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Ich hatte eine Online-Beziehung mit meinem CEO.
Das wäre in Ordnung gewesen, abgesehen von zwei kleinen Problemen.
Erstens stand ein persönliches Treffen niemals zur Debatte. Und zweitens wusste er überhaupt nicht, dass die Frau, mit der er auf Facebook flirtete, in Wirklichkeit eine seiner eigenen Designerinnen war.
In letzter Zeit lief mein Chef, Alexander Stone, Amok. Eine dunkle Wolke folgte ihm durch das Büro in Seattle, und alle bewegten sich auf rohen Eiern. Unsere täglichen Starbucks-Gänge schrumpften auf null.
Er arbeitete wie ein Besessener, was bedeutete, dass wir ebenfalls wie besessene Zombies schufteten. Solange er im Gebäude saß, traute sich niemand aus der Design-Abteilung nach Hause.
Das Resultat? Wir hockten bis Mitternacht am Tisch und trugen so tiefe Augenringe spazieren, dass selbst High-End- Beauty Marken versagten.
Das Problem dabei: Vermutlich kannte nur ich den echten Auslöser für seine miese Laune. Nur behielt ich dieses Wissen für mich.
Der große Boss litt unter Liebeskummer. Und exakt ich hatte sein Herz gebrochen.
Nur ahnte er davon nichts.
Alles fing vor zwei Jahren an, als mein Online-Bekannter plötzlich ein reales Treffen forderte.
Wir lernten uns über Facebook in der Gruppe „Seattle Singles“ kennen.
Dort postete er einen Hilferuf: [Warum finde ich keine Freundin?] Natürlich klickte ich drauf. Sein Text lautete: [Männlich, 1,88 m, 82 kg, 28, Harvard MBA. Aktuell CEO einer Tech-Firma. Siebenstelliges Gehalt, Eigentumswohnung und Tesla in Seattle, aber ich sehe nur durchschnittlich aus. Noch nie eine Beziehung gehabt. Wo liegt das Problem?]
Die Kommentare explodierten sofort.
[Klar, noch ein Fake-Profil.]
[Träum weiter, Junge. Harvard-Absolvent und mit 28 CEO? Das hier ist Seattle, keine Soap Opera aus dem Silicon Valley.]
[Jeder weiß, dass Typen mit diesen Daten entweder schwul oder Kontrollfreaks sind.]
Projektstress nagte an meinen Nerven, weshalb ich eine scharfe Kante zeigte. Meine Antwort: [Vielleicht liest sich dein Profil wie der Steckbrief eines Roboters. Zeig mal ein Foto.] Danach schloss ich den Tab und hakte die Sache ab.
Ein paar Minuten später ploppte eine private Nachricht auf.
[Hey, darf ich es dir privat schicken?]
Drama zog mich magisch an, also tippte ich: [Klar.]
Er schickte das Bild.
Fast prustete ich meinen Eiskaffee über das MacBook.
Nannte er das durchschnittlich? Das sah verdammt noch mal absolut nicht durchschnittlich aus.
Das Foto taugte absolut nichts. Ein mies ausgeleuchtetes Selfie, sein Handy verdeckte die halbe Visage, geschossen aus diesem absolut unvorteilhaften Untersicht-Winkel. Seine Haare standen kreuz und quer, dazu trug er eine altmodische Nerd-Brille.
Trotz der miesen Auflösung erkannte ich ein markantes Kinn, eine gerade Nase und schmale Lippen. Jedes einzelne Detail schrie danach, heiß zu sein.
Irgendetwas an ihm wirkte sonderbar vertraut.
„Wie kann ein Typ mit so einer Fresse das nicht checken?“, murmelte ich und zoomte nah heran.
Meine Designer-Ader schlug sofort Alarm. Ich schickte ihm ein paar Tipps: [Dein Personal Branding braucht dringend ein Upgrade. Weg mit der Brille oder her mit modernen Gestellen. Und dieser Fotowinkel! Händchen hoch! Hör auf, diese billigen Firmen-Hoodies zu tragen...]
Seine Antwort kam ohne Verzögerung: [Vielen Dank!]
Damit hakte ich die Nummer ab. Am nächsten Tag schoss er neue Bilder, exakt nach meiner Anleitung. Am Tag darauf wieder welche. So ging das Spiel tagelang weiter.
Als ich ihn stummschalten wollte, bat er mich um Hilfe bei der Optimierung seines Dating-Profils. Er bot mir sogar Geld an.
Niemals schlug ich einen Nebenverdienst aus. Mein PayPal-Link ging raus. Direkt danach folgte eine Freundschaftsanfrage. Das Profilbild sprang mir sofort ins Auge.
Moment mal. Stimmte das etwa mit dem LinkedIn-Foto meines CEOs überein?
Zitternd hielt ich inne. Der Magen sackte mir in die Tiefe. In Eile stellte ich alle arbeitsbezogenen Facebook-Beiträge auf privat.
Mein Kopf hämmerte. War meine berufliche E-Mail-Adresse etwa mit dem privaten Facebook-Konto verknüpft? Während Panik mich lähmte, tippte er in seinem Chatfenster gefühlte Stunden lang. Schließlich erschien der Satz: [Danke für deine Hilfe. Ich brauche mein Profil wohl nicht mehr zu ändern.]
Gleich darauf folgte eine weitere Nachricht: [Ich glaube, ich fand ohnehin bereits die Frau, die mich interessiert.]
Stumm starrte ich auf das Display.
Ich verglich sein Profil erneut mit dem Foto – kein Zweifel, er war es. Der absolute Chef unserer Firma, Alexander Stone.
Der Zufall klang absurd. Nur wusste er weiterhin nicht, mit wem er schrieb.
In den folgenden Wochen polierte ich sein Online-Auftreten auf, wodurch er deutlich charmanter wirkte. Kurz vor dem Ende meines kleinen Nebenjobs gestand er mir seine Gefühle.
Ein langer, konfuser Text markierte den Anfang. Ich las nur das Ende: [Ehrlich gesagt, Emma, ich glaube, ich verliebe mich in dich.]
Ich erwiderte knapp: [Ähm...]
Schweigen.
Mein nächster Versuch: [Danke für das Kompliment?]
Er schoss zurück: [Was?]
[Ich sagte, ich mag dich!]
Ich tippte: [Und ich erwiderte, ich schätze den Gedanken.]
Er blieb hartnäckig: [Nein, ich meine es ernst.]
Ich schrieb: [Ich bedanke mich ernsthaft.]
Davon brummte mein Kopf. Meinte er das ernst?
Nach kurzem Zögern kam die Frage: [Gibst du mir trotzdem eine Chance?]
Es landete auf „Gelesen“.
Diese Nacht raubte mir den Schlaf – eine echte Seltenheit im Kaffee-Dauerkonsum von Seattle.
Von da an prasselten die Nachrichten ununterbrochen herein. Guten Morgen, gute Nacht und ständige Updates über seinen Tag. „Gerade im Büro angekommen.“ „Hocke in einem grauenhaften Meeting.“ „Trinke den dritten Kaffee.“
So flirtete also ein CEO.
Beeindruckend.
Hin und wieder reagierte ich einsilbig, und er feierte es so, als stiege die Aktie unseres Unternehmens in astronomische Höhen.
Irgendwann ertrug ich es nicht mehr und schrieb: [Verdammt, google endlich mal ‚Wie spreche ich normal mit Frauen‘.]
Er: [Hä?]
Ich stieß einen langen Seufzer aus. Perfekt.
Einen Monat später kippte die Situation völlig.
Beim Scrollen durch Instagram stieß ich auf das Profil eines männlichen Models. Ich wollte es meiner besten Freundin schicken, doch mein Daumen rutschte aus und landete in seinem Chat.
Hohl war dieser Kommentar ganz sicher nicht: [Verdammt, den würde ich reiten wie ein Pferd.]
Seine Reaktion? Ein einziges, bedrohliches Fragezeichen.
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