đKapitel 1đ
Musikempfehlung: âYouâre Somebody Elseâ - flora cashï»ż
Takehiko Pov
Nachdenklich klebte mein Blick an meiner Armbanduhr, wÀhrend ich vor dem Eingangstor der Uni stand.
Eine Mischung aus dem sommerlichen Grillenzirpen und dem schleppenden Verkehr der nicht weit entfernten HauptstraĂe hing in meinen Ohren.
GesprÀchsfetzen der Studenten, die an mir vorbei liefen.
Dumpf drĂŒckte mein Inneres, weil ich die BeilĂ€ufigkeit dieser Unterhaltungen beneidete.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass einer von ihnen sich auch nur mit ansatzweise Àhnlichen Gedanken herumquÀlen musste, wie ich.
Dabei war ich noch nicht einmal der BetroffeneâŠ
Von einer bekannten Stimme aus meinen Gedanken gezogen, schaute ich schlieĂlich auf.
âTaki!â, begrĂŒĂte mein bester Freund mich, als er nur noch wenige Schritte von mir entfernt war.
âGuten Morgeeen~â, entwich es ihm gut gelaunt.
Ich spĂŒrte mein Herz einen Schlag aussetzen, als er direkt vor mir stand.
Als ich einen kurzen Blick in seine Augen erhaschen konnte.
âMorgenâŠâ, murmelte ich.
UnwillkĂŒrlich ĂŒberzog ein kleiner Schauer meinen RĂŒcken.
Mein Magen fĂŒhlte sich mulmig an.
âSollen wir reingehen?â, wollte Nao wissen, wĂ€hrend er sich ein paar seiner schwarzen HaarstrĂ€hnen aus dem Gesicht strich.
Dabei grinste er so aufgeregt, dass seine spitzen EckzÀhne zum Vorschein kamen.
Zustimmend nickte ich, wĂ€hrend ich versuchte, so natĂŒrlich wie möglich zu lĂ€cheln.
Mir die Unruhe in meinem Inneren nicht anmerken zu lassen, weil ich von der Sekunde an, in der Nao mir geschrieben hatte, dass wir uns an der Uni treffen sollten, gewusst hatte, dass heute wohl mal wieder der Tag war.
Der inzwischen wöchentlich wiederkehrende Tag, an dem ich die Luft anhieltâŠ
âFreust du dich schon auf die Vorlesung?â, wollte mein bester Freund wissen, wĂ€hrend er seine Arme hinter seinem Kopf verschrĂ€nkte.
Ich gab ein theatralisches, damit ĂŒberzeugendes Seufzen von mir.
âWas fĂŒr eine unnötige FrageâŠâ, grummelte ich.
Der Schwarzhaarige kicherte.
âWir holen vorher noch schnell Kaffee, okay?â, bot er an.
Dabei lĂ€chelte er mich anâŠ
So hell und aufgeweckt, wie er sonst eigentlich nie lÀchelte.
Ich versuchte seine Mimik zu erwidern, bevor ich erneut zustimmte.
Und so begann erâŠ
Einer von Naos und meinen typischen Uni-Tagen.
Ein Tag, der wie jeder andere hÀtte sein können, wenn er nicht vollkommen anders gewesen wÀre.
An diesem Punkt wusste ich nicht mehr, wie lange ich mich bereits damit herumschlug.
Wie lange ich mich schon mit mir selbst stritt.
Nao und ich hatten so oft darĂŒber gesprochenâŠ
Ich wusste, dass er Angst hatte.
Dass er es nicht wollte.
Doch mit jedem Mal fiel es mir schwerer, mich zurĂŒckzuhalten.
Weil auch ich Angst hatte.
Weil ich mir Sorgen machte.
Ich mich fragte, wo das alles hinfĂŒhren sollte.
Ich war nicht sicher, was an diesem Tag anders warâŠ
Was ihn von den anderen Tagen abgehoben hatte, die sich so wie immer hĂ€tten anfĂŒhlen sollen, es aber nicht getan hatten.
AllerdingsâŠ
âDu sag malâŠâ, fing ich an, als Nao und ich uns fĂŒr die Mittagspause mal wieder auf die Dachterrasse verzogen hatten.
âŠkonnte ich heute einfach nicht anders.
âHm?â, machte mein bester Freund, wĂ€hrend er noch den Bissen von seinem Milchbrötchen kaute.
Bis eben an die Wand des TreppengebÀudes gelehnt, guckte er mich an.
Sie brachen mir das HerzâŠ
Diese ozeanblauen Augen, die ich schon mein Leben lang kannte.
Diese vertrauten Augen, in denen ein so durch und durch fremder Blick lagâŠ
Kurz schluckte ich, bevor ich mich durchringen konnte.
Ich schaute mein GegenĂŒber an.
âDuâŠâ, setzte ich an.
Ich konnte nicht lĂ€nger so tun, als wĂŒrde ich esâŠ
âDu bist nicht âČNaokiâ, oder?â
âŠnicht bemerken.








