Kapitel 1
Hi, mein Name ist Elian. Ich bin 20 Jahre alt, ledig und versuche dich heute mit meiner Geschichte zu erheitern!
Du denkst dir jetzt bestimmt: Ach, nicht schon wie-der so eine 08/15-Isekai-Geschichte, geschrieben von einer KI, blablabla.
Naja, ich kann es dir nicht verübeln. Allerdings könntest du – wenn du es aushältst, das erste Kapitel zu Ende zu lesen – womöglich eine angenehme Überraschung erleben.
Das hoffe ich zumindest. Aber nun zu meiner Ge-schichte:
Ich bin wohl nicht der übliche Kandidat für einen Transport in eine Isekai-Welt, den Truck-kun sonst so erwischt. Ich lebe weder zurückgezogen noch so-zial distanziert, bin jetzt allerdings auch kein Mensch, der um jeden Preis im Mittelpunkt stehen müsste.
Man kann mich wohl – wie einer meiner Freunde es sagen würde – am besten als typischen Alman be-zeichnen. Jap, diese Geschichte nimmt ihren Anfang
in Deutschland, genauer gesagt in der schönen, aber teuren Stadt München. Dort habe ich, nachdem das mit dem Architekten nix wurde (weil ich keinen Ver-trag mit dem Fach Mathematik hatte), das Nächst-beste genommen und wurde schließlich Bauzeichner.
Klar, von Statik hatte ich weiterhin keine Ahnung, aber ich konnte Pläne konstruieren. So konnte ich neben zahlreichen Survival-Aufbauspielen zumin-dest ansatzweise meinen Traum verwirklichen: Tags-über zeichnete ich die Träume anderer, nachts in vir-tuellen Welten meine eigenen. Am liebsten baute ich kleine Städte, plante verwinkelte Gassen und ver-brachte Stunden damit, kleine Details an den Fassa-den und Winkeln meiner virtuellen Welt auszuarbei-ten.
Okay, gut … vielleicht passe ich doch ein bisschen ins japanische Isekai-Klischee.
Auf jeden Fall: Als ich eines Tages auf dem Weg zur Arbeit, völlig in mein Handy versunken, über die Straße schlängelte, erwischte mich Truck-kun … also, eigentlich war es ein Fiat 500e, was die Sache nicht wirklich besser machte.
Tja, aber nun weiß ich immerhin, dass Sterben ver-dammt unspektakulär ist. Man rechnet mit Engeln,
einem hellen Licht oder zumindest einer dramati-schen Zeitlupe. Bei mir war es einfach nur ein nasser Fleck auf der Straße, ein rutschender Reifen und – zack – Dunkelheit.
Nach meinem Tod war ich nur ein winziger Licht-punkt in einem schier endlosen Lichtermeer. Ich konnte nichts weiter tun als wie ein stummer Fisch im Kreis umher zuschwimmen, genau wie all die an-deren unzähligen Leuchtkugeln um mich herum. Eine gefühlte Ewigkeit glitt ich durch diesen gren-zenlosen Raum, umgeben von einer fast schon be-täubenden Stille.
Bis ich plötzlich, wie aus dem Nichts, auf einem har-ten Stuhl vor einem Schreibtisch saß.
Zuerst überkam mich pure Verwirrung. Ich starrte ungläubig auf meine Hände. Ich hatte wieder einen Körper. Ich ballte die Fäuste, spürte meine Knöchel und versuchte zu begreifen, dass das hier tatsächlich Realität war und nicht nur das letzte, verrückte Auf-bäumen meines geschundenen Verstandes.
Ein trockenes Hüsteln riss mich jäh aus meinen Ge-danken.
„Willkommen, Seele!“, ertönte eine Stimme von der anderen Seite des Schreibtisches.
Ich blickte auf. Vor mir saß eine humanoide Gestalt. Anstelle eines Kopfes besaß sie jedoch nur ein grel-les, pulsierendes Licht. Es blendete mich seltsamer-weise nicht, ließ mich aber völlig fassungslos zu-rück. Außer dem Schreibtisch und den Stühlen, auf denen wir saßen, gab es keine Wände, keine Decke, keinen Boden. Nur die unendliche Schwärze des Weltraums, durchzogen von majestätisch wirbeln-den, kosmischen Nebeln.
„Ich... ich heiße Elian...“, brachte ich stotternd her-vor.
Die Entität antwortete mit einer Stimme, die so vol-ler bürokratischer Gleichgültigkeit klang, dass sie auch aus einem städtischen Bürgeramt hätte stam-men können: „Schön für dich, Seele. Nun kommen wir zum Wesentlichen.“
Die Gestalt machte eine kurze, theatralische Pause. Während ich noch versuchte zu verarbeiten, dass mein Stuhl buchstäblich im Vakuum des Kosmos schwebte, sprach das Lichtwesen weiter: „Kurzum: Du bist gestorben und warst im Warteraum.“
„Warteraum?!“, echote ich dümmlich.
Die Entität gab ein genervtes Seufzen von sich. „Ja, Warteraum. Der Ort, an dem Seelen zwischengela-gert werden, bis wir ihre Wiedergeburt bearbeiten können. Und davon gibt es im Moment leider sehr viele... aber ich schweife ab. Heute bist du an der Reihe.“
In den Händen der Erscheinung materialisierte sich wie von Geisterhand ein dicker Klemmordner. Das Wesen blätterte flüchtig darin herum.
„Ach ja, hier haben wir es ja... Du hast die erste Phase erfolgreich abgeschlossen und darfst nun in die nächste Paralleldimension wechseln.“
Ich blinzelte. „Phase? Paralleldimension?“
Wieder ein tiefes, gequältes Seufzen. „Ja, Paralleldi-mension. Da dein Beitrag zur Entwicklung in der Di-mension NM abgeschlossen ist, wirst du nun in die nächste geschickt, um dort weiter zur Entstehung neuer Seelen beizutragen.“
„Was? Welcher Beitrag denn überhaupt?“, fragte ich verwirrt.
„Das hat dich nicht zu kümmern“, wiegelte die Er-scheinung ab. „Wir führen dieses Gespräch hier nur, um festzulegen, in welcher Form du in der nächsten Dimension erscheinen willst und welches Geschenk du erhältst. Zur Auswahl steht eine komplette Wie-dergeburt als Säugling, was dir logischerweise mehr Lebenszeit einbringt. Oder die Wiedergeburt in dei-nem früheren Körper mit dem exakt gleichen Alter, das wäre...“
Das Lichtwesen blätterte noch einmal kurz im Ord-ner. „...ach ja, hier: zwanzig Jahre.“
Ich überlegte fieberhaft und fragte dann: „Wenn ich als Zwanzigjähriger dort auftauche... kann ich mich dann an mein früheres Wissen erinnern?“
Die Entität schwieg einige Sekunden und blätterte dabei den Klemmordner durch.
„Bei deinem Wissensstand geht das klar“, antwortete die Entität dann beiläufig, ohne aufzusehen. „Immer-hin kannst du mit deinem ungefähren Wissen nichts anrichten, was sich nennenswert auf die dortige Ge-sellschaft auswirken würde.“
Ich schluckte die vermeintliche Beleidigung herunter und überlegte kurz, ob die Entität mich gerade als
dumm bezeichnet hatte. Dann ging ich im Geist meine Fähigkeiten durch und musste mir eingeste-hen: Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, wie ein Toaster im Detail mechanisch funktionierte. Ich schwieg also lieber.
Die Erscheinung fuhr unbeeindruckt fort: „Zusätz-lich erhältst du die geläufigste Sprache dieser Welt direkt in deinen Geist projiziert sowie eine Fähigkeit deiner Wahl. Diese Boni würdest du zwar auch als Neugeborener bekommen, allerdings müsstest du dann eben bei Stufe Null anfangen, sprich als Säug-ling, und wir könnten nicht garantieren, in welcher Familie du landest. Ein Waisenhaus im Schlamm ist da immer im Bereich des Möglichen.“
„Ich nehme meinen alten Körper“, sagte ich sofort. „Und die Fähigkeit... Warte, was ist das überhaupt für eine neue Dimension?“
Das Wesen blätterte gelangweilt zurück. „Mittelal-terliche Fantasy. Gleicher Planet, aber eine völlig an-dere historische Entwicklung aufgrund der Existenz von Magie.“
Ich atmete tief durch. Okay. Wenn schon Fantasy, dann richtig.
„Ich wäre gerne ein krasser Magier, der seine Magie bis ins Unermessliche steigern kann!“
Die Erscheinung klappte den Ordner mit einem sat-ten Klack zu. „Dann sei es so. Viel Glück, Seele.“
Noch bevor ich antworten oder eine meiner anderen 1.000 Fragen stellen konnte, erlosch auch schon das Licht vor mir und die Schwärze des Weltraums ver-schlang mein Bewusstsein.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das eine angenehme Erfahrung war. Ich denke, am bes-ten kann man es damit beschreiben, als würde man eine Zahnpastatube ausdrücken: Aus dem Körper, über den ich mich gerade noch gefreut hatte, wurde ich gewaltsam gepresst und irgendwo hingeworfen, während ich gleichzeitig in ein neues Gefäß gepresst wurde.
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