1. Was?
Wie ist das nur passiert, fragt sich Dana Remington. Sie liegt in ihrem Bett und sieht ungläubig neben sich. Dort liegt ihre größte Rivalin Becca Antonelli. Zu Danas Überraschung ist Becca vom Hals abwärts nackt. Dana zuckt überrascht zusammen als Becca sich bewegt und sich an Dana kuschelt. Wie ist es nur so weit gekommen fragt sich Dana.
Dana Remington ist eine 23 Jahre alte US-Amerikanerin die für einen französischen Radrennstall fährt. Sie ist eine der bekanntesten US-Amerikanischen Athletinnen im Straßenradsport und seit 2 Jahren als Spitzenfahrerin bei ihrem Team Les Femmes Volantes (deut.: Die fliegenden Frauen). Im Team fahren insgesamt 6 Fahrerinnen die Womens World Tour. Das ist die größte jährliche Weltmeisterschaft im Frauen Straßenradsport. Von den 6 Fahrerinnen sind drei Spitzenfahrerinnen und drei als Unterstützungsfahrerinnen eingeteilt. Die Spitzenfahrerinnen sind die die um den Sieg fahren und die Unterstützungsfahrerinnen sind für Bergetappen, Windschatten oder technische Probleme dabei. Sie unterstützen immer für den Fall dass die mit fahrenden Teamfahrzeuge nicht helfen können oder die Reparatur vor Ort zu lange dauern würde. Dann werden einfach die Fahrräder getauscht und die Spitzenfahrerin kann weiterfahren.
Die Les Femmes Volantes sind eine der besten Adressen für weibliche Radrennfahrerinnen und Dana hat jahrelang dafür trainiert und Erfolge eingefahren um genau für dieses Team zu fahren. Sie ist stolz eine Les Femmes Volantes zu sein, aber umso überraschter war sie als Becca Antonelli ins Team kommt. Sie ist wie Dana 23 Jahre alt und aus Italien. In den letzten Jahren war sie Danas größte Rivalin um den Titel der Bergfahrerin bei der Tour de France Femmes. Das ist der weibliche Pendant zur von den Männern gefahrenen Tour de France. Die Tour der Frauen hat weniger Etappen als die der Herren. Aber seit der ersten Durchführung, ist es in kürzester Zeit zum wichtigsten Event im Kalender der weiblichen Rennradfahrerinnen geworden.
Die Ausgabe in diesem Jahr startet Anfang August in der Schweiz nach Frankreich und geht über 8 Etappen. Anfang Januar beginnt die Womens World Tour und die besteht aus Tagesrennen und Etappenrennen. Wobei nur drei Events mehr als 5 Tage lang sind. Das ist einmal die Vuelta Feminina in Spanien die Ende April startet und Anfang Mai endet. Die zweite größere Veranstaltung ist der Giro Donne in Italien Mitte Juni und die Tour de France Femmes Anfang August in Frankreich ist das Größte der drei Events. Die drei großen Veranstaltungen sind wegen ihrem Namen und den vielen Etappen reizvoll, aber einzelne Tagesrennen und 2 oder 3 Etappenrennen bringen über das Jahr verteilt das Preisgeld. Für Dana zählt vom sportlichen Gesichtspunkt, aber nur die Tour de France Femmes. Es ist das größte Rennen bei den Herren und die Variante für Frauen findet teilweise auf den gleichen Etappen statt. Auf den gleichen Etappen wie die größten Stars der Branche zu fahren, erfüllt sie mit Stolz. Sie möchte dieses Jahr nicht nur die beste Bergfahrerin werden, sondern um das gelbe Trikot und damit den Gesamtsieg bei der Tour fahren.
Doch als Becca ins Team kommt, verliert Dana den Fokus. Sie hatte schon Gerüchte über einen Wechsel von Becca zu einem der Topteams gehört. Doch Dana dachte immer dass sie zu den Speed Champions aus England wechselt. Das ist eins der größten rivalisierenden Teams der Les Femmes Volantes. Umso überraschter war sie als ihr Team Ende der vergangen Saison bekannt gibt, dass Becca zu ihnen wechselt. Ihre Vorgängerin Marie Le Mare hatte ihre Karriere beendet und ist ins Management der Les Femmes Volantes gewechselt.
Wie ist es soweit gekommen fragt sich Dana und erinnert sich zurück. „Wieso ist sie hierher gewechselt?“ fragt Dana. „Weil es eins der besten Teams im Frauenradrennsport ist.“ sagt ihr Manager Carlos Mendoza. Er war in seiner eigenen Karriere einer der besten spanischen Radrennfahrer und Dana ist glücklich das er sie managt. Sie vertraut seiner Meinung und seinem Urteilsvermögen, weil er viel Erfahrung, gute Kontakte und Beziehungen in der Branche hat. „Das weiß ich.“ „Aber sie ist meine größte Rivalin im letzten Jahr gewesen.“ „Sie hat manchmal ziemlich abgezockt gewirkt und mir meinen versöhnlichen Abschluss der letzten Tour de France Femmes vereitelt.“ sagt Dana.
Damit spielt sie auf einen Zwischenfall bei der letztjährigen Ausgabe der Tour de France Femmes an. Der Gesamtsieg war Francis Mondena nicht mehr zu nehmen, aber die letzte Etappe war keine Bergetappe und trotzdem war Dana im Spitzenfeld dabei. Sie hatte eine gute Bergwertung, doch Becca hat Dana den ersten Platz in der Bergwertung bei der vorletzten Etappe weggeschnappt. Deshalb wollte Dana wenigstens noch eine Etappe gewinnen, um es sich und ihren Kritikern zu beweisen. Sie hatte vor zwei Jahren bereits eine Etappe gewonnen, aber im letzten Jahr läuft nichts zusammen. Erst hat sie die Bergwertung verloren und dann hat Becca sie in einem dramatischen Zielsprint um den Sieg der letzten Etappe gebracht.
In den weiteren Events der restlichen Saison ist Dana so aggressiv gefahren, dass sie ihre möglichen Siege immer kurz vor Schluss weg geworfen hat. Sie ist entweder gleich zu Beginn gestürzt und hat dann nicht mehr aufholen können oder war zum Schluss auf den letzten Kilometern zu Sturz gekommen. Die Presse und andere einflussreiche Expertinnen haben ihr zum Ende der Saison den Titel der Sturzqueen verliehen und sie war dem entsprechend wütend. Immer wenn sie stürzte dachte sie an Becca. Die fuhr immer in ihrer Nähe und Dana hat mit irgendeiner Aktion von Becca gerechnet um ihr den Erfolg weg zunehmen. Das hat Dana unkonzentriert werden lassen und hat zu den Fehlern geführt. Dann kam die Nachricht von Beccas Wechsel und Danas Gedanken waren wieder bei Becca.








