Chapter 1- Der erste Blick
Es war ein grauer Tag. Dienstag. Rose saß in ihrem Zimmer. Die Kopfhörer auf. Ihr brüllte Slipknot leise ins Ohr. Sie arbeitete gerade an einem neuen Design für eine Handtasche, als sie angerufen wurde. Sie legte den Stift beiseite und nahm den Anruf entgegen. „Ja, was ist?“, fragte sie gereizt. Am Telefon war eine Männerstimme. „Wo bleibt mein Design, Andrews?!“, fragte er. Rose verdrehte die Augen. „Ich arbeite noch dran. Geben sie mir noch 2 Tage.“, erwiderte sie. Der Mann wirkte genervt. „Zwei Tage. Mehr nicht. Ansonsten fliegen sie.“, dann legte er auf. Rose legte ihr Handy beiseite und legte den Kopf auf den Tisch. „Wie soll ich das alles nur schaffen…?“, murmelte sie verzweifelt. Sie schnaubte und wandte sich wieder ihrem Design zu. Sie nahm den Stift wieder in die Hand und starrte auf ihre Zeichnung. Sie musste sich jetzt beeilen. Auch wenn sie sich jederzeit selbständig machen könnte, durfte sie auf keinen Fall den Job verlieren. Sie brauchte ihn. Wenigstens noch für ein paar Monate. Sie schnaubte abermals.
Mittlerweile hatte sie den Song viermal hintereinander gewechselt. Sie arbeitete weiter an ihrem Design. Fügte Hier und da kleine Details hinzu, so dass die Handtasche anschaulich aussah. Sie arbeitete mindestens zwei weitere Stunden da ran, als sie erneut angerufen wurde. Diesmal allerdings von ihrem Vater. Sie nahm den Anruf entgegen mit einem gefälschten Lächeln auf den Lippen. ,,Vater. Was gibt’s?‘‘, fragte sie. Ihr Vater schien gestresster als sonst, als er antwortete: ,,Ich hab was Wichtiges mit dir zu bereden, wenn du also später mal vorbei kommen könntest, wäre das perfekt.‘‘ Rose runzelte die Stirn. Was war denn so wichtig, dass er es nicht am Telefon klären konnte? ,,Okay, ich werde gucken, was ich einrichten kann. Ich bin zur Zeit voll im Stress, wegen der Arbeit. Mein Boss macht mir richtig Druck. Er will das neue Design in spätestens zwei Tagen haben…‘‘, antwortete sie während sie gestresst ausatmete und ihren Termin Kalender herauskramte. ,,Ich hab heute den ganzen Tag Zeit. Wann soll ich vorbeikommen?‘‘, fragte sie ihren Vater. Es war Stille am anderen Ende der Leitung. ,,Vater?‘‘, fragte sie vorsichtig, aber leicht schmunzelnd, da ihr Vater, wie sie ihn kannte, bestimmt gerade nebenbei am Arbeiten war. ,,Ja. Ja. Uhm…passt dir 17 Uhr?‘‘, fragte er.
Nachdem sie die Zeit vereinbart hatten, ihr Vater sie noch bat, dass sie sich ordentlich anziehen sollte, legte sie auf. Sie legte die Stirn abermals in Falten. Warum um Himmelswillen, rief ihr Vater sie einfach so an, um was ,,Wichtiges‘‘ zu besprechen und bat sie dann auch noch etwas ordentliches anzuziehen. Sie hatte zwar nicht vorgehabt, in Jogginghose und Schlabber Pullover dort aufzutauchen, aber sie wusste, was ihr Vater mit ordentlich meinte. Kleid. Makeup. Schmuck. Eben elegant.
Sie arbeitete bis zum späten Nachmittag an ihrem Design, bis sie sich schließlich fertig machte für die Verabredung mit ihrem Vater. Sie entschied sich für ein schwarzes, schlichtes Kleid, leicht roten Lippenstift und schwarze hohe Schuhe. Sie trug ihren normalen Schmuck; die silberne Halskette mit dem kleinen Diamanten Anhänger, das dazu passende Armband und den dazu gehörigen Ring.
Sie rief sich ein Taxi, welches sie zu dem luxuriösen Anwesen ihrer Eltern fuhr. Sie ließ die Rechnung auf ihren Vater laufen, denn immerhin war es seine Schuld, dass sie sich dorthin begeben musste. Sie stand vor der Tür und klingelte. Ein paar Minuten später öffnete der Buttler die Tür. „Ah, Mrs. Andrews. Kommen sie rein, Ihre Eltern warten schon.“, sagte er, trat zur Seite um sie einzulassen und verbeugte sich leicht. Rose lächelte warmherzig. „Danke, Alfred.“, antwortete sie warmherzig. Alfred war der Buttler der Andrews seit Rose klein war. Schon bevor Sie überhaupt auf der Welt gewesen war. Sie hatte sich immer gut mit Alfred verstanden. Er hatte ihr Lesen und Schreiben beigebracht und sie bei Dingen unterstützt, bei denen ihre Eltern sich gegen gesträubt hatten. Sie hatte eine tiefe Bindung zu Alfred bekommen, so war er mit der Zeit ein Teil ihrer Familie geworden.
Rose begab sich ins Esszimmer, wo ihr Vater, Ihre Mutter und ein unbekannter am Esstisch saß. „Rose, gut das für das bist.“, begrüßte ihr Vater sie mit einem Lächeln. „Hey, süße. Wie geht es dir?“, fragte ihre Mutter warmherzig, stand auf und umarmte ihre Tochter zur Begrüßung. Rose lächelte sanft. „Ganz gut. Nur ein bisschen Stress, wegen meinem Boss. Sonst nichts. Mach dir keine Sorgen, Mom.“
Rose Blick fiel auf den unbekannten, der mit dem Rücken zu ihr saß. Ihr Vater schien ihren fragenden Blick zu bemerken und räusperte sich. „Rose, das ist Matteo Zagaria. Er ist der Erbe der Zagaria-Mode-group.“, stelle Rose Vater den Unbekannten vor. Rose runzelte verwirrt die Stirn. „Okay?“, sagte sie verwirrt, „Und was hat das mit mir zu tun? Warum sollte ich vorbei kommen? Was kann den so wichtig sein?“, fragte sie und nahm Platz an ihrem gewohnten, alten Sitzplatz. Doch ihr Vater hob die Hand und schüttelte den Kopf. „Nein, setzt dich neben Matteo.“, bestand er drauf und warf ihr einen fordernden Blick zu. Sie seufzte und gehorchte. Sie setzte sich neben Matteo.
Sie begannen mit dem Essen, Ihre Mutter hatte ihr berühmtes Gericht zubereitet. Rindersteak mit Bratkartoffeln und gemischtem Salat. Es schmeckte wie immer atemberaubend. Sie aßen im Schweigen, bis ihr Vater die Stille unterbrach.
„Also, warum ich dich hierher gebeten habe. Matteos Unternehmen hat gerade ein paar Schwierigkeiten. Da dein Unternehmen so gut läuft, dachten wir, es wäre das Beste, wenn ihr Kontakt aufbauen würdet.“, er warf Matteo einen Blick zu bevor er weiter sprach, „Er hat nur ein paar Probleme mit seinen Designs der Mode. Da du bei Greysons so gute Arbeit leistet, haben wir uns gefragt…ob du nicht vielleicht seine neuen Stücke designen könntest.“ Erneutes Schweigen. Rose sah zwischen Matteo und ihrem Vater hin und her. „Und dann? Glaubst du, dass es so einfach ist, auf einmal für ein anderes Unternehmen zu designen? Ich bin dazu nicht befugt, Dad.“, wandte sie ein. Ihr Vater seufzte. Matteo schmunzelte und warf ihr einen Seitenblick zu. Er schien ihre Art und Weise sehr amüsant zu finden.
Rose sah ihn nicht an, dennoch entging ihr nicht sein kleines, leises, subtiles Lachen. Ihr Vater räusperte sich: ,,Ich bin mir sicher, dass du es mit deinem Chef irgendwie geregelt bekommst. Ansonsten machst du es eben heimlich oder privat. Wenn du kein Geld dafür bekommst und es außerhalb von deinen Arbeitszeiten machst, kann dein geehrter Herr Chef auch nichts dagegen tun.‘‘, seine Stimme blieb ruhig, verrieten nichts über seine Gefühle, anders als seine Augen. Wollte er wirklich, dass sie hinter dem Rücken ihres Bosses für eine andere Firma etwas designte nur weil diese gerade eine design Kriese hatte? Rose schüttelte den Kopf. ,,Bei allem Respekt, Vater, aber das kannst du nicht von mir verlangen. Tut mir auch leid für Sie, Mr. Zagaria, aber das kann ich einfach nicht tun. Ich brauche meinen Job. Ich hab sowieso schon Stress mit meinem Chef. Mh-Mh. Das kann ich nicht machen. Tut mir leid.‘‘
Ihr Vater sah sie an, sie wusste nicht genau, ob es Enttäuschung, Wut oder wohlmöglich sogar Trauer war, aber wer konnte schon den Gesichtsausdruck, oder sogar noch die Gefühle von Gabriel Andrews genau erkennen? Nicht mal seine eigene Frau, Annabella Andrews, konnte dies. Manchmal zweifelte Rose auch daran, dass ihr Vater selbst wusste, was er fühlte. Aber was solls? Sie hatte ihm ihre Meinung beziehungsweise ihre Situation erläutert und er konnte nicht ernsthaft wollen, dass sie ihren Job riskiert, nur, weil ein ,,Freund‘‘, Probleme mit seinem Unternehmen hat. Gabriel räusperte sich abermals und sah seine Tochter an. ,,Okay, Okay, ich verstehe, was du meinst, aber könntest du nicht vielleicht-?‘‘, Er konnte seinen Satz nicht einmal beenden, da Rose ihn unterbrach: ,,Nein, Vater. Kann ich nicht. Punkt. Ende der Diskussion.‘‘ Mit den Worten stand sie auf. ,,Das Essen war köstlich, Mama. Danke.‘‘, sie wandte sich mit einem höflichen Lächeln an Matteo. ,,Mr. Zagaria.‘‘, sie nickte ihm kurz zu, bevor sie ihren Blazer von der Stuhl lehne zog und zur Tür ging. ,,Rose!‘‘, rief ihr Vater ihr hinterher, bevor die Tür knallend ins Schloss fiel. Matteo sah zwischen der Tür und Gabriel hin und her, bevor er respektvoll seine Hand hob und sich räusperte. ,,Entschuldigen sie, Sir. Ich habe das Essen sehr genossen, es war vorzüglich, wirklich, danke Mrs. Andrews. Und auch danke, für die Hilfe, aber offensichtlich ist ihrer Tochter ihre Arbeit genauso wichtig wie mir. Daher werde ich es vor jetzt zu gehen. Einen schönen Abend noch. Den Weg finde ich alleine.‘‘, Er stand von seinem Stuhl auf und begab sich zur Tür. Alfred reichte ihm die Schlüssel seines Autos mit einer höflichen Verbeugung.
Als Matteo hinaustrat und die Tür hinter sich schloss, wurde ihm ganz unwohl, als er sah, wie es am Regnen war und, dass Rose wohlmöglich im Regen laufen musste. In dem Outfit, welches sie trug, würde sie sich eine Erkältung einfangen. Aber er gang davon aus, dass sie sich ein Taxi gerufen hatte. Er stieg in sin Wagen, schnallte sich an und startete den Motor. Er begann langsam aus der Einfahrt der Andrews herauszufahren. Kurz bevor er auf die Straße fuhr, fuhr er an einer nassen Gestallt vorbei. Er fuhr das Fenster herunter. ,,Ist es nicht ein wenig ungemütlich, im Regen nach Hause zu laufen, in dem Outfit, Mrs. Andrews?‘‘, fragte er mit einem charmanten Lächeln, sein Gesichtsausdruck verriet jedoch, dass er auch besorgt war. Rose lehnte sich ein Wenig herunter und sah ihn an. ,,Ach was, es geht schon.‘‘, antwortet sie und ging weiter. Er fuhr neben ihr her. ,,Komm schon. Steig ein. Ich fahr dich.‘‘, sagte er höflich und hielt neben ihr an. ,,Meine Eltern haben mich so erzogen, dass ich nicht mit Fremdem in ein Auto steige.‘‘, entgegnete sie mit einem freundlichen, ablehnenden Lächeln. ,,Theoretisch bin ich nicht fremd, wir haben uns gerade bei deinen Eltern kennengelernt. Also…?‘‘, sagte er und hatte wieder dieses unwiderstehlich, charmante Lächeln im Gesicht. Sie seufzte. ,,Okay. Okay, von mir aus.‘‘, sie öffnete die Beifahrer Tür und setzte sich in das Auto. ,,Tut mir leid, wenn der Sitz jetzt nass wird.‘‘, entschuldigte sie sich. Er lächelte sanft. ,,Keine Sorge, Cara Mia, das trocknet wieder.‘‘
Sie errötete leicht, als er den Kosenamen fallen ließ. Sie wusste nicht einmal warum sie sich so fühlte, immerhin war er doch nur ein Fremder. Oder?
Sie nannte ihm ihre Adresse, doch als er losfahren, hörte er, wie ihr Magen grummelte und sich beschwerte. Mit einem leisen Lachen, sah er kurz zu ihr. „Hunger?“ Sie ertötete erneut und nickte leicht „Ein Bisschen vielleicht…“, gab sie kleinlaut zu und starrte gerade aus, aus dem Fenster. Er lachte leise, diesmal aber hörbar und bog in eine Straße ein. „Dann holen wir dir jetzt was zum Essen.“, sagte er sanft aber dennoch ein wenig distanziert. Er wusste selber nicht, wieso er ihr gegenüber so war. Sie kannten sich doch erst seit diesem Abend
Aber irgendwas an ihr schien ihn anzuziehen. Sei es nur das lange Haar, welches ihr über die Schultern fiel und so weich aussah wie Seide. Vielleicht waren es auch ihre blauen Augen, die wie Sterne zu funkeln schienen. Er schüttelte den Kopf und versuchte auf andere Gedanken zu kommen. Das war einfach lächerlich.
Sie parkten auf dem Parkplatz eines Italienischen Restaurants. Sie stiegen aus dem Auto aus. „Ich hoffe, man kann hier auch per Abholung bestellen.“, sagte sie als sie auf den Eingang zu gingen. Ein leichtes Lächeln legte sich auf Matteos Lippen, als er sie durch die Tür führte. Sie betraten das Restaurant und der Duft von Spaghetti, Pizza, Pesto, Oregano und süßem Wein füllte Rose’s Nase. Sie lächelte und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Sie genoss einfach den herrlichen Duft. „Ich befürchte, wir müssen hier essen, Cara Mia.“, murmelte er und legte seine Hand an die Unterseite ihres Rückens. Sie errötete erneut als sie seine warme Handfläche an ihrem Rücken spürte. „Aber so kann ich hier doch nicht essen. Guck mich mal an. Ich bin durchnässt vom Regen.“, wandte sie ein und warf ihm einen Blick zu. Er lächelte nur und führte sie weiter ins Restaurant, an einen Tisch ganz weit hinten, in einer privaten Ecke.
Ein Kellner kam auf unseren Tisch zu. „Guten Abend, Mr. Zagaria. Mit Begleitung heute, wie ich sehe? Ihre Freundin?“, fragte der Kellner höflich. Matteo schmunzelte als der Kellner Rose als seine Freundin betitelte. „Sie ist…eine Freundin. Sagen wir es so.“, antwortete Matteo mit einem kleinen Lächeln. Rose spürte wie sich erneut die Röte in ihren Wangen ausbreitete. Der Kellner nickte leicht. „Das gleiche wie immer für sie, Sir?“, fragte er und sah wieder zu Matteo. Er nickte. Aber heute doppelt. Und ihren vino rosso classico, per favore.“, sagte Matteo mit einem höflichen Lächeln und mit einem Lächeln und einer kleinen Verbeugung, hing der Kellner.
„Sag bloß, du kennst die hier.“, sagte Rose und lachte leise. Er stimmte in ihr Lachen ein. „Ich kenne sie nicht nur, Cara Mia. Meiner Familie gehört das Restaurant.“, sagte er und lachte leise über Rose geschickten Gesichtsausdruck. „Guck nicht so, Amore. Dachtest du wirklich, dass sie dich sonst so hier sitzen lassen würden? Durchnässt?“, sagte er und brachte durchaus ein gutes Argument. Rose nickte: „Stimmt. Hast‘ recht.“
Der Kellner kehrte nach ein paar weiteren Minuten mit zwei Tellern Spaghetti Carbonara und zwei Gläsern Rotwein zurück. „Buon appetito“, sagte er und ging wieder.
„Das riecht unglaublich gut“, sagte sie und lächelte.
Als sie zu essen begannen, stellte sie schnell fest, dass es sogar noch besser schmeckte als es roch. Matteo beobachtete sie genau. Wie sich ihre Lippen um die Gabel schlossen, wie sich ihr roter Lippenstift an dem Glas absetzen, wenn sie etwas von dem Rotwein trank.
„Sie sieht unglaublich hübsch aus“, dachte er sich und schmunzelte leicht. Was war los mit Ihm? Seit wann war er so schnell von einer Frau beeindruckt? Lag es vielleicht daran, dass sie anders mit ihrem Vater geredet hat, als die meisten anderen, die er kannte? Weil sie nicht klein beigegeben hat und sich lieber für ihren Job entschieden hat?
Er wusste es nicht. Noch nicht. Aber was er wusste…Er wollte sie kennenlernen.








