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Eigentlich wollte ich nur Koreanisch lernen

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Summary

Eigentlich wollte ich nur Koreanisch lernen. Dann lud ich eine Sprach-App herunter, lernte dort einen Mann aus Istanbul kennen und saß wenige Monate später allein im Flugzeug. Was als heimlicher Chat begann, wurde zu Reisen in eine Stadt, in der ich plötzlich nicht mehr nur Mutter, Ehefrau und Angestellte war. Zwischen Ehealltag, heimlichen Nachrichten, Istanbul, Sex, Freiheit und ziemlich ungeeigneten Schuhen begann mein Leben aus seiner vorgesehenen Spur zu geraten. Eine autobiografische Geschichte über Begehren, Selbstständigkeit, widersprüchliche Entscheidungen – und darüber, wie ausgerechnet der Wunsch, Koreanisch zu lernen, nach Istanbul führen kann.

Status
Excerpt
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
18+

Eine koreanische App

Eigentlich wollte ich nur Koreanisch lernen.

Im Herbst 2025 interessierte ich mich für Korea, für die Sprache und das Land. Ich war auf einer Sprachlern-App unterwegs und machte einen Onlinekurs. Irgendwann stieß ich auf Meeff. Weil es eine koreanische App war, hielt ich sie zunächst für eine weitere Möglichkeit zum Sprachaustausch.

Das war, vorsichtig gesagt, eine Fehleinschätzung.

Mein Postfach füllte sich ziemlich schnell. Offenbar wollten erstaunlich viele Männer mit mir Sprachen lernen.

Oder zumindest irgendetwas.

Ich suchte mir die Profile aus, die mich interessierten. Eines davon zeigte einen gut aussehenden koreanischen Mann. Hinter diesem Foto steckte allerdings kein Koreaner, sondern ein Türke aus Istanbul.

Ich nenne ihn hier Kerem.

Das wusste ich am Anfang natürlich nicht.

Wir schrieben zunächst ganz normal miteinander. Über Interessen, unser Leben und Dinge, die man eben austauscht, wenn man jemanden noch nicht kennt. Kerem erzählte mir von seiner Vergangenheit, von einer gescheiterten Beziehung und davon, dass seine Ex später mit seinem besten Freund zusammengekommen war. Er erzählte auch von einer schwierigen Zeit danach, in der es ihm psychisch sehr schlecht gegangen war.

Mit der Zeit freute ich mich immer mehr auf seine Nachrichten.

Meine Ehe funktionierte schon lange nicht mehr besonders gut. Ich fühlte mich oft allein, nicht gesehen und vor allem nicht mehr wirklich als Frau wahrgenommen.

Bei Kerem war das anders.

Er sah mich.

Zumindest fühlte es sich in unseren Nachrichten so an.

Unsere Gespräche wurden irgendwann sexueller. Wir sprachen über Fantasien und darüber, was wir ausprobieren würden. Ich machte mit, weil es mir gefiel.

Das Ganze wurde intensiver.

Und dann, nach ungefähr zwei Wochen, kam die Nachricht, dass er mir etwas sagen müsse.

Das Foto in seinem Profil sei nicht er.

Er habe am Anfang nicht erwartet, dass unser Kontakt so intensiv werden würde.

Ich war geschockt.

Da schrieb ich seit Wochen mit einem Mann, dessen Gesicht ich zu kennen glaubte, und plötzlich stellte sich heraus, dass dieses Gesicht überhaupt nicht zu ihm gehörte.

Fairerweise hatte allerdings auch ich ihm etwas Entscheidendes verschwiegen.

Ich war verheiratet.

Wir hatten also beide nicht gerade mit vollständiger Offenheit begonnen.

Ich gab ihm trotzdem eine Chance. Aber nur unter einer Bedingung: Ich wollte sehen, wer er wirklich war.

Dann kam sein echtes Foto.

Mein erster Gedanke war nicht gerade:

Genau mein Typ.

Optisch war er das überhaupt nicht.

Und trotzdem blieb ich.

Denn inzwischen kannte ich nicht mehr nur ein Profilbild. Ich kannte den Menschen hinter den Nachrichten. Oder zumindest den Menschen, den ich in diesen Nachrichten kennengelernt hatte.

Wir wechselten zu WhatsApp.

Von da an wurde unser Kontakt noch intensiver. Wir schrieben viel, schickten uns intime Bilder und hatten sexuelle Videoanrufe. Meistens abends, wenn es möglich war.

Ich lebte gleichzeitig weiterhin mein normales Leben.

Arbeit. Kind. Ehe. Haushalt.

Und irgendwo dazwischen Istanbul auf meinem Handy.

Natürlich blieb das nicht ewig unentdeckt.

Irgendwann durchsuchte mein Mann mein Handy. Er fand die Nachrichten und ließ sich unsere intimen Gespräche übersetzen.

Danach waren, um es vorsichtig auszudrücken, die Polen offen.

Es gab einen riesigen Streit.

Ich versuchte zu erklären, was mir in unserer Ehe fehlte. Dass ich mich schon lange nicht mehr gesehen fühlte. Dass zwischen uns Dinge nicht funktionierten, die nicht erst durch Kerem entstanden waren.

Ich sagte schließlich, der Kontakt sei beendet.

Und ich löschte den WhatsApp-Chat.

Das bereue ich bis heute.

Nicht, weil ich damals eine besonders durchdachte Dokumentation meines späteren Lebenswerks geplant hätte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schließlich keine Ahnung, dass ich eines Tages darüber schreiben würde.

Aber dadurch fehlen mir heute die Originalnachrichten aus dieser ersten Zeit.

Beendet war der Kontakt übrigens nicht.

Ich sicherte mein WhatsApp besser, änderte den Code und schrieb heimlich weiter.

Über Weihnachten und Neujahr war ich mehrere Wochen mit meinem Sohn in einer Reha. Die Zeit dort war schwierig. Die Reha sollte ihm helfen, aber vieles lief nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Gleichzeitig wurde die Situation in meiner Ehe nicht besser.

Ich fühlte mich wenig unterstützt. Zu Hause gab es immer wieder Streit über unseren Alltag, über die Erziehung und darüber, was ich angeblich falsch machte.

Kerem blieb währenddessen da.

Wenn mein Sohn schlief, telefonierten wir heimlich.

Irgendwann entstand zwischen uns die Idee, uns wirklich zu treffen.

Wer sie zuerst ausgesprochen hat, weiß ich heute nicht mehr.

Vielleicht war er es.

Vielleicht war ich es.

Vielleicht war es irgendwann einfach die logische Konsequenz aus all diesen Gesprächen.

Aber wir wollten beide, dass es passiert.

Istanbul.

Bis dahin war Istanbul für mich vor allem ein Name auf einer Landkarte gewesen. Eine riesige Stadt in einem Land, in dem ich noch nie gewesen war.

Plötzlich suchte ich nach Flügen.

Nach der Reha mit meinem Sohn kam ich Mitte Januar wieder nach Hause. Nicht einmal zwei Wochen später sollte ich von Freitag bis Sonntag nach Istanbul fliegen.

Allein.

Wegen eines Mannes, den ich über eine App kennengelernt hatte.

Wenn man diesen Satz so liest, klingt er möglicherweise nicht nach dem vernünftigsten Reiseplan der Welt.

Ich buchte trotzdem.

Kerem kümmerte sich um die Unterkunft und einen Mietwagen. Er wollte mich am Flughafen abholen.

Meinem Mann erzählte ich eine andere Geschichte.

Ich würde mit einer Kollegin übers Wochenende in eine andere europäische Stadt fahren.

Am Freitagmorgen brachte ich meinen Sohn zur Schule.

Danach fuhr ich mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof und von dort mit dem Zug weiter zum Flughafen.

Ich hatte nur einen kleinen Rucksack dabei.

Sicherheitskontrolle.

Nachrichten von Kerem.

Boarding.

Alles lief erstaunlich normal für etwas, das für mein bisheriges Leben überhaupt nicht normal war.

Und irgendwann saß ich tatsächlich im Flugzeug.

Allein.

Auf dem Weg nach Istanbul.

An Angst oder Schuldgefühle meinem Mann gegenüber erinnere ich mich nicht. Ich will mir im Nachhinein auch keine Gedanken zuschreiben, von denen ich heute nicht mehr weiß, ob ich sie damals wirklich hatte.

Ich weiß nur:

Ich wollte diese Reise.

Ich wollte Kerem sehen.

Und ich wollte etwas nur für mich tun.

Was genau ich dachte, als das Flugzeug abhob, weiß ich heute nicht mehr.

Ich erinnere mich daran, dass ich aufgeregt war.

Und dass ich mich gleichzeitig irgendwie erleichtert fühlte.

Monatelang hatte Kerem nur in meinem Handy existiert.

Jetzt flog ich zu ihm.

Nach Istanbul.

Allein.

Ich hatte es wirklich getan.

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Strong Dialog

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