Chapter 1
Gelangweilt saß Katharina auf einem der vielen Sessel, die verstreut im Raum standen. Das Mädchen sah sich unauffällig um. Die Party war gut gefüllt. Auf der Tanzfläche bewegten sich ein gute Hand von Leute zur Musik. Von der Bar halte Gelächter herüber und fast alle Tische waren mit lachenden und diskutierenden Gästen gefüllt. Einzelne Leute warteten am Rand vor den Toiletten, sonst war jeder mit sich selbst oder Freunden beschäftigt. Gut so!
Sie drückte auf den kleinen unscheinbaren Knopf, den sie wie immer im Ohr hatte. Die tiefe Stimme von ihrem Boss erklang: „Er sollte gleich hereinkommen. Schwarze Hose, schwarze Jacke, weißes Hemd. Der Wagen wartet zwei Straßen weiter. Du hast 10 Minuten.“ „Verstanden.“, bestätigte Katharina „Ich schaff ’s in 7“ Sie sah zur Tür.
In diesem Moment betrat ein Mann mit schwarzer Jacke den Raum. Er schob sich an einem wütend streitenden Paar vorbei und ging zur Bar. Katharina musterte ihn eingehend. Der Mann war groß, schlank und hatte lockige schwarze Haare, die ihm über die Augen fielen. Er war jünger als sie erwartet hatte. Vielleicht frühe Mitte zwanziger Er erinnerte das Mädchen an irgendjemand… Aber egal! Dies war nur ein weiterer Job, eine Abwechslung zum Alltag, der ausgeführt werden musste. Ihre Augen fanden den gesuchten schwarzen Aktenkoffer. Der Mann trug ihn dicht am Körper in der rechten Hand, immer darauf bedacht ihn von vorbeigehenden Menschen abzuschirmen. Sie erhob sich und strich ihr dunkelrotes Kleid glatt. Langsam ging sie auf den Mann zu und stützte sich neben ihm auf den Tresen. „Und was hat Sie hierher verschlagen?“ fragte Katharina im Plauderton. Der Mann wandte ihr sein Gesicht zu. „Bist du nicht noch viel zu jung, um dich auf so einer Party herumzutreiben?“, entgegnete er ruhig. Berechtigte Frage. „Ich bin älter als ich aussehe. Möchten Sie etwas trinken?“ „Ich nehme einen Bourbon und für Sie?“ „Oh, ein alkoholfreier Mojito. Danke!“
Während er bestellte, setzte sich Katharina auf einen der Barhocker. Ihr fiel auf, dass der Koffer mit Handschellen an das Handgelenk befestigt worden war. Auch die silbernen Schnallen sahen stabil aus. Das mit den 7 Minuten würde knapp werden. Ihre Drinks kamen und der Mann nahm einen Schluck. Katharina rührte in ihrem Glas ohne einen Schluck zu nehemn. „Wie heißen Sie denn?“, fragte sie in der Hoffnung, er würde sich eine Unterhaltung verwickeln lassen. „Was wollen Sie?“, stellte er eine Gegenfrage. „Ich… verstehe nicht“, meinte Katharina unsicher. Der direkte Tonfall überraschte sie. „Wir sind hier zwar auf einer Party, aber keiner achtet auf uns. Also hören Sie auf die Unschuldige zu spielen und sagen Sie mir, was Sie wollen.“. Seine Stimme war immer noch ruhig und höflich, doch er strahlte eine Präsenz aus, bei der man merkte, dass man sich nicht mit ihm anlegen sollte. Er wandte sich ab und nahm noch einen Schluck. Dann Plan B.
Katharina erhob sich, als wollte sie gehen und griff in ihre Tasche. „Sie haben Recht, keiner achtet auf uns. Wenn ich also schnell genug bin…“ Sie strich über seinen Rücken „…schaff ich es ihnen dieses Messer in den Rücken zu stoßen, ohne dass es jemand merkt.“ Sie stoppte so, dass sich die Klinge in die Jacke bohrte, jedoch ohne diese zu beschädigen. „Geben Sie mir den Koffer!“
„Vergessen Sie es!“, antwortete er mit einem Lächeln. Man, war der entspannt. Das musste sie ihm lassen. „Sie werden mir nichts tun.“, sprach er weiter. „Denken Sie, ich trau mich nicht?“, zischte Katharina. „Sie sind noch ein Kind! Sie werden niemanden umbringen, nur wegen einem dummen Koffer, der nicht einmal für Sie ist.“ Da hatte er sogar Recht.
„Nein, das werde ich wahrscheinlich nicht. Aber heute reicht es auch, wenn ich Sie nur verletze. Ob sie später im Krankenwagen sterben oder überleben, spielt für mich keine Rolle.“ Er wurde angespannter, dass spürte sie und dass gefiel ihr. Der Moment, wenn große Geschäftsmänner merken, dass sie unterlegen sind, löste bei ihr immer eine gewisse Genugtuung aus. „Also…?“, begann sie mit aufforderndem Unterton.
„Der Schlüssel ist in meiner Jackentasche.“, antwortete der Man widerstrebend. Als Katharina keine Reaktion zeigte, griff er mit der linken Hand in seine rechte Tasche. Mit einem Ruck zog er sie wieder heraus. Mit Leichtigkeit wich Katharina dem Strahl Pfefferspray aus, den der Mann auf sie gerichtet hatte.
„Süß“, kommentierte sie seinen missglückten Fluchtversuch. „Aber leider nicht getroffen.“ Sie beugte sich zu ihm herunter. Gerade wollte sie ihm sagen, dass er nur noch eine Chance habe, ihr zu geben, warum sie hier war, als er ihr leise grinsend zuflüsterte: „War nur Ablenkung“
Katharina fuhr herum und erblickte zwei in eleganten schwarzen Anzügen gekleidete Männer, die hinter sie getreten waren. In Windeseile ging sie ihre Fluchtmöglichkeiten durch. Doch schon machte der größere einen Schritt auf sie zu und stieß ihr blitzschnell und ohne Zögern eine Spritze ins Bein. Die Nadel bohrte sich ohne Widerstand durch den Stoff ihres Kleides und dring in ihre Haut ein. Nach dem kurzen Schmerz verbreitete sich von der Einstichstelle aus eine Benommenheit in ihrem Körper aus. „Wer sind Sie?“, brachte das Mädchen noch hervor, bevor ihr die Beine weich wurden und sie in die Arme des Mannes fiel. Sie hörte noch, wie er dumpf etwas zu den Männern sagte.
Dann wurde es schwarz.