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Einmal Alaska

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Summary

Er hat Menschenleben gerettet. Sein eigenes wäre dabei beinahe zerbrochen. Um den Erinnerungen zu entkommen, tauscht der ehemalige SWAT-Scharfschütze Alex Morgan die Straßen New Yorks gegen die unberührte Wildnis Alaskas. Dort, wo Stille lauter ist als jede Großstadt, beginnt für ihn ein Leben als Ranger. Doch Heilung verläuft selten geradlinig. Zwischen den Herausforderungen des Rangeralltags, den Schatten seiner Vergangenheit und einer ungewöhnlichen Freundschaft entdeckt Alex langsam, dass selbst die tiefsten Wunden heilen können. Ein emotionaler Roman über Mut, Hoffnung und die Kraft, noch einmal von vorn zu beginnen.

Status
Ongoing
Chapters
9
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1 - Der neue Ranger

Der Wind strich heulend um das Verwaltungsgebäude der Parkzentrale und ließ die Fensterscheiben in ihren Rahmen erzittern. Robert Thornton hob kurz den Blick von seinem Schreibtisch und lauschte. Seit beinahe drei Jahrzehnten arbeitete er für den Parkdienst Alaskas, doch selbst nach all dieser Zeit verlor die Wildnis nichts von ihrer Fähigkeit, den Menschen an seinen Platz zu erinnern. Der Sommer neigte sich seinem Ende entgegen, und über den fernen Berggipfeln hing bereits jener graue Schleier, der erfahrenen Bewohnern des Nordens verriet, dass der Winter nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.

Vor ihm lag eine braune Personalakte, unscheinbar zwischen Dienstberichten und Budgetplänen. Eigentlich hätte sie kaum seine Aufmerksamkeit verdienen sollen. Neue Ranger kamen und gingen. Manche blieben ein paar Jahre, andere verschwanden nach wenigen Monaten wieder, sobald sie begriffen, dass die Vorstellung vom Leben in der Wildnis meist angenehmer war als die Realität. Dennoch hatte er die Akte bereits zum zweiten Mal geöffnet.

Alexander Morgan.

Siebenundzwanzig Jahre alt.

Geboren in New York City.

Allein dieser Umstand genügte, um Thornton die Stirn runzeln zu lassen. New York war in seiner Vorstellung der denkbar größte Gegensatz zu allem, wofür Alaska stand. Wenn er an die Stadt dachte, sah er Straßenschluchten voller Verkehr, Menschenmassen auf den Gehwegen und ein ununterbrochenes Meer aus Geräuschen. Die meisten Menschen, die von dort kamen, suchten Wärme, Komfort oder wenigstens die Nähe anderer Menschen. Nur die wenigsten verschlug es freiwillig an Orte, an denen man tagelang keinem Menschen begegnete.

Er blätterte durch die Unterlagen und stellte fest, dass sie erstaunlich wenig über den Mann verrieten. Die dienstlichen Beurteilungen waren ausnahmslos positiv. Diszipliniert. Zuverlässig. Belastbar. Keine Beschwerden, keine Disziplinarverfahren, keine Auffälligkeiten. Sein bisheriger beruflicher Werdegang wirkte makellos, beinahe schon langweilig in seiner Korrektheit. Dennoch blieb bei Thornton das Gefühl zurück, dass zwischen den Zeilen etwas fehlte.

Menschen trafen Entscheidungen selten ohne Grund. Erst recht keine Entscheidungen, die ihr gesamtes Leben veränderten.

Die Station, auf der Morgan künftig eingesetzt werden sollte, gehörte zu den abgelegensten Außenposten des gesamten Distrikts. Eine schmale Schotterstraße führte durch Wälder und Täler bis zu einer kleinen Hütte am Rand eines gewaltigen Schutzgebietes. Im Sommer kamen vereinzelt Wanderer vorbei. Im Winter konnten Wochen vergehen, ohne dass ein anderer Mensch die Station erreichte. Viele Ranger empfanden die Einsamkeit dort als Belastung. Einige hatten schon nach wenigen Monaten um Versetzung gebeten.

Morgan hatte das Stellenangebot dagegen ohne Zögern angenommen.

Thornton nahm die letzte Seite aus der Akte und überflog erneut das Empfehlungsschreiben seines früheren Vorgesetzten. Es war ungewöhnlich kurz gehalten und beschränkte sich auf das Wesentliche. Der Verfasser bescheinigte dem jungen Mann einen tadellosen Charakter, eine hohe Eigenverantwortung und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen einen klaren Kopf zu bewahren. Mehr stand dort nicht. Kein Wort darüber, weshalb ein vielversprechender ehemaliger Polizist die Ostküste verlassen hatte. Kein Hinweis darauf, was ihn tausende Meilen von seiner Heimat fortgeführt hatte.

Thornton legte das Schreiben beiseite und erhob sich langsam von seinem Schreibtisch. Vor dem Fenster erstreckte sich der endlose Wald bis zum Horizont. Die dunklen Nadelbäume wirkten aus der Ferne wie eine einzige geschlossene Fläche, die sich über Hügel und Täler zog, bis sie schließlich in den Bergen verschwand. Irgendwo dort draußen stand die kleine Rangerstation, die in wenigen Tagen Alexanders zuhause sein würde.

Er blieb einen Moment stehen und betrachtete die Landschaft. In seinem langen Berufsleben hatte er gelernt, auf sein Bauchgefühl zu hören. Es hatte ihn selten getäuscht. Und während er an den jungen Mann dachte, dessen gesamtes bisheriges Leben in einer überraschend dünnen Akte zusammengefasst war, wurde er das Gefühl nicht los, dass Alexander Morgan eine Geschichte mitbrachte, die sich auf keinem Formular und in keinem Empfehlungsschreiben finden ließ.

Vielleicht irrte er sich.

Vielleicht war Morgan einfach nur ein weiterer Ranger, der Ruhe und einen Neuanfang suchte.

Doch als Thornton schließlich die Akte schloss und zur Seite legte, blieb ein leiser Zweifel zurück, der ihn noch eine ganze Weile beschäftigte.

Robert Thornton bemerkte den jungen Mann erst, als dieser durch die Glastür der Parkzentrale trat. Draußen fuhr gerade ein Uber vom Parkplatz, während der Neuankömmling seine Reisetasche neben der Tür abstellte und sich kurz umsah.

Für einen Moment verglich Thornton unwillkürlich den Mann vor sich mit dem Bewerbungsfoto aus der Personalakte. Die Ähnlichkeit war unverkennbar, auch wenn Bilder selten einem Menschen wirklich gerecht wurden.

Alexander Morgan war groß, schlank und wirkte auf den ersten Blick jünger als seine siebenundzwanzig Jahre. Erst bei näherem Hinsehen fiel die Ruhe auf, mit der er seine Umgebung wahrnahm. Sein Blick wanderte kurz durch die Eingangshalle, blieb an den Wegweisern, den Notfallkarten und den Aushängen hängen, bevor er schließlich auf Thornton fiel.

„Ranger Morgan.“

Er trat auf den Schreibtisch zu und reichte ihm die Hand.

„Robert Thornton. Willkommen in Alaska.“

„Danke, Sir.“

Thornton erwiderte den Händedruck und bedeutete ihm, Platz zu nehmen.

Das Gespräch begann mit den üblichen Formalitäten. Dienstnummern wurden überprüft, Unterlagen unterschrieben und einige Formulare abgeheftet. Danach wechselten sie in Thorntons Büro, wo eine große Karte des Parks fast die gesamte Rückwand einnahm.

„Das wird Ihr Zuständigkeitsbereich.“

Thornton trat an die Karte und deutete auf ein ausgedehntes Gebiet aus Bergen, Wäldern und Flusstälern.

„Die Station liegt hier.“

Morgan trat näher und betrachtete den markierten Punkt.

„Wie weit bis zur nächsten befestigten Straße?“

„Etwa fünfundsechzig Meilen Luftlinie. Deutlich mehr, wenn man den tatsächlichen Weg zurücklegen muss.“

Morgan nickte und prägte sich die Karte sichtbar ein.

Im Laufe der nächsten Stunde erklärte Thornton die Abläufe der Station. Die Funkzeiten, die Wetterbeobachtung, die Wanderwege, die Notfallprotokolle und die wenigen Aufgaben, die regelmäßig anfielen. Morgan hörte aufmerksam zu, machte sich gelegentlich Notizen und stellte präzise Fragen, die erkennen ließen, dass er versuchte, sich ein möglichst vollständiges Bild zu machen.

Als die Einweisung ihrem Ende entgegenging, öffnete Thornton eine Schublade und zog einen dünnen Ordner hervor.

„Das hier ist mindestens genauso wichtig wie alles andere.“

Er legte den Ordner vor Morgan auf den Tisch.

„Die monatliche Versorgung.“

Morgan schlug ihn auf.

„Einmal im Monat kommt ein Versorgungsflugzeug zur Station. Lebensmittel, Treibstoff, Ersatzteile, Post, alles was Sie benötigen.“

„Und wenn das Wetter nicht mitspielt?“

„Dann wird der Flug verschoben.“

„Für wie lange?“

„So lange wie nötig.“

Thornton zuckte leicht mit den Schultern.

„Manchmal einen Tag. Manchmal mehrere. Sobald die Bedingungen es zulassen, wird der Flug nachgeholt.“

Morgan schien die Antwort weder zu überraschen noch zu beunruhigen.

Thornton deutete auf ein Formular im Ordner.

„Sie führen eine Bedarfsliste. Alles, was Sie für den kommenden Monat benötigen, tragen Sie dort ein. Lebensmittel, Batterien, Werkzeug, Medikamente, Kleidung, Ersatzteile für Generator oder Schneemobil. Wenn Ihnen etwas ausgeht, kann niemand erraten, dass Sie es brauchen.“

Morgan blätterte durch die Seiten.

„Und wenn ich etwas vergesse?“

„Dann müssen Sie bis zum nächsten Flug ohne auskommen.“

Ein kaum sichtbares Lächeln erschien auf Morgans Gesicht.

„Das ist zumindest ein gutes Training für die Planung.“

„Genau deshalb gibt es die Liste.“

Thornton lehnte sich zurück und beobachtete ihn einen Moment. Die meisten neuen Ranger reagierten auf die Vorstellung monatelanger Eigenverantwortung mit einer Mischung aus Begeisterung und Nervosität. Morgan hingegen wirkte bemerkenswert gelassen. Nicht sorglos, sondern vorbereitet.

Als sie schließlich das Büro verließen, wartete der Hubschrauber bereits auf der kleinen Landefläche hinter dem Gebäude. Die Rotorblätter drehten sich langsam im Wind, während der Pilot letzte Kontrollen durchführte.

Morgan blieb kurz stehen und betrachtete die Bergkette am Horizont.

Die gewaltige Landschaft schien ihn nicht einzuschüchtern. Wenn überhaupt, wirkte es auf Thornton für einen Augenblick so, als würde eine Last von seinen Schultern fallen.

Wenig später hob der Hubschrauber ab und verschwand über den Wäldern.

Thornton blieb zurück und sah ihm nach, bis er nur noch ein dunkler Punkt zwischen Himmel und Bergen war.

Dann kehrte er ins Gebäude zurück und nahm die Akte von Alexander Morgan erneut zur Hand. Noch immer hatte er das Gefühl, dass er über den jungen Mann erstaunlich wenig wusste.

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Good Writing

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