Kapitel 1 - Die Galloways
Der Sonntagmorgen begann ruhig. Auf den Fluren des Studentenwohnheims herrschte deutlich weniger Betrieb als unter der Woche. Einige Studenten kamen mit Kaffeebechern aus der Gemeinschaftsküche, andere verschwanden noch einmal in ihren Zimmern, um den freien Tag auszunutzen. Matt zog die Tür hinter sich zu, schloss ab und machte sich mit dem Autoschlüssel in der Hand auf den Weg nach draußen. Jeden Sonntag fuhr er zum Mittagessen nach Hause. Über die Jahre war daraus eine feste Tradition geworden. Unabhängig davon, wie viel am College zu tun war, erwartete sein Vater, dass die Familie pünktlich am Tisch saß.
Als Matt gerade das Wohnheim verlassen wollte, öffnete sich hinter ihm die Tür. „Hey, Matt!“ Er drehte sich um. Sarah, eine Studentin aus dem zweiten Stock, kam schnellen Schrittes auf ihn zu. Sie war ein oder zwei Jahre älter als er und wohnte seit Beginn des Semesters auf demselben Flur. Mehr als ein paar Gespräche auf dem Gang oder in der Gemeinschaftsküche hatten sie nie geführt, trotzdem kannte man sich. „Ich wollte dir eigentlich gestern schon Bescheid sagen“, sagte sie und hielt ihm einen großen weißen Umschlag entgegen. „Der lag versehentlich in unserem Briefkasten. Mein Mitbewohner hat ihn einfach zu unseren Sachen gelegt, und ich habe es erst heute Morgen bemerkt.“ Matt nahm den Umschlag entgegen und bedankte sich. „Tut mir echt leid. Ich hoffe, das ist nichts Wichtiges.“ Er warf einen kurzen Blick auf den Absender. Die Polizeiakademie. Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. Seit Wochen wartete er auf die Antwort. Dass sie ausgerechnet heute gekommen war, überraschte ihn, an dem Ausgang der Bewerbung zweifelte er allerdings keinen Augenblick. Schon als Kind hatte für ihn festgestanden, dass er eines Tages Polizist werden würde. Es war der Beruf, mit dem er aufgewachsen war. Sein Vater hatte Jahrzehnte bei der Chicago Police gedient und es bis zum Deputy Superintendent gebracht, wenn auch mittlerweile im Ruhestand. Seine Geschwister trugen alle das Abzeichen. Für Matt hatte es nie einen anderen Weg gegeben. „Wird schon passen“, sagte er und steckte den Umschlag in die Innentasche seiner Jacke. „Dann drücke ich trotzdem die Daumen.“ „Danke.“
Als Sarah wieder ins Wohnheim ging, blieb Matt noch einen Augenblick stehen. Seine Finger glitten über die Kante des Umschlags. Es wäre ein Leichtes gewesen, ihn sofort zu öffnen, doch er entschied sich dagegen. Heute war Sonntag. In wenigen Minuten würde die ganze Familie am Esstisch sitzen – Michael, Patrick, Ryan, Emily und sein Vater. Es fühlte sich richtiger an, die Nachricht mit ihnen zu teilen, ganz gleich, wie sicher er sich über den Inhalt war. Seine Geschwister würden sich mit ihm freuen. Davon war er überzeugt. An seinen Vater dachte er dabei kaum. John hatte sich nie dazu geäußert, ob er Matts Bewerbung befürwortete oder ablehnte. Er hatte sie kommentarlos zur Kenntnis genommen, wie so vieles andere auch. Matt war deshalb davon ausgegangen, dass die Bewerbung für ihn selbstverständlich war. Schließlich hatte jeder in der Familie diesen Weg eingeschlagen.
Er warf einen Blick auf seine Uhr. „Verdammt.“ Er war später dran, als ihm lieb war. Schnell steckte er den Autoschlüssel ein, stieg in seinen Wagen und fuhr los. Während der Fahrt musste er unwillkürlich an den Umschlag in seiner Jackentasche denken. Die Vorstellung, schon bald selbst die Uniform der Chicago Police zu tragen, rückte plötzlich greifbar nahe. Er stellte sich vor, wie er nach dem Abschluss der Akademie gemeinsam mit seinen Geschwistern im Dienst sein würde. Der Gedanke erfüllte ihn mit stiller Vorfreude. Als er schließlich in die Straße seines Elternhauses einbog, fiel sein Blick auf die Einfahrt. Die Wagen seiner Geschwister standen bereits vor dem Haus. Er war zu spät. Matt stieg aus, schloss den Wagen ab und ging den kurzen Weg zur Haustür. Kaum hatte er geklingelt, wurde sie geöffnet. Emily sah ihn an und verzog das Gesicht. „Endlich.“ „So schlimm?“ Sie trat einen Schritt zur Seite und ließ ihn herein. „Dad ist ziemlich sauer. Das Essen steht schon auf dem Tisch und alle warten seit fast zehn Minuten.“ Matt seufzte leise. „Der Verkehr.“ Emily hob eine Augenbraue. „Er wird sich für die Erklärung wahrscheinlich nicht interessieren.“ „Davon gehe ich aus.“ Sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Viel Glück.“
Matt zog seine Jacke aus und hängte sie an die Garderobe. Sein Blick fiel noch einmal auf die Innentasche, in der der Umschlag steckte. Er würde ihn später öffnen. Jetzt wartete die Familie. Aus dem Esszimmer drangen gedämpfte Stimmen und gelegentlich das Lachen eines der Enkelkinder. Matt strich sich unbewusst das Hemd glatt, atmete tief durch und ging den Flur entlang.
Kaum betrat er das Esszimmer, verstummten die Gespräche. Der große Esstisch reichte längst nicht mehr für die gesamte Familie, deshalb war er für das sonntägliche Mittagessen um einen zweiten Tisch verlängert worden. Schüsseln und Platten mit dem Essen standen bereits auf dem Tisch, doch niemand hatte begonnen. Seine Brüder saßen mit ihren Ehefrauen auf ihren Plätzen, Emily neben ihrem Mann. Auch die Enkelkinder warteten, einige von ihnen allerdings sichtlich ungeduldig. Am Kopfende des Tisches saß John Galloway. Er hob den Blick. „Wie schön, dass du es auch noch geschafft hast.“ Seine Stimme war ruhig, doch die Kühle darin ließ keinen Zweifel daran, was er von Matts Verspätung hielt. „Tut mir leid, Dad. Ich bin unterwegs aufgehalten worden.“ John verschränkte die Hände vor sich. „Wir treffen uns jeden Sonntag zur gleichen Uhrzeit. Das ist seit Jahren so.“ „Ich weiß.“ „Trotzdem lässt du alle warten.“ Matt ließ den Blick kurz über den Tisch schweifen. Mehr als ein Dutzend Augenpaare ruhten auf ihm. Einige der Kinder sahen neugierig zu ihm auf, während die Erwachsenen bewusst schwiegen. „Es war keine Absicht.“ „Darum geht es nicht.“ Johns Stimme blieb ruhig. „Pünktlichkeit ist ein Zeichen von Zuverlässigkeit und Respekt.“ Matt nickte. „Ja, Dad. Es tut mir wirklich leid. Es wird nie wieder vorkommen.“ Er wusste, dass jede weitere Erklärung nichts ändern würde. John hielt seinen Blick noch einen Moment fest, bevor er auf den freien Platz deutete. „Setz dich.“
Matt ging um den Tisch herum und nahm zwischen Emily und Patrick Platz. John wartete, bis er seinen Stuhl herangerückt hatte, dann ließ er den Blick einmal über die versammelte Familie schweifen. „Dann sind wir jetzt vollständig.“ Er legte die Hände vor sich auf den Tisch. Die Erwachsenen falteten die Hände, einige der Enkelkinder taten es ihren Eltern nach. „Herr, wir danken dir für dieses Essen und dafür, dass wir auch heute wieder als Familie zusammenkommen dürfen. Segne diese Mahlzeit und alle, die an diesem Tisch sitzen. Amen.“ „Amen“, antwortete die Familie wie aus einem Mund. John griff nach seinem Besteck. „Guten Appetit.“
Nun begannen sich die Schüsseln zu bewegen. Gespräche wurden wieder aufgenommen, Teller herumgereicht und die Kinder unterhielten sich leise miteinander. Die angespannte Stimmung, die Matts verspätetes Eintreffen ausgelöst hatte, löste sich allmählich auf. Trotzdem wurde er das Gefühl nicht los, dass sein Vater ihn gelegentlich über den Rand seines Tellers hinweg beobachtete. Nachdem der erste Hunger gestillt war, wurde die Unterhaltung am Tisch lebhafter. Zwischen den Erwachsenen wurden Neuigkeiten ausgetauscht, während die Enkelkinder immer wieder dazwischenredeten oder um eine weitere Portion baten. Es war das vertraute Stimmengewirr eines Sonntags, das Matt seit seiner Kindheit kannte.
„Wir haben übrigens Neuigkeiten“, sagte Patrick und legte den Arm um seine Frau. Mehrere Blicke wanderten zu den beiden. „Sarah hat die Stelle bekommen.“ Ein Lächeln ging durch die Runde. „An der Grundschule in Oak Park“, ergänzte Sarah. „Ab dem neuen Schuljahr übernehme ich eine erste Klasse.“ „Das sind doch großartige Nachrichten“, sagte Emily. „Herzlichen Glückwunsch.“ Auch Michael und Ryan gratulierten, ehe John sich an seine Schwiegertochter wandte. „Du hast lange darauf hingearbeitet. Ich freue mich für dich.“ „Danke, John.“ Patrick tauschte einen kurzen Blick mit seiner Frau. „Es gibt nur ein kleines Problem.“ John hob fragend eine Augenbraue. „Unsere Nanny hat dienstags und donnerstags Vorlesungen an der Universität. An den beiden Tagen kann sie Ethan nach dem Kindergarten nicht betreuen.“ Für einen Moment wurde es still. „Wir wollten deshalb fragen …“, Patrick lächelte, „ob du dir vorstellen könntest, dienstags und donnerstags auf ihn aufzupassen. Natürlich nur, wenn es dir nicht zu viel wird.“
Noch bevor der Satz ganz ausgesprochen war, veränderte sich Johns Gesicht. Die Strenge, mit der er eben noch über den Tisch geblickt hatte, wich einem warmen, beinahe jungen Lächeln. Seine Augen wurden weich. Als Ethan seinen Namen hörte und neugierig zu seinem Großvater aufsah, streckte John ihm lächelnd die Hand entgegen. „Natürlich mache ich das.“ Seine Antwort kam ohne jedes Zögern. „Für meinen Enkel finde ich immer Zeit.“ Ethan rutschte sofort von seinem Stuhl, lief um den Tisch herum und ließ sich von seinem Großvater auf den Arm heben. John lachte leise, strich dem Jungen durchs Haar und drückte ihn kurz an sich. „Dann verbringen wir beide eben zwei Nachmittage in der Woche miteinander“, sagte er. „Ich glaube, das bekommen wir hin.“ „Danke, Dad“, sagte Patrick erleichtert. „Das hilft uns wirklich sehr.“ „Dafür sind Großeltern da.“
Matt beobachtete die Szene schweigend. Sein Blick blieb an seinem Vater hängen. Da war dieses Lächeln. Offen, herzlich und voller Zuneigung. Es wirkte so selbstverständlich, als hätte es nie etwas anderes gegeben. John sprach mit Ethan mit einer Geduld und Wärme, die den Jungen sichtlich aufblühen ließ. Matt spürte einen leisen Stich in der Brust. Er erinnerte sich nicht daran, jemals so angesehen worden zu sein. Weder als Kind noch später als Jugendlicher. Und jetzt schon gar nicht. Er senkte den Blick auf seinen Teller und schob das Essen langsam mit der Gabel hin und her. Um ihn herum wurde weitergelacht und geredet, doch die Stimmen rückten für einen Moment in weite Ferne.
Erst als die Teller langsam leer wurden und die Gespräche wieder mehrere Themen gleichzeitig umfassten, fiel Matts Blick zufällig zur Garderobe im Flur. Der Brief. Für einen kurzen Moment ärgerte er sich über sich selbst. Vor lauter Gesprächen hatte er ihn völlig vergessen. Er sah zu seinem Vater. „Dad?“ John hob den Blick von seinem Teller. „Ja?“ „Darf ich kurz aufstehen? Ich muss etwas aus meiner Jacke holen.“ John nickte knapp. „Natürlich.“
Matt schob seinen Stuhl zurück und verließ das Esszimmer. Wenige Augenblicke später kehrte er mit dem großen weißen Umschlag in der Hand zurück. Sofort richteten sich mehrere neugierige Blicke auf ihn. Emily erkannte den Absender als Erste. „Ist das …?“ Matt konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Die Antwort der Polizeiakademie.“ Schlagartig richtete sich die Aufmerksamkeit des gesamten Tisches auf ihn. „Na endlich!“, sagte Michael grinsend. „Wurde auch Zeit“, warf Ryan ein. Patrick lehnte sich lächelnd zurück. „Dann mach schon auf.“ Selbst einige der Kinder blickten neugierig zu ihrem Onkel, ohne genau zu wissen, worum es ging. Sarah lächelte Matt aufmunternd an, während Emily ihn erwartungsvoll ansah.
Nur John zeigte keinerlei Regung. Er saß unverändert am Kopfende des Tisches, die Hände ineinandergelegt, und betrachtete den Umschlag mit derselben nüchternen Miene wie zuvor. Matt bemerkte es kaum. Sein Herz schlug schneller, als er den Umschlag zwischen den Fingern drehte. Wochenlang hatte er auf diesen Moment gewartet. Noch einmal sah er kurz in die Runde. Überall blickten ihm erwartungsvolle Gesichter entgegen. Mit einem Lächeln öffnete er den Umschlag, zog das Schreiben heraus, faltete es auseinander und begann zu lesen.
Nach den ersten Zeilen verschwand sein Lächeln. Seine Stirn legte sich in Falten. Er blinzelte, als hätte er sich verlesen. Langsam wanderte sein Blick zurück zum Anfang des Schreibens. Er las die ersten Absätze ein zweites Mal, dann noch einmal. Die Worte vor seinen Augen wollten keinen Sinn ergeben. Seine Finger umklammerten das Papier fester. „Matt?“, fragte Emily leise. Er reagierte nicht. Er starrte weiterhin auf den Brief, unfähig zu begreifen, was dort stand. Schließlich hob er langsam den Kopf. Sein Gesicht war blass. „Ich …“ Seine Stimme versagte ihm. Er schluckte mühsam. „Ich wurde abgelehnt.“
Einen Moment lang sagte niemand etwas. „Was?“, fragte Emily ungläubig. Michael streckte die Hand nach dem Schreiben aus. Matt reichte es ihm wie betäubt. Während Michael die wenigen Zeilen überflog, wich auch ihm die Farbe aus dem Gesicht. „Das kann nicht stimmen.“ Ryan beugte sich vor. „Lass mal sehen.“ Der Brief wanderte weiter zu Patrick. Alle suchten nach einer Erklärung, doch außer der knappen Mitteilung, dass Matts Bewerbung nicht berücksichtigt werden konnte, fand sich nichts. „Das ergibt überhaupt keinen Sinn“, sagte Emily fassungslos. „Du erfüllst alle Voraussetzungen.“ „Die lehnen doch niemanden aus unserer Familie ohne Grund ab“, murmelte Ryan. Matt blickte ratlos von einem zum anderen. „Ich verstehe das nicht.“
Während rund um den Tisch immer mehr Stimmen durcheinanderklangen, blieb einer vollkommen unbeteiligt. John. Er saß am Kopfende des Tisches, als beträfe ihn die ganze Angelegenheit nicht. Sein Gesicht zeigte dieselbe kühle Beherrschung wie den ganzen Nachmittag. „Das ist besser so.“
Mit einem Schlag verstummten alle. Matt sah seinen Vater verständnislos an. „Wie meinst du das?“ „Du solltest dich auf dein Studium konzentrieren“, erwiderte John ruhig. „Vielleicht wechselst du zu Jura. Das steht dir besser zu Gesicht als eine Uniform.“ Matt schüttelte langsam den Kopf. „Aber ich will Polizist werden.“ „Nein“, sagte John mit fester Stimme. „Du willst es vielleicht. Aber dort gehörst du nicht hin.“
Wieder legte sich Schweigen über den Tisch. Emily runzelte die Stirn. „Dad … was soll das heißen?“ John begegnete ihrem Blick ohne zu zögern. „Es heißt genau das.“ „Nein“, erwiderte sie. „Matt wollte seit seiner Kindheit zur Polizei. Warum sollte er dort nicht hingehören?“ John ließ den Blick langsam über die versammelte Familie schweifen. „Weil ich dafür gesorgt habe.“
Die Worte schienen im Raum stehen zu bleiben. Matt starrte ihn an. „Was hast du gesagt?“ „Die Akademie hat deine Bewerbung nicht aus eigener Entscheidung abgelehnt“, sagte John mit derselben ruhigen Stimme, mit der er wenige Minuten zuvor noch das Tischgebet gesprochen hatte. „Ich habe dafür gesorgt, dass deine Bewerbung keine Aussicht auf Erfolg hatte.“ Matt spürte, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich. „Warum?“
Zum ersten Mal lag in Johns Blick etwas, das über reine Strenge hinausging. Eine tiefe Überzeugung, die keinen Raum für Zweifel ließ. „Weil ich nicht zulassen werde, dass mein schwuler Sohn den Namen Galloway und den Ruf unserer Familie innerhalb des Chicago Police Department beschmutzt.“
Niemand rührte sich. Emily sah ihren Vater an, als säße ein Fremder am Kopfende des Tisches. „Dad …“ Mehr brachte sie nicht heraus. „Bitte sag mir, dass du das nicht ernst meinst.“ John hielt ihrem Blick stand. „Doch.“
Keiner sprach ein weiteres Wort. Das Schweigen, das sich über den Tisch legte, war schwerer als jeder Streit. Matt saß regungslos auf seinem Stuhl. Sein Blick ruhte auf seinem Vater, doch es war, als würde er ihn mit völlig anderen Augen sehen. Der Mann am Kopfende des Tisches hatte in wenigen Sätzen alles zerstört, woran Matt sein Leben lang geglaubt hatte. Langsam senkte er den Blick auf den Brief in seiner Hand. Das Schreiben zitterte leicht zwischen seinen Fingern.
Dann stand er auf.
Der Stuhl schrammte laut über den Holzboden und ließ mehrere der Kinder erschrocken zusammenzucken. „Matt …“, sagte Emily leise. Er reagierte nicht. Ohne ein Wort faltete er den Brief zusammen, steckte ihn in den Umschlag zurück und verließ das Esszimmer. „Matt!“ Johns Stimme hallte durch das Haus. „Setz dich wieder hin.“
Matt ging weiter.
Hinter ihm wurden Stühle zurückgeschoben. Jemand rief erneut seinen Namen, doch die Stimmen drangen nur noch gedämpft zu ihm durch. Im Flur griff er nach seiner Jacke, zog sie hastig an und nahm seine Autoschlüssel von der Kommode. Die Haustür fiel mit einem dumpfen Schlag hinter ihm ins Schloss.
Er hörte, wie sie kurz darauf wieder geöffnet wurde. „Matt!“ Diesmal war es Emily. „Bitte warte!“
Er drehte sich nicht um.
Mit schnellen Schritten ging er zu seinem Wagen, schloss auf und stieg ein. Seine Hände zitterten so stark, dass er den Schlüssel erst beim zweiten Versuch ins Zündschloss bekam. Der Motor sprang an. Im Rückspiegel sah er, wie Emily auf die Auffahrt gelaufen kam. Hinter ihr erschienen Michael und Patrick in der Haustür. John blieb im Flur stehen. Er machte keine Anstalten, seinem Sohn nachzugehen.
Matt legte den Gang ein.
Ohne einen weiteren Blick auf das Haus fuhr er vom Grundstück.
Er wusste nicht, wohin ihn die Straße führen würde.
Er wusste nur eines: Er würde niemals wieder in dieses Haus zurückkehren.









So ein Vater braucht kein Mensch. Der geborene Patriarch und alle kuschen. Schon als Matt zu spät kam, liest er ihm gehörig die Leviten. Da wäre ich schon raus gewesen. Doch Widerworte kennt John nicht. Das er für die Ablehnung verantwortlich ist, der Hammer und in dieser Art und Weise.
Was für ein Familienessen 😢