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Was wenn … wenn wir uns weh tun? Die Serie Buch 2

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Summary

Das Austauschjahr ist vorbei. Louis ist zurück in Paris. Jamie beginnt als gefeierter Freshman seine Collegekarriere bei den Sterling Spartans – und obwohl zwischen ihnen ein Ozean liegt, bluten sie beide still vor sich hin. Während Jamie verzweifelt versucht, ihre Liebe über Kontinente hinweg festzuhalten, zieht Louis einen endgültigen Schlussstrich. Zu groß ist die Angst, nur noch ein Geheimnis im Leben des Jungen zu sein, den er mehr liebt als sich selbst. Doch manche Geschichten lassen sich nicht einfach beenden. Als auf Louis' Handy plötzlich eine Nachricht erscheint – ein First-Class-Ticket, eine Hotelsuite in Manhattan und nur vier Worte: Bitte komm. Ich muss dich sehen – zerbricht sein letzter Widerstand. Was als Wiedersehen beginnt, wird schnell zu einer schmerzhaften Konfrontation aus Eifersucht, unausgesprochenen Wahrheiten und der Frage, ob Liebe allein gegen Erwartungen, Öffentlichkeit und tausende Kilometer Entfernung bestehen kann. Denn wenn die Zeit davonläuft, bleibt oft nur eine einzige Nacht. Eine Nacht, die entscheiden könnte, ob sie ein endgültiger Abschied ist … oder erst der Anfang ihres schwersten Kampfes.

Status
Ongoing
Chapters
6
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Fünfundfünfzigtausend Fans.

Ein restlos ausverkauftes Stadion.

Das hier war etwas völlig anderes. Jamie spürte den Druck auf seiner Brust wie eine unsichtbare Last, die ihm langsam die Luft abschnürte.

Der Tunnel bestand aus nichts als Beton. Laut, eng und erdrückend. Um ihn herum prallten Schulterpolster gegen die Wände, Metall schlug auf Metall, und die Erschütterungen vibrierten bis in seine Zähne. Nebelmaschinen hüllten den Gang in dichten Rauch, während die Bässe der Einlaufmusik durch seine Stollen bis in den Boden dröhnten.

Er würde heute Abend nicht hier sein.

Er würde nicht auf der Tribüne sitzen und ihm zujubeln.

Niemand würde das.

Weder seine Freunde aus der Highschool noch seine Familie. Sie alle waren Tausende Kilometer entfernt und verfolgten das Spiel vor einem Bildschirm.

Sie hatten versucht, den Kontakt zu halten, doch die sechs Stunden Zeitverschiebung waren gnadenlos. Entweder arbeitete einer von ihnen oder schlief bereits. So hatte Jamie sich das alles nicht vorgestellt.

Immerhin hatte Louis ihm geschrieben.

Kurz vor dem Spiel.

Viel Glück, Captain.

Jamie hatte auf mehr gehofft. Doch in letzter Zeit hielt Louis bewusst Abstand und antwortete nur noch knapp auf seine zahllosen, beinahe verzweifelten Nachrichten.

Eine Person würde allerdings da sein.

Sie wartete bereits im Bereich für Familie und Freunde, der direkt am Spielfeld lag. Wie immer würde sie ihm vor dem Spiel Mut zusprechen, ihm einen Kuss geben und ihn daran erinnern, dass er das schaffen konnte.

Die Musik erreichte ihren Höhepunkt.

Ihr Einsatz.

Die Tore öffneten sich.

Die Spieler stürmten hinaus.

Eine Welle aus Burgunderrot und Silber ergoss sich über das Footballfeld.

Das war sein Debüt.

Er durfte es nicht vermasseln.

Auf keinen Fall.

Die brutale Geschwindigkeit der Division I traf ihn mit voller Wucht.

Aber er würde sie zum Sieg führen.

Daran zweifelte er keine Sekunde.

Im Leben mochte er versagen.

Football dagegen konnte er.

Das Stadion explodierte vor Begeisterung.

Die Flutlichter brannten unerbittlich auf den Rasen herab und spiegelten sich grell in den mattsilbernen Helmen.

Hier stand er nun.

Burgunderrote Plakate verschwammen auf den Tribünen. Überall leuchtete seine Nummer Sieben – auf T-Shirts, auf Bannern und sogar auf die Wangen der Studenten gemalt.

Sie kannten ihn nicht.

Sie kannten nur die Statistiken, mit denen Coach Evans ihn in den Medien angekündigt hatte.

Sterling hatte darauf bestanden, dass Jamie weiterhin die Nummer Sieben trug. Diese Nummer war längst zu seiner Marke geworden. Schon in der Highschool hatte jeder sie mit ihm verbunden.

Und genau mit dieser Nummer sollte er Geschichte schreiben.

Davon waren Coach Evans und sein gesamter Trainerstab überzeugt.

Jamie begann sein Aufwärmprogramm.

Er spürte die Kameras auf sich gerichtet. Sie verfolgten jede Bewegung seines Wurfarms. Unwillkürlich fragte er sich, was der Kommentator wohl gerade über ihn erzählte.

Jamie Montgomery.

Der feige kleine Schwuchtel, der zu viel Angst hatte, zu dem Mann zu stehen, den er liebte.

Liebte.

Ja.

Jamie liebte Louis.

Tränen drohten seine Sicht verschwimmen zu lassen. Hastig verdrängte er den Gedanken und ging mit seinen Teamkollegen zur Seitenlinie.

„Hey, Hübscher.“

Die inzwischen vertraute, sanfte Stimme ließ ihn aufblicken.

Das Mädchen legte ihm zärtlich eine Hand an die Wange.

„Ich glaube ganz fest an dich. Du wirst das heute rocken.“

Sie lächelte ihn warm an.

„Geht es dir gut?“

Jamie nickte müde.

Dann schüttelte er den Kopf.

„Nein.“

Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Aber das ist schon okay. Danke, dass du heute hier bist.“

„Natürlich, Dummerchen.“

Sie lachte leise.

„Wo sollte ich denn sonst sein, wenn nicht an deiner Seite?“

Sie gab ihm einen sanften Kuss auf die Lippen.

Jamie schmeckte immer so unglaublich sauber.

Taylor fragte sich oft, wie er das machte. Egal zu welcher Tageszeit – er roch, als wäre er gerade aus einer heißen Dusche gestiegen und hätte frische Pfefferminzblätter gekaut.

Jungs hatten sie eigentlich noch nie interessiert.

Jamie war anders.

Bei ihm fühlte sie sich sicher.

Und trotzdem erschreckte sie dieses neue Gefühl, das jedes Mal in ihrem Bauch aufflatterte, sobald er in ihrer Nähe war.

Vor allem, wenn er so verletzlich wirkte wie heute.

Jamie war immer vollständig angezogen, wenn sie sich trafen. Nicht ein einziges Mal hatte sie ihn oberkörperfrei gesehen. Er hielt sich an das Versprechen, das er ihr an jenem kalten Oktoberabend gegeben hatte.

„Ich muss los.“

Jamie griff nach seinem Helm.

„Wir sehen uns nach dem Spiel?“

„Ich werde hier sein.“

Sie küsste ihn noch ein letztes Mal.

Sie musste.

Es gehörte zur Show.

Zu ihrer öffentlichen Fassade.

Zu ihrem gemeinsamen Ruf.

Oder war das wirklich der einzige Grund?

Für einen winzigen Moment spielte Taylor mit dem Gedanken, ihre Zunge sanft zwischen Jamies Lippen gleiten zu lassen. Einfach nur, um herauszufinden, wie er sich anfühlte. Wie er wirklich schmeckte.

Doch sie verwarf den Gedanken sofort.

Sie würde damit ihr Versprechen brechen.

Und sein Vertrauen zerstören.

Außerdem würde es vermutlich keinen Sieg bringen, sondern eine Niederlage.

Sie verbrachten viel Zeit miteinander. Und inzwischen konnte sie mühelos hinter Jamies Fassade sehen. Sie wusste, wie leicht ihn schon die kleinste Kleinigkeit aus dem Gleichgewicht bringen konnte.

„Taylor, lass den Mann los. Er muss ein Footballspiel gewinnen.“

Coach Evans klopfte Jamie aufmunternd gegen den Schulterpanzer.

„Danach gehört er wieder ganz dir, stimmt’s, Sohn?“

„Ja, Sir.“

Jamie rückte seine Spielzugkarte am Handgelenk zurecht.

„Natürlich.“

Er nickte, drehte der Tribüne den Rücken zu und ging zur Mitte des Feldes. Sein Blick suchte bereits Coach Reynolds an der Seitenlinie, um dessen erstes Angriffssignal zu erkennen.

„Und heute Anführer der Offense der Spartans ... bei seinem Debüt in der Division One ... True Freshman ... Nummer Sieben ... JAMIE MONTGOMERY!“

Jamie zuckte innerlich zusammen, als sein Name durch das gesamte Stadion hallte.

Auf den riesigen Videowänden erschien sein Gesicht in gigantischer Nahaufnahme.

Fünfundfünfzigtausend Menschen starrten ihn an.

Es blieb keine Zeit zu blinzeln.

Nicht zusammenzuzucken.

Und schon gar nicht, die Panik zu zeigen, die ihm die Kehle zuschnürte.

Endlich schwenkte die Kamera weiter.

Jamie atmete erleichtert aus, zog seinen silbernen Helm über den Kopf und ließ das dunkle Visier einrasten, das seine Augen vor den Blicken der Zuschauer verbarg.

Gemeinsam mit der Offense löste er sich aus dem Huddle an der Seitenlinie und trabte über die weißen Yardlinien aufs Feld.

Jamie stellte sich in der Shotgun-Formation auf.

Seine Finger umschlossen die kalten Lederschnüre des Footballs.

Der Lärm der Tribünen lastete wie ein gewaltiges Gewicht auf ihm, bis das Donnern des Stadions im gleichen Rhythmus schlug wie sein eigener Puls.

„Blue eighty! Blue eighty! Set ... Hut!“

Der Snap flog sauber in seine Hände.

Jamie machte einen schnellen Fünf-Schritte-Dropback.

Im selben Moment brach die Pocket zusammen.

Silas Thorne hatte seinen Block auf der linken Tackle-Position verloren, und der Star-Pass-Rusher der New York Empire schoss ungehindert durch die Lücke.

Noch bevor Jamie überhaupt das Downfield lesen konnte, traf ihn ein brutaler Schlag von seiner blinden Seite.

Er krachte hart auf den Boden.

Die Luft wurde ihm mit einem heftigen Keuchen aus den Lungen gepresst, während der Kunstrasen über seinen nackten Unterarm brannte.

Ich mag brutale amerikanische Spiel mit Ei-Ball nicht. Ist wie Autounfall, ja? Mit Bulldozer! Non ... dummes brutales Autounfall-Spiel.

Jamie schloss die Augen.

Vor seinem inneren Auge stand Louis über ihm. Die Arme vor der Brust verschränkt. Mit diesem missbilligenden Blick, den Jamie nur zu gut kannte. Eine Augenbraue wanderte nach oben.

Muss ich immer Sorgen um dich haben?

Willkommen in der Division I, dachte Jamie.

Am Ende des ersten Quarters zeigte die Anzeigetafel 10:0.

Im heimischen Stadion lag eine fast greifbare Anspannung in der Luft. An der Seitenlinie stand Coach Evans mit verschränkten Armen. Regungslos beobachtete er seinen Freshman-Quarterback, der schweigend auf der Bank saß.

„Sieh mich an.“

Gavin Mercer trat zu Beginn des zweiten Quarters vor Jamie in den Huddle und packte ihn an den Schulterpolstern.

„Ab jetzt hält die Line. Vertrau deinem Schutz, Seven. Wir geben dir die Zeit. Wirf den Ball.“

An der Line of Scrimmage bellte Gideon Cross die letzten Anpassungen.

Der Ball wurde gesnappt.

Gavin Mercer setzte sofort einen brutalen Block und schickte den heranstürmenden Defensive Tackle mit voller Wucht zu Boden.

Die Pocket blieb sauber.

Jamie trat nach vorn.

Sein Hals war staubtrocken, doch sein Arm handelte längst aus purem Instinkt. Mit einer schnellen, messerscharfen Slant Route feuerte er den Ball durch die Mitte. Jude Brooks pflückte ihn völlig frei aus der Luft, gewann acht Yards und sorgte für ein neues First Down.

Plötzlich war der Rhythmus da.

Drei Spielzüge später hämmerte Rowan Miller den Ball mit voller Wucht in die Endzone.

Zur Halbzeit hatten sich die Spartans auf 17:14 herangekämpft.

Die eigentliche Bewährungsprobe kam genau 1:45 Minuten vor Schluss.

Die Spartans lagen mit 24:21 zurück.

Keine Time-outs mehr.

Schweiß rann Jamie über die Stirn, als er zur Seitenlinie blickte. Coach Evans und Coach Reynolds gestikulierten hektisch und signalisierten den nächsten Spielzug.

Jamie stellte sich unter Center.

Mit einem Mal schien die Zeit stillzustehen.

Der Lärm verschwand.

Er ließ den Blick über die Secondary der Empire wandern.

Der Safety rückte auffällig weit nach vorne und deutete eine enge Manndeckung an.

Ein Risiko.

Eine offene Einladung, das tiefe Feld anzugreifen.

Jamie änderte den Spielzug noch an der Line und brüllte das Audible gegen den ohrenbetäubenden Lärm der Zuschauer an.

Der Snap.

Er ließ sich zurückfallen.

Von rechts brach ein aggressiver Blitz durch die Offensive Line, doch Jamie machte genau den Schritt nach vorne, den er machen musste.

Mit sauberer Technik führte er den Ball nach hinten.

Dann ließ er ihn los.

Ein perfekter Spiralpass durchschnitt die Luft und segelte unerschütterlich die rechte Seitenlinie entlang.

Tristan Hayes zündete seinen explosiven Antritt.

Innerhalb weniger Sekunden hatte er seinen Cornerback um zwei Schritte abgeschüttelt.

Der Ball fiel ihm punktgenau über die Schulter.

Hayes fing ihn direkt an der Goalline.

Das Stadion explodierte.

Der Schlusspfiff ertönte.

Sterling Spartans 28 – New York Empire 24.

Seine Teamkollegen stürzten sich auf Jamie.

Alles geschah so schnell, dass er kaum begriff, was eigentlich passierte.

Sie hatten gewonnen.

Sie hatten ihr erstes Saisonspiel gewonnen.

Und trotzdem gab es niemanden, mit dem er diesen Moment teilen konnte.

Früher hatte Jamie die Siegesfeuer am einsamen Strand von Santa Barbara nie besonders gemocht.

Jetzt würde er alles dafür geben, dort zu sein.

Mit seinen Freunden zu feiern.

Mit Hetty.

Mit Louis.

Was Jamie nicht wusste:

Zu Hause ließen seine Eltern und Hetty bereits die Champagnerkorken knallen und warteten nur darauf, ihn anzurufen und ihm zu seinem erfolgreichen Debüt zu gratulieren.

Er wusste auch nicht, dass Louis allein in seiner dunklen Wohnung in Paris saß und einen ruckelnden internationalen Livestream verfolgte, nur um keinen einzigen Snap zu verpassen. Er speicherte jede Übertragung auf einer externen Festplatte. Bei jedem einzelnen Spielzug war er bei ihm.

Jamie wusste ebenso wenig, dass Lea ihm bereits geschrieben hatte. Sie bedankte sich für die Chance, die er ihr gegeben hatte, und erzählte, dass sie ihn bald besuchen wollte.

Doch in diesem Moment gab es nur den kalten Kunstrasen.

Die jubelnden Fans.

Sein neues Leben.

Und seine offizielle Freundin.

Coach Marcus Evans bahnte sich entschlossen einen Weg durch das Medienchaos auf dem Spielfeld.

Kamerablitze zuckten unaufhörlich auf.

Mikrofone wurden ihm unter das Kinn gehalten, Reporter riefen Fragen durcheinander, auf die Jamie keine Antwort wusste.

Der Lärm war erdrückend.

Evans blieb vor ihm stehen, legte ihm eine Hand auf den bereits angeschlagenen Schulterpanzer und nickte einmal langsam.

Mehr brauchte es nicht.

Die Entscheidung war gefallen.

Der Starting-Job gehörte endgültig der Nummer Sieben.

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