In Catena Vita | 18+ by Livia Dorn at Inkitt
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In Catena - Vita | 18+

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Summary

Elara reist nach Thailand, um dem Alltag zu entkommen und einen unbeschwerten Urlaub zu genießen. Als sie Jay kennenlernt, scheint sich genau das zu erfüllen. Charmant und aufmerksam gewinnt er ihr Vertrauen – bis ein vermeintlich romantischer Abend alles verändert. Plötzlich findet Elara sich in einer Welt wieder, die von Macht, Kontrolle und Gewalt bestimmt wird. Ihrer Freiheit beraubt, wird sie mit einer Realität konfrontiert, auf die sie niemals vorbereitet war. Menschen sind hier keine Menschen mehr, sondern Besitz. Und Vertrauen kann den höchsten Preis fordern. Um zu überleben, beginnt Elara, ihre Gefühle tief in sich zu verschließen. Sie errichtet eine Mauer, die niemand durchdringen soll. Doch dann begegnet sie Ewan – einem Mann, der ihr von Anfang an feindselig gegenübersteht und Teil dieser Welt zu sein scheint. Zwischen den beiden entsteht ein gefährliches Spiel aus Misstrauen, Abneigung und unausgesprochenen Wahrheiten. Je länger Elara gefangen bleibt, desto mehr muss sie sich fragen, wem sie überhaupt noch glauben kann. Denn in einer Welt, in der andere über ihr Leben bestimmen, wird die Suche nach Freiheit zu einem Kampf gegen ihre eigenen Grenzen.

Status
5h ago
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1 : Spes libertatis dulcior est quam libertas ipsa

Ich starre aus dem kleinen Fenster und beobachte, wie das Flugzeug langsam zur Startbahn rollt. Mein Herz schlägt schneller. Endlich! Dreizehn Jahre Schule liegen hinter mir. Monatelang habe ich für diesen dreiwöchigen Thailand Urlaub gespart. Ich habe während der Nachtschichten in der Disco jeden einzelnen Cent dafür zurückgelegt.

Ein Kribbeln der Vorfreude breitet sich in mir aus. Ich kann es kaum realisieren, dass ich mich im Flugzeug in Richtung Asien befinde. Sitze ich hier im Flieger zu meinem Traumreiseziel? Seit Jahren habe ich mir geschworen: Nach dem Abi geht es nach Thailand. Ich werde jeden zeigen, dass aus mir auch unabhängig von meinen Eltern etwas wird. Das Abi habe ich ganz allein geschafft. Trotz der Lernschwierigkeiten habe ich das Abitur mit gut bestanden. Alle Zweifel, alle Tränen werden es wert sein.

Der Schub des Flugzeugs reißt mich aus meinen Gedanken. Die Maschine wird schneller, die Bäume draußen verschwimmen. Wenige Sekunden später hebt sie ab. Der Druck in meinen Ohren nimmt immer mehr zu. Ich krame in der Handtasche nach einem Kaugummi. Es dauert eine Minute, bis ich endlich die Wassermelonen-Kaugummis gefunden habe und stecke mir eins in den Mund. Kauend beobachte ich, wie die Welt unter mir immer kleiner wird. Der Druck in meinen Ohren lässt langsam nach. Ich ziehe das IPad aus der Tasche und öffne die Mal-App. Dieses Mal lasse ich mich von dem Blick aus dem Fenster inspirieren: Wolken, die wie Zuckerwatte aussehen und im strahlend blauen Himmel treiben.

Es ist Monate her, dass ich so ungestört malen konnte. Für Kreativität war durch die Abizeit gar kein Platz. Jetzt darf ich in diesem Gefühl endlich wieder versinken: in Linien, Farben und Formen. Zeichnen ist für mich jedes Mal wie ein Rausch. Ich verliere dabei jegliches Zeitgefühl. Es existiert nur das IPad mit den Wolken und dem Himmel. Wenn ich male, erschaffe ich mir meine eigene Welt. Dort ist alles leicht und unbeschwert. Es gibt keine Aufgaben oder Verpflichtungen. Für mich ist genau das wie eine Droge, von der ich nicht genug bekomme.

Meine Gedanken sind weit abgedriftet, bis ein sanfter Ruck den ausklappbaren Tisch erschüttert. Ich hebe den Kopf und bemerke eine Flugbegleiterin, die das Essen verteilt. Sie zerstört die kreative Blase und lässt mich auf den Boden fallen.

Das Nudelgericht schmeckt so, wie man es sich im Flugzeug vorstellt: fad, weich und matschig. Zum Glück habe ich vorgesorgt und mir am Flughafen ein belegtes Brötchen gekauft. Ich esse, male und spüre, wie ich Minute für Minute wieder tief in mir. In dieser Welt gibt es nur die Gefühle voller Glück und Dankbarkeit. Alle Probleme und Schwierigkeiten sind weit entfernt. Es existiert nur einWirbel aus positiven Empfindungen, die mich überwältigen. Mein Herz ist durcheinander durch die vielen intensiven Gefühle. Hoffnung, Fröhlichkeit oder lieber innerlicher Frieden?

Das laute Klatschen von jeder Person, außer mir, im Flugzeug reißt mich aus den Gedanken. Mein Inneres ist abrupt leer. Verwundert blicke ich auf und drehe den Kopf herum. Ich schaue aus dem Fenster und bemerke, dass wir schon gelandet sind. Davon habe ich rein gar nichts mitbekommen. Schnell verstaue ich mein IPad, bleibe aber entspannt am Platz sitzen. Die anderen um mich herum drängeln in den Gang. Auf dieses Gedränge und Geschiebe habe ich überhaupt keine Lust. Ich habe Urlaub und alle Zeit der Welt. Also warte ich, bis es ruhiger wird.

In mir klopft mein Herz vor Aufregung immer schneller. Meine Traumreise hat jetzt wirklich angefangen. Drei Wochen Entspannung, gute Laune und Freiheit warten auf mich. Ein Lächeln erscheint auf meinem Gesicht und die Erleichterung lässt sich ebenfalls eindeutig ablesen.

Eine halbe Stunde später habe ich meine Koffer geholt. Ich betrete das Freie und mich trifft die Hitze wie eine Wand. Im Flugzeug und am Flughafen war es durch die Klimaanlagen sogar fast kühl. Hier draußen dagegen herrscht Tropenluft: schwül und feucht. Der unbekannte Geruch überrollt mich wellenartig. Zuerst die dicke Luft, welche von süßlich-würzigen Aromen durchzogen ist. Nach ein paar weiteren Atemzügen kommt ein erdiger Duft hinzu und mischt sich mit Abgasen von den vielen Fahrzeugen vor dem Terminal. Es ist vertraut und fremd zugleich.

Mein Blick schweift durch das Chaos. Touristen laufen mit ihren Koffern über den löchrigen Asphalt, Taxis hupen und Fahrer winken. Zwischen diesem Trubel sind hochragende Palmen, welche höher als alles andere wachsen. Einige tragen sogar Kokosnüsse.

Um mich herum strahlt und leuchtet die tropische Natur: Orchideen, Bambus und viele weitere verschiedene exotische Pflanzen in kräftigem Grün mit bunten Blüten. Es scheint, dass die Vegetation den Flughafen verschlingen

wolle.

Drei Minuten lang bleibe ich bewegungslos stehen und bestaune die exotische Landschaft. Dieses Land ist das Gegenteil von meiner Heimat: lebendig, bunt und fröhlich. Die Leute um mich herum strahlen eine positive und mitreißende Energie aus.Ich gehe ein paar Schritte und direkt klebt das Sommerkleid unangenehm an meinem Körper. Nach dem langen Flug, der feuchten Hitze und umhüllt mich die stickige Luft wie eine zweite Haut.

Trotz der Umgebung, die meinen Atem stocken lässt, reiße ich mich los, denn in wenigen Minuten kommt das Taxi.

Die verschwitzte Kleidung klebt an meinem Körper. Darauf achte ich aber nicht. Meine Konzentration ist bei der im Wind wehenden Palme. Ich fühle mich wie eine Taube, die nach dreizehn Jahren Schulkäfig freigelassen wurde. Dieser Vogel hat nun endlich Zeit herauszufinden, wer sie ist und wo ihr Platz in der Welt ist. Ich sehe zum ersten Mal, wie farbenfroh sie ist. Es scheint, dass mir jede Tür offen steht. In Gedanken breite ich meine Flügel aus und stürze mich in das Licht, das mir den Weg wie ein Versprechen weist. Hier draußen strahlt alles heller und freundlicher. Das Leben empfängt mich mit warmen Armen. Zum ersten Mal entscheide ich selbst.

Mein Herz pocht leicht und schwerelos. In diesem Moment ist alles möglich. Hier zu sein, macht mich so glücklich, dass ein zartes Lächeln mein Gesicht erfüllt.

Der Weg zu den wartenden Taxis ist leicht zu finden, aber dort warten Hunderte. Grün-gelbe Autos stehen Reihe für Reihe nebeneinander. Kein Schild oder Fahrer hat irgendwelche Zahlen.

Ich spüre die Unruhe und Hitze, die in der Luft liegt. Überall wuseln Touristen mit ihren Koffern umher und laufen kreuz und quer auf dem Parkplatz herum. Minutenlang starre ich auf die Taxis, bis mir kleine Zettel mit Nummern an den Windschutzscheiben auffallen.

Erleichterung durchströmt mich, denn ich finde das Taxi mit meinen Ziffern. Ich reiche dem Fahrer die Koffer und steige voller Vorfreude ein. Er öffnet den Kofferraum und ich plumpse auf einen der Rücksitze.

Ich stelle mir vor, wie ich den meterlangen Sandstrand betrete und dem klaren, türkisen Wasser immer näher komme. Ich schaue auf das Meer und mein Blick schweift zu den Wolken…

Ein Gefühl der Freiheit erfüllt mich. Es ist so, als ob ich in einem Heißluftballon stehe, meine Arme ausstrecke und gemeinsam mit den Vögeln durch die Luft schwebe. Es erweckt in mir das Gefühl, dass ich alles schaffen kann. Nichts ist unmöglich. Vor meinen Augen verschwimmen die Farben des Ballons zu Flügeln. Diese breiten sich aus und führen mich direkt durch die Wolken hindurch. Viel zu lange waren diese eingeklemmt. Mein Inneres kann sich nun lösen und entspannt sich. Es lockert die unsichtbaren Fesseln, die sich so selten lockern.

Ich sause durch die Luft; breite die Arme aus und drehe mich um die eigene Achse. Die Sonne, die immer näher kommt, erwärmt mein Inneres. Sie erfüllt mich mit betörender Lebensenergie, die mir lange nicht mehr begegnet ist. Ich sehe aus dem Fenster und entdecke zwei Kinder, die vor einem Massagestudio sitzen. Das Alter der beiden lässt mich kurz stutzen, denn die Älteste ist maximal zehn Jahre alt. Sie halten zwei handgeschriebene Schilder hoch: „Fresh hands, soft handle, new arrived!“ und „No experience, just innocence“. Machen die beiden Werbung für das Studio ihrer Eltern?

Mein Hals fühlt sich wie zugeschnürt an, wodurch mein Atem hektischer wird. Diese Mädchen sollten zur Schule gehen dürfen, anstatt zu arbeiten. Sie müssen, so wie die Eltern, sich schwer körperlich anstrengen.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist Angst zu haben, sich kein Essen leisten zu können. Das in echt zu sehen und nicht nur in der Schule zu hören, ist ein vollkommen anderer Eindruck.

Während der Fahrer an einer langen Ampelschlange stehen bleibt, klopft das ältere Kind an ein Fester vom Taxi. Das Mädchen sieht mich fragend an. Nach kurzem Überlegen traue ich mich, dem Taxifahrer zu fragen, ob er das Fenster herunter machen kann. Innerlich bin ich stolz auf mich. Es ist ein kleiner Schritt in Richtung meines Ziels für Thailand. Hier möchte ich mutiger werden.

Ein Quietschen ertönt, als das Fenster sich öffnet. Die Geräuschkulisse überfällt mich sofort und dröhnt in meinen Ohren. Unteranderem sind hupende Autos, Menschen, die ebenfalls Werbung machen, und weitere nervtötende Geräusche, die ich nicht benennen kann.

Das ältere Mädchen mit den schwarzen Haaren scheint ihre Sätze einstudiert zu haben: „You want a massage? My sister is inside. Very pretty. You come, I show.“ Ich bekomme imersten Moment nicht mehr raus als ein klassisches: „No, thanks.“ Während meine Gedanken explodieren. Wieso ist es wichtig, ob ihre Schwester im Studio ist? Die Vorahnung schnürt mir das Herz zu. Kinder in dem Alter massieren auch alte Männer? Wie kann das sein? Was habe ich aber auch anderes erwartet… Ein Mädchen, das in Thailand auf der Straße ist und gutes Englisch spricht? Ich würde gerne helfen… Aber es wird nicht besser, wenn ich das Angebot annehme.

Das ältere Mädchen scheint mein Mitleid zu bemerken und lächelt traurig. Bevor ich darauf reagieren kann, geht es weiter mit der Autofahrt. Währenddessen kurbelt der Taxifahrer das Fenster wieder nach oben und so wird es plötzlich ganz still. Außen ist es ruhig, wie vor einem Sturm. Aber in mir hat dieser bereits begonnen…

Die restliche Fahrt bemerke ich kaum, weshalb ich kurz zusammenzucke, als die Tür geöffnet wird. Der Fahrer holt meinen Koffer heraus, während ich noch dabei bin mich zu sammeln.

Ich gehe in Richtung Rezeption und mir fällt das Alter der weiblichen Personen auf. Diese scheinen hauptsächlich als Putzkräfte angestellt zu sein. Alle von ihnen sind maximal 20 Jahre alt. Die restlichen Mitarbeiter sind ausnahmelos männlich. Weiter darüber nachdenken kann ich nicht, denn ich werde bereits von einer freundlich klingenden Stimme auf Englisch angesprochen. Ein Mann mit braunen Augen und dunklen Haaren fragt nach den Hotelunterlagen. Zwei Minuten lang krame ich in meiner Tasche nach den ausgedruckten Zetteln und den Reisepass. Erleichtert seufze ich auf und lege alles auf den Tresen der Rezeption.

Nur zehn Minuten später stehe ich in meinem Zimmer, wo ich für die nächsten drei Wochen schlafen werde. In meinem Kopf wirbeln die ganze Zeit die Eindrücke der letzten Stunde. Ich bin immer noch geschockt, dass KINDER in einem Massagestudio arbeiten müssen…

Um mich von diesen einnehmenden Gedanken zu lösen, gehe ich zum Hotelstrand. Meinen noch ungeöffneten Koffer lasse ich im Zimmer stehen. Ich schnappe mir nur schnell eine meiner Sonnenbrillen und mein IPad.

Doch bevor ich losgehe, verbinde ich das Handy mit dem Hotel-Wlan. Eine Nachricht von meinen Eltern erreicht mich, wo sie wissen wollen, ob ich gut angekommen bin.

Schon erscheint eine Antwort von ihnen auf dem Sperrbildschirm: „Manchmal findet man an den unerwarteten Orten genau das, was man braucht. Wenn du Zeit hast mein Liebling, schau doch mal im Moon Orchid Café vorbei. Dort soll es besondere Nachtische geben, die süß und zugleich geheimnisvoll schmecken sollen.“

Schnell antworte ich: „Danke für den Tipp Mama, werde ich bestimmt mal austesten. Ich bin übrigens gut angekommen und werde mich gleich auf dem Weg zum Hotelstrand machen.“

Meine Mama antwortet sofort und wünscht mir viel Spaß. Das Handy verstaue ich im Safe und verlasse endlich das Hotelzimmer.

Innerhalb von fünf Minuten habe ich den Weg zum Strand gefunden. Meine Sneaker ziehe ich aus und lasse die Füße nur für wenige Sekunden im Sand versinken. Denn dieser ist so heiß, dass er die Sohlen verbrennt. Während ich in Richtung Wasser renne, halte ich das iPad mit einer Hand fest. Die Füße werden vom Meer umspielt und ich achte dabei darauf, dass meine kurze blaue Jeans nicht nass wird. Obwohl schon der Abend angefangen hat, rennen und spielen zig Kinder. Immer wieder jubeln sie und durcheinander rufende Stimmen sind am Strand zu hören. Die Erwachsenen bräunen sich auf den Liegen und entspannen in der Sonne. Das Wasser ist so klar und türkis wie auf den Bildern, aber wie soll ich das Meer bei dieser Masse genießen können? Das habe ich mir anders vorgestellt … Mein Plan die Natur in Ruhe zu malen hat sich so erledigt…

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Good Writing

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Great Character

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