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Sturm über dem letzten Herd

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Summary

Ein ehemaliger Milizoffizier. Ein junger Halbling. Und ein Verbrechen, das niemand kommen sah. Hagen hat seine besten Jahre als Offizier im Dienste des Königs hinter sich. Geblieben sind ihm sein roter Mantel, ein scharfer Verstand und eine ausgeprägte Vorliebe für gutes Bier. Gemeinsam mit seinem jungen Halblings-Lehrling Fredegar zieht er von Ort zu Ort. Eigentlich sind sie auf der Suche nach Arbeit, einem warmen Bett und gelegentlich einem gut gefüllten Humpen. Doch immer wieder geraten sie in Situationen, in denen Hagen etwas bemerkt, das allen anderen entgeht.

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1 - Ausgetrickst!

„Herr, wollt Ihr wirklich noch mehr?“

Ich saß da mit meinem eigenen kleinen Krug Bier und konnte nur zusehen, wie mein Herr Hagen sich schon seinen dritten beim Wirt bestellte. Wir waren seit Tagen unterwegs und wollten uns nur kurz hier in der Taverne ausruhen. Doch mein Herr hatte andere Pläne.

Ich seufzte schwer, als ich einen weiteren Schluck von meinem Getränk nahm. Denn es war stets dieselbe Leier. Nur kurz ausruhen, und dann blieben wir den ganzen Tag, um uns seiner Lieblingsbeschäftigung zu widmen.

Doch dieses eine Mal konnte ich ihm nicht böse sein, denn kaum waren wir hier eingekehrt, brach draußen ein fürchterlicher Sturm aus. Ein Weiterkommen war bei so einem Wetter kaum möglich und gerade hier in den Bergen viel zu gefährlich, selbst wenn man mit einer Kutsche oder einem Karren unterwegs gewesen wäre.

So saßen wir hier also fest, und mein Herr Hagen nahm dies einfach zum Anlass, sich wieder einmal gehen zu lassen. Darum hatte ich, so vorausschauend, wie ich war, sofort ein Zimmer für ihn und mich genommen.

„Fred, nun schau nicht so niedergeschlagen. Genieße den Abend und lass dich einfach mal treiben.“

Mein Herr nannte mich stets nur Fred, dabei hieß ich Fredegar, und bei jeder Gelegenheit erinnerte ich ihn auch daran.

„Herr, Sie wissen doch, ich heiße Fredegar und nicht Fred. Wann lernen Sie das endlich einmal?“

Er trank einen großen Schluck aus seinem Krug und lächelte mich an.

„Ach, mein lieber Freund, so ist es doch viel einfacher.“

Ich schnaubte nur, erwiderte aber nichts darauf, denn ich wusste, dass er sich meinen Namen mit Absicht nicht merken wollte. Mein Herr Hagen war ein ehemaliger Milizoffizier im Dienste des Königs gewesen, und wenn er sich keine Namen hätte merken können, hätte er dort wohl kaum eine so gute Karriere machen können.

Bis heute trug er noch den offiziellen roten Mantel eines Offiziers, der ihm bisweilen gute Dienste leistete, wenn er mit dem einfachen Volk zu tun hatte. Doch ich denke, er trug ihn weiter, weil er noch an dieser alten Zeit hing. Jetzt gerade trank er allerdings nur und ließ seinen Blick immer wieder durch den Schankraum schweifen.

Auch ich selbst tat dies nun, denn manchmal sah mein Herr mehr, als so ein einfacher Halbling wie ich es konnte. Dennoch versuchte ich, ihm diesbezüglich nachzueifern.

Im Schankraum war im Grunde wenig los. Der Besuch blieb wohl wegen des Unwetters, das draußen tobte, aus, und viel Stammkundschaft wird die Taverne wohl auch nicht haben. Hier in den Bergen waren es eher Durchreisende, wie Händler oder Boten aus den verschiedenen Städten im Umland.

Jetzt gerade war es nur der recht stämmige Wirt, der hinter der Theke irgendetwas mit einem anderen Kunden besprach. Dieser saß direkt an der Theke und schien wegen irgendetwas aufgebracht zu sein. Ein Abenteurer oder Krieger, nach seinem Schwert und dem Schild auf seinem Rücken zu urteilen.

An einem der Tische saß eine recht junge Dame in einfacher Kleidung, die einen Eintopf oder eine Suppe aß. Wahrscheinlich eine Suppe, denn ein Eintopf wäre womöglich außerhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten gewesen.

„Fred, wie viele Gäste hat dieser Wirt gerade?“

Ich blickte ihn überrascht an. Das machte Herr Hagen ab und an. Er stellte Fragen, die wie aus dem Nichts kamen und eigentlich gar keinen Sinn ergaben, um am Ende doch irgendeine Absicht zu verfolgen.

Doch ich ging, so gut ich konnte, stets darauf ein.

„Mein Herr, wenn ich uns beide mitzähle, dann sind es fünf Gäste. Die zwei anderen Gäste hier.“ Ich deutete auf die Dame und den Abenteurer. „Und der Gast, der direkt ins obere Stockwerk in sein Zimmer ging, als wir die Taverne betraten.“

Herr Hagen nahm einen weiteren Schluck und leerte damit seinen dritten Krug komplett. Sein Lächeln deutete an, dass ich irgendwie falsch gelegen hatte. So weit kannte ich ihn bereits.

„Ach, Fred, ich habe dir oft genug gesagt, dass du dich in einer neuen Umgebung stets sofort umschauen musst. Oft hängt das eigene Überleben davon ab.“

Er hob seine Hand und rief dem Wirt zu, dass er noch einen Krug haben wolle. Dieser nickte nur und begann hinter der Theke, einen neuen einzuschenken, während er sich wohl weiter mit dem Abenteurer stritt.

„Du hast in dem Punkt recht, dass der Mann an der Theke und die Frau dort hinten am Tisch offensichtlich Gäste hier sind. Auch den Gast, der oben in seinem Zimmer ist, hast du dir sehr gut gemerkt.“

Mein Herr nickte mir freundlich lächelnd zu und nahm seinen vierten Krug dankend entgegen, als der Wirt kurz an unseren Tisch kam.

„Doch hast du nicht bemerkt, dass die Dame, die ihre gut duftende Kartoffelsuppe zu sich nahm, noch eine kleinere Schüssel daneben stehen hat?“

Verwirrt blickte ich erneut zu der Frau hin, die, den Göttern sei Dank, nicht bemerkte, dass wir über sie sprachen.

Mein Herr hatte recht. Neben ihrer Schüssel mit Suppe stand noch ein viel kleineres Behältnis, das man als winzige Schüssel bezeichnen konnte.

„Ist das nicht ein Zusatz für die Suppe? Ich kenne Schenken, wo auch noch kleine zusätzliche Gewürze zum Essen gereicht werden.“

Mein Blick wanderte wieder zu meinem Herrn, der weiter lächelte, als er seinen ersten Schluck aus dem neuen Krug Bier nahm.

„In einem Etablissement der gehobenen Klasse sicher, doch hier in einer einfachen Taverne am Wegesrand? Das ist eher unwahrscheinlich.“

Er seufzte, was er nur tat, wenn ich völlig falsch lag.

„Als der Wirt die Suppe brachte, war ebenfalls in dieser winzigen Schüssel eine dickflüssige Substanz mit einem sehr starken, süßlichen Geruch.“

Er machte kurz eine Pause. Wahrscheinlich wartete er darauf, dass ich etwas dazu sagte, doch als nichts kam, fuhr er fort.

„Es war reiner Blütenhonig, was normalerweise nicht in eine Kartoffelsuppe gehört.“

Ich machte kurz meinem Erstaunen Luft und blickte noch einmal zu der winzigen Schüssel. Die, wie ich jetzt erkannte, leer war.

„Mein Herr, ich verstehe nicht, was es damit auf sich hat, wie viele Gäste der Wirt hat und weshalb ich damit falsch gelegen habe.“

Wieder seufzte mein Herr, trank aber nicht sofort weiter.

„Fred, erinnere dich an unseren Einsatz im Garten der Adelsfamilie Waldthal. Womit habe ich das Problem gelöst, welches die Familie hatte?“

Gerade als es mir wie Schuppen von den Augen fiel, donnerte ein Blitz ganz in der Nähe der Taverne, dessen Donnerschlag durch den ganzen Schankraum hallte.

„Die Blütenfeen haben sie mit Honig angelockt und gefangen.“

„Na endlich!“, sagte mein Herr triumphierend und erhob freudig seinen Krug, bevor er daraus trank.

„Die junge Dame hat eine Feen-Begleiterin, und diese bekam vom Wirt ebenfalls eine Mahlzeit. Also sind es insgesamt sechs Gäste.“

Ich war völlig überrascht, aber er hatte recht gehabt. Eine Fee kann man nur sehen, wenn diese es will, oder wenn man sie irgendwie fangen kann, indem man sie bewegungsunfähig macht. Sie spielten anderen oft Streiche, sollte man ihre Gebiete betreten, oder sie banden sich an jemanden, den sie ein Leben lang begleiteten.

Wieder seufzte ich und bestellte noch einen halben Krug Bier, aus der Tatsache heraus, dass ich es hätte sofort erkennen müssen. Dennoch glaube ich, dass genau dies die Absicht meines Herrn gewesen war, denn dieser grinste wieder triumphierend, als ich still mein neues Bier gemeinsam mit ihm trank.

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