Kapitel 1: Die drei Clans
Wir schreiben das Jahr 1265. Es ist ein düsteres Zeitalter, in dem drei Völker um ihre Vorherrschaft kämpfen: die Menschen, die Vampire und die Lykaner.
Doch selbst unter den Lykanern herrscht keine Einigkeit. Die verschiedenen Clans verfolgen ihre eigenen Vorstellungen und Ziele. Drei große Clans bestimmen das Leben der Lykaner:
Der Klauen-Clanist für seine Stärke und seinen außergewöhnlichen Zusammenhalt bekannt. Für ihn steht das Rudel über allem, und kein Mitglied wird zurückgelassen.
Der Reißzahn-Clanlebt wild und eng mit der Natur verbunden. Seine Mitglieder sind ungezähmt, stolz und fühlen sich in den Wäldern wohler als in den Siedlungen der Menschen.
Der Rotaugen-Clanhingegen ist für seine Blutgier und Eitelkeit gefürchtet. Die roten Augen seiner Mitglieder betrachten sie als Zeichen wahrer Macht. Sie halten sich deshalb für etwas Besseres als die anderen Lykaner.
Doch solange die Clans zerstritten sind, sind sie verwundbar.Und während Vampire und Menschen ihre eigenen Pläne verfolgen, ahnt noch niemand, dass eine Zeit bevorsteht, die das Schicksal aller drei Völker verändern wird.
Es war eine düstere Zeit. Der Mond schien hell über den dunklen Wald, während ein kalter Wind durch die Bäume pfiff und ihre Äste zum Knarren und Biegen brachte. Raben krächzten in der Nacht und beobachteten aufmerksam, was tief im Wald geschah.Plötzlich huschte ein Schatten durch das Gebüsch.Ein Heulen ertönte in der Dunkelheit.Kurz darauf erschien eine große, haarige Gestalt im silbernen Licht des Mondes.Es war Rufus, der Anführer des Klauen-Clans.In seiner Lykaner-Gestalt glich er einem gewaltigen Wolf. Sein zotteliges, braunes Fell bewegte sich im Wind. Seine mächtigen Klauen waren scharf genug, um einen Baum zu spalten, und sein kräftiger Kiefer konnte selbst einen gefährlichen Gegner zu Fall bringen.Doch Rufus war in dieser Nacht nicht zum Jagen gewöhnlicher Beute unterwegs.Ein Vampirspäher hatte sich in das Gebiet des Klauen-Clans gewagt.Sein Auftrag war es, Informationen über den Clan zu sammeln und so eine Schwachstelle zu finden, die sein eigener Clan später ausnutzen konnte.Der Vampir war schnell. Sehr schnell.Doch Rufus war schneller.In seiner Lykaner-Gestalt konnte er sich mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den Wald bewegen. Sein Geruchssinn war schärfer als der jedes anderen Lykaners in seinem Clan.Trotzdem war dieser Vampir kein gewöhnlicher Späher.Vampire besaßen ebenfalls außergewöhnliche Sinne. Zwar konnten sie nicht annähernd so gut riechen wie Lykaner, doch ihr Gehör und ihre Sicht waren den menschlichen Sinnen weit überlegen.Rufus musste vorsichtig sein.Doch er war nicht allein.An seiner Seite jagte Atran, seine rechte Hand. Fast genauso groß wie Rufus und mit einer auffälligen weißgrauen Mähne, war Atran einer der stärksten Krieger des Klauen-Clans.Gemeinsam trieben sie den Vampir immer weiter in die Enge.Der Späher bemerkte zu spät, dass er umzingelt war.Rufus blieb stehen.„Atran.”Mehr musste er nicht sagen.Atran verstand sofort.Mit einem gewaltigen Satz sprang er aus dem Schatten hervor und stürzte sich auf den Vampir. Dieser verlor das Gleichgewicht und fiel zu Boden.Doch der Vampir reagierte schnell.Er zog sein Schwert und schlug nach Atran.Die Klinge sauste durch die Luft.Atran wich im letzten Moment zur Seite aus.Jetzt war Rufus an der Reihe.Er schnellte nach vorne und schlug mit seiner mächtigen Klaue zu.Der Vampir war schwer verwundet. Blut tropfte auf den feuchten Waldboden.
„Ah! Du dreckiger Lykaner!“, brüllte er vor Schmerz.Rufus lachte. „Hahaha! Selbst schuld, wenn du dich in mein Reich wagst.”Der Vampir richtete sich mühsam auf und fletschte die Zähne.„Es ist egal. Ihr werdet sowieso bald alle sterben, ihr stinkenden Hunde!”Rufus’ Blick wurde finster.Der Vampir grinste hämisch.„Der Vampirfürst Lord Ludwig der Grauenhafte wird den Adel der Vampire vereinen und eine Armee aufstellen. Dann werden wir sowohl die Menschen als auch euch Biester zermalmen!”Für einen Moment herrschte Stille.Rufus hatte genug gehört.Mit einem schnellen Satz stürzte er sich auf den Vampir und biss ihm die Kehle durch.Der Vampir röchelte noch einmal, bevor sein Körper zu zerfallen begann. Innerhalb weniger Augenblicke zerfiel er zu Staub, der vom kalten Wind davongetragen wurde.Rufus blickte auf die Stelle, an der der Vampir gelegen hatte.Die Jagd war vorüber.Doch was der Vampir gesagt hatte, ließ ihm keine Ruhe.Lord Ludwig der Grauenhafte.Ein Name, den Rufus so schnell nicht vergessen würde.








