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Ocean Secrets zwischen den Wellen

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Summary

Das Meer vergisst nichts. Es bewahrt Geheimnisse. Und manchmal bewahrt es Dinge, die niemals entdeckt werden sollten. Neraya wusste das noch nicht. Damals war sie nur ein Kind. Sie erinnerte sich an das kalte Wasser. An die Dunkelheit. An die Angst, keine Luft mehr zu bekommen. Und an zwei Arme, die sie plötzlich festhielten. Jemand hatte sie gerettet. Eine Frau. Mit langem rotem Haar und Augen, die sie nie vergessen konnte. Am nächsten Morgen war die Frau verschwunden. Neraya glaubte jahrelang, es sei nur ein Traum gewesen. Bis sie viele Jahre später mitten im Pazifik wieder ins Wasser stieg. Und zwei schwarze Augen aus der Dunkelheit sie ansahen. Diesmal war es kein Traum. Und diesmal war sie nicht allein. Denn etwas hatte auf sie gewartet.

Status
7h ago
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

Die Bewegung


Das Meer war ruhig.


Viel zu ruhig.


Neraya Caldwell stand barfuß am Rand ihres Forschungsschiffes und ließ den Wind durch ihr langes, schwarzes Haar fahren. Vor ihr erstreckte sich der Pazifik bis zum Horizont. Kein anderes Schiff war zu sehen. Keine Insel. Kein Land.


Nur Wasser.


Unendlich viel Wasser.


Sie liebte diesen Anblick.


Vielleicht gerade deshalb, weil hier draußen niemand ihr sagen konnte, was möglich war und was nicht.


„Du bist wirklich hier."


Neraya lächelte, ohne sich umzudrehen.


„Ich bin wirklich hier."


„Allein."


„Ja."


„Mitten im Pazifik."


„Auch das stimmt."


Sie hörte das leise Knacken ihres Funkgeräts und musste lachen.


„Du klingst, als würdest du versuchen, mich davon abzuhalten."


„Ich versuche nur sicherzugehen, dass du noch alle Tassen im Schrank hast."


„Das kann ich nicht versprechen."


Eine kurze Pause.


„Neraya."


„Hm?"


„Du hast drei Jahre lang studiert, nur um jetzt irgendwo hinzufahren, wo kein Mensch vor dir war."


„Genau."


„Und du findest das nicht verrückt?"


Sie drehte sich endlich um und grinste.


„Nein."


„Natürlich nicht."


„Es ist mein erster eigener Forschungseinsatz."


„Und dein Vater wird wahrscheinlich zehnmal am Tag anrufen."


„Mein Vater ruft sowieso zehnmal am Tag an."


„Und deine Mutter?"


„Zwanzigmal."


Sie lachte.


Diana und Frank Caldwell waren es gewohnt, sich Sorgen um ihre Tochter zu machen.


Neraya konnte es ihnen nicht einmal verdenken.


Sie war ihre einzige Tochter.


Und obwohl sie gerade erst zweiundzwanzig geworden war, hatte sie sich entschieden, ihre erste Forschungsreise allein zu unternehmen.


Nicht in einem Labor.


Nicht in einem Forschungsteam.


Sondern dort draußen.


Dort, wo das Meer noch Geheimnisse besaß.


Neraya wandte sich wieder den Instrumenten zu.


„Ich melde mich später."


„Versprich mir, dass du vorsichtig bist."


„Versprochen."


„Und Neraya?"


„Ja?"


„Wenn du einen riesigen unbekannten Hai findest, komm bitte wieder lebendig zurück."


Neraya grinste.


„Keine Garantie."


Sie beendete das Gespräch, mit ihrer Freundin mit der sie auch studiert hatte.


Dann war wieder Stille.


Nur der Wind.


Das Wasser.


Und das gleichmäßige Summen der Maschinen.


Neraya sah auf die Uhr.


Sie war seit fast einer Woche unterwegs.


Bisher hatte sie nichts gefunden, was auch nur annähernd der Entdeckung entsprach, von der sie seit Jahren träumte.


Sie hatte Korallenformationen untersucht.


Wasserproben genommen.


Fische dokumentiert.


Temperaturveränderungen aufgezeichnet.


Aber nichts Neues.


Noch nichts.


Sie setzte sich vor die Monitore und überprüfte die Daten ihrer letzten Messung.


Dann stoppte sie.


„Was ist das?"


Auf dem Bildschirm bewegte sich ein kleiner Punkt.


Neraya beugte sich näher.


Der Punkt verschwand.


Sie wartete.


Nichts.


Dann erschien er wieder.


Diesmal weiter südlich.


Neraya runzelte die Stirn.


Sie überprüfte die Sensoren.


„Komm schon ..."


Der Punkt bewegte sich.


Schnell.


Dann abrupt in eine andere Richtung.


Neraya richtete sich auf.


„Das ist kein normaler Fisch."


Sie verfolgte die Bewegung auf dem Bildschirm.


Das Tier schwamm unglaublich schnell.


Dann verschwand das Signal erneut.


Neraya griff nach ihrem Tablet und begann, die Daten zu speichern.


„Du bist entweder sehr klein und verdammt schnell ..."


Sie sah auf den Bildschirm.


„... oder ziemlich groß."


Das Signal tauchte wieder auf.


Direkt unter ihrem Schiff.


Neraya erstarrte.


Sie sah aus dem Fenster.


Nichts.


Nur tiefblaues Wasser.


Sie überprüfte den Scanner.


Das Signal bewegte sich wieder.


Langsam.


Dann schneller.


Es entfernte sich.


Neraya sprang auf.


Ihr Herz begann vor Aufregung zu schlagen.


„Okay."


Sie nahm ihre Tauchausrüstung.


„Dann sehen wir uns das mal an."


────────


Wenige Minuten später sprang Neraya ins Wasser.


Die Kälte umschloss ihren Körper.


Sie atmete tief ein und tauchte ab.


Das Sonnenlicht brach sich über ihr und verwandelte die Wasseroberfläche in ein flimmerndes, silbernes Dach.


Je tiefer sie kam, desto dunkler wurde es.


Neraya überprüfte ihre Sauerstoffanzeige.


Alles in Ordnung.


Sie schaltete ihre Lampe ein.


Vor ihr erstreckte sich eine Landschaft aus Felsen, Korallen und tiefen Spalten.


Wunderschön.


Und gleichzeitig vollkommen fremd.


Sie sah auf ihr Messgerät.


Das Signal war noch da.


Neraya schwamm weiter.


Langsam.


Vorsichtig.


Dann bewegte sich etwas links von ihr.


Sie drehte den Kopf.


Nichts.


„Verdammt."


Sie leuchtete mit der Lampe in die Dunkelheit.


Ein Schwarm kleiner Fische schoss davon.


Neraya atmete erleichtert aus.


„Nur Fische."


Sie wollte gerade weiterschwimmen, als sie es wieder sah.


Eine Bewegung.


Groß.


Schnell.


Und dunkel.


Neraya blieb stehen.


Ihr Herz schlug schneller.


Sie hob die Lampe.


Ein Schatten glitt hinter einem Felsen vorbei.


Eine große Schwanzflosse.


Nerayas Augen wurden groß.


„Ein Hai."


Sie folgte ihm.


Der Schatten verschwand.


Dann tauchte er wieder auf.


Neraya konnte seine Größe nun besser einschätzen.


Er war riesig.


Viel größer als die meisten Haie, die sie kannte.


„Das gibt es doch nicht ..."


Sie aktivierte ihre Kamera.


Wenn das wirklich eine unbekannte Haiart war, könnte das ihre gesamte Karriere verändern.


Sie schwamm näher.


Der Schatten bewegte sich nicht mehr.


Neraya blieb stehen.


Vor ihr lag eine große Felsformation.


Sie leuchtete daran vorbei.


Nichts.


Dann hörte sie etwas.


Ein Geräusch.


Nicht laut.


Fast wie ein tiefer, vibrierender Ton.


Neraya drehte sich um.


Und sah ihn.


Zuerst nur die Augen.


Schwarz.


Vollkommen schwarz.


Sie starrte ihn an.


Er starrte zurück.


Nerayas Körper spannte sich an.


Das war kein Hai.


Das war ...


Ein Mann?


Nein.


Das konnte nicht sein.


Das Wesen hatte ein menschliches Gesicht.


Menschliche Arme.


Hände.


Schultern.


Aber darunter begann etwas, das jeden Gedanken an einen Menschen unmöglich machte.


Schuppen bedeckten Teile seiner Haut.


Kleine, glänzende Schuppen schimmerten im Licht ihrer Lampe.


Sein schwarzes Haar bewegte sich langsam im Wasser.


Und hinter ihm erstreckte sich eine gewaltige Schwanzflosse.


Neraya vergaß für einen Moment sogar zu atmen.


Sie sah ihn einfach an.


Das Wesen bewegte sich nicht.


Es floh nicht.


Es griff sie nicht an.


Es beobachtete sie.


Neraya schluckte.


„Okay ..."


Ihre Stimme klang durch den Atemregler dumpf.


„Du bist definitiv kein Hai."


Die schwarzen Augen verengten sich leicht.


Neraya hob langsam eine Hand.


„Ich tue dir nichts."


Das Wesen blieb ruhig.


Neraya wusste selbst nicht, warum sie keine Angst hatte.


Vielleicht hätte jeder vernünftige Mensch jetzt umgedreht.


Aber Neraya war keine vernünftige Frau, wenn es um Entdeckungen ging.


Sie war Wissenschaftlerin.


Und vor ihr befand sich etwas, das nach allem, was sie wusste, nicht existieren dürfte.


Also schwamm sie näher.


Das Wesen ließ sie kommen.


Noch näher.


Neraya konnte nun sein Gesicht erkennen.


Er war jünger, als sie erwartet hatte.


Vielleicht Mitte zwanzig.


Sein Körper war kräftig und muskulös, beinahe unnatürlich stark.


Und seine Zähne ...


Nerayas Blick blieb daran hängen.


Scharf.


Raubtierhaft.


Sie hob langsam ihre Hand.


„Ich will dich nur ansehen."


Er legte den Kopf leicht schräg.


Als würde er ihre Worte verstehen.


Neraya hielt inne.


„Verstehst du mich?"


Keine Antwort.


Natürlich nicht.


Wie sollte er auch?


Sie lächelte unter ihrem Atemregler.


„Das war eine dumme Frage."


Sie schwamm noch einen kleinen Schritt näher.


Jetzt trennte sie nur noch eine Armlänge von ihm.


Er hätte sie innerhalb einer Sekunde erreichen können.


Doch er tat nichts.


Stattdessen schwamm er langsam um sie herum.


Neraya drehte sich mit ihm.


„Du untersuchst mich auch."


Er kam wieder vor ihr zum Stillstand.


Ihre Blicke trafen sich.


Und für einen kurzen Moment hatte Neraya das seltsame Gefühl, dass er nicht nur neugierig war.


Er war aufmerksam.


Als würde er versuchen, sie zu verstehen.


Sie streckte ihre Hand aus.


Diesmal berührten ihre Fingerspitzen beinahe seine Haut.


Das Wesen wich nicht zurück.


Neraya lächelte.


„Du hast wirklich keine Angst vor mir."


Seine Augen veränderten sich.


Nur für einen Augenblick.


Und dann geschah etwas, das Neraya später noch tausendmal in Gedanken wiederholen würde.


Die dunklen Schuppen an seinem Körper schimmerten plötzlich gelblich.


Nicht das Licht ihrer Lampe.


Eine echte Farbe.


Gelb.


Neraya blinzelte.


„Was ...?"


Sie sah genauer hin.


Doch schon war es wieder verschwunden.


Das Wesen zog sich zurück.


Neraya folgte ihm ein Stück.


„Warte!"


Er drehte sich um.


Für einen Moment sah sie ihn noch.


Dann stieß er sich mit seiner gewaltigen Schwanzflosse ab und verschwand in der Dunkelheit.


Neraya blieb zurück.


Allein.


Sie sah auf ihre Kamera.


Das Bild war verwackelt.


Fast unbrauchbar.


Nur ein dunkler Schatten.


Ein Teil seines Gesichts.


Ein Stück seiner Flosse.


Kein Beweis.


Sie sah in die Richtung, in der er verschwunden war.


Ihr Herz schlug noch immer schnell.


„Wer bist du?"


Keine Antwort.


Nur die Dunkelheit.


Neraya wusste nicht, dass sich weit entfernt von ihr zwei schwarze Augen noch einmal aus dem Schatten lösten.


Vaeron beobachtete sie.


Er hätte verschwinden können.


Er hätte nie wiederkommen müssen.


Doch etwas an dieser Menschenfrau ließ ihn bleiben.


Sie hatte ihn gesehen.


Und sie war nicht geflohen.


Sie hatte ihn angesehen, als wäre er kein Monster.


Als wäre er ein Rätsel.


Etwas, das sie unbedingt verstehen wollte.


Vaeron wusste nicht, warum.


Aber zum ersten Mal seit langer Zeit verspürte er etwas, das er nicht einordnen konnte.


Neugier.


Und tief in seinem Inneren begann etwas zu erwachen, das er noch viel weniger verstand.


Er wandte sich ab und schwamm davon.


Neraya aber blieb noch lange an derselben Stelle.


Sie wusste nur eines:


Sie hatte gerade etwas entdeckt, das niemand auf der Welt kennen durfte.


Noch nicht

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