelfen. Ohne seine Unterstรผtzung wรผrde ich es kaum schaffen.
โDanke!โ Erschรถpft lasse ich mich gegen die weiche Lehne sinken und lockere meine verkrampften Finger, mit denen ich meine High Heels und die kleine Handtasche umklammere. Beides fรคllt auf den Boden. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich die Schuhe und die Tasche noch immer festhielt.
Die Wรคrme im Auto ist ein himmlischer Kontrast zum Unwetter drauรen. Erleichtert schlieรe ich die Augen, und eine tiefe Ruhe durchstrรถmt mich.
โHierโ, dringt eine tiefe Stimme in mein Bewusstsein. โNehmen Sie das!โ
Langsam wende ich mich ihm zu und รถffne die Augen, wรคhrend mich eine plรถtzliche Mรผdigkeit รผberrollt. Ich blicke in das schwรคrzeste Augenpaar, das ich je gesehen habe. Der Fremde mustert mich aufmerksam. Sein Haar ist lackschwarz, seine Haut bronzefarben.
Ich schnappe nach Luft und reiรe unwillkรผrlich die Augen auf. Noch nie habe ich einen so attraktiven Mann gesehen, erst recht nicht aus der Nรคhe.
Seine leicht gekrรผmmte, aristokratische Nase unterstreicht die markanten Gesichtszรผge und die geschwungenen Lippen. In Kombination mit dem kantigen Kiefer geht eine magnetische Anziehungskraft von ihm aus. Er wirkt wie ein edler Krieger aus Tausendundeiner Nacht.
โHierโ, wiederholt er und drรผckt mir eine Wolldecke in die Hand. Leicht zieht er die Augenbrauen zusammen. โSind Sie ganz sicher nicht verletzt?โ
Ich schรผttel den Kopf und vergrabe mein Gesicht in der weichen Decke. Meine Hรคnde zittern stark. Liegt es an seinem forschenden Blick oder an meinen wirren Gedanken?
Ich stehe unter Schock, denke ich benommen. Das erklรคrt meine รผberstรผrzte Flucht und dieses taube Gefรผhl. Ich stehe ganz sicher unter Schock. Jede Frau wรคre auรer sich nach dem, was ich heute erfahren habe.
โAufhรถren!โ Mit festem Griff legt er seine Hand unter mein Kinn und zwingt mich, ihn anzusehen. Seine Finger fรผhlen sich auf meiner klammen Haut beruhigend warm an.
โWomit?โ, frage ich mit erstickter Stimme und starre wie hypnotisiert in seine tiefschwarzen Augen. Ich verschlucke mich an meinem eigenen Atem, mein Herz stolpert, und beim Einatmen brennt es leicht in meiner Brust.
โSie laufen Gefahr, hysterisch zu werden.โ
Die Wรคrme seiner Finger brennt auf meiner Haut. โTut mir leid, ich โฆ ich bin wohl etwas neben der Spurโ, bringe ich nur mรผhsam heraus. โEs geht gleich wieder.โ
โSie waren zu lange im Sturmโ, brummt er und schlingt die Decke fest um meine Schultern. Dabei zieht er mich wie eine kraftlose Puppe leicht zu sich heran, bevor er mich wieder aufrichtet. โWo kommen Sie her? Wie lange waren Sie drauรen?โ
Mein Mund verzieht sich zu einem vertrรคumten Lรคcheln, wรคhrend ich seinen maskulinen Duft einatme. Ich liebe diesen fremdlรคndischen Akzent โ er klingt geheimnisvoll und verfรผhrerisch. Erschrocken reiรe ich die Augen auf, als er kurz meine Schulter berรผhrt.
โHat Ihnen jemand etwas angetan?โ, sein Tonfall wird scharf.
โNein, nein, mir geht es gut. Es ist nur โฆโ, verlegen blinzle ich. โIch muss unbedingt zurรผck. Bitte!โ
Er nickt und greift nach meinem Gurt. Die Nรคhe seines Kรถrpers beim Anschnallen wรคrmt mich mehr als die Decke.
โWohin?โ
Er setzt sich zurรผck ans Steuer, und ich frรถstle sogleich. Dann startet er den Motor. Mein Instinkt sagt mir, dass ich ihm vertrauen kann.
โNoch sechs Kilometer, dann rechts. Von dort ist es noch ein Stรผck.โ
Der Wagen fรคhrt an, der Regen prasselt unablรคssig gegen die Scheibe. Mein Blick fรคllt auf meine Stiefel. โEntschuldigen Sie, meine Schuhe sind ganz dreckigโ, flรผstere ich.
โDas ist ein Gelรคndewagenโ, beruhigt er mich. โDer hat schon ganz anderen Dreck gesehen.โ
So spricht ein Mann, der noch nie ein Auto selbst geputzt hat, denke ich mir. Dieser Wagen ist schlieรlich fรผr prominente Gรคste reserviert.
โWie heiรen Sie?โ, frage ich. Einen Moment wirkt es, als hรคtte er mich nicht gehรถrt.
โKhalid. Und Sie?โ
โMaggieโ, ziehe ich die Decke fester um mich. โMaggie Lewis.โ Meine Zรคhne haben endlich aufgehรถrt zu klappern.
โSchรถn, Sie kennenzulernen, Maggie.โ Sein Tonfall bleibt formell. Ich frage mich, was er normalerweise tut, wenn er nicht gerade ein australisches Pferdegestรผt besucht oder gestrandete Frauen von der Straรe aufliest.
KHALID
Ich konzentriere mich auf die Straรe, die im starken Regen immer schlechter zu erkennen ist. Die vรถllig durchnรคsste, verstรถrte Frau neben mir macht mir ernsthafte Sorgen. Sechs Kilometer und dann noch ein ganzes Stรผck? Ich kann sie nicht lรคnger in diesem Zustand lassen. Ich werde sie nach Tallawanta bringen und mich um sie kรผmmern, bis sie sich erholt hat.
Ihr Erscheinen ist mir ein Rรคtsel. Ich habe kein Auto in der Nรคhe gesehen, und unter ihrem Regenmantel trรคgt sie keine Arbeitskleidung. Ihre langen, schlanken Beine sind mir sofort aufgefallen. Zudem hielt sie High Heels in der Hand โ Schuhe, die zum Tanzen und Verfรผhren gemacht sind, nicht fรผr einen Fuรmarsch im Sturm.
Was ist ihr zugestoรen? Hat ihr ein Mann etwas angetan?
Trotz ihrer Grรถรe wirkt sie erstaunlich zerbrechlich. Ihre Augen erscheinen in dem blassen Gesicht riesig, die Linie ihres Halses zart und fragil. Auf der offiziellen Feier zu Ehren des Thronerben von Shajehar war sie heute Abend jedenfalls nicht โ das wรคre mir aufgefallen.
Aus dem Augenwinkel mustere ich sie, wรคhrend sie erschรถpft die Augen schlieรt. Mich packt die Neugier, was sie bei diesem Wetter auf die Straรe getrieben hat. Es ist lange her, dass mich etwas so neugierig gemacht hat.
Endlich ist es mir gelungen, ohne meine Entourage aus Sicherheitsleuten und รผberfรผrsorglichen Gastgebern unterwegs zu sein. Mein Sicherheitschef hat mir zรคhneknirschend etwas Freiraum gewรคhrt โ nun kann ich meinen eigenen Instinkten folgen.
Seit sechs Wochen reise ich pflichtbewusst durch die kรถniglichen Besitztรผmer meines Halbbruders in Europa, Amerika und Australien. Doch Faruqs Vorliebe fรผr Glanz und Luxus teile ich nicht. Seit klar ist, dass ich der Erbe meines todkranken Halbbruders bin, verfolgt mich ein riesiges Sicherheitsaufgebot. Es ist jedoch eher Faruqs Hang zur Selbstdarstellung geschuldet als einer realen Bedrohung.
Am unnรถtigsten finde ich die vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen. Meine Zeit wรคre sinnvoller investiert in mein Herzensprojekt: eine verlรคssliche Frischwasserversorgung fรผr das abgelegene Bergland in Shajehar. Das wรผrde den Menschen dort wirklich helfen.
Vor mir tauchen gedรคmpfte Lichter in der Dunkelheit auf, und meine Anspannung legt sich etwas. Endlich kann ich meinen Schรผtzling ins Warme bringen und gegebenenfalls einen Arzt rufen. Routiniert lenke ich den Wagen um die Garagen herum und halte vor dem privaten Flรผgel der Anlage.
โDa sind wir.โ Vorsichtig lege ich eine Hand an ihre Wange. Sie ist eiskalt. โMaggie! Wach auf!โ
MAGGIE
Wieder diese Stimme โ und diesmal klingt sie richtig eindringlich.
โMaggie!โ
Unwillig wehre ich die Hand ab, die mich aus meinen sรผรen Trรคumen reiรen will. Dann spรผre ich einen warmen, krรคftigen Arm in meinem Nacken und habe das Gefรผhl zu schweben. Dicht an meinem Ohr pocht ein starker Herzschlag, und ich fรผhle mich so geborgen wie noch nie.
Instinktiv kuschel ich mich an den festen, wรคrmenden Kรถrper und atme tief durch. Doch er ist vรถllig durchnรคsst. Erschrocken รถffne ich die Augen โ nur um festzustellen, dass er mich durch den stรผrmischen Regen in ein Haus trรคgt.
Wir sind auf Tallawanta.
โSie โฆ Du kannst mich jetzt runterlassenโ, verlange ich abrupt, doch Khalid ignoriert meinen Einwand.
Schweigend trรคgt er mich durch lange Flure und setzt mich schlieรlich vorsichtig auf den Boden ab. Noch immer liege ich in seinen Armen, und ich habe das unbestimmte Gefรผhl, zu trรคumen.
โUnd jetzt ist es Zeit fรผr dich, diese Kleider loszuwerdenโ, murmelt seine verfรผhrerische Stimme.
โWie bitte?โ Mit einem Mal bin ich hellwach und stemme meine Hรคnde gegen seine Brust.
Sein Blick ruht intensiv auf mir, als wรผrde er die goldene Farbe meiner Augen und die hellgrรผnen Flecken darin genau studieren.
โDu musst aus den nassen Sachen raus.โ
โNicht, solange du dabei zusiehst.โ Formalitรคten sind lรคngst vergessen. Meine Wangen fรคrben sich rosa, was meine leichten Sommersprossen nur noch deutlicher hervortreten lรคsst.
โIch mรถchte nur nicht, dass du dich erkรคltest. Auf deinen Kรถrper habe ich es nicht abgesehen.โ
Meine Wangen glรผhen noch mehr, und ich beiรe mir verlegen auf die Unterlippe. โIch kann auf mich selbst aufpassen. Ich brauche keine Hilfe.โ
Meine wiedergewonnene Widerstandskraft scheint seine Neugier nur noch mehr anzustacheln. Er hat eine unvergleichliche Ausstrahlung โ eine Mischung aus eiserner Selbstbeherrschung und tiefem Pflichtgefรผhl. Er berรผhrt mich auf eine Weise, die ich schon seit langer Zeit nicht mehr erlebt habe, und das fasziniert und erschreckt mich zugleich.
โHรคtte ich dich dort drauรen dem Sturm รผberlassen sollen?โ, fragt er.
โDas meine ich nicht. Ich bin wirklich dankbar fรผr die Rettung.โ Unglรคubig sehe ich mich in dem gerรคumigen Marmorbad um. โEs wรคre nur einfacher gewesen, wenn du mich nach Hause gebracht hรคttest.โ
Meine Stimme klingt noch etwas belegt, doch mein Verstand ist vollkommen klar. Die Kรคlte und eine schleichende Erkรคltung machen mir schlicht zu schaffen.
Benommen sehe ich zu, wie er aus seinem Jackett schlรผpft und es รผber einen Korbsessel wirft. Ich kann nicht anders, als seinen stattlichen Oberkรถrper und die schmalen Hรผften zu bewundern. Sein nasses Shirt klebt auf der Haut, und mir wird bei diesem Anblick ganz trocken im Mund.
In mir steigt eine unangenehme Hitze auf. Natรผrlich will er mich nicht nackt sehen. Schlieรlich war ich noch nie sonderlich attraktiv. Wut und Scham vermischen sich zu einem Strudel aus bitterem Selbstmitleid.
Verzweifelt kรคmpfe ich gegen die aufsteigenden Trรคnen an. Heute Abend ist mir nur wieder einmal klar geworden, was ich ohnehin schon lange weiร: Mรคnner finden mich einfach nicht anziehend.
Ein plรคtscherndes Gerรคusch reiรt mich aus meinen Gedanken. Khalid hat sich vorgebeugt und die Dusche angestellt. Das verschafft mir einen heimlichen Blick auf seine wohlgeformte Kehrseite. Nicht einmal Marcus mit seinen lachenden blauen Augen und seiner krรคftigen Gestalt kann dieser maskulinen Prรคsenz das Wasser reichen.
โLass dir wenigstens aus dem Mantel helfen!โ Er wartet meine Antwort gar nicht erst ab โ offenbar ist er es gewohnt, dass man ihm bedingungslos gehorcht.
Stumm starre ich ihn an und schรคme mich fรผr das Verlangen, das dieser Anblick in mir entfacht. Marcus hat nie etwas Derartiges in mir ausgelรถst. Er bedeutet mir etwas, natรผrlich. Ich respektiere ihn und dachte, Intimitรคt sei einfach der nรคchste logische Schritt. Aber ich habe in seiner Nรคhe nie so etwas empfunden.
So fรผhlt sich also sexuelles Verlangen an?, frage ich mich im Stillen.
Meine Erfahrung ist denkbar gering. Ich habe mein Leben auf einer Farm verbracht, isoliert mit meinem herrischen Vater und langen Stunden harter Arbeit. In dieser Einsamkeit kam mir die unschuldige Beziehung zu Marcus unglaublich wertvoll vor.
โJetzt das Kleid, und mit dem Rest kommst du bestimmt allein zurechtโ, sagt er mit fester Stimme. Schon wieder werden meine Knie weich, als ich seinen sexy Akzent hรถre.
Das muss sofort aufhรถren, ermahne ich mich streng. Keine weiteren erotischen Fantasien mit einem exotischen Fremden!
Ich beiรe mir auf die Unterlippe, wรคhrend er langsam meinen Reiรverschluss รถffnet โ Zentimeter fรผr Zentimeter. Eine Gรคnsehaut รผberzieht meine Haut, obwohl er mich nicht einmal direkt berรผhrt.
Kerzengerade bleibe ich stehen. Langsam wird mir bewusst, dass ich gleich nur noch in Unterwรคsche vor ihm stehe. Umso erniedrigender ist es, dass er nicht einmal den Ansatz eines Annรคherungsversuchs macht.
Wem versuche ich mit diesem neuen Kleid eigentlich etwas vorzumachen?, frage ich mich unglรผcklich. Mein Kรถrper ist zu groร, zu schmal โ ohne jede verfรผhrerische Rundung.
In den Stรคllen behandeln mich die anderen Arbeiter wie einen Kumpel. Das sagt doch schon alles. Sie schรคtzen mich fรผr meine harte Arbeit, aber fรผr mehr eben nicht. Plรถtzlich durchfรคhrt mich ein schmerzhafter Stich in der Magengegend, und ich beuge mich leicht vor.
โMaggie? Hast du Schmerzen?โ
Ich spรผre seine krรคftigen Hรคnde auf meinen Schultern. โNeinโ, keuche ich schnell. โAber ich mรถchte allein sein. Bitte!โ
Er verzieht den Mund zu einer grimmigen Linie. โWie du wรผnschst.โ Im nรคchsten Moment ist er verschwunden โ und um ein Haar hรคtte ich ihn zurรผckgerufen. Es fรผhlt sich seltsam falsch an, plรถtzlich so einsam in diesem riesigen Badezimmer zu stehen.
Dann gewinnt mein Stolz wieder die Oberhand. Schlieรlich bin ich es gewohnt, fรผr mich selbst zu sorgen. Mit langsamen Schritten gehe ich auf die Dusche zu.









...und schon ist der bรถse Marcus vergessen. Da kann die Liebe nicht so groร gewesen sein.