Vor der Pforte - Der Aushang & Prolog
Halt ein, Wanderer, und lies diese Zeilen, bevor deine Hand die Klinke berührt.
Du stehst vor der Pforte zum Gasthaus „Zum wilden Bären“, tief im unbarmherzigen Thüringer Wald. Doch sei gewarnt: Was dich hinter diesem Holz erwartet, kennt weder Gnade noch weichgespülten Kitsch. Dies ist keine Herberge für glattgebügelte Helden oder Heilsbringer.
Wenn du diese Schwelle überschreitest, betrittst du eine Welt voller menschlicher Abgründe, rauer Intensität und tiefer, blutender Traumata. Hier drinnen wird ungeschminkt gelebt, gesündigt und gestorben. Wenn deine Seele empfindlich auf das Düstere, das Fleischliche und die Verwundbarkeit des Menschen reagiert, so wende dein Pferd um und reite zurück in die Sicherheit der Städte.
Für alle anderen gilt: Schlage die Pforte auf. Tritt ein in das Gasthaus. Aber jammere nicht, wenn das Schicksal die Würfel wirft.
Der große Wirt
Hinweis des Chronisten: Dies ist die dritte Reise in das dörfliche Reich von Eisenroda. Um den Bund dieser Familie und den Weg des Wirts ganz zu verstehen, empfiehlt es sich zuerst die ersten Bände zu lesen.
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PROLOG
Herzlich willkommen im Gasthaus „Zum wilden Bären“! Ohh, gütiger Gott, mein treuer Freund ... Warum bist du denn am heutigen Tag bloß so furchtbar aufgeregt? Ach herrje, ich verstehe ... Du brennst verständlicherweise darauf zu erfahren, wie genau die Geschichte weitergeht.
Ich war in deinen Augen gemein zu dir, mitten in diesem gewaltigen Moment der Entscheidung einfach aufzuhören? Hahaha! Ach, sage doch so etwas Schreckliches nicht zu deinem alten dicken Wirt ... Ein klein wenig schelmisch war es von mir schon ... ja, vielleicht ... aber so bin ich nun mal im Grunde meines Herzens.
Dein Getränk mache ich dir am Tresen auch gerade fertig ... So, das hätten wir schon mal für dich.
Lass mich nur kurz dieses schwere Holzfass nach hinten in meine Küche räumen, und ich bin gleich wieder ganz für dich da. Ach du meine Güte, wie sieht es denn in meiner schönen Küche nur wieder aus! Und diese morsche Diele dort im Eck ... die wollte mein Geliebter eigentlich schon vor einer halben Ewigkeit reparieren ... Aber dieser faule Sack sitzt ja lieber mit seinem prächtigen Hintern und herben Bier am Tisch und schaut mir faul bei der Arbeit zu.
Ja, ja, mein lieber Freund ... Hetze einen alten Mann wie mich nicht so unbarmherzig. Nun gut, mein Bier steht bereit, ich nehme Platz auf meinem Eichenholzstuhl ... Und ich erzähle dir, wie es damals in jener schicksalhaften Stunde in Mainz weiterging ...








