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Herzen aus Eis, Schwingen aus Feuer

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Summary

Manche Geheimnisse werden nicht erzählt. Sie werden verborgen. Elena wächst in der Menschenwelt auf und hat sich schon immer gefragt, warum sie sich dort nie wirklich zugehörig fühlt. Doch tief in ihr schlummert etwas, von dem sie selbst nichts weiß. Etwas, das älter ist als ihre eigene Erinnerung. Etwas, das nicht für die Welt bestimmt war, in der sie aufgewachsen ist. Als sich Dinge ereignen, die niemand erklären kann, beginnt Elenas bisheriges Leben zu zerbrechen. Plötzlich tauchen Fragen auf, auf die selbst ihre Mutter keine Antworten geben will. Und irgendwo jenseits der Menschenwelt wartet eine Welt voller Drachen, Magie und Geheimnisse. Eine Welt, in der nicht jeder ist, was er zu sein scheint. Eine Welt, in der alte Feindschaften noch immer ihre Schatten werfen. Elena ahnt nicht, welche Verbindung sie zu dieser Welt hat – und warum ausgerechnet sie im Mittelpunkt von etwas stehen könnte, das lange vor ihrer Geburt begonnen hat. Manche Schicksale beginnen mit einer Entscheidung. Andere mit einer Wahrheit, die viel zu lange verborgen blieb. Und Elena steht kurz davor, ihre zu erfahren.

Genre
Fantasy
Author
Stefanie
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1– Das Erwachen

Der Duft frischer Blumen lag in der Luft.

Rosen, Tulpen, Gerbera und ein paar zarte Zweige von Schleierkraut standen auf dem großen Arbeitstisch vor Elena. Um sie herum herrschte das vertraute Treiben des Blumenladens – das leise Klappern von Scheren, das Rascheln von Papier und gelegentlich die Stimme eines Kunden, der sich beraten ließ.

Elena mochte diese Geräusche.

Sie hatten etwas Beruhigendes.

Mit beiden Händen hielt sie die Blumen vorsichtig zusammen und drehte den Strauß ein kleines Stück, um zu sehen, wie die Farben miteinander wirkten. Rot, Gelb, Weiß und verschiedene Rosatöne vermischten sich zu einem bunten Bild.

Ein kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen. So war es richtig.

Noch eine Gerbera ein wenig weiter nach außen.

Sie legte den Kopf leicht schief und betrachtete ihr Werk.

„Das sieht doch schon ganz gut aus“, murmelte sie leise zu sich selbst.

Sie nahm eine weitere Blume aus dem Eimer neben sich und schob sie vorsichtig zwischen die anderen.

Elena liebte solche Momente.

Wenn sie mit Blumen arbeitete, konnte sie für einen Augenblick alles um sich herum vergessen. Sie musste nicht darüber nachdenken, was andere von ihr hielten. Sie musste keine großen Gespräche führen und auch nicht versuchen, sich irgendwo einzufügen.

Hier wusste sie wenigstens, was sie tat.

Blumen brauchten keine Worte.

Man musste nur wissen, was zusammenpasste.

Elena betrachtete den Strauß erneut und band die Stiele schließlich mit einem dünnen Band zusammen.

Doch als sie sich gerade nach dem Papier umdrehte, hielt sie kurz inne.

Für einen Moment hatte sie das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. . Nicht wirklich etwas bestimmtes. Nur ein seltsames Gefühl, das sie sich selbst nicht erklären konnte.

Elena blinzelte und sah sich kurz um. Alles war wie immer.

Sie atmete tief durch und schüttelte leicht den Kopf.

„Alles gut“, flüsterte sie.

Dann nahm sie das Papier und begann, den bunten Strauß sorgfältig einzupacken.

Wie immer versuchte sie, sich nichts anmerken zu lassen.

Doch irgendwo tief in ihr wusste Elena bereits, dass sich etwas verändert hatte.

Sie konnte nur noch nicht sagen, was. Zuerst war es nur ein leichter Druck in ihrem Kopf.

Sie blinzelte und versuchte, sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Doch der Druck wurde stärker. Ihr Kopf fühlte sich schwer an und für einen kurzen Moment schien der Raum um sie herum nicht mehr ganz stillzustehen.

Dann kam der Schwindel plötzlich mit voller Wucht.

Elena griff nach dem Arbeitstisch, als der Boden unter ihren Füßen zu schwanken schien. Ihre Sicht verschwamm für einen Augenblick und ihr Körper verlor beinahe das Gleichgewicht.

Gerade noch bekam sie den Tisch zu fassen.

Sie blieb einige Sekunden regungslos stehen und atmete tief durch. Niemand schien etwas bemerkt zu haben. Das erleichterte Elena. Sie wollte nicht, dass plötzlich alle um sie herumstanden und sich Sorgen machten.

Langsam richtete sie sich wieder auf. Der Schwindel ließ ein wenig nach, doch ganz verschwunden war er nicht.

Vielleicht bin ich einfach nur müde.

Sie zwang sich zu einem kleinen Lächeln und ging nach hinten in den Mitarbeiterraum.

Dort setzte sie sich hin und nahm einen Schluck zu trinken. Eine Weile blieb sie sitzen, atmete ruhig durch und wartete, bis der Schwindel etwas nachließ. Nach einer Weile fühlte sie sich tatsächlich ein wenig besser.

Elena stand langsam auf und ging zurück in den Arbeitsbereich. Dort erzählte sie einer Kollegin kurz, dass ihr gerade schwindelig geworden war und sie sich etwas schwach fühlte.

Die Kollegin sah sie besorgt an.

„Dann pass bitte auf dich auf. Wenn es wieder schlimmer wird, sag sofort Bescheid, ja? Du musst dich nicht durch die Schicht quälen.“

Elena nickte.

„Mach ich. Mir geht es schon etwas besser.“

Ganz überzeugt war sie selbst davon zwar nicht, aber sie wollte trotzdem weiterarbeiten.

Zurück an ihrem Arbeitsplatz nahm sie den fertigen Strauß noch einmal kurz in die Hand. Trotz ihrer Müdigkeit musste sie lächeln. Er war bunt und lebendig geworden, genau so, wie sie ihn sich vorgestellt hatte.

Danach blieb der Schwindel weitgehend aus. Elena fühlte sich zwar weiterhin müde und nicht ganz wohl, doch sie konnte den restlichen Arbeitstag bewältigen.

Bis zum Schichtende kümmerte sie sich nur noch um leichte Aufräumarbeiten. Sie machte ihre Arbeitsfläche sauber, räumte übrig gebliebene Blumen und Materialien weg und legte ihre Werkzeuge zurück an ihren Platz.

Als ihre Schicht schließlich vorbei war, verabschiedete sie sich und machte sich direkt auf den Weg nach Hause. Sie wollte heute einfach nur noch ins Bett und sich ausruhen

Sie wohnte nicht weit vom Blumenladen entfernt, weshalb sie den Weg zu Fuß ging.

Die kleinen Straßen waren ihr vertraut. Kleine Geschäfte reihten sich an Wohnhäuser, während Elena langsam ihren Weg entlangging. Sie fühlte sich weiterhin erschöpft und wollte eigentlich nur noch nach Hause.

Ein paar Minuten lang passierte nichts.

Dann spürte sie plötzlich ein leichtes Kribbeln in ihren Händen.

Elena runzelte die Stirn und bewegte ihre Finger. Das Gefühl wurde stärker. Sie blieb stehen.

Noch bevor sie verstand, was gerade mit ihr geschah, erschienen zwischen ihren Fingern die ersten kleinen gelb-goldenen Funken.

Elena starrte auf ihre Hände. Die Funken flackerten zunächst nur schwach auf, wurden jedoch innerhalb weniger Sekunden stärker. Kleine goldene Lichtpunkte sprangen zwischen ihren Fingern hin und her und ließen ihre Hände für einen Moment in einem ungewöhnlichen Leuchten erscheinen.

Elena wusste nicht, was sie sah.

„Was …?“

Sie hob erschrocken eine Hand und versuchte, die Funken wegzuschlagen.

Doch die kleinen Lichtblitze flackerten nur noch einmal auf. Dann verschwanden sie.

Elena zog ihre Hand zurück und starrte völlig verwirrt auf ihre Finger.

Was war das gerade gewesen? Sie hatte keine Erklärung dafür.

Für einen Moment blieb sie einfach stehen. Dann spürte sie wieder die Erschöpfung, die noch immer in ihren Gliedern lag.

Sie wollte nur noch nach Hause. Ins Bett. Ausruhen.

Elena schüttelte leicht den Kopf und setzte ihren Weg fort. Sie wollte später darüber nachdenken. Der restliche Heimweg verlief ruhig. Weitere Funken erschienen nicht, und auch sonst passierte nichts Ungewöhnliches.

Als Elena schließlich ihre Straße erreichte und ihr Zuhause sah, war sie vor allem erleichtert.

Endlich zu Hause.

Sie öffnete die Haustür und trat langsam hinein.

Lyra kam aus der Küche, als sie die Haustür hörte. Sie wusste, dass Elena gerade von der Arbeit nach Hause gekommen war.

Doch als sie ihre Tochter sah, blieb sie kurz stehen. Elena war verschwitzt. Ihr Gesicht wirkte blasser als sonst und die Erschöpfung war ihr deutlich anzusehen.

Lyra musterte ihre Tochter besorgt.

„Hallo, mein Schatz. Wie siehst du denn aus? Ist alles okay bei dir?“

Elena sah ihre Mutter an und versuchte, ein kleines Lächeln zustande zu bringen.

„Ja, alles gut. Mir geht es nur heute nicht so gut.“

Lyra betrachtete sie weiterhin besorgt. Sie merkte sofort, dass Elena ihre Beschwerden herunterspielte.

Doch sie wollte ihre Tochter nicht direkt mit Fragen bedrängen.

„Hm, okay“, sagte sie schließlich. „Dann leg dich hin und ruh dich aus. Ich bring dir gleich was zu essen und zu trinken.“

Elena nickte erschöpft. Sie wollte einfach nur noch ins Bett. Nachdem Lyra ihr gesagt hatte, dass sie sich hinlegen und ausruhen sollte, ging Elena langsam in Richtung ihres Zimmers.

Dort angekommen, zog sie sich ihre Arbeitskleidung aus und schlüpfte in etwas Bequemes.

Ihr war immer noch viel zu warm.

Sie legte sich ins Bett und blieb ohne Decke liegen.

Für den Moment wollte sie einfach nur noch die Augen schließen und sich ausruhen.

Lyra ging zurück in die Küche.

Die Hühnersuppe, die sie ohnehin für das gemeinsame Abendessen gekocht hatte, stand noch warm auf dem Herd. Sie füllte eine Portion für Elena ab und machte dazu eine Tasse Tee.

Mit der Schüssel und der Tasse in den Händen ging sie zurück zu Elenas Zimmer.

Elena lag noch immer im Bett. Ihre Augen waren geschlossen, doch sie war noch wach.

Lyra setzte sich zu ihr.

„Ich hab dir die Suppe und deinen Tee gebracht.“

Elena öffnete die Augen und sah ihre Mutter an. Elena versuchte, sich selbst aufzusetzen.

Doch kaum stützte sie sich mit den Händen auf der Matratze ab, merkte sie, wie wenig Kraft sie hatte.

Ihre Arme gaben leicht nach. Lyra reagierte sofort.

„Warte, ich helfe dir.“

Sie setzte sich näher zu Elena und half ihr, sich aufzurichten.

Schon diese kleine Bewegung hatte sie mehr angestrengt, als sie erwartet hatte. . Lyra stellte die Schüssel neben Elena ab und nahm den Löffel.

„Komm, iss erstmal ein bisschen.“

Lyra gab Elena die ersten paar Löffel Hühnersuppe. Elena aß und machte zwischendurch immer wieder Pausen.

Nach einigen Löffeln stellte Lyra die Schüssel kurz zur Seite und reichte Elena die Tasse.

„Hier, Trink erstmal ein bisschen.“

Elena nahm die Tasse entgegen und trank einen kleinen Schluck.

Lyra blieb neben ihr sitzen und beobachtete sie aufmerksam.

„Erzähl mir mal, wie du dich genau fühlst“, fragte sie sanft. „Was hast du für Beschwerden?“

Elena hielt die Tasse noch immer in ihren Händen.

Einen Moment lang sagte sie nichts.

Dann sah sie zu ihrer Mutter.

„Mir ist schon den ganzen Tag so schwindelig“, begann sie leise. „Und ich fühle mich irgendwie … komisch.“

Elena senkte den Blick auf ihre Tasse.

„Heute bei der Arbeit bin ich fast umgekippt.“

Sie atmete kurz durch.

„Ich war einfach total erschöpft. Ich musste mich sogar hinsetzen, weil ich dachte, ich kippe um.“

Lyra sah sie besorgt an.

„Und dann?“

Elena zögerte.

„Auf dem Heimweg … da ist etwas Seltsames passiert.“

Lyra richtete ihren Blick auf Elena.

„Was ist passiert?“

Elena blickte auf ihre Hände.

„An meinen Händen waren plötzlich so komische Funken.“

Für einen kurzen Moment sagte Lyra nichts. Ihre Augen weiteten sich. Angst zeigte sich für einen Sekundenbruchteil deutlich in ihrem Gesicht, bevor sie versuchte, sie wieder zu verbergen.

„Funken?“, fragte sie noch einmal.

Elena nickte.

„Ja.“

Lyra zwang sich zu einem ruhigen Ton.

„Was für Funken?“

Elena blickte wieder auf ihre Hände.

„So … kleine. Erst waren es nur ein paar, aber dann wurden sie stärker.“

Sie zögerte kurz.

„Sie waren gelb. Irgendwie … goldfarben. Elena bemerkte ihre Reaktion nicht.

„Sie sind zwischen meinen Fingern gesprungen“, fuhr Elena leise fort. „Ich wusste überhaupt nicht, was ich machen soll.“

Sie hob eine Hand.

„Ich hab versucht, sie wegzuschlagen.“

Elena schüttelte leicht den Kopf.

„Und dann waren sie einfach wieder weg.“

Lyra legte ihre Hand auf Elenas.

„Hey. Ganz ruhig.“

Sie versuchte, ihre Stimme so ruhig wie möglich klingen zu lassen.

„Du hast heute einen schlechten Tag gehabt. Vielleicht bist du krank geworden oder hast dich übernommen.“

Elena sah ihre Mutter unsicher an. Lyra strich ihr über den Arm.

„Du musst dir jetzt keine Sorgen machen. Ruh dich erstmal aus, ja?“

„Okay."

Die Worte ihrer Mutter beruhigten sie ein wenig.

Lyra hingegen musste ihre Gedanken unter Kontrolle halten.

Denn was Elena gerade beschrieben hatte, konnte sie nicht einfach als gewöhnlichen Schwindel oder Erschöpfung abtun.

Sie wusste, dass die Funken etwas bedeuteten. Genau deshalb musste sie jetzt handeln.

Lyra blieb noch einen Moment neben Elena sitzen. Dann stand sie auf.

„Warte hier.“

Elena sah sie müde an.

„Wo gehst du hin?“

Lyra zögerte kurz.

„Ich hole dir etwas.“

Mehr sagte sie nicht.

Sie verließ das Zimmer und ging zu einer kleinen Schublade. Darin bewahrte sie etwas auf, das sie seit langer Zeit nicht mehr hervorgeholt hatte.

Ihre Hand blieb einen Moment über der Schublade liegen. Sie wusste genau, was darin lag. Doch Elena konnte sie die Wahrheit darüber noch nicht erzählen.

Lyra öffnete die Schublade und holte eine feine Kette mit einem ungewöhnlichen Kristall hervor.

Sie betrachtete ihn kurz. Dann schloss sie die Schublade wieder und kehrte zu Elena zurück.

Elena sah neugierig auf die Kette.

Lyra setzte sich wieder an das Bett und hielt Elena die Kette hin.

„Ich möchte, dass du die trägst.“

Elena betrachtete den Kristall verwirrt.

„Was ist das?“

Lyra hielt die Kette noch immer zwischen ihren Fingern und sah Elena an.

„Das ist ein Schutzkristall“, erklärte sie schließlich.

Elena betrachtete den Kristall noch einmal.

„Ein Schutzkristall?“

Lyra nickte.

„Ja. Er soll dir helfen, wenn du dich so schlecht fühlst. Ich möchte, dass du ihn erstmal bei dir trägst.“

Sie legte die Kette in Elenas Hände.

Elena sah den Kristall einen Moment lang an.

„Okay.“

Lyra lächelte und half Elena dabei, die Kette anzulegen.

Der Kristall lag nun auf Elenas Haut und fühlte sich kühl an.

Elena sah daran hinunter und strich darüber.

„Danke, Mama.“

Lyra lächelte sie an.

„Schon gut.“

Ihr Blick blieb am Kristall hängen. Dann sah sie wieder zu Elena.

„Du lässt ihn bitte erstmal an, ja?“

Elena nickte.

„Okay.“

Sie lehnte sich wieder etwas zurück und schloss die Augen. Lyra blieb neben ihr sitzen. Wenig später öffnete Elena wieder die Augen.

„Ich glaube … mir geht es ein bisschen besser.“

Lyra sah sie an.

„Wirklich?“

Elena nickte.

„Ja. Nicht viel, aber … irgendwie fühle ich mich gerade etwas besser.“

Ein kleines Lächeln erschien auf Lyras Gesicht. Die Anspannung in ihren Schultern ließ etwas nach.

„Das ist gut“, sagte sie leise. „Dann bleib erstmal liegen und ruh dich aus.“

Elena nickte und schloss wieder die Augen. Die Wärme der Suppe und der Tee taten ihr gut. Auch das unangenehme Gefühl in ihrem Körper schien etwas nachzulassen.

„Ich glaube, ich bin einfach nur müde“, murmelte sie.

Lyra strich ihr sanft über die Haare.

„Dann schlaf ein bisschen.“

Elena nickte.

Ihre Augen wurden schwerer.

Lyra blieb noch eine Weile neben ihr sitzen. Zum ersten Mal seit Elena nach Hause gekommen war, wirkte sie etwas entspannter.

Vielleicht war es wirklich nur die Erschöpfung und eine Nacht Schlaf würde alles wieder in Ordnung bringen. Lyra wollte daran glauben.

Doch während Elena ruhiger wurde, glitt Lyras Blick erneut zu dem Kristall an ihrer Kette.

Die Erleichterung verschwand aus ihrem Gesicht. Sie wusste, dass sie sich nicht darauf verlassen durfte.

Plötzlich hörte Lyra Schritte im Flur.

Adrian kam aus seinem Zimmer. Eigentlich wollte er nur seine Mutter fragen, wann es Essen gab. Als er an Elenas offener Tür vorbeikam, warf er einen kurzen Blick hinein.

Er blieb stehen, als er seine Mutter neben Elenas Bett sitzen sah.

„Mama? Wann gibt's Essen?“

Lyra sah zu ihm.

„Gleich.“

Adrian blickte zu Elena. Erst jetzt bemerkte er, dass seine Schwester im Bett lag.

„Was ist denn mit Elena?“

Elena öffnete die Augen und sah zu ihrem Bruder.

„Mir geht's heute nicht so gut.“

Adrian sah sie an.

„Was hast du denn?“

Elena zögerte.

„Ich weiß nicht genau. Mir ist schwindelig und ich fühle mich einfach nicht richtig.“

Adrian runzelte die Stirn.

„Oh. Okay …“

Er sah kurz zu Lyra, dann wieder zu seiner Schwester.

„Dann ruh dich lieber aus.“

„Mach ich“, antwortete Elena leise.

Adrian blieb noch kurz an der Tür stehen. Dann ging er weiter in Richtung Küche.

Lyra sah ihm hinterher und wandte sich wieder Elena zu.

Nachdem Adrian gegangen war, wurde es im Zimmer erneut still.

Lyra wollte gerade aufstehen, als Elena plötzlich ihre Finger bewegte.

Ein vertrautes Kribbeln breitete sich in ihren Händen aus. Diesmal war es stärker.

Elena öffnete die Augen und sah auf ihre Hände.

„Mama …?“

Lyra hielt inne.

„Was ist?“

Elena schluckte.

„Meine Hände …“

Das Kribbeln breitete sich weiter aus. Ihre Finger begannen zu zittern.

Elena sah ihre Mutter an.

„Ich glaube, da stimmt etwas nicht.“

Lyra trat näher an das Bett.

Ihr Blick fiel auf Elenas Hände.

Und dann sah sie es.

Ein winziger gelb-goldener Funke flackerte zwischen Elenas Fingern auf.

Lyra erstarrte.

Ihr Blick wanderte zu dem Kristall an Elenas Hals.

Er sollte das verhindern.

„Ganz ruhig“, sagte sie leise.

Elena sah ihre Mutter an.

„Was passiert mit mir?“

„Ich weiß es nicht genau. Versuch ruhig zu bleiben.“

Doch kaum hatte Lyra die Worte ausgesprochen, erschien der nächste Funke.

Diesmal war er heller.

Dann noch einer.

Elena begann zu zittern. Die Funken wurden stärker und sprangen schneller zwischen ihren Fingern hin und her.

„Mama …“, flüsterte Elena.

Ihre Stimme zitterte.

Lyra griff nach ihrer Hand.

„Ich bin hier.“

„Ich weiß nicht, was mit mir passiert.“

Elena bewegte ihre Finger, doch das Zittern wurde stärker.

„Schau mich an, Elena. Nicht auf deine Hände. Schau mich an.“

Elena hob den Blick.

Auch als sie ihre Hände nicht mehr ansah, konnte sie das warme Kribbeln spüren.

Und dann wurde es stärker.

Viel stärker.

Die goldenen Funken begannen sich über ihre Finger hinaus auszubreiten.

Lyra spürte, wie ihr Herz schneller schlug.

„Mama … ich kann das nicht kontrollieren.“

„Ich weiß. Bleib bei mir."

Doch die Funken leuchteten immer heller. Aus der Küche waren Schritte zu hören.

Adrian hatte die Stimmen aus Elenas Zimmer gehört. Er kam aus der Küche in den Flur und blieb an Elenas Tür stehen. Als er ins Zimmer sah, erstarrte er.

Sein Blick fiel auf die goldenen Funken, die zwischen den Fingern seiner Schwester sprangen.

„Was zum …?“

Er ging näher.

„Mama, was passiert mit ihr?“

Lyra sah zu ihm.

„Adrian, beruhige dich.“

„Ruhig?!“ Adrian sah zwischen seiner Mutter und Elena hin und her. „Was ist das? Warum sind da Funken an ihren Händen?“

Elena sah ihren Bruder an.

„Ich weiß es nicht …“

Adrian blickte zwischen Elena und seiner Mutter hin und her.

Zum ersten Mal wurde ihm klar, dass seine Mutter etwas wusste, das sie ihm bisher verschwiegen hatte.

Adrian sah seine Mutter fragend an

„Mama … was ist das?“

Lyra antwortete nicht sofort. Ihr Blick blieb auf Elena gerichtet.

Die goldenen Funken wurden immer heller und sprangen inzwischen so schnell zwischen Elenas Fingern hin und her, dass Lyra ihnen kaum noch mit den Augen folgen konnte.

„Adrian, geh bitte ein Stück zurück.“

„Aber was passiert mit ihr?“

„Bitte.“

Etwas in Lyras Stimme ließ ihn innehalten. Adrian machte einen Schritt zurück, blieb aber in der Nähe der Tür stehen.

Elena spürte inzwischen die Wärme bis in ihre Arme. Ihr Atem ging schneller.

„Mama …“

Lyra setzte sich näher zu ihr.

„Ich bin hier.“

Elena sah sie mit müden, verängstigten Augen an.

„Ich kann das nicht kontrollieren.“

„Ich weiß.“

Lyra nahm ihre Hand.

Doch kaum berührte sie Elena, zuckte ein goldener Funke zwischen ihren Fingern auf.

Lyra zog ihre Hand nicht zurück. Sie blieb ruhig.

Zumindest versuchte sie es. Ihr Blick wanderte erneut zu dem Kristall an Elenas Hals. Er sollte ihr helfen.

Und für einen kurzen Moment hatte es auch so ausgesehen. Doch jetzt reichte seine Wirkung offenbar nicht mehr aus.

„Mama … warum hilft der Kristall nicht?“

Lyra schluckte. Sie wusste, dass sie Elena die Wahrheit noch nicht sagen konnte. Nicht jetzt.

„Er versucht dir zu helfen“, sagte sie leise. „Du musst nur ruhig bleiben.“

Elena schloss für einen Moment die Augen. Doch das Kribbeln wurde stärker.

Und diesmal blieb es nicht bei ihren Händen. Die Wärme breitete sich weiter durch ihren Körper aus.

Elena verzog leicht das Gesicht.

„Es fühlt sich an, als würde etwas in mir … immer stärker werden.“

Lyra sah sie erschrocken an.

Adrian hatte jedes Wort gehört.

„Was meinst du mit in dir?“

Lyra wandte sich ihm zu.Diesmal wusste sie nicht, was sie antworten sollte.

Adrian wartete auf eine Erklärung.Doch bevor Lyra etwas sagen konnte, zuckte Elena plötzlich zusammen.

Ein heller goldener Funke sprang von ihrer Hand auf die Bettdecke und verglühte dort augenblicklich.

„Elena!“

„Ich hab nichts gemacht“, sagte sie erschrocken.

„Ich weiß.“

Lyra rückte noch näher an sie heran.

„Du musst dich nicht dafür entschuldigen.“

Ein weiterer Funke erschien.

Dann noch einer.

Die goldenen Lichtpunkte wurden größer und breiteten sich über Elenas Hände und Unterarme aus.

Adrian sah fassungslos zu.

„Das wird immer schlimmer.“

Lyra nickte kaum merklich.

„Ja.“

Sie legte ihre Hand auf den Kristall.

Er war warm geworden. Viel wärmer als zuvor. Lyra schloss für einen Moment die Augen.

Der Kristall versuchte noch immer, Elenas Magie zu stabilisieren.

Aber seine Wirkung reichte nicht mehr aus. Sie konnte es spüren. Und genau das bereitete ihr Angst.

„Mama?“

Lyra öffnete die Augen. Elena sah sie müde an.

„Warum guckst du so?“

Lyra zwang sich zu einem kleinen Lächeln.

„Ich mache mir nur Sorgen um dich.“

Elena wollte etwas erwidern, doch plötzlich verlor ihr Blick den Fokus.

Sie blinzelte.

Einmal.

Dann noch einmal.

„Der Raum … dreht sich.“

Lyra griff sofort nach ihrer Schulter.

„Bleib liegen.“

„Ich bin doch schon im Bett.“

Lyra sah sie kurz an.

Trotz der Angst musste sie bei den Worten ihrer Tochter kurz schmunzeln.Doch der kurze Moment der Erleichterung verschwand sofort wieder.

Denn Elena wurde mit einem Mal deutlich blasser.

Ihre Augen fielen für einen Moment zu.

„Elena?“

Sie öffnete sie wieder.

„Ich bin noch wach.“

Lyra legte ihre Hand auf Elenas Schulter.

„Gut. Bleib einfach bei mir.“

Doch tief in ihrem Inneren wusste Lyra inzwischen: Das würde nicht mehr lange gut gehen.

Lyra blieb dicht neben Elena sitzen.

Sie versuchte, ruhig zu wirken, doch ihre Gedanken überschlugen sich.

Der Kristall reichte nicht aus.

Das konnte nicht sein.

Nicht schon jetzt.

Elena atmete schwerer.

Die goldenen Funken flackerten inzwischen nicht mehr nur zwischen ihren Fingern. Sie tanzten über ihre Hände und verschwanden wieder, bevor neue an ihrer Stelle aufleuchteten.

„Mama …“

„Ja, mein Schatz?“

„Warum hört das nicht auf?“

„Ich weiß es nicht.“

Diesmal war es keine Ausrede. Sie wusste es wirklich nicht.

Adrian stand noch immer einige Schritte entfernt.

Er sah, wie seine Mutter versuchte, Elena zu beruhigen, und gleichzeitig bemerkte er etwas, das ihn noch mehr beunruhigte:

Lyra hatte Angst.

Nicht die normale Sorge einer Mutter. Es war etwas anderes.

„Mama“, sagte er leise.

Lyra sah zu ihm.

„Du weißt doch, was mit ihr passiert.“

Lyra schwieg.

Adrian machte einen kleinen Schritt näher.

„Oder?“

Elena öffnete die Augen. Sie ließ ihren Blick von Adrian zu ihrer Mutter wandern.

„Mama … weißt du, was mit mir los ist?“

Lyra konnte ihrem Blick nicht ausweichen. Für einen Moment schien sie nach den richtigen Worten zu suchen.

Doch dann flackerte ein besonders heller goldener Funke auf.

Elena zuckte zusammen. Ihr Atem stockte.

„Elena!“

„Es tut nicht weh“, flüsterte Elena. „Aber … ich fühle mich so schwach.“

Lyra sah auf ihre Hände.

Die Funken wurden wieder stärker. Und der Kristall an Elenas Hals konnte sie nicht mehr vollständig kompensieren.

Lyra wusste jetzt, dass sie eine Entscheidung treffen musste. Sie konnte nicht länger so tun, als würde alles wieder von allein verschwinden.

Doch bevor sie etwas sagen konnte, veränderte sich Elenas Blick.

„Mama …?“

„Ich bin hier.“

Elena versuchte, ihre Mutter anzusehen, doch ihr Blick wurde immer verschwommener.

„Ich kann dich irgendwie nicht mehr richtig sehen.“

Lyra wurde blass.

„Elena? Hörst du mich?“

Elena nickte schwach.

„Ja …“

Ihre Stimme war kaum noch zu hören.Die goldenen Funken flackerten immer schneller über ihre Hände. Adrian trat erschrocken näher.

„Mama, sie wird immer blasser.“

„Ich sehe es.“

Lyra beugte sich etwas zu ihr.

„Elena, bleib bei mir. Schau mich an.“

Elena versuchte, den Blick auf ihre Mutter zu richten. Doch ihre Augen wurden schwer.

„Ich bin so müde …“

„Ich weiß, mein Schatz. Aber du musst noch ein bisschen wach bleiben.“

Elena wollte antworten.

Doch ihre Lippen bewegten sich nur noch leicht.

Ein letzter goldener Funke sprang zwischen ihren Fingern auf.

Dann erschlafften ihre Hände.

Ihre Augen schlossen sich.

„Elena!“

Lyra beugte sich sofort über sie.

„Elena, hörst du mich?“

Keine Antwort.

Adrian stand wie angewurzelt neben dem Bett.

„Mama …?“

Lyra legte vorsichtig zwei Finger an Elenas Hals und spürte ihren Puls.

Er war da. Elena atmete ruhig. Aber sie reagierte nicht.

Sie wusste jetzt endgültig: Das war keine einfache Erschöpfung mehr.

Lyra blieb neben Elena sitzen und sah auf ihre Tochter hinab. Elena lag still im Bett.

Ihr Atem ging ruhig, doch sie reagierte nicht.

Adrian stand noch immer neben dem Bett und wusste nicht, was er tun sollte.

„Mama …“

Lyra sah zu ihm.

„Sie ist bewusstlos“, sagte sie leise. „Aber sie atmet.“

Adrian schluckte.

„Ist sie … krank?“

Lyra antwortete nicht sofort. Ihr Blick fiel wieder auf den Kristall. Er lag noch immer an Elenas Hals.

Doch die goldenen Funken waren nicht verschwunden. Einzelne kleine Lichtpunkte flackerten schwach zwischen Elenas Fingern auf.

Lyra legte die Finger an den Kristall. Er war inzwischen ungewöhnlich warm. Er konnte ihre Magie nicht mehr ausreichend stabilisieren. Genau davor hatte sie sich gefürchtet.

„Mama?“

Lyra öffnete die Augen. Adrian sah sie an.

„Was sollen wir machen?“

Lyra blickte zu Elena.

Für einen Moment sträubte sich alles in ihr dagegen, diesen nächsten Schritt zu gehen.

Sie hatte Elena all die Jahre aus dieser Welt herausgehalten. Sie hatte gehofft, dass sie noch Zeit hätte. Dass Elena noch ein normales Leben führen könnte.

Doch jetzt lag ihre Tochter bewusstlos vor ihr. Und Lyra wusste:

Sie brauchte Hilfe.

Sie stand auf.

„Ich muss jemanden anrufen.“

Adrian runzelte die Stirn.

„Wen?“

Lyra sah ihn an. Diesmal wich sie seinem Blick nicht aus.

„Jemanden, der ihr helfen kann.“

Adrian wollte gerade weiterfragen.

Doch in diesem Moment flackerte ein weiterer goldener Funke über Elenas Hand.

Beide sahen zu ihr.

Lyra wusste, dass sie keine Zeit mehr hatte.

Sie ging einen Schritt vom Bett zurück und sah noch einmal zu Elena.

Ihre Tochter lag reglos da.

Nur ihr ruhiger Atem zeigte, dass sie noch immer lebte.

Lyra schluckte.

All die Jahre hatte Lyra gehofft, diesen Moment verhindern zu können. Elena sollte niemals erfahren müssen, wer sie wirklich war.

Doch jetzt war die Magie erwacht.

Und sie ließ sich nicht länger verbergen.

„Mama?“

Adrians Stimme holte sie aus ihren Gedanken. Lyra sah zu ihm.

„Was passiert jetzt mit ihr?“

Lyra ging wieder zum Bett und setzte sich neben Elena. Sie nahm ihre Hand.

„Ich weiß gerade nicht, wie ich ihr helfen kann.”

Adrian sah seine Mutter erschrocken an.

„Aber du kannst ihr doch helfen.“

Lyra blickte auf Elena. Ihre Finger bewegten sich nicht.

Doch zwischen ihnen erschien noch einmal ein winziger goldener Schimmer.

Lyra zog langsam die Luft ein.

„Ich habe es versucht.“

Adrian schwieg. Zum ersten Mal sah er seine Mutter nicht nur besorgt an.

Er sah Angst in ihrem Gesicht.

„Mama … wer kann ihr helfen?“

Lyra antwortete nicht sofort. Ihr Blick wanderte zu dem Kristall. Doch jetzt reichte seine Wirkung nicht mehr aus.

Lyra wusste, dass sie allein keine Lösung mehr finden würde.

Sie stand auf.

„Bleib bei deiner Schwester.“

Adrian nickte sofort.

„Okay.“

Lyra ging zur Tür.

Doch bevor sie den Raum verlassen konnte, blieb sie noch einmal stehen.

Sie drehte sich um und sah Elena an.

Für einen kurzen Moment kamen all die Jahre zurück – der Tag, an dem sie Elena in die Menschenwelt gebracht und ihre wahre Herkunft vor ihr verborgen hatte.

Und jetzt war es passiert. Lyra schloss kurz die Augen.

„Es tut mir leid, mein Schatz.“

Dann wandte sie sich ab. Sie wusste, was sie tun musste. Sie musste Hilfe holen.

Denn wenn sie jetzt nichts unternahm, würde Elena nicht nur bewusstlos bleiben.

Ihre Magie würde weiter an Stärke gewinnen.

Und Lyra hatte keine Ahnung, wie lange sie das noch aufhalten konnte.

Sie verließ das Zimmer. Adrian blieb allein mit seiner Schwester zurück.

Er setzte sich vorsichtig auf die Bettkante und sah Elena an.

„Was ist nur mit dir passiert?“, flüsterte er.

Elena antwortete nicht. Ihr Atem ging ruhig, während sie reglos im Bett lag.

Adrian sah zu dem Kristall an ihrem Hals. Dann blickte er zur Tür, durch die seine Mutter gerade verschwunden war.

Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, dass seine Familie ihm etwas Wichtiges verschwieg.

Und irgendwo tief in ihm wusste er, dass dieser Abend nicht einfach vorbeigehen würde.

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Mieha: Nice story, it keep me interested to continue Reading. i don't feel bored at all. Good job!

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