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Als du eines Tages verschwandest

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Summary

Manche Menschen verschwinden nicht, weil sie nicht mehr lieben, sondern weil sie lieben. Lizzy und Nina sind unzertrennlich. Seit ihrer Kindheit teilen sie alles…bis Nina eines Morgens plötzlich verschwunden ist. Zurück bleibt nur ein kurzer Zettel. Keine Erklärung. Kein Abschied. Lizzy weigert sich zu glauben, dass ihre beste Freundin sie einfach verlassen hat. Also beginnt sie, die letzten gemeinsamen Tage Stück für Stück zu hinterfragen. Dabei stößt sie auf Geheimnisse, die Nina vor ihr verborgen hat und auf eine Welt, von der Lizzy nie etwas wissen sollte. Je näher sie der Wahrheit kommt, desto mehr muss sie sich fragen: Warum ist Nina gegangen? Denn manchmal ist Loslassen die einzige Möglichkeit, jemanden zu lieben.

Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
18+

1… habe ich am Morgen verschlafen


Lizandra

Es war schon wieder 7:19 als ich auf den Wecker blickte. Bald würde Nina mir schon wieder die Tür eintreten, wenn ich wieder zu spät aufstehe und den Bus verpassen würde. Bevor ich mich über mich aufregen konnte stand ich schon im Badezimmer und schaute mich im Waschbecken spiegel an. Meine goldblonden Löckchen kamen wie wild aus meinem Dutt gesprungen und mein rotes Top hing schief. Wahrscheinlich hatte ich mich vor Aufregung vor dem letzten Schultag wie wild nachts hin und her gedreht. Meine braunen Augen kamen mit meinen leichten Augenringen nicht gerade vorteilhaft zur Geltung.

Reiß dich zusammen Lizzy! brüllte ich mich innerlich an. Ich riss den alten Wasserhahn auf und klatschte mir das Eiskalte Wasser in mein Gesicht. Mir blieben genau 10 Minuten bis Nina vor der Tür steht. In Windeseile putzte ich mir die Zähne, lockerte mir die Haare auf und zog mir die ersten Klamotten aus dem Kleiderschrank an die ich greifen konnte.

Heute war nicht nur der letzte Schultag, es war unser Tag. Nina und ich hatten großes vor, nach der Schule war Mädelstag. Shoppen und Milchshakes bis zum umfallen und zum Schluss war ein Netflix abend zu dritt mit meiner Mutter geplant. Für unseren Mojito abend war alles bereits eingekauft und geplant. Jetzt stand nur noch an, diesen letzten Schultag zu überstehen. Der zugegebenermaßen total sinnlos war, die Prüfungen waren längst vorbei und dieser Tag war sinnlos. Das einzige was mich wirklich über Wasser hält ist, den Tag mit meiner Nina zu verbringen. Niemand sonst ist perfekter dafür geeignet als meine beste Freundin.

Als ich mit meiner Tasche hinunter stürmte saß mein kleiner vierjähriger Bruder auf seinem Stuhl und besudelte bereits seinen Sitzplatz mit Müsli.

,,Guten Morgen Maus“ begrüßte mich meine Mutter am Morgen die wie immer schick aussah. Einen schönen Blumenrock mit einer weißen Sommerbluse so wie ihre dunkelblonden leicht grau gesträhnten Haare in einem glatten Dutt. Mit 38 Jahren entschied sie sich ein weiteres Kind mit meinem Stiefvater zu bekommen. Der kleine Luke ist es geworden und ich liebe meinen kleinen Bruder abgöttisch. Auch wenn es anstrengend war in der Jugend sein gekreische zu ertragen, könnte ich es mir heute nicht anders vorstellen.

„Guten Morgen Mam, hey kleiner Knirps“ begrüßte ich auch meinen kleinen Bruder und gab ihm einen Kuss auf den Kopf.

„Lizzy lizzy guck mal!“ er spielte mit einem Pfannkuchen herum als wäre es eine…Rakete? Seine Geräusche waren weltklasse! Mam und ich amüsierten uns ein wenig.

„Luke das ist dein Essen, spiel bitte nicht damit!“ ermahnte meine Mutter ihn. Ich griff nach einem Apfel und nach einer Flasche Wasser und stürmte schon raus aus der Küche. Nina wird jeden Moment da sein.

„Hast du es eilig?“ fragte meine Mam.

„Hast du mal auf die Uhr geschaut?“

„Nina bekommt das Auto heute, sie wird sicher erst in 5 Minuten hier sein“ sagte Sie im Flur und zeigte auf die Uhr. Ich griff nach meinem Handy und merkte, dass ich es oben liegen gelassen hatte. Gut. 5 Minuten. Ich schmiss die Tasche hin und stolzierte erneut in die 1 Etage um mein Handy zu holen. Vielleicht hatte Sie mir eine Nachricht hinterlassen. Auf dem Weg nach oben sah ich mich kurz im Treppenhaus um. Hier waren unzählige Fotos von uns. Unsere Mütter waren damals beste Freundinnen seit der Schulzeit. Als sie gleichzeitig Schwanger waren kamen wir auf die Welt und waren von da an unzertrennlich. Gemeinsamer Urlaub, gemeinsame Ausflüge, gemeinsame Geburtstage. Sie hatte im Mai ich im Juni Geburtstag. Es war eine sehr prägende Zeit und wir nannten uns nicht umsonst die Zwillingsschwestern. Bis auf die Haarfarbe hatten wir ein ähnliches Gesicht. Ich goldblonde leichte Locken, sie braune leichte Locken. Beide braune Augen, volle Lippen, eine kleine Stupsnase und volle Augenbrauen.

Am Bild meines Vaters vorbei gab ich ihm einen leichten Luftkuss. Ich hatte nur sehr vage Erinnerungen an ihn. Doch er musste schon früher von uns gehen. In meinen jungen Jahren war er sehr krank und lag sogar Monate lang unten im Wohnzimmer in einem Pflegebett bevor er in Ruhe Zuhause für immer eingeschlafen war, genauso wie er es wollte. Sein Krebs war unheilbar gewesen teilten die Ärzte uns mit. Ich seufzte und ging in mein Zimmer. Damals war ich gerade erst 5 Jahre alt.

Mein Handy lag noch auf meiner Bettkommode am Ladekabel. Nach dem entsperren sprangen mir schon 5 Nachrichten von ihr entgegen.

21:57 Mama sagt ich kann morgen das Auto haben! Yeaay

21:58 Mach dich morgen um 7:45 bereit, das wird UNSER TAG ❤️

2:05 OMG Lizzy er hat mir geschrieben! Dieser Biker und will sich mit mir treffen!

2:12 Ich habe aber abgesagt, die Zeit mit dir ist mir viel wichtiger als irgend so ein Typ! Außerdem Mojito babyyy

4:47 Ich habe mit ihm telefoniert er ist so süß! Ich erzähl dir später ALLES!!

Sie schien wohl lange wach gewesen zu sein und mit diesem Biker geschrieben zu haben bis fast 5 Uhr morgens. Ohje…Der war mir nicht ganz Geheuer. Wir waren beide gerade erst 18 und er war 28 Jahre alt und fuhr so ein richtig schnelles Motorrad. In der Bar hatte ich Ihn nur flüchtig wahrgenommen und sonst hatte ich ihn nur von weitem gesehen als er Sie einmal an der Schule besucht hatte. Sie hatten sich flüchtig kennen gelernt in einer Bar vor paar Monaten, als wir es mal richtig krachen lassen wollten in der Stadt. Sie tauschten Ihren Instagramnamen aus und erstmal sah es nach einem flüchtigen Flirt aus. Sie meinte er wäre zu alt für sie doch scheinbar besteht da doch mehr Interesse von Nina. Das musste ich nachher dringend noch einmal ansprechen.

Ich muss diesen Typen erst einmal untersuchen bevor er meine Schwester anpackt! dachte ich und in diesem Moment rief Sie mich schon an.

Ohne zu zögern ging ich dran und brüllte schon hinein „gleich da!“

„Alles klar“ Ninas warme stimme klang mit einem lächeln deutlich glücklicher als die Tage zuvor. So glücklich und euphorisch hatte ich sie lange nicht mehr erlebt.

Ich rannte hinunter, sprang in meine weißen Nike Sneaker und winkte schnell durch den Flur zur Küche.

„Bis später Mam, wir kommen dann gegen abend erst“

„Lasst euch Zeit und genießt den Tag, es soll schönes Wetter werden“ meine Mam kam noch zu mir gerannt und drückte mir noch eine Tüte mit russischen dünnen Pfannkuchen in die Hand.

„Hier für euch“

„Danke Mam!“ ich umarmte Sie schnell und ging aus der Tür.

Nina saß lässig in ihrem offenem Cabrio. Na gut es war das Cabrio ihrer Eltern. Ein Mazda mx5 in rot. Wir haben dieses Auto schon immer geliebt, durften es allerdings nicht immer haben. Heute hatten ihre Eltern es wohl ausnahmsweise erlaubt und ich tanzte zum Auto und Sie nickte mir mit ihrer Sonnenbrille und ihren braunen Locken die hin und her tanzten bei der Bewegung zu. Endlich. Der letzte Schultag! Ich riss die Tür auf und umarmte Sie stürmisch und gab ihr einen Kuss auf den Kopf.

„Mensch sind sie reich?“ ärgerte ich Sie und zeigte auf das Auto.

„Hey Puppe ich nehm dich mit egal wohin du willst“ sagte sie in einer etwas dunkleren Stimme. Ich musste so laut lachen, dass ich vergaß mich so schnell anzuschnallen, das ich richtig um die Kurve flog als sie auf das Gaspedal drückte. Auf Spotify machte Sie alte Lady Gaga Songs an und wir sangen drauf los. Pokerface war aber auch ein Banger. Nachdem wir fast an der Schule waren, drehte Sie das Radio leiser und grinste mich ein wenig an.

„Na los erzähl mal, was hast du mir da geschrieben über den Biker?“ fragte ich dezent neugierig nach.

„Naja wir haben geschrieben und da hat er mich nachts angerufen. Sein Name ist übrigens Tayler… und er möchte mich kennen lernen“ Sie sah mich in diesem Moment an und zuckte ein wenig mit Ihren Augenbrauen hoch und runter.

„Kennenlernen soso und was..“ sie schnitt mir das Wort ab.

„Er war heute morgen schon bei mir. Es fühlt sich echt an Lizzy, verstehst du? Ich habe ihn gefragt ob er mich sehen will, da haben wir bis vorhin noch im alten Baumhaus gechillt und geredet und ja wir haben…“ sie brach im Satz ab und mir war gar nicht bewusst wie ich sie ansah. Ich war schockiert über die Schnelligkeit. Nina ließ sonst niemanden so schnell an sich ran. Zumindest dachte ich das, bis jetzt.

„Ihr habt was? Euch. geküsst…“ sie sah mich schuldbewusst daraufhin an.

„Ja er küsst so gut…“ sie leckte Ihre Lippen ab und grinste auf die Straße.

„Miteinander geschlafen?“ fragte ich direkt und kläglicher als ich wollte mit großen Augen. Ich konnte meine Verwunderung dazu nicht verbergen, dafür war ich ihr gegenüber einfach viel zu ehrlich.

Ihr Grinsen verschwand und ich sah etwas anderes in Ihrem Gesichtsausdruck. Sie hatte eine andere Reaktion erwartet. Daraufhin sah sie mich kurz an und nahm tief Luft.

„Guck mich nicht so an! Wir haben verhütet Herrgott! Lizzy ich liebe ihn“

Ich musste die Situation ein wenig beruhigen.

„Nein, ich mache mir nur Sorg…“

„Du willst, dass ich aufpasse. Ist in Ordnung. Ich habs verstanden“ sagte sie diesmal ruhiger aber direkter.

„Nina ich habe nichts gegen Ihn, ich kenne ihn einfach zu flüchtig um Ihm meinen Segen für dich zu geben“ sagte ich vorsichtig und sah sie ganz genau an als sie auf den Schülerparkplatz bog. „Genau genommen kenne ich ihn gar nicht“

Durch ihre Sonnenbrille sah ich ihre Augen nicht genau, aber sie sah nicht zufrieden im Moment aus, irgendetwas beschäftigte sie stark. Es war Minutenlang still, auch als Sie das Cabriodach schloss. Dann zog Sie Ihre Sonnenbrille aus und sah mich plötzlich mit einem leichten grinsen an.

„Vielleicht lernst du ihn ja bald kennen“ sie nahm ihre Tasche von der Rückbank, schloss das Auto ab und bewegte sich Richtung Schulgebäude. Ich kam hinterher und erwiderte den ersten respektvollen Satz dazu der mir einfiel um sie nicht weiter zu verärgern.

„Ich freue mich schon darauf“

Nina schaute sich um und griff in ihren braunen Rucksack mit ihren unzähligen Buttons. Die Buttons strahlten mit Großstädten, die wir in unserer Vergangenheit gesammelt hatten. Paris, Rom, Prag, Wien, London, Barcelona.. unsere Mütter waren viel mit uns unterwegs. Vorallem bevor Luke auf die Welt gekommen ist.

Sie zückte ihr Handy hervor und fing sofort an zu lächeln. Sicher der Biker.

Ich sah sie eindringlich an. Sie hatte mit ihm geschlafen, in unserem Baumhaus! Und sie kannte ihn doch kaum, wie konnte sie sich sofort auf ihn einlassen? Ich stellte mir so viele Fragen. Nachdem sie im Auto so distanziert geantwortet hatte traute ich mich fast nicht sofort zu hinterfragen. Es brauchte ein wenig Zeit.

Die Tür zur Schule wurde bereits von einigen anderen Mitschülern aufgehalten die ohnehin schon reinstürmten und als wir gerade hindurch huschten klingelte auch schon die Schulglocke.

Vielleicht würde dieser Tag ja noch interessant werden.



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