Einleitung & Kennenlernen 1:
Bevor es losgeht...
Hi ihr Lieben,
bevor es losgeht, möchte ich euch noch ein paar kleine Worte dalassen. Das hier ist tatsächlich meine erste Geschichte, die ich schreibe und veröffentliche. Ich bin also keine professionelle Autorin und lerne wahrscheinlich mit jedem neuen Kapitel selbst noch ein bisschen dazu.
Dazu kommt, dass ich leider ein ziemlich penibler Mensch bin. Wenn mir etwas im Nachhinein nicht mehr gefällt, muss ich es ändern – deshalb kann es durchaus vorkommen, dass bereits veröffentlichte Kapitel noch einmal überarbeitet oder Kleinigkeiten angepasst werden. Dafür entschuldige ich mich schon mal im Voraus.
Eure Meinungen und vor allem konstruktive Kritik sind mir sehr wichtig. Wenn euch Fehler auffallen, etwas unlogisch erscheint oder ihr Verbesserungsvorschläge habt, schreibt es mir gerne. Ich bin für Hinweise wirklich dankbar, denn nur so kann ich daraus lernen und mich beim Schreiben verbessern.
Ansonsten wünsche ich euch einfach ganz viel Spaß mit meiner Geschichte.
Hinweis & Triggerwarnung
Diese Geschichte ist ein rein fiktionales Werk und enthält bewusst überspitzte, unrealistische sowie moralisch problematische Situationen und Verhaltensweisen.
Die Darstellung von Mafia und organisierter Kriminalität, psychologischer Manipulation und Unterwerfung, Gewalt oder anderen grenzüberschreitenden Handlungen soll diese weder verharmlosen noch romantisieren oder gutheißen. Die dargestellten Situationen entsprechen nicht zwangsläufig der Realität und sollten auch nicht als solche verstanden werden.
Triggerwarnung:
Diese Geschichte behandelt unter anderem sensible und potenziell belastende Themen wie körperliche und psychische Gewalt, Tod, Mord, Folter, Krieg und Kriegserfahrungen, Waffen, Blut und Verletzungen, Entführung, Bedrohung, Machtmissbrauch, Manipulation, psychische Belastungen und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sowie explizite sexuelle Inhalte, sexuelle Gewalt und Vergewaltigung.
Bitte entscheidet selbst, ob und in welchem Umfang ihr euch mit diesen Themen wohlfühlt.
Diese Geschichte richtet sich ausschließlich an volljährige Leser/innen ab 18 Jahren.
Zu den Charakteren:
Emilia Carter | 21 | New York
Rezeptionistin im Belgatio . Herzlich, neugierig, schlagfertig und manchmal etwas zu stur für ihr eigenes Wohl. Im Gegensatz zu den anderen führt Emilia ein ziemlich normales Leben zumindest bis sie auf die 5 Chaoten trifft.

Jason Moretti | 26 | Italien / New York
Sohn eines einflussreichen italienischen Mafiosi und verantwortlich für die Geschäfte der Familie in New York sowohl für die offiziellen rund um das Belgatio als auch für jene, die besser nicht in irgendwelchen Geschäftsbüchern auftauchen. Kontrolliert, dominant, berechnend und gefährlich ruhig.

Zayn Bellandi | 24 | Italien
Einer der Bellandi-Zwillinge und Sohn einer italienischen Mafiafamilie, die seit Jahren eng mit den Morettis befreundet ist. Selbstbewusst, skeptisch, egoistisch und direkt. Zayn vertraut nur wenigen Menschen und denkt meistens zuerst an sich.
Dylan Bellandi | 24 | Italien
Zayns Zwillingsbruder und das deutlich lockerere Gegenstück zu ihm. Humorvoll, provokant, aufmerksam und selten um einen Spruch verlegen. Die Familie Bellandi besitzt mehrere Nachtclubs, darunter das geheimnisvolle Toxic Cloud, von dessen wahrer Seite nur ausgewählte Menschen wissen.

Juliano Santoro | 25 | Italien / New York
Offen, charmant, flirtfreudig und meistens verdächtig gut gelaunt. Hinter seinem hübschen Gesicht steckt jedoch der Sohn einer mächtigen italienischen Mafiafamilie, deren Geschäfte von Waffen und Drogen bis hin zu verschiedensten Gütern reichen. Juliano kennt diese Welt besser, als seine lockere Art vermuten lässt.

Tristan Volkov | 28 | Russland
Ehemaliger Elitesoldat. Ruhig, kalt, diszipliniert und schwer zu durchschauen. Offiziell verdient er sein Geld als Jasons persönlicher Beschützer. Inoffiziell? Nun ja. Bei Tristan ist es manchmal besser, nicht so genau nachzufragen.

Beginnen wir mal... viel spaß beim Lesen! :)
[Emilia]
„Hier ist Ihre Zimmerkarte. Das Frühstück wird täglich zwischen sieben und zehn Uhr serviert, der Spa- und Wellnessbereich ist von sechs bis zweiundzwanzig Uhr geöffnet und falls während Ihres Aufenthalts Fragen oder Wünsche aufkommen, können Sie sich jederzeit an uns wenden. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt im Belgatio.”
Die Worte kamen inzwischen so selbstverständlich über meine Lippen, dass ich wahrscheinlich mitten in der Nacht hätte geweckt werden können und sie trotzdem fehlerfrei heruntergebetet hätte. Sechs Monate reichten offenbar aus, um aus einer Begrüßung eine Art Muskelgedächtnis zu machen. Ich schob dem älteren Herrn seine Zimmerkarte zusammen mit dem schmalen Hotelprospekt über den Marmortresen und schenkte ihm das Lächeln, das ich mir ebenfalls irgendwann angewöhnt hatte. Freundlich, aber nicht aufgesetzt. Zumindest hoffte ich das.
„Vielen Dank, Miss Carter.”
„Sehr gern.”
Er nahm seine Unterlagen an sich, wünschte mir noch einen schönen Tag und verschwand schließlich in Richtung der Aufzüge. Ich sah ihm einen Augenblick hinterher, bevor ich mich wieder meinem Bildschirm zuwandte und die Reservierung abschloss. Der Vormittag war bisher erstaunlich ruhig gewesen. Keine verlorenen Koffer, keine falsch gebuchten Zimmer und vor allem keine Gäste, die davon überzeugt waren, dass ich persönlich dafür verantwortlich war, wenn es in New York regnete. Nach der letzten Woche nahm ich das dankend an.
Ich arbeitete gern hier. Wirklich gern sogar. Das Belgatio Moretti Resort war völlig übertrieben, wenn man mich fragte, aber wahrscheinlich war genau das der Sinn eines Luxushotels mitten in New York. Schon die Lobby war größer als das gesamte Apartment, in dem ich aufgewachsen war. Heller Marmor, dunkles Holz, goldene Akzente und riesige Fensterfronten, durch die tagsüber so viel Licht fiel, dass selbst die gigantischen Kronleuchter beinahe überflüssig wirkten. In den ersten Wochen hatte ich mich kaum getraut, irgendetwas anzufassen, aus Angst, mein gesamtes Jahresgehalt würde nicht reichen, falls ich versehentlich eine Vase umwarf. Mittlerweile fühlte es sich vertraut an. Vielleicht nicht wie ein Zuhause, aber wie ein Ort, an dem ich wusste, wer ich war.
Hier war ich Emilia Carter, einundzwanzig Jahre alt, Rezeptionistin und erstaunlich gut darin, auch dann freundlich zu lächeln, wenn jemand zum dritten Mal behauptete, sein Zimmer müsse einen besseren Blick auf den Central Park haben, obwohl sich der Central Park auf der vollkommen anderen Seite von Manhattan befand. Mein Leben war nicht besonders aufregend, ich mochte es genau so. Das leise Geräusch der sich öffnenden Eingangstüren ließ mich automatisch aufsehen. Eine Angewohnheit, die nach sechs Monaten ebenfalls fest in mir verankert war. Jeder, der durch diese Türen kam, konnte ein neuer Gast sein und neue Gäste wurden begrüßt, bevor sie überhaupt die Gelegenheit bekamen, orientierungslos durch die Lobby zu irren.
Ich setzte bereits mein professionelles Lächeln auf. Dann sah ich ihn. Mein erster Gedanke war nicht, dass ich ihn kannte. Mein erster Gedanke war schlicht und ergreifend: Wow. Was zugegebenermaßen nicht besonders intelligent war. Der Mann, der gerade die Lobby betrat, war groß. Nicht einfach nur groß, sondern auf diese ziemlich unfaire Art groß, bei der selbst ein perfekt geschnittener schwarzer Anzug nichts daran ändern konnte, dass darunter breite Schultern und ein kräftiger Körper steckten. Sein dunkles Haar war nicht so akkurat frisiert, wie ich es bei einem Mann in einem derart teuren Anzug erwartet hätte. Einige Strähnen lagen beinahe achtlos, als hätte er irgendwann am Morgen mit der Hand hindurchgefahren und anschließend beschlossen, dass das reichen musste.
Und dann waren da die Tattoos...Schwarze Linien verschwanden unter seinen Manschetten und tauchten ein Stück oberhalb seines Hemdkragens wieder auf. Nicht genug, um erkennen zu können, was sie darstellten, aber genug, um meine Aufmerksamkeit einen Moment länger dort festzuhalten, als es professionell gewesen wäre.
Ich zwang meinen Blick zurück in sein Gesicht. Fehler. Seine Augen waren bereits auf mich gerichtet. Nicht auf die Rezeption. Auf mich. Warum auf mich? Ich senkte den Blick so schnell zu meinem Bildschirm, dass es wahrscheinlich noch auffälliger war, als ihn einfach weiter anzustarren. Großartig, Emilia. Sechs Monate tadellose Arbeit und heute wurde ich offenbar von einem attraktiven Fremden überfordert. Ich räusperte mich leise und tat so, als müsste ich dringend irgendetwas auf dem Bildschirm überprüfen. Dabei war dort nichts außer der gerade abgeschlossenen Reservierung und dem kleinen blinkenden Cursor, der mich beinahe vorwurfsvoll anzustarren schien. Schritte näherten sich. Ruhig und Gleichmäßig.
Ich weiß nicht, weshalb ich sie überhaupt wahrnahm. In dieser Lobby liefen ständig Menschen herum. Trotzdem wusste ich, noch bevor ich wieder aufsah, dass er vor meiner Rezeption stehen würde. Und natürlich tat er das. Aus der Nähe war es leider nicht besser, sondern noch viel schlimmer. Er hatte ein markantes Gesicht, dunkle Brauen und diesen schwer zu beschreibenden Ausdruck eines Menschen, der nicht besonders häufig um etwas bitten musste. Nicht arrogant. Zumindest nicht offensichtlich. Eher... sicher. Als würde er grundsätzlich davon ausgehen, dass die Dinge um ihn herum genau dort waren, wo sie hingehörten. Ich schob diesen vollkommen unnötigen Gedanken beiseite und setzte mein freundlichstes Lächeln auf.
„Willkommen im Belgatio Moretti Resort. Haben Sie bereits eine Reservierung bei uns?” Stille. Nicht wirklich lange, vielleicht zwei Sekunden. Trotzdem lang genug, dass ich mich fragte, ob ich zu leise gesprochen hatte. Dann veränderte sich etwas in seinem Gesicht. Nur minimal. Einer seiner Mundwinkel hob sich, während sein Blick weiterhin auf mir lag.
„Eine Reservierung?” Oh Gott. War das eine Fangfrage?
„Ja.” Ich lächelte etwas unsicherer. „Falls Sie bereits gebucht haben, brauche ich nur Ihren Namen. Ansonsten kann ich natürlich nachsehen, welche Zimmer momentan verfügbar sind.” Jetzt lächelte er tatsächlich. Nicht breit oder besonders freundlich, aber eindeutig amüsiert. Und plötzlich hatte ich das unangenehme Gefühl, irgendetwas Entscheidendes verpasst zu haben.
„Das dürfte schwierig werden.” Ich blinzelte. „Entschuldigung?”
„Mich einzuchecken.”
„Warum?” Seine Augen hielten meine fest und ich hätte schwören können, dass sein Lächeln noch ein kleines bisschen deutlicher wurde.
„Weil ich hier wohne.” Mein Gehirn brauchte einen Moment.
„Sie... wohnen im Hotel?”
„Manchmal.” Das half mir überhaupt nicht weiter. Ich sah auf den Bildschirm, obwohl dort selbstverständlich nicht plötzlich eine Erklärung für den seltsamen Mann vor mir erschienen war. „Dann müsste trotzdem eine Reservierung oder zumindest ein Dauereintrag hinterlegt sein. Wenn Sie mir einfach Ihren Nachnamen geben”
„Moretti.” Meine Finger hielten mitten über der Tastatur inne. Nein oder? Das war ein schlechter Scherz? Langsam hob ich den Blick. Er sagte kein Wort mehr. Musste er auch gar nicht, denn jetzt.. da ich wusste, wonach ich suchte, erkannte ich ihn sofort. Jason Moretti. Verdammt. Jason Moretti. Mein Chef. Der Mann, dessen Nachname in silbernen Buchstaben über dem Eingang dieses Hotels stand. Der Mann, über den ich in den letzten Monaten mehr Artikel gesehen hatte, als mir lieb gewesen war. Manche handelten von Hotels, Immobilien und irgendwelchen absurd hohen Geschäftssummen, mit denen ich nichts anfangen konnte. Andere waren weniger harmlos gewesen. Gerüchte über seine Familie, Verbindungen zu dubiosen Geschäften, Ermittlungen, die irgendwann im Nichts verlaufen waren. Namen, die gemeinsam mit dem Moretti-Namen auftauchten und wenige Monate später wieder aus den Schlagzeilen verschwanden. Was davon stimmte, wusste ich nicht. Und eigentlich hatte ich es auch nie wissen wollen. Solange mein Gehalt pünktlich auf meinem Konto landete, meine Kollegen nett waren und niemand in der Lobby mit einer Maschinenpistole auftauchte, hatte ich beschlossen, dass mich die Familiengeschichte meines Arbeitgebers nichts anging. Diese Entscheidung war deutlich einfacher gewesen, solange mein Arbeitgeber nicht direkt vor mir stand.
„Oh.” Mehr brachte ich nicht heraus und sein Mundwinkel zuckte. Ich nahm die plötzlich auftretende Hitze in meinem Nacken war und wollte im Boden versinken.
„Oh?”
„Ich meine...” Ich räusperte mich und versuchte verzweifelt, irgendwo die professionelle Emilia wiederzufinden, die vor fünf Minuten noch völlig problemlos einen Gast eingecheckt hatte. „Natürlich. Mr. Moretti.”
„Natürlich”, wiederholte er, und ich war mir ziemlich sicher, dass er mich gerade absichtlich ärgerte.
„Zu meiner Verteidigung”, begann ich, bevor mein Gehirn mich davon abhalten konnte, „Sie sind nicht besonders häufig hier.” Stille. Warum konnte ich nicht einfach den Mund halten? Seine Augen verengten sich leicht. Nicht verärgert sondern eher.. Interessiert.
„Ist das so?”
„Also...” Ich schluckte. „Ich arbeite schon ein Weilchen hier und habe Sie noch nie gesehen.” Warum erklärte ich mich weiter? Hör auf zu reden, Emilia. Sofort.
„Und deshalb haben sie angenommen, ich wäre ein Gast.” Es war keine Frage.
„Sie sind durch den Haupteingang gekommen.” Seine Augenbraue hob sich. Ich hätte mir am liebsten die Hand vor den Mund geschlagen. Oder gegen die Stirn geschlagen damit ich endlich einen klaren Kopf bekomme. Was sollte das überhaupt für eine Begründung sein? Für einen Moment sahen wir uns einfach nur an und ich wartete beinahe darauf, dass er mir erklärte, wie schnell man eine sechsmonatige Anstellung wieder beenden konnte. Stattdessen entwich ihm ein leises Lachen. Es war nur kurz, aber es überraschte mich so sehr, dass ich ihn wieder anstarrte.
„Dann werde ich beim nächsten Mal den Personaleingang nehmen.” Ich biss mir auf die Innenseite meiner Wange, weil ich nicht wusste, ob ich lachen durfte.
„Das wäre vielleicht hilfreich.” Emilia! Diesmal schaffte ich es wenigstens, den Gedanken nicht laut auszusprechen. Sein Blick blieb einen Moment auf meinem Gesicht liegen. Ich konnte ihn nicht richtig deuten. Es war kein unangenehmes Starren und trotzdem machte es mich nervös. Vielleicht weil er so ruhig dabei war. Als würde er nicht einfach nur hinsehen, sondern tatsächlich etwas suchen. Schließlich glitt sein Blick zu meinem Namensschild.
„Emilia Carter.” Mein Name klang merkwürdig aus seinem Mund. Was absolut lächerlich war, schließlich bestand er aus denselben Buchstaben wie fünf Sekunden zuvor.
„Ja.”
„Wie lange genau arbeiten sie schon für mich, Miss Carter?”
„Sechs Monate.”
„Und wir sind uns noch nie begegnet.” Ich schüttelte den Kopf. „Nicht dass ich wüsste.” Wieder dieses kaum sichtbare Lächeln.
„Dann war ich offenbar tatsächlich zu selten hier.” Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Und noch schlimmer war, dass ich nicht wusste, ob dieser Satz überhaupt etwas bedeutete oder ob mein Gehirn gerade wieder anfing, aus vollkommen normalen Worten Dinge zu machen, die nicht da waren. Also entschied ich mich für die einzig vernünftige Reaktion. Ich lächelte so professionell wie ich konnte. Zumindest für ungefähr drei Sekunden.
„Brauchen Sie... irgendetwas?” Kaum hatte ich es ausgesprochen, hätte ich am liebsten den Kopf auf die Tischplatte geschlagen. Seine Augenbraue wanderte erneut nach oben.
„Vom Hotel”, fügte ich hastig hinzu. „Ich meinte vom Hotel.” Jetzt war das Lächeln eindeutig. Verdammt.
„Im Moment nicht.”
„Gut.” Gut? Ich war wirklich hervorragend in diesem Gespräch. Er nickte langsam, machte jedoch keine Anstalten zu gehen. Stattdessen ruhte sein Blick noch einen Augenblick auf mir, sodass ich mich plötzlich viel zu bewusst daran erinnerte, wie meine Haare heute lagen, ob mein Lippenstift nach dem Kaffee noch ordentlich aussah und warum ich ausgerechnet heute die Uniform angezogen hatte, deren oberster Knopf ständig so aussah, als würde er gleich aufgeben. Dann wandte er sich schließlich ab.
„Einen angenehmen Aufenthalt, Mr. Moretti”, rutschte es mir automatisch heraus. Er blieb stehen. Oh nein. Langsam drehte er den Kopf über die Schulter zu mir zurück. Ich schloss kurz die Augen und setzte schnell nach:
„Gewohnheit.” Ein leises, dunkles Lachen erreichte mich.
„Danke, Miss Carter” Dann ging er tatsächlich. Ich sah ihm hinterher, obwohl ich es besser wusste. Er bewegte sich durch die Lobby, als müsste er niemandem ausweichen. Menschen machten ihm Platz, ohne dass es besonders auffällig wirkte, und erst jetzt bemerkte ich die kleinen Dinge, die mir beim ersten Hinsehen entgangen waren. Der Concierge nickte ihm zu. Einer der Sicherheitsmänner richtete sich etwas gerader auf. Der Hotelmanager, den ich normalerweise nur sah, wenn irgendetwas wirklich Wichtiges passierte, kam ihm bereits entgegen. Natürlich kannten sie ihn. Nur ich hatte meinen eigenen Chef gefragt, ob er eine Reservierung hatte. Ich ließ langsam die Stirn in meine Hände sinken.
„Bitte sag mir, dass das gerade nicht passiert ist”, murmelte ich.
„Was ist passiert?” Ich fuhr erschrocken hoch und sah meine Kollegin an, die gerade aus dem Backoffice kam.
„Nichts.”
„Du siehst nicht aus wie nichts.”
„Ich habe gerade unseren Chef einchecken wollen.” Sie blieb stehen. Ihr Blick wanderte an mir vorbei in Richtung Lobby und dann zurück zu mir.
„Jason Moretti?”
„Kennst du noch einen?” Ihre Lippen zuckten.
„Oh mein Gott.”
„Lach nicht.”
„Ich lache überhaupt nicht.” Sie log miserabel.
„Du lachst mit deinem ganzen Gesicht.”
„Tut mir leid.”
„Nein, tut es dir nicht.” Jetzt lachte sie tatsächlich und ich stöhnte leise auf, bevor ich mich wieder meinem Bildschirm zuwandte. Ich wollte die Sache vergessen. Sofort. Am besten würde ich den Rest meiner Schicht arbeiten, nach Hause gehen, schlafen und morgen so tun, als hätte ich meinen milliardenschweren, möglicherweise gefährlichen Arbeitgeber nicht gefragt, ob er ein Zimmer brauchte. Das war ein hervorragender Plan. Nur leider hatte mein Gehirn bereits andere Vorstellungen. Denn während ich versuchte, mich auf die nächste Reservierung zu konzentrieren, dachte ich nicht an die peinliche Begrüßung. Auch nicht an die Artikel über seine Familie oder die Gerüchte, die mit seinem Namen verbunden waren. Ich dachte an dieses kurze Lachen. An die Art, wie er meinen Namen ausgesprochen hatte. Und vor allem daran, dass Jason Moretti sich auf dem Weg durch die Lobby noch einmal umdrehte. Nur ganz kurz, aber sein Blick fand meinen, als hätte er genau gewusst, wo ich stand. Und im nächsten Moment war er verschwunden. Ich starrte noch einen Moment auf die Stelle, an der er eben gewesen war, bevor ich mich zwang, wieder auf meinen Bildschirm zu sehen. Das war doch nur mein Chef. Mehr nicht. Und falls mein Herz das anders sah, konnte es sich gefälligst wieder beruhigen. Ich hatte nämlich nicht vor, mich ausgerechnet für Jason Moretti zu interessieren.









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