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Das Blut des Fürsten

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Summary

Seit einem Jahr herrscht Fürst Vaelor über die Menschen. Jeden Blutmond fordert er ein Opfer. Als die Wahl auf Elias’ Mutter fällt, weigert sich der junge Mann, sie ihrem Schicksal zu überlassen. Heimlich macht er sich auf den Weg zur Burg des Fürsten, fest entschlossen, sie zu befreien. Doch Elias unterschätzt seinen Gegner. Schwer verletzt und dem Tod näher als dem Leben, erwacht er Tage später in der Hütte einer jungen Heilerin. Etwas hat sich in ihm verändert. Etwas, das er weder verstehen noch akzeptieren kann. Denn in seinen Adern fließt nun das Blut des Fürsten. Während Elias verzweifelt versucht, die Kontrolle über seinen eigenen Körper und seinen wachsenden Hunger zu behalten, muss er erkennen, dass seine Familie nicht mehr sicher ist. Und Vaelor hat noch lange nicht vergessen, wer es gewagt hat, sich ihm entgegenzustellen. Ein dunkles Geheimnis erwacht. Ein Fürst fordert Gehorsam. Und Elias muss entscheiden, wie viel von seiner Menschlichkeit er bereit ist zu verlieren.

Status
16 mins ago
Chapters
4
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n/a
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18+

Der Blutmond

Kapitel 1 – Der Blutmond

Der Regen hatte kurz vor Einbruch der Dunkelheit aufgehört.

Noch immer tropfte Wasser von den Dächern der Häuser, rann über die unebenen Straßen von Falkenruh und sammelte sich in kleinen Pfützen zwischen den Steinen. Über dem Dorf hing ein schwerer grauer Himmel, und der Wind trieb den Geruch von nasser Erde und feuchtem Holz durch die Gassen.

Elias stand am Fenster und sah hinaus.

Seit beinahe einer Stunde hatte er dort gestanden.

„Du wirst noch ein Loch in die Straße starren, wenn du so weitermachst.“

Die Stimme seiner Mutter ließ ihn aufblicken.

Elena stand hinter ihm und hielt einen Korb mit frisch gewaschener Wäsche in den Armen. Sie lächelte, doch in ihren Augen lag dieselbe Unruhe, die Elias seit dem Morgen spürte.

„Ich starre nicht“, sagte er.

„Natürlich nicht.“

Sie ging an ihm vorbei und begann, die Wäsche zusammenzulegen.

„Du beobachtest nur sehr aufmerksam eine leere Straße.“

Elias musste trotz allem kurz lächeln.

„Vielleicht kommt niemand.“

Elena hielt einen Moment inne.

Dann sah sie ihn an.

„Vielleicht.“

Doch Elias hörte an ihrer Stimme, dass auch sie nicht daran glaubte.

Seit Vaelor vor einem Jahr die Herrschaft übernommen hatte, war vieles anders geworden. Die Menschen in Falkenruh sprachen kaum noch offen über die Zeit davor. Zu groß war die Angst, dass jemand zuhören könnte.

Mit jedem Blutmond legte sich dieselbe Unruhe über das Dorf. Nach einer festgelegten Reihenfolge wurde ein Mensch ausgewählt und zum Fürsten gebracht. Kinder blieben davon verschont. Erwachsene dagegen mussten jederzeit damit rechnen, dass ihr Name auf dem Pergament stand.

Elias hatte den ganzen Tag versucht, nicht darüber nachzudenken.

Doch nun, da der Abend näher kam, fiel es ihm immer schwerer.

Sein Blick wanderte zu Liora, die am Tisch saß und mit einem Stück Brot spielte. Sie war erst zehn Jahre alt. Wenigstens sie musste heute keine Angst haben.

Bei allen anderen war es anders.

Elias sah zu seiner Mutter.

Elena bemerkte seinen Blick und lächelte schwach.

„Du machst dir zu viele Gedanken.“

„Vielleicht.“

„Das ist keine Antwort.“

Elias wandte sich wieder dem Fenster zu.

Draußen lag Falkenruh still unter dem grauen Himmel. Noch waren keine Soldaten zu sehen.

„Elias.“

Er drehte sich um.

Seine Mutter hatte die Wäsche beiseitegelegt.

„Komm essen.“

„Ich habe keinen Hunger.“

„Das hast du heute schon zweimal gesagt.“

„Dann stimmt es wohl.“

Elena schüttelte leicht den Kopf.

„Du bist deinem Vater ähnlicher, als du glaubst.“

„Das ist nicht unbedingt ein Kompliment.“

„Von mir schon.“

Ein leises Lächeln huschte über ihr Gesicht.

Elias erwiderte es, doch die Anspannung in seiner Brust blieb.

Kurz darauf saßen sie gemeinsam am Tisch.

Garran hatte das Feuer im Herd noch einmal angefacht. Die Flammen warfen warmes Licht über den Raum, während draußen der Wind gegen die Fensterläden drückte.

Liora war die Einzige, die versuchte, die Stimmung aufzulockern.

„Morgen wollte ich mit Elias zum Bach“, erzählte sie und biss von ihrem Brot ab. „Er hat gesagt, dass er mir zeigt, wo die großen Forellen sind.“

„Habe ich das?“, fragte Elias.

„Ja.“

„Dann muss ich mich wohl daran halten.“

„Natürlich.“

Liora grinste.

Garran sah seinen Sohn an.

„Du kannst dich glücklich schätzen. Deine Schwester vergisst nichts.“

„Das stimmt“, sagte Elena. „Vor allem dann nicht, wenn sie etwas haben möchte.“

„Ich möchte keine Forelle“, sagte Liora empört. „Ich möchte sie nur sehen.“

„Natürlich.“

Zum ersten Mal an diesem Abend lachten sie.

Es war nur ein kurzer Moment.

Aber Elias würde sich später noch genau daran erinnern.

An die Wärme des Feuers.

An Lioras Stimme.

An seine Mutter, die lächelte.

Und an seinen Vater, der für einen Augenblick nicht aussah wie ein Mann, der Angst vor dem kommenden Abend hatte.

Als das Essen vorbei war, stand Garran auf.

„Ich hole noch Holz.“

„Ich komme mit“, sagte Elias.

Draußen war die Luft kalt.

Garran nahm zwei Holzscheite vom Stapel und trug sie zur Tür.

Elias blieb neben ihm stehen.

„Vater.“

Garran sah ihn an.

„Was?“

„Wenn heute jemand ausgewählt wird …“

Garran hielt inne.

„Dann warten wir ab.“

„Und wenn es jemand aus unserer Familie ist?“

Sein Vater sah ihn lange an.

„Dann sehen wir weiter.“

„Das ist alles?“

„Was willst du, dass ich sage?“

Elias schwieg.

Garran stellte das Holz ab.

„Elias, hör mir zu. Du kannst heute Nacht nichts erzwingen. Und du darfst keine Dummheit machen, nur weil du Angst hast.“

„Ich habe keine Angst.“

Garran sah ihn ernst an.

„Natürlich hast du Angst.“

Elias blickte zu Boden.

Sein Vater legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Das ist nichts, wofür du dich schämen musst.“

Bevor Elias antworten konnte, hörten sie die Hufschläge.

Beide sahen zur Straße.

Vier Reiter kamen durch den Regenrest der Abenddämmerung auf das Dorf zu.

Hinter ihnen fuhr ein schwarzer Wagen.

Garrans Hand glitt von Elias’ Schulter.

„Sie sind da.“

Im Dorf gingen Türen auf.

Menschen traten auf die Straßen.

Niemand sprach laut.

Der Wagen hielt vor dem Haus des Dorfvorstehers.

Ein Mann in dunkler Rüstung stieg ab. Auf seiner Brust glänzte das Zeichen des Fürsten.

Er nahm ein Pergament aus seinem Mantel.

Elias spürte, wie sein Herz schneller schlug.

Garran stellte sich neben ihn.

Elena kam aus dem Haus.

Liora blieb dicht bei ihr.

Der Soldat rollte das Pergament auseinander.

„Im Namen des Fürsten Vaelor“, begann er, „wird heute das Blutopfer von Falkenruh bestimmt.“

Niemand bewegte sich.

Der Soldat ließ seinen Blick über die versammelten Menschen wandern.

Dann senkte er die Augen auf das Pergament.

„Elena Vale.“

Elias hörte seinen eigenen Atem.

Für einen Moment schien alles um ihn herum stillzustehen.

Liora sah ihre Mutter an.

„Mama?“

Elena antwortete nicht sofort.

Garran bewegte sich ebenfalls nicht.

Elias dagegen machte einen Schritt nach vorn.

„Nein.“

Der Soldat sah ihn an.

„Tritt zurück.“

„Nein.“

Garran griff nach Elias’ Arm.

„Elias.“

„Sie nehmen Mama.“

„Ich weiß.“

„Dann sag etwas!“

Garrans Kiefer spannte sich an.

„Was soll ich sagen?“

„Irgendetwas!“

Elena trat zwischen die beiden.

„Elias.“

Er sah sie an.

„Du gehst nicht.“

„Ich muss.“

„Nein.“

„Elias.“

Sie nahm sein Gesicht zwischen beide Hände.

„Schau mich an.“

Er gehorchte.

„Du wirst heute nichts tun, was dich in Gefahr bringt.“

„Aber sie nehmen dich.“

„Ich weiß.“

„Dann kann ich nicht einfach hierstehen.“

„Doch.“

Ihre Stimme war ruhig.

„Genau das wirst du tun.“

„Warum?“

„Weil du mein Sohn bist.“

Elias schüttelte den Kopf.

„Das verstehe ich nicht.“

Elena lächelte traurig.

„Doch. Du willst mich beschützen. Aber manchmal bedeutet jemanden zu lieben auch, dass man akzeptieren muss, dass man nicht alles verhindern kann.“

„Ich kann das nicht.“

„Du musst es versuchen.“

Liora begann zu weinen.

„Mama, bitte geh nicht.“

Elena kniete sich vor ihre Tochter.

„Komm her.“

Liora warf sich in ihre Arme.

„Ich will nicht, dass du gehst.“

„Ich weiß, mein Schatz.“

„Du kommst wieder?“

Elena schloss die Augen.

Einen Moment lang fand sie keine Antwort.

Dann küsste sie ihre Tochter auf die Stirn.

„Ich liebe dich.“

Die Soldaten kamen näher.

Garran zog Liora vorsichtig zurück.

Elena ließ sich die Hände fesseln.

Elias stand wie erstarrt.

Als seine Mutter an ihm vorbeiging, griff er nach ihrem Arm.

„Mama.“

Sie blieb stehen.

„Elias.“

„Ich hole dich zurück.“

Ihre Augen wurden feucht.

„Tu nichts Unüberlegtes.“

„Ich verspreche nichts.“

Ein trauriges Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

„Das habe ich befürchtet.“

Dann wurde sie zum Wagen geführt.

Elias sah ihr nach.

Die Tür wurde geöffnet.

Elena stieg ein.

Kurz bevor der Soldat die Tür schloss, drehte sie sich noch einmal um.

Ihr Blick traf Elias.

Dann verschwand sie im Wagen.

Die Pferde setzten sich in Bewegung.

Elias stand mitten auf der Straße.

Er sah zu, wie der Wagen kleiner wurde.

Dann verschwand er hinter den Häusern.

Niemand sagte etwas.

Erst als die Soldaten das Dorf verlassen hatten, gingen die Menschen langsam zurück in ihre Häuser.

Elias ging ebenfalls nach Hause.

Liora weinte.

Garran saß am Tisch und starrte ins Feuer.

„Geh schlafen“, sagte er.

Elias sah ihn an.

„Vater …“

„Bitte.“

Elias blieb stehen.

Garran hob den Kopf.

„Elias, ich weiß, was du denkst.“

„Nein.“

„Doch.“

„Du weißt nicht, was ich tun werde.“

„Ich kenne dich.“

Elias sagte nichts.

Garran stand auf.

„Deine Mutter wollte, dass du hierbleibst.“

„Sie wollte auch nicht mitgenommen werden.“

Garran schloss kurz die Augen.

„Du kannst sie nicht allein retten.“

„Vielleicht nicht.“

„Elias.“

„Ich habe gesagt, vielleicht.“

Er drehte sich um und ging in sein Zimmer.

Er schloss die Tür.

Dann wartete er.

Eine Stunde.

Zwei.

Im Haus wurde es still.

Liora schlief.

Garran ebenfalls.

Elias saß auf seinem Bett und starrte auf sein Schwert.

Er dachte an seine Mutter.

An ihre letzten Worte.

An ihren Blick.

Dann stand er auf.

Er zog sich seine dunkelste Kleidung an und nahm einen Mantel.

Ein kleines Messer befestigte er an seinem Gürtel. Dazu nahm er etwas Brot, Wasser und ein Stück Stoff, in das er ein paar Münzen wickelte.

Er wusste nicht, was ihn erwartete.

Aber er wusste, dass er nicht untätig bleiben konnte.

Elias öffnete leise seine Tür.

Der Flur lag im Dunkeln.

Er ging an Lioras Zimmer vorbei.

Vor ihrer Tür blieb er stehen.

Seine Hand schwebte über dem Griff.

Er wollte hineingehen.

Nur ein letztes Mal.

Doch dann dachte er an ihr Gesicht, wenn sie aufwachen und ihn nicht mehr finden würde.

Vielleicht war es besser, wenn sie schlief.

Er legte seine Hand auf die Tür.

„Pass auf Papa auf“, flüsterte er.

Dann ging er weiter.

Im Wohnraum blieb er noch einmal stehen.

Garran schlief auf seinem Stuhl.

Elias sah seinen Vater lange an.

„Es tut mir leid.“

Dann öffnete er die Hintertür.

Kalte Nachtluft strömte herein.

Elias trat hinaus und schloss die Tür so leise hinter sich, dass niemand im Haus etwas hörte.

Er ging über den kleinen Hof und folgte dem schmalen Weg zum Wald.

Erst als die ersten Bäume ihn vor den Blicken des Dorfes verbargen, blieb er stehen.

Hinter ihm lag Falkenruh.

Dort schlief seine Familie.

Sie wussten nicht, wohin er gegangen war.

Sie wussten nicht, was er vorhatte.

Und vielleicht würden sie erst am nächsten Morgen bemerken, dass er verschwunden war.

Elias zog den Mantel enger um sich.

Über den Baumwipfeln stand der rote Mond.

Vor ihm lag der Weg zur Burg des Fürsten.

Er hatte keinen Plan.

Keine Verbündeten.

Keine Ahnung, wie er gegen einen Vampir kämpfen sollte.

Aber seine Mutter war dort.

Und Elias würde sie holen.

Er drehte sich um und verschwand zwischen den Bäumen.

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Strong Dialog

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