1. Kapitel
Ich öffne meine Augen. Grelles weißes Licht strahlt in mein Gesicht. Stechende Schmerzen breiten sich in meinem Körper aus und ich sehe drei Ärzte über mir, die mich hektisch schieben. Ist das endlich mein Ende? Was ist überhaupt passiert? Ich versuche mich vergeblich daran zu erinnern, aber da ist nur eine große schwarze Lücke. Ärzte rennen hektisch um mich herum und ich spüre das Bewusstsein aus mir weichen. Als ich wieder aufwache, liege ich in einem kleinen, hellen Zimmer. Das grelle Licht lässt das Zimmer kalt wirken. Ich schaue mich um. Das ist das erste Mal, dass ich im Krankenhaus bin oder generell beim Arzt. Neben meinem Bett steht ein piependes Gerät. Daran hängt eine Infusion. An der Wand gegenüber von meinem Bett hängt ein kleiner Fernseher. In der Ecke steht ein kleiner Tisch. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich dass es schneit. Es ist das erste Mal seit Jahren seit es wieder in Köln schneit. Plötzlich geht die Tür auf und ein Arzt kommt rein. Er schließt die Tür hinter sich und kommt zu mir ans Bett. ,,Das war ganz schön knapp. Ein paar Minuten später und wir hätten dich nichtmehr retten können.” Seine Worte erschrecken mich nicht im geringstens. Ich nicke einfach um bestimmten Fragen auszuweichen. ,,Wieso begibst du dich in so eine Gefahr? Du bist noch jung...” Anscheinend hat das Nicken doch nicht geholfen. ,, I-Ich weiß nicht... Ich kann mich an nichts erinnern...” Das glaubt er mir natürlich nicht. Alle Erwachsenen sind immer skeptisch. Ich bin nicht gefährlich. Ich war nie gefährlich.
Den Rest des Tages liege ich schweigend im Bett. Als eine Krankenschwester mit dem Mittagessen ins Zimmer kommt, rühre ich es nicht an. Stattdessen bitte ich sie den Fernseher anzuschalten. Sie legt die Fernbedienung an mein Bett. Es laufen Nachrichten. ,, Deine Eltern haben sich noch nicht gemeldet”, meint sie. ,, Was ein Wunder...”, murmle ich genervt mehr zu mir selbst als zu ihr. ,, Keine Sorge, wir versuchen sie nochmal anzurufen.”, sagt sie dann. Ich erwarte nicht, dass meine Eltern zu mir fahren. Geschweige denn sich Sorgen um mich machen. Mein Vater ist bestimmmt wieder in der Bar mit seinen Freunden und trinkt. Und meine Mutter arbeitet bestimmt wieder im Puff. Seit ich fünf Jahre alt bin sorge ich mich um mich selbst. Ich musste manchmal alleine von der Schule nach Hause fahren, weil mich meine Eltern mal wieder ,,vergessen” haben. Das habe ich mir zumindest immer eingeredet. Wann immer ich Eltern gesehen habe die ihr Kind umarmen, wurde ich sauer. Bis heute weiß ich nicht wie sich eine Umarmung oder die Worte ,,Ichl iebe dich” anfühlen. Sobald ich das erzähle bekomme ich nur diese mitleidendenBlicke. Als ob es nicht schon schwer genug ist. Was die Schule betrifft... Da ist es auch nicht besser. Ich bin eine Außenseiterin ohne Freunde. Noch dazuwerde ich gemobbt. Jüngere Kinder rufen mir ,,Emo” hinterher, was auchirgendwie stimmt. Aber es wird noch schlimmer wenn sie meine Narben sehen. Wasist an Emos eigentlich so schlimm und wann wurde es zu einer Beleidung? Was meine Narben angeht: Sie sind Momente aus der Vergangenheit.



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