Prolog
Ein Regentropfen tropft von meinem Kinn und fällt zu Boden. Er fällt keineswegs auf, zwischen all den anderen tausend Regentropfen, welche gegen die Kapuze meines schwarzen Regencapes trommeln. Meine kleinen Freunde haben sich eng an mich geschmiegt und sind beinahe mit meinem Mantel verschmolzen, nur der leichte lila Schimmer ihrer Flügel hebt sie von dem dunklen schwarz hervor. Ich horche auf, als ich Schritte in unmittelbarer Nähe höre. Meine violetten Augen huschen durch die Nacht, aufmerksam erfassen sie alles was sich in der kleinen Mondbeschienenen Gasse befindet. Eine Katze putzt sich im Hauseingang einer alten Villa, ein Waschbär wühlt in einer umgefallenen Mülltonne und aus einer Seitengasse rechts von mir kommen nun ein paar Männer heraus. Ich drücke mich eng unter die Treppe, welche ich als mein Versteck gewählt habe. Sie führt zu einem großen verlassenen Haus. Beinahe alles in dieser Gegend ist verlassen und veraltet. Ich sitze zitternd unter der Treppe, während die Männer immer näher kommen. Sie murmeln leise vor sich hin, doch noch kann ich sie nicht verstehen. Erst als die Männer die Treppe erreichen gelingt es mir, das Gespräch zu verfolgen.
„Warum ausgerechnet bei einem solchen Hundewetter!“, schimpfte einer der Männer mit rauer Stimme.
„Wie oft noch du Idiot, bei Regen sind sie nicht halb so stark wie im Trockenen!“, die Stimme die antwortet klingt kalt, als bohre sich ein Eiszapfen in meine Brust. Leider hat sie recht, die dicken Regentropfen schwächen die Flügel meiner kleinen Schmetterlingsfreunde, und lassen sie erlahmen.
„Einige Leute haben hier in der Gegend außergewöhnlich viele lilafarbenen Schmetterlinge gesichtet in letzter Zeit, falls diese Schwärmerin sich hier tatsächlich aufhalten sollte, ist jetzt der perfekte Moment sie zu erwischen”, erklärt die kühle Stimme weiter. Die Männer laufen nun nah an mir vorbei und ich kann ihre Mäntel von hinten betrachten. Es sind vier an der Zahl, alle haben ein riesiges silbernes schildartiges Wappen mit der Aufschrift C.O.R.E. auf dem Rücken prangen. Lautlos erhebe ich mich. Ein paar der Schmetterlinge flattern in die Luft. Alle vier Männer tragen Waffen über der Schulter. Drei Netzwaffen, zum Fangen der Schmetterlinge und eine Betäubungswaffe, für mich höchstpersönlich. Ich schleiche noch ein Stück näher an die Gruppe heran, dann ziehe ich meine Arme hinter meinen Körper und lasse sie wieder nach vorne schwingen. Sofort flattern meine Helfer auf die hinteren beiden Männer zu. Ich schwenke meine Arme nach außen und sofort reißen die Schmetterlinge die Waffen aus den Händen der verdutzten Männer. Die anderen beiden drehen sich um. Der Mann mit der Betäubungpistole zielt auf mich, verfehlt jedoch, da meine Schmetterlinge ihm geradewegs ins Gesicht fliegen. Die Schmetterlinge beginnen nun die drei kampfunfähigen Männer in Kokons zu verwandeln. Wie ein Wirbelsturm fegen sie um sie herum und spinnen sie in Windeseile zu einer Puppe aus seidigen Fäden. Mit einem Wink rufe ich meine Freunde zurück. Der letzte Mann, welcher die Betäubungspistole betätigt hatte schaut zu mir auf. Ich schlucke. Eisig blaue Augen kreuzen meine eigenen. Wieder dieses Gefühl, als würde ein Eiszapfen sich tief ihn meine Brust rammen! Seine Augen scheinen mir etwas zu sagen: Nächstes mal bist du dran, wir haben gerade erst angefangen dich zu jagen! Er lächelt. Entschlossen drehe ich mich um, um in der dunklen Nacht zu verschwinden.








