KAPITEL I – ELENA
Die Stadt erinnerte sich nicht an Menschen.
Sie erinnerte sich nur an Folgen.
Elena wusste das, bevor sie lernte, ihren eigenen Namen ohne Zögern auszusprechen.
Die oberen Ebenen waren hell, aber nicht freundlich.
Licht war hier kein Versprechen — nur eine andere Form von Sichtbarkeit.
Sie stand am Glas der Penthousefront, als hätte sie sich dort abgelegt, um nicht vollständig Teil des Raumes zu sein.
Hinter ihr bewegte sich Luca nicht.
Das war seine Art, Nähe auszudrücken: durch das Verweigern von Abstand.
„Du hörst ihnen zu, als würden sie dich meinen“, sagte er schließlich.
Elena antwortete nicht sofort.
Nicht, weil sie unsicher war.
Sondern weil sie wusste, dass jede Antwort eine Entscheidung sein würde.
„Vielleicht tun sie das“, sagte sie dann leise.
Luca trat näher.
Nicht schnell.
Nie schnell.
„Dann lügen sie.“
Elena lächelte kaum sichtbar.
„Oder sie haben recht.“
Stille.
In dieser Stadt war Stille nie leer.
Sie war nur das, was übrig blieb, wenn niemand gewinnen wollte.








