Zwischen Cappuccino Und Regen by Tina Herbst at Inkitt
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Zwischen Cappuccino und Regen

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Summary

*Zwischen Cappuccino und Regen – Band 1* Von Liebe, die kein Alter kennt. Ein Buchladen. Ein Cappuccino. Was als zufällige Begegnung zwischen zwei Menschen beginnt, entwickelt sich langsam zu etwas, womit keiner von ihnen gerechnet hat. Eine Feelgood Romance über Bücher, leise Gespräche und die Magie der kleinen Momente.

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Der Buchladen

Der Donnerstag hatte sich gezogen.

Sie schloss ihren Laptop, verabschiedete sich von ihren Kolleginnen und trat hinaus auf die Straße. Der Himmel war grau, die Luft kühl. Ein feiner Wind strich durch die Bäume und kündigte den Regen an.

Eigentlich hätte sie direkt nach Hause fahren können.

Doch wie so oft bog sie in die kleine Seitenstraße ein, in der sich ihr Lieblingsbuchladen befand.

Es war ihr kleines Feierabendritual geworden.

Nicht, weil sie jedes Mal ein neues Buch brauchte. Sondern weil sie dort zur Ruhe kam. Zwischen den hohen Regalen, dem Duft nach Papier und Holz und dem leisen Summen der Kaffeemaschine im hinteren Teil des Ladens schien die Welt ein wenig langsamer zu werden.

Als sie die Tür öffnete, empfing sie genau dieser vertraute Geruch.

Sie atmete tief ein.

Jetzt beginnt mein Feierabend.

Langsam ließ sie den Blick über die Regale schweifen. Sie strich mit den Fingerspitzen über die Buchrücken, als würde sie die Geschichten begrüßen, bevor sie eine auswählte.

Ihre Hand blieb bei einem Roman stehen.

Narziß und Goldmund.

Noch ehe sie das Buch greifen konnte, berührte eine zweite Hand denselben Buchrücken.

Warm. Ruhig. Zurückhaltend.

„Oh – entschuldigen Sie“, sagte eine tiefe Stimme neben ihr.

Sie zog ihre Hand zurück und sah auf.

Der Mann war deutlich älter als sie. Graues Haar, freundliche Lachfalten um die Augen und ein Blick, der aufmerksam wirkte, ohne aufdringlich zu sein.

„Schon gut“, erwiderte sie lächelnd. „Bitte, nehmen Sie es.“

Er schüttelte leicht den Kopf.

„Nein. Sie zuerst. Ich habe es schon gelesen. Heute wollte ich nur … ein wenig in Erinnerungen schwelgen.“

Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Komisch“, sagte sie leise. „Genau deshalb habe ich danach gegriffen. Manche Bücher begleiten einen durchs Leben. Man liest sie nicht nur einmal, sondern immer wieder.“

Der Mann nickte langsam.

„Und jedes Mal entdeckt man etwas Neues.“

Er deutete auf das Buch.

„Haben Sie auch Siddhartha gelesen?“

„Ja“, antwortete sie. „Vor ein paar Jahren. Damals hat mich das Buch eher unruhig gemacht. Heute glaube ich, würde ich vieles anders verstehen.“

Er lachte leise.

„Genau das habe ich beim letzten Mal auch gedacht.“

Für einen Moment standen sie einfach nur da.

Zwischen ihnen das Buch.

Und eine angenehme Stille, die sich überhaupt nicht fremd anfühlte.

Schließlich legte er den Roman sanft in ihre Hände.

„Es gehört heute zu Ihnen.“

„Danke.“

Sie lächelte.

„Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Nachmittag.“

„Den wünsche ich Ihnen auch.“

Sie schlenderte weiter durch den Laden, blieb noch hier und da an einem Regal stehen und nahm schließlich noch einen kleinen Gedichtband mit.

Als sie bezahlen wollte, fiel ihr Blick auf das gemütliche Café im hinteren Teil des Buchladens.

Eigentlich war sie müde.

Aber ein Cappuccino klang plötzlich nach der perfekten Verlängerung dieses Tages.

Sie stellte ihre Bücher auf die kleine Holztheke.

„Ein Cappuccino, bitte.“

„Für mich ebenfalls.“

Die tiefe Stimme ließ sie unwillkürlich lächeln.

Sie drehte sich um.

Der Mann aus der Literaturabteilung stand direkt neben ihr, zwei Bücher unter dem Arm und ein verlegenes Lächeln im Gesicht.

„Sie sind also doch noch hier.“

„Offenbar genauso wie Sie“, antwortete Clara schmunzelnd.

Die Barista stellte zwei Cappuccinos auf den Tresen.

„Einen Moment Geduld. Es wird gleich ein Tisch frei.“

Fast gleichzeitig wandten sie sich in Richtung Café.

Gerade erhob sich ein älteres Ehepaar von einem kleinen Fensterplatz.

„Ich glaube“, sagte sie lächelnd, „das ist der letzte freie Tisch.“

Der Mann folgte ihrem Blick.

„Sieht ganz danach aus.“

Einen kurzen Augenblick schwiegen beide.

Dann hob er fragend seine Tasse.

„Wenn es für Sie in Ordnung ist … wir scheinen einen ähnlichen Buchgeschmack zu haben. Vielleicht können wir den Tisch einfach teilen?“

Sie nickte zustimmend.

Es fühlte sich überraschend selbstverständlich an.

„Sehr gern.“

Gemeinsam gingen sie zum Fenster.

Draußen begannen die ersten Regentropfen leise gegen die Scheibe zu klopfen.

Drinnen stieg der Duft frisch aufgeschäumten Milchschaums aus ihren Tassen auf.

Zunächst war es nur das Gespräch zweier Fremder.

Leicht. Neugierig. Unverbindlich.

Erst über Narziß und Goldmund, dann über andere Bücher. Über Reisen, Musik und die kleinen Momente, die einen Tag besonders machten. Manchmal schwiegen sie auch einfach einen Augenblick und nippten an ihrem Cappuccino, ohne dass die Stille unangenehm wurde.

Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt so mühelos mit einem fremden Menschen gesprochen hatte.

Der Mann stellte Fragen, hörte aufmerksam zu und ließ ihr Zeit, ihre Gedanken zu Ende zu formulieren. Er fiel ihr nicht ins Wort, bewertete nichts und schien ehrlich interessiert an dem, was sie erzählte.

Irgendwann sprach sie über ihre Liebe zu Buchläden.

„Manchmal glaube ich“, sagte sie lächelnd, „ich kaufe Bücher nicht nur wegen der Geschichten. Ich mag das Gefühl, dass sie auf mich warten.“

Er nickte nachdenklich.

„Vielleicht ist das mit manchen Begegnungen genauso.“

Für einen Moment trafen sich ihre Blicke.

Sie lächelte verlegen und nahm einen Schluck Cappuccino.

Er war älter als sie. Das war nicht zu übersehen. Das silbergraue Haar, die feinen Lachfalten um seine Augen erzählten von vielen gelebten Jahren.

Und doch fühlte es sich erstaunlich selbstverständlich an, mit ihm dort zu sitzen.

Da war keine Schwere.

Keine Belehrung.

Keine Überlegenheit.

Nur eine angenehme Ruhe und ein Humor, der sie immer wieder zum Lächeln brachte.

Die Zeit verging, ohne dass einer von ihnen darauf achtete.

Das Surren der Espressomaschine, das Klirren von Tassen und die leisen Gespräche der anderen Gäste verschwammen zu einem angenehmen Hintergrundrauschen.

Erst als sie zufällig auf die Uhr sah, erschrak sie.

„Oh … schon so spät?“

Er folgte ihrem Blick und lächelte.

„Ich glaube, das war die angenehmste Stunde seit Langem.“

Sie sah ihn an.

„Ja“, sagte sie leise. „Das war sie wirklich.“

Sie standen gemeinsam auf.

Er hielt ihr ganz selbstverständlich die Jacke hin, während sie hineinschlüpfte.

„Vielen Dank für das Gespräch.“

„Ich habe zu danken.“

Draußen empfing sie der Duft des Sommerregens.

Für einen kurzen Moment blieben beide unter dem kleinen Vordach stehen und blickten auf die nasse Straße.

„Dann wünsche ich Ihnen einen schönen Abend.“

„Den wünsche ich Ihnen auch.“

Er nickte, lächelte noch einmal und ging langsam die Straße hinunter.

Sie sah ihm einen Moment nach, bevor sie den Weg zu ihrem Auto einschlug.

Was war das gerade gewesen?

Ein zufälliges Gespräch.

Ein Cappuccino.

Und trotzdem fühlte sich der Tag plötzlich anders an.

Zu Hause stellte sie ihre Tasche in den Flur und zog die Schuhe aus.

Normalerweise verlief ihr Donnerstagabend nach einem festen Muster. Einkaufen. Etwas kochen. Vielleicht noch eine Folge ihrer Lieblingsserie.

Heute war davon nichts mehr wichtig.

Sie schenkte sich ein Glas Wasser ein und setzte sich mit ihrem neuen Buch an den Küchentisch.

Doch statt zu lesen, wanderte sie immer wieder in Gedanken zurück.

Zu seinem Lachen.

Zu seiner ruhigen Stimme.

Zu der Aufmerksamkeit, mit der er ihr zugehört hatte.

Wann hatte ihr zuletzt jemand das Gefühl gegeben, dass jedes ihrer Worte wichtig war?

Sie schüttelte leicht den Kopf.

„Du kennst ihn doch überhaupt nicht“, murmelte sie.

Und trotzdem legte sich ein zartes Lächeln auf ihre Lippen.

Sie schlug das Buch auf.

Nach drei Seiten bemerkte sie, dass sie keinen einzigen Satz aufgenommen hatte.

Stattdessen griff sie nach ihrem Handy.

Keine Telefonnummer.

Kein Nachname.

Nicht einmal seinen Vornamen kannte sie.

Sie legte das Handy wieder weg und lächelte über sich selbst.

Alles, was ihr blieb, war die Erinnerung an einen Mann, der mit ihr über Bücher gesprochen hatte, als würden sie sich schon länger kennen.

Verrückt eigentlich.

Wie konnte einem ein Mensch fehlen, dessen Namen man nicht einmal wusste?

Vielleicht würde sie ihn nie wiedersehen.

Vielleicht war es einfach nur eine dieser Begegnungen, die einen Tag schöner machten.

Doch tief in ihr hatte sich etwas verändert.

Etwas Kleines.

Etwas Leises.

Etwas, das sich noch nicht benennen ließ.

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