Chapter 1
"Sie haben leider keine andere Wahl, Frau Schneider." Ungläubig starre ich meinen Professor an. Für einen kurzen Moment habe ich die Luft angehalten, in der verdrehten Hoffnung, dass es ein schlechter Scherz war.
"Sie werden meine Empfehlung ansonsten zurückziehen?" Ich schluckte hart. Wahrscheinlich sah ich in diesem Moment aus wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Mein Herz schlug viel zu schnell in meiner Brust und meine Angst vermischte sich mit dem quälenden Gefühl von bitterer Enttäuschung. Er nickt langsam. „Ich weiß, ich muss Ihnen damit viel abverlangen. Aber Sie sind die Einzige, der ich diese Aufgabe zutraue."
"Mit wem soll ich denn das Gruppenprojekt durchführen?" Ich schlucke gegen den trocken Kloß an, der sich in meinem Hals gebildet hatte. Es muss jemand sein für den die Grenzen weit über das Mögliche hinaus verschoben werden.
"Ich stelle sie beide morgen vor, sie erhalten heute Abend per Mail die Themenzuteilung. Denken Sie bitte daran, dass es mehr ist als nur dieses Projekt. Bis zu den Abschlussarbeiten in einem halben Jahr, braucht er zusätzlich jede Nachhilfe, die er kriegen kann." Der mitleidige Blick, den Prof. Albers mir dabei schenkt, macht die ganze Situation nicht besser. „Sie kennen ihn, da bin ich mir sicher."
"Es tut mir wirklich leid." Beinahe hätte ich sein Gemurmel nicht verstanden. Meine Fingernägel bohren mir schmerzhaft in meine Handfläche, so sehr balle ich meine Hände zu Fäusten. Ich stehe neben mir und wende mich ab um den Hörsaal zu verlassen. "Auf Wiedersehen, Herr Professor Albers," presse ich hervor.
Eines war mir in diesem Moment schmerzlich bewusst: Das sollte wohl das schlimmste Semester meiner gesamten Studienzeit werden.
Vor dem Gebäude warten Emma und Felix auf mich. Als sie mich erwartungsvoll ansehen, senke ich den Blick. Ich weiß, dass sie mich fragen werden, was der Professor mit mir besprechen wollte aber ich hatte keine Lust mich ihnen zu stellen. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Emma Felix den Ellenbogen in die Seite drückt und leicht den Kopf schüttelt.
Eine Welle der Dankbarkeit durchströmte mich. Und ich atmete hörbar aus. Ein Hoch auf meine beste Freundin.
Am Abend überlegte ich fieberhaft wie ich herausfinden konnte, wer der Kommilitone sein könnte, dem ich dieses Desaster zu verdanken habe. "Willst du auch eine Pizza?" Emma streckt den Kopf in mein Zimmer. "Felix und Johanna kommen gleich noch vorbei um über die Gruppenarbeit zu sprechen. Wir sind zum Glück in einem Team gelandet." Ich kann nicht anders, als meinen Blick abzuwenden. Ich möchte es ihnen gönnen aber gerade ist dafür kein Platz. Zu gerne wäre ich ein Teil davon gewesen.
"Was ist los, Sophie?" Emma schlüpft in mein Zimmer uns setzt sich auf mein Bett. Langsam wende ich mich ihr zu. Nach kurzem Schweigen entscheide ich mich doch, ihr von dem miesen und ziemlich einseitigen Deal zu erzählen.
"Das war der Grund, weshalb Professor Albers mit mir reden wollte." Ich räuspere mich und ein Druck baut sich hinter meinen Augen auf. Ich hasse, wie sehr mich das alles mitnimmt. Aber ich habe viel zu lange und zu hart an der Empfehlung gearbeitet, um es mir jetzt von einem Fremden kaputt machen zu lassen.
Ich versuche meine Tränen zurückzuhalten und erzähle Emma mit belegter Stimme, was von mir verlangt wird. "Oh, Sophie. Das kann doch nicht sein Ernst sein oder?" Ich zucke unbeholfen mit den Schulter. "Scheinbar schon."
"Wir stehen das gemeinsam durch. Wir sind so weit gekommen, dass lassen wir uns von so jemanden, der sich scheinbar alles erlauben kann, nicht kaputtmachen." Ein warmes Gefühl durchströmt meine Brust. Ich versuche mich an einem Lächeln. "Danke", flüstere ich.
Wir betreten das Wohnzimmer. "Sag mal, hast du eine Idee, wen der Professor meinen könnte?" Emma fragt das so beiläufig wie möglich und holt Teller aus der Vitrine. "Nein," gebe ich kleinlaut zu. Ich ärgere mich, dass ich nicht weiter gefragt habe. "Moment." Sie holt ihr Telefon aus der Hosentasche und fängt an daran herumzutippen. Ich starre sie einen Augenblick einfach nur an. "Was hast du für eine Idee?" Ich löse mich aus meiner Starre und versuche einen Blick zu erhaschen.
"Hier schau mal, kennst du einen Cedric?" Ich muss nicht lange überlegen und berichte ihr kurz angebunden, wer das ist. Dann zeigt Emma mir den Email-Verteiler des Professors. "Du bist großartig!" So gehen wir Namen für Namen durch. Ich schätze ungefähr 65 Leute sind darin enthalten.
Es klingelt an der Tür. "Ich gehe, schau du mal weiter." Emma reicht mir ihr Smartphone. Während sie Johanna begrüßt, entdecke ich einen Namen, der mir unbekannt ist. Ich bin jetzt zu nervös um auf die beiden zu warten.
Noch bevor ich ganz auf dem Flur stehe, rufe ich: "Wer ist denn Adrian Kartner?" "Sag mir nicht du kennst DEN Adrian nicht?" Johanna sieht mich entgeistert an, als ich in den Türrahmen trete. Emma wechselt einen kurzen Blick mit mir und zieht eine Augenbraue nach oben. "...Nein...Sorry?" Sie schnalzt mit der Zunge.
Ein Lachen entweicht mir. "Wer soll das sein?" Johanna drängt sich ins Wohnzimmer und wirft ihre Tasche auf das Sofa. Sie entsperrt ihr Telefon und keine 2 Minuten später hält sie es mir unter die Nase. "Mädels, das ist eine echte Bildungslücke." Dabei gluckst sie vergnügt.
Was ich dann sehe, verschlägt mir die Sprache. Auf dem Display erkenne ich ihren Google Suchverlauf. Ganz oben prankt eine Anzeige:
„Hollywood-Star Adrian Kartner nach Trennung erneut vergeben?"