Kapitel 1 mehr Schein als Sein
Das Gute an einer fünftausend Dollar Marmor-arbeitsplatte ist, dass die die ideale Temperatur hat um die fünfundachtzig-Cent instand Nudelnsuppe super abzukühlen.
Nun saß ich im Schneidersitz auf der Kücheninsel, die Knie fast an der Nase und fischte mit den dazugehörigen Holzstäben die letzte aufgeweichte Nudel aus der mittlerweile lauwarmen Brühe.
„Wenn er jetzt dich hier so sieht, dann würde ihm wieder diese eine Krampfader auf der Schläfe erscheinen“ sagt Rosa, ohne von ihrer Politur aufzusehen. So hingebungsvoll die diese Frau sich um dieses Haus hier kümmert und alles in Schach hält, ohne auch nur ins schwitzen zu kommen Grenzt fast schon an ein Wunder. Ich weiss nicht wie Lange sie schon die bereits glatt und glänzende Edelmarmor-Spühle schrubbte. Das grenze fast schon an ein Kunstwerk. „ Du weißt schon diese Ich-zahle-dir-keine-zweihunderttausend-Dollar-damit-du-wie-ein-Obdachloser-auf-meinen-Designer-Möbel-sitz-Krampfader“ fügte sie anschließend hinzu während sie ihre Arbeit betrachtete und zufrieden nickte.
„Erstens“ sagte ich und schlürfte den letzten Rest meiner Suppe aus den Nudelcup „bin ich eine angemietete Ehefrau und kein Sofakissen, welches nur zur Deko auf seiner Couch rumliegt. Und zweitens, Carter ist seit vier Stunden in Manhattan. Der merkt nicht mal, wenn ich einen Abriss-Trupp engagiere um die Bude hier dem Erdboden gleich zu machen, solange sein Seidenhemd perfekt gestärkt ist“
Ben, der mit der Heckenschere sich an das Fenster der Küche lehnt und spürbar wenig Interesse daran zeigte den Rasen heute noch zu mähen, schnaubte leise. „Gib dem Mann etwas Kredit, Riley. Er hat immerhin zwei Minuten gebaucht, um zu merkten, dass ich seine 5 Millimeter Rasenlinie um einen Millimeter verfehlt habe. Der Mann ist ein Visionär“
„Er ist ein Soziopath mit einem Bloomberg-Terminal, wenn du mich fragst“ korrigierte ich Ben und Stellte den leeren Pappbecher auf die Arbeitsplatte.
Fünf Monate. Genau fünf Monate war es bereits her, dass Carter Harrison mich in der Bar in der ich Nachts arbeitete, um meine Rechnungen zu bezahlen, angesprochen hatte. Schon damals war sein Blick wie heute. Er hat mich nicht wie einen Mensch an gesehen, sonder wie ein Investment, wie ein neues Projekt, was er unbedingt haben wollte für seinen nächsten perfiden Plan. Ein Objekt das ausreichend Restwürde und Scharfzüngigkeit besaß, dass man gut auf Galas und Partys zur schau stellen konnte um einer gewissen Ex-Liebschaft zu zeigen: Ich bin so begehrenswert. Ich habe schon längst ein besseres „Nächstes Modell“
Dass dieses „nächste Modell“ in Wirklichkeit einen wasserdichten Ehevertrag unterschrieben hatte, der ihr monatlich eine kleines Vermögen einbrachte, nur um auf Fotos seine Hand zu halten und um sich bei seinen Wall-street Vorträgen ich nicht lautstark zu übergeben - nun das stand Praktischerweise in keiner Klatschpresse.
„Komm schon Riley, schau mich nicht so an“ sagte Carter als er sich demonstrativ seine Rolex an dem klebrigen Tresen zurecht rückte. „Das ist kein Heiratsantrag, sondern Ein Businessplan. Du spielst für ein paar Monate meine offizielle perfekte Ehefrau und im Gegenzug sorge ich dafür, dass du dich während und nach dieser Ehe auf Zeit nie wieder um Geld für die nächste miete sorgen machen musst“. Nur leider hatte Mister Harrison nicht daran gedacht wer hier die AGBs diktiert.
„Bist du Taub? Oder planst du in Gedanken schon Carters Beerdigung?“ riss Rosa mich mit ihren Worten aus meinen Erinnerungen an die erste Begegnung von Carter Harrison und mir.
„Im Falle eines fragwürdigen Todes würde mir sein Erbe nicht zustehen“ antwortete ich trocken und rutschte von der Platte, bevor ich einen flüchtigen Blick auf vorherigen Snack werfe. „Ich habe grade darüber nachgedacht das Carters ‚Businessplan‘ nach fünfundachtzig-Cent Instand Nudeln schmeckt“ und musste dabei mir sogar ein kleines lachen verkneifen.
„Wenigstens Zahlt er gut“ sagte Rosa und warf mir dabei ein Geschirrtuch entgegen. „Aber nicht gut genug, damit ich die Reste deiner Nudelsuppe von der Arbeitsplatte wische, wenn er in zehn Minuten durch die Haustür kommt“
Lachend fang ich das Tuch im Flug auf und rollte mit den Augen. „Der kommt nicht vor acht Uhr Abends . Mister Wall-Street hat heute ein Meeting mit einen Private-Equity-Fonds den er übernehmen will um ein Selbstwertgefühl aufzupolieren“. Kaum haben diese Worte meinen Mund verlassen hören wir auch schon das kalte surren des elektrischen Tores vor dem Grundstück.
Ben richtet sich blitzschnell auf. Rosa griff mit der Routine einer Geheimdienst-Agentin den leeren Nudelcup und lies ihm im Müllschlucker verschwinden.
„Showtime, Miss Harrison“ sagte Ben salutierend und verschwindet anschließend mit seiner Heckenschere wieder in den Garten.
Ich strich mein oversized Shirt und meine Pyjamahose glatt, straffe meinen Rücken und setze mein perfektes aufgesetztes lächeln auf, als würde ich für die nächsten Pressefotos posieren und ging zur Tür um meinen Ehemann auf Zeit die Tür aufzumachen. Doch kaum hatte ich die Küche verlassen, befand er sich schon mit seinem schwarzen Aktenkoffer im Flur und sah mich mit einem monotonen Gesichtsausdruck an.
„Ich hatte angenommen, dass du nicht vor acht kommst mein Lieber Ehegatte“ sage ich und klimpere dabei ganz unschuldig mit den Wimpern. „Der Deal stellt sich härter aus als gedacht. Ich muss Anfang nächste Woche für ein ein oder zwei Tage weg um alles unter Vertrag zu bringen“ antwortet er, während er seine Jacke anhängt. Carter macht Anstalten noch etwas zu sagen aber er stoppt in seiner Bewegung und mustert mich von oben bis unten. „Ist es nicht schon ein bisschen spät um noch in diesen Klamotten durch das Haus zu laufen?“ „Das ist der preis wenn du eine fabelhafte Ehefrau an deiner Seite haben willst und Schönheit at nunmal ihren Preis und mein Preis ist schlafen“ antwortet ich gelassen auf seine Frage und folge ihm in die Küche.
Er rümpft die Nase als er diese betritt. „Was riecht hier so?“ Ich züchte mit den Schultern „Nach einem kulinarischen Frühstück für Champions?“ zuckte ich mit den Schultern.
Ich konnte schon von dieser Distanz schon erkennen, dass sein Kiefer sich immer mehr anspannte und diese eine Ader an seiner Stirn wieder hervortritt. Das war´s mit dem entspannten Tag.
Ich habe dich nicht geheiratet und zur Millionärin gemacht, nur damit du hier um zwei Uhr am Nachmittag am Küchentresen irgendwelche Fertiggerichte in dich reinschaufelst“ sagte er mit zusammengebissenen Zähnen und wurde dabei immer lauter.
„Technisch gesehen Millionärin auf Z eit, bis unser Vertrag ausgelaufen ist und so lange ich auf den ganzen Veranstaltungen gut aussehe und sich umwerbe, damit eine gewisse Ex Liebschaft von dir zurück gekrochen kommt, kann es dir doch eigentlich egal sein was ich in diesen 4 Wänden veranstalte. Da wir grade bei dem Thema sind“ ich lehnte mich an die Kücheninsel „hat Avery dich schon kontaktiert? Oder muss ich Das hier noch länger als das vorher abgemachte Jahr ertragen?“ frage ich und deutete dabei mit beiden Zeigefingern zwischen uns.
Carter ging wieder Richtung Flur. „noch nicht, aber das wird sie sobald du dich mehr anstrengst“ mehr sagt er nicht, Ehe er die Treppe hochgeht und in sein Arbeitszimmer verschwindet.
Aufgebracht drehe ich mich um und suche nach Rosa, die er womöglich nach seinem kurzen Drama in der Küche nicht zu bemerkt haben schien. „ Mehr anstrengen?! Sag mal geht´s ihm noch gut? Ist die Luft in seinem Büro zu dünn oder ist sein Krawatte zu eng? Mehr als vor der gesamten High Society mich ihm an den Hals zu werfen, vor allen von ihm zu schwärmen und seine Berührung zu ertragen, damit wir vor allen das perfekte und glückliche Paar abgeben kann, kann ich doch nicht machen! Hat er schon mal daran gedacht, dass diese Frau die ihn vor mehreren Jahren im Regen stehen gelassen hatte, einfach kein Interesse hat und es einfach deswegen nicht funktioniert ?“
Ohne auch nur eine Mine zu verziehen polierte Rosa das Besteck und zuckte nur mit den Schultern. „Du weißt doch wie Carter ist. Menschen wie er akzeptieren kein ‚nein‘. Sie denken ihnen würde die Welt zu Füßen liegen und sie könnten alles mit Geld und Macht bekommen, was sie wollen“
„Ich bin aber nicht alles oder jeder“ „nein aber in seiner Welt ist SIE es, er will sie und das um jeden Preis und du, Riley, hast ihm deinen Preis genannt, damit er seinem Ziel ein Stück näher kommt“ sie schaute mich musternd an um meine Reaktion abzuwarten. „Der Preis war aber an Bedingungen geknüpft die ihn aber teuer bezahlen lassen, wenn er auch nur einen Punkt davon verletzt“ schlauste ich immer noch außer mir.
„Willst du hier noch wurzeln schlagen oder dich nützlich machen und endlich die Arbeitsplatte sauber machen, die immer noch flecken von einem kulinarischen Frühstück hat?“ fragte sie und warf mir dabei zum zweiten mal des heutigen Tages das Geschirrtuch entgegen.
Acht Monate Riley. nur noch acht Monate dann ist es vorbei und du kannst aus dieser Scheinehe verschwinden und endlich wieder in dein normales Leben zurück kehren.








