Kapitel 1: Veränderungen
Hi ihr Lieben 🖤
willkommen zurück bei Emilia und den Männern. Ich freue mich riesig, dass ihr auch beim zweiten Teil wieder dabei seid!
Wie immer freue ich mich über eure Reaktionen und konstruktive Kritik. Sollten euch Fehler oder Unstimmigkeiten auffallen, schreibt es mir gerne – ich bin für jeden Hinweis dankbar. 🖤
Und jetzt wünsche ich euch ganz viel Spaß mit dem zweiten Buch „Geteiltes Verlangen – Lebe für uns“
[Emilia]
Ein Monat konnte erstaunlich viel verändern. Oder erschreckend wenig. Je nachdem, wie man es betrachtete. Vor genau dreißig Tagen hatte ich in Spanien auf einer Terrasse gesessen und erfahren, dass mein Vater nicht mein Vater war, meine totgeglaubte Mutter ziemlich lebendig und mein tatsächlicher Vater irgendein gefährlicher Mann namens Silas Silvano war, dessen Vergangenheit auf eine Art mit Jasons Familie verwoben war, über die ich noch immer nicht zu lange nachdenken konnte, ohne Kopfschmerzen zu bekommen. Heute stand ich hinter dem Empfang meines Hotels und diskutierte mit einem älteren Herrn darüber, warum wir ihm leider keine Suite mit Blick auf den Central Park geben konnten, wenn er ein Zimmer zur anderen Seite des Gebäudes gebucht hatte. Und ganz ehrlich? Ich liebte jede verdammte Sekunde davon. »Aber beim letzten Mal hatte ich Parkblick«, beharrte er. Ich lächelte mein professionellstes Lächeln. »Dann hatten Sie beim letzten Mal vermutlich eine andere Zimmerkategorie gebucht, Mr. Harrison.« – »Nein.« – »Doch.« Sein Gesicht veränderte sich. Scheiße. »Also... laut unserem System.« Besser. Deutlich besser. Hinter mir hörte ich ein verdächtiges Husten, das sehr nach unterdrücktem Lachen klang. Ich warf meiner Kollegin einen kurzen Blick zu. Sie beschäftigte sich plötzlich hochkonzentriert mit ihrem Bildschirm. Verräterin. Der Mann vor mir schnaubte. »Und Sie können da gar nichts machen?« Ich klickte noch einmal durch die verfügbaren Zimmer, obwohl ich bereits wusste, dass wir nahezu ausgebucht waren. »Ich könnte Ihnen für morgen einen Wechsel anbieten. Dann wäre eine Suite mit Parkblick verfügbar.« Er dachte darüber nach, als würde ich ihm gerade internationale Friedensverhandlungen anbieten, und nickte schließlich. »Gut.« – »Perfekt.« Ich organisierte alles, erklärte ihm, wann sein Gepäck abgeholt werden konnte, wünschte ihm einen angenehmen Aufenthalt und wartete, bis er sich weit genug entfernt hatte. Dann ließ ich mein Lächeln fallen. »Doch«, imitierte meine Kollegin neben mir leise. Ich stöhnte. »Es ist mir rausgerutscht.« – »Das habe ich gesehen.« – »Ich bin erst seit kurzem wieder hier. Ich muss mich wieder eingewöhnen.« – »An Höflichkeit gewöhnen?« Ich stieß sie mit dem Ellbogen an und musste lachen. Und genau in diesem Moment merkte ich es wieder. Dieses Gefühl. Es war einfach gut. Ich war wieder hier und arbeitete. Ich sprach mit Gästen, beantwortete Fragen, löste Probleme, lief durch diese Lobby, die mir so vertraut geworden war, und niemand wusste, dass mein Leben vor einem Monat vollkommen explodiert war. Niemand sah mich an und dachte das ist Silas Silvanos Tochter. Für die Menschen hier war ich einfach Emilia. Und genau das hatte mir gefehlt. Die letzten Wochen hatten wir fast ausschließlich im Apartment verbracht. Ich hatte den Männern alles erzählt. Wirklich alles. Nicht sofort. Erst am Tag nach unserer Rückkehr, nachdem ich beinahe zwölf Stunden geschlafen, zwei Teller Pasta gegessen und Zayn mehrfach damit gedroht hatte, ihn vom Balkon zu werfen, weil er mich alle zwanzig Minuten gefragt hatte, ob es mir gut ging. Dann hatten wir uns zusammengesetzt und ich hatte ihnen das gesamte Gespräch mit meiner Mutter erzählt. Silas und seine Beziehung zu meiner Mutter. Seine krankhafte Angst, uns zu verlieren. Seinen Versuch, aus seiner Welt auszusteigen. Den Streit mit Jasons Vater. Den Tod von Jasons Mutter. Marcus... Alles. Jason hatte kaum gesprochen. Das war vermutlich das Schlimmste daran gewesen. Dylan hatte meine Hand gehalten. Juliano ungefähr fünfunddreißig Fragen gestellt. Tristan hatte sich auf die Fakten konzentriert und Zayn hatte irgendwann aufgehört, Witze zu machen. Danach hatten wir beschlossen, dass wir für diesen Abend genug Familienkatastrophen verarbeitet hatten. Meine Mutter hatte sich seitdem nicht gemeldet. Kein Anruf. Keine Nachricht. Nichts. Und überraschenderweise störte mich das nicht. Eigentlich war ich sogar dankbar dafür. Sie hatte ihr Wort gehalten. Wenn du bereit bist. Das hatte sie gesagt. Und ich war es noch nicht. Vielleicht nächste Woche. Vielleicht in einem Monat. Keine Ahnung. Aber allein die Tatsache, dass diese Entscheidung jetzt bei mir lag, fühlte sich gut an. Zum ersten Mal bestimmte niemand für mich, wann ich etwas wissen, fühlen oder tun sollte. Nicht Marcus. Nicht meine Mutter. Und schon gar nicht irgendein Vater, den ich nicht kannte. Nicht einmal die fünf Männer, die mich inzwischen behandelten, als könnte ich spontan zerbrechen, wenn sie mich länger als drei Minuten unbeaufsichtigt ließen. Wobei... mein Blick wanderte automatisch durch die Lobby. Ich verengte die Augen. Das war verdächtig. Seit ich gestern wieder angefangen hatte zu arbeiten, war mindestens einer von ihnen auf wundersame Weise immer irgendwo aufgetaucht. Juliano hatte gestern angeblich zufällig ein Meeting im Hotel gehabt. Dylan hatte mir einen Kaffee gebracht, obwohl wir im Gebäude ungefähr vierzig Menschen beschäftigten, die mir problemlos einen Kaffee hätten bringen können. Tristan hatte überhaupt keine Ausrede erfunden. Er war einfach irgendwann durch die Lobby gelaufen, hatte mich angesehen und war wieder verschwunden. Und Zayn hatte am Nachmittag fünfundvierzig Minuten an der Bar gesessen und behauptet, er hätte dort »geschäftlich zu tun«. Ich hatte bis heute nicht herausgefunden, was genau sein Geschäft mit zwei Stück Kuchen gewesen war. Nur Jason hatte sich nicht blicken lassen. Was vermutlich daran lag, dass er tatsächlich arbeitete. Immerhin einer von uns musste dieses Hotel führen. Ich sah noch einmal Richtung Aufzüge und schüttelte über mich selbst den Kopf. Was machte ich da überhaupt? Suchte ich nach ihnen? Vor einer Woche hätte ich mich noch darüber beschwert, dass sie mich keine Sekunde alleine ließen. Jetzt waren zwei Stunden vergangen, ohne dass einer von ihnen aufgetaucht war, und offenbar entwickelte ich bereits Entzugserscheinungen. »Alles okay?« Ich drehte mich zu meiner Kollegin. »Ja.« – »Du starrst seit ungefähr zehn Sekunden die Aufzüge an.« – »Tue ich nicht.« Sie hob eine Braue. »Okay, tue ich.« Ich seufzte und wandte mich wieder meinem Bildschirm zu. »Ich warte nur auf jemanden.« – »Auf wen?« – »Niemand wichtiges.« – »Aha.« Ich ignorierte sie. Genau drei Sekunden später ertönte das leise Signal eines Aufzugs. Vollkommen automatisch hob ich den Kopf. Die Türen öffneten sich. Und ich hasste mich ein kleines bisschen dafür, wie schnell mein Herz bei der bloßen Möglichkeit schlug, dass einer dieser fünf Idioten herauskommen könnte.
Und es war Jason, der heraustrat. Mein Blick blieb sofort an ihm hängen, während er mit gewohnt ruhigen Schritten durch die Lobby kam, und irgendwo in meiner Brust breitete sich dieses warme, inzwischen viel zu vertraute Gefühl aus. Ich liebe dich. Der Gedanke war einfach da. So wie er in den letzten Wochen immer wieder da gewesen war. Beim Frühstück, wenn Dylan mir wortlos meinen Kaffee hingestellt hatte. Wenn Juliano mich zum Lachen gebracht hatte, obwohl mir eigentlich überhaupt nicht danach gewesen war. Wenn Tristan nachts noch einmal kontrollierte, ob die Balkontür geschlossen war, und anschließend so tat, als hätte das natürlich überhaupt nichts mit mir zu tun. Selbst bei Zayn, wenn ich einen dieser selten gewordenen Momente erwischte, in denen er mir wieder so nah war wie früher. Ich hatte diese drei Worte seit Spanien trotzdem kein einziges Mal wieder ausgesprochen. Nicht, weil sie weniger wahr geworden waren. Eher im Gegenteil. Manchmal lagen sie mir so deutlich auf der Zunge, dass ich sicher war, sie müssten jeden Moment einfach herauskommen, und dann tat ich es doch nicht. Dylan schien damit überhaupt kein Problem zu haben. Ein leises »Ich liebe dich, Liebes« konnte bei ihm so selbstverständlich zwischen einem Kuss auf meine Stirn und der Frage auftauchen, ob ich noch einen Kaffee wollte, dass ich jedes Mal kurz nicht wusste, wohin mit meinem Herzen. Juliano war kaum besser. Wenn man ihn ließe, würde er vermutlich auf das Dach des Hotels steigen und ganz New York darüber informieren, dass er mich liebte. Bei Zayn war es anders geworden. Nicht schlimm. Nicht so, dass ich wirklich hätte sagen können, was sich verändert hatte, aber ich spürte es trotzdem. Als würde er immer wieder einen kleinen Schritt zurückmachen, sobald es zwischen uns zu nah oder zu ernst wurde. Er scherzte noch immer, nannte mich Prinzessin und brachte mich regelmäßig dazu, ihm irgendetwas an den Kopf werfen zu wollen, doch manchmal hatte ich das Gefühl, dass hinter seinem Grinsen etwas zurückblieb, das er mir nicht zeigen wollte. Tristan wiederum war einfach Tristan. Er machte aus seinen Gefühlen keine großen Worte und schien beinahe entschlossen, das Ganze nicht größer werden zu lassen, als es ohnehin schon war. Seine Hand in meinem Nacken, wenn er an mir vorbeiging, ein kurzer Kuss auf meine Schläfe oder die Art, wie er mich wortlos an sich zog, sagten meistens ohnehin mehr, als er vermutlich jemals freiwillig aussprechen würde. Und dann war da Jason. Oh Mann. Jason war ein ganz eigenes Problem. Ich hatte wirklich geglaubt, diese Phase mit ihm wäre vorbei. Dieses Herzklopfen, die Nervosität, dieses ständige Gefühl, nicht zu wissen, ob ich ihn küssen, anschreien oder einfach nur anstarren wollte. Schließlich kannte ich ihn inzwischen. Ich lebte mit ihm. Ich wusste, wie er morgens aussah, bevor der erste Kaffee seine Wirkung entfaltet hatte, kannte dieses winzige Zucken an seinem Mundwinkel, bevor er grinste, und wusste mittlerweile sogar, wann sein Schweigen bedeutete, dass er wütend war, und wann er einfach nur nachdachte.








