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Lux Lumenis – Zorn des Schattenwebers

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Summary

In Lux Lumenis herrscht das Licht. Eine Stadt aus künstlichem Glanz, überwacht vom Lumina-Orden und geschützt vor allem, was im Schatten lauert. Elias kennt die Wahrheit. Seit Jahren versucht er, seinen Freund Lio vor dem Sigma zu bewahren – einer geheimnisvollen Macht, die sich immer tiefer in dessen Körper frisst. Doch als das Sigma außer Kontrolle gerät und der Orden plötzlich nach Umbra sucht, wird aus ihrem Versteck eine Falle. Während Elias und Lio durch die unteren Sektoren der Stadt fliehen, beginnen Erinnerungen zu zerbrechen. Und etwas unter den Fundamenten von Lux Lumenis erwacht.

Genre
Fantasy
Author
ALEKS
Status
5 mins ago
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

Riss vierhundertzweiundachtzig


Etwas zerbricht – scharf und klar wie splitterndes Eis. Ich wirble herum.

Lio stolpert, prallt gegen den makellosen Marmor und krümmt sich stöhnend zusammen. Fahles Sigma-Licht bricht aus den Rissen über seinem Schlüsselbein. Es schneidet durch die Dunkelheit und zieht harte Linien über den nassen Stein.

„Verdammt, Lio, halt still“, zische ich und falle neben ihm auf die Knie. Der aufgewirbelte Lumina-Tau beißt mir in die Nase, als ich seinen Kragen zur Seite reiße.

Die Haut über seinem Herzen wirkt kaum noch menschlich. Sie ist spröde, fast kristallin, von schwarzen, verzweigten Rissen durchzogen. Das Sigma hat sich bis zu seinem Schlüsselbein hinaufgefressen.

Es ist weitergewandert.

Jeder andere hätte die Hand zurückgezogen und wäre vor diesem kränklichen Licht zurückgewichen. Eine Seuche, würden sie sagen. Aber ich weiß es besser. Wie bei jedem der verdammten Risse spüre ich etwas unter der kochenden Hitze. Etwas Altes. Fremdes. Tief in Lios Körper verankert.

Ich greife nicht nach der Dunkelheit der Gasse.

Ich reiße sie aus mir selbst.

Ein Keuchen bricht aus mir heraus. Meine Fingerspitzen werden taub. Mein Atem gefriert vor meinem Mund, dann quellen die Fäden aus meinen Poren: schwarz, flüssig, schwer.

Sie wickeln sich um meine Finger, gierig nach Form, doch ich zwinge sie, klein zu bleiben. Feine Fäden. Keine Waffe. Keine Rüstung. Nur genug, um Lios Haut zusammenzuhalten.

Lio presst die Zähne aufeinander. Im grellen Licht seines eigenen Zerfalls wirkt er fast leblos.

„Elias … sag mir, dass ich wenigstens gleichmäßig leuchte. Wenn ich schon als menschliche Fackel ende, will ich keine Brandflecken auf dem guten Marmor hinterlassen. Das wäre … ein erbärmlicher Abgang.“

„Klappe jetzt. Atme.“

Ich presse die schattenumhüllten Finger auf die gespaltene Haut. Die Hitze seines künstlichen Lichts zischt gegen meine Dunkelheit wie Regen auf glühendem Stein. Dunkler Rauch steigt zwischen uns auf und kratzt mir in der Kehle. Unter meinen Daumen spannt sich das alte Narbennetz aus schwarzem Obsidian über seine Brust.

Vierhunderteinundachtzig Mal habe ich das Licht zurückgedrängt.

Ich habe aufgehört, die Tage zu zählen. Risse sind ehrlicher. Sie tun nicht so, als würde Zeit irgendetwas heilen.

Ich kenne jeden Schritt davon. Welche Fäden zuerst greifen müssen. Wie tief ich die Dunkelheit ziehen darf, bevor sie mir selbst die Kraft aus den Händen nimmt. Bisher hat es immer gereicht. Nicht, um das Sigma aufzuhalten. Dafür war es längst zu stark. Aber um ihm Zeit abzuringen. Einen weiteren Tag. Manchmal zwei.

Solange ich wusste, was ich tun musste, konnte ich ihn halten.

Jetzt bricht die Haut über seinem Schlüsselbein weiter auf.

Der vierhundertzweiundachtzigste Riss.

Schmerz schießt mir die Arme hinauf. Ich presse die Zähne zusammen und führe die Schatten wie eine Nadel durch die zackigen Kanten. Stich für Stich. Knoten für Knoten. Bis das Licht wieder unter seiner Haut gefangen ist.

Lio wimmert, als die Fäden tiefer greifen. Seine Knie geben nach. Ich drücke ihn mit der Schulter gegen die Wand, damit er nicht fällt.

„Nummer vierhundertzweiundachtzig“, stoße ich hervor und ziehe die Fäden fest. „Wir zählen die Risse, Lio. Bleib bei mir. Wo sind wir diesmal?“

Sein Atem rasselt. Seine Augen irren durch das fahle Leuchten zwischen uns.

„Der Garten“, flüstert er. Seine Hände verkrampfen sich im Stoff an meiner Brust. „Der Garten der Prime-Lumina.“

„Genau.“

Das Echo der Patrouille verliert sich in den Querstraßen, doch der harte Puls der Stadt schwillt weiter an. Kalter Schweiß läuft mir über die Stirn.

„Wir saßen am Marmorbrunnen“, sage ich. „Du hast …“

„Ich hab einen Pfirsich gegessen“, haucht Lio.

Ein wenig Spannung weicht aus seinem Körper, als die eiskalten Fäden die Wundränder zusammenziehen. Doch gegen das Fieber in seinem Blut helfen sie nicht.

„Er war so süß“, flüstert Lio weiter. „Der Saft ist mir übers Kinn gelaufen. Und es gab keinen Regen. Nur Licht. Warmes, echtes Licht.“

Für einen Wimpernschlag sehe ich es auch: den Garten, den Brunnen, Lios klebrige Finger und den goldenen Saft auf seiner Haut.

Doch dann bleibt mein Blick an dem Pfirsich in Lios Hand hängen. Das Fruchtfleisch glänzt perfekt. Zu perfekt. Dort, wo der Kern sein müsste, ist nichts. Keine raue Schale. Kein dunkler Punkt. Nur glattes, leuchtendes Orange.

Ein stechender Schmerz fährt mir hinter die Augen.

Im nächsten Moment ist der Garten fort. Nur die Gasse bleibt. Beißendes Gleißen. Nasser Marmor. Lios Blut unter meinen Fingern.

Ich schiebe den Gedanken beiseite. Nur Erschöpfung.

Das fiebrige Flimmern unter seiner Haut wird schwächer. Im fahlen Licht der Gasse wirken seine Züge für einen Moment beinahe friedlich.

Mein Blick bleibt etwas länger auf ihm liegen, als er sollte.

Dann reißt mich ein Klappern am Ende der Gasse aus den Gedanken.

Ich lasse die losen Schatten um meine Hände verdampfen und fahre herum.

Ein Mann in weißer Licht-Seide steht dort, neben einer metallischen Entsorgungssäule wie erstarrt. Sein Blick hängt an Lios Hals, wo das verräterische Muster des Sigmas langsam unter dem Schal verblasst.

Für einen Herzschlag sehe ich Mitleid in seinen Augen.

Dann gewinnt die Angst.

Er reißt beide Hände vor den Mund, stolpert zurück und rennt los, als wäre schon unser Atem gefährlich. Er ruft nicht nach den Wachen, schreit nicht einmal. Stumm flieht er zurück in den leuchtenden Strom der Hauptstraße.

Lio rutscht an der glatten Wand ein Stück tiefer.

„Ist er weg?“, fragt er heiser.

„Ja.“ Ich ziehe ihm den Schal höher und stülpe ihm die Kapuze tiefer ins Gesicht.

Niemand meldet gern, was er aus nächster Nähe gesehen hat. Wer einen Gezeichneten erkennt, muss erklären, wie nah er ihm gekommen ist. In Lux Lumenis kann selbst ein Blick zur Berührung werden, wenn der Orden eine Schuld braucht.

„Wir müssen hier weg“, flüstere ich.

Ich ziehe Lio auf die Füße und schiebe meinen Arm unter seinen. Ich verfluche mich dafür, ihn heute Nacht aus dem Turm geholt zu haben. Aber mir blieb keine Wahl. Hätte ich ihn dort allein gelassen, hätte das Sigma ihn längst von innen verbrannt.

Durch die unteren Tunnel des Asche-Gürtels kommen wir nicht zurück. Seit gestern hat der Orden die alten Zugänge zum Turm abgeriegelt. Uns bleibt nur die Hauptstraße, mitten hinein in den Trubel des Aurora-Festes. Dort soll die Menge uns verschlucken.

Der grelle Schein der nahen Kreuzung sticht mir bereits in die Augen. Die Schonzeit ist vorbei.

Am Torbogen zur Hauptstraße sackt Lio erneut gegen mich. Unter seiner Kapuze glänzt Schweiß auf der aschfahlen Haut. Seine Finger finden kaum Halt an meinem Ärmel. Hinter uns wandern die Lichtkegel der Sonden noch immer durch die Gassen. Vor uns drängt die Festmenge durch das Prismenviertel.

„Kannst du gehen?“, frage ich.

Lio richtet sich mühsam auf. „Solange du nicht verlangst, dass es elegant aussieht.“

„Wird schon reichen“, murmle ich, während ich ihn stütze. Die Menge kann sein Stolpern verbergen. Das kränkliche Leuchten des Sigmas nicht. Nicht, wenn jemand genau genug hinsieht.

Ich trete einen Schritt von ihm weg, mitten in den schmalen Lichtstreifen der Hauptstraße. Um ihn ganz zu verhüllen, brauche ich mehr als Fäden.

Schwarzer Rauch bricht aus meinem Rücken und meinen Armen, zäh wie verbranntes Öl. Er kriecht über meine Haut, steigt in der klammen Luft auf und legt sich schwer um mich. Mit einem Ruck zwinge ich ihn in Form. Der Mantel erstarrt auf meinen Schultern.

Ein Hustenanfall krümmt mich nach vorn. Als ich den Handrücken vom Mund nehme, klebt ein Tropfen schwarzer Flüssigkeit auf meiner Haut. Ich wische ihn am Hosenbein ab.

„Sieht aus, als hättest du einen Schornstein verschluckt“, murmelt Lio und stützt sich schwer gegen die Wand. Seine Stimme ist dünn, aber der Spott hält ihn aufrecht. „Sehr dramatisch, Elias. Großes Theater. Können wir jetzt?“

Ich antworte nicht, sondern reiche ihm die Hand.

Das Licht der Kreuzung streift den Stoff. Es zischt leise.

„Halt dich an mir fest. Nicht am Rand. Mitten durch.“

Heute starren alle nach oben, gebannt von der künstlichen Pracht der Aurora. Im flackernden Gewitter der Projektionen lassen sich selbst die Wachaugen der Zitadelle leichter täuschen. In den leeren Gassen wären wir sofort zu erkennen. Hier sind wir nur zwei Gestalten unter Tausenden.

Wir treten unter dem Torbogen hervor.

Das Prismenviertel leuchtet nicht nur. Es trifft einen wie ein Schlag.

Die Helligkeit sticht mir in die Augen und bleicht die Welt zu einem harten Weiß aus. Blinzelnd ziehe ich Lio weiter. Ich zwinge den Schattenmantel in eine stumpfe, schwere Form. Mehr ölverschmierter Arbeitsstoff als Magie. In dieser Menge glänzt alles. Wir nicht. Doch zwischen Lieferboten, Gerüstbauern und Dienern hält man uns wenigstens nicht sofort für eine Bedrohung.

Die Reichen in ihren wallenden Gewändern weichen trotzdem aus. Nicht erschrocken. Eher angeekelt. Sie sehen bewusst an uns vorbei, als könnte ihr Fest sauber bleiben, solange sie uns nicht wirklich wahrnehmen.

Eine Frau in fließender Licht-Seide zieht ihren Mantel enger an sich, als wir an ihr vorbeidrängen. Ihr Blick streift Lios Kapuze, den Schmutz an meinem Ärmel, den Ruß an unseren Stiefeln. Mehr sieht sie nicht.

„Aschevolk“, murmelt sie und wendet sich ab.

Lio hebt den Kopf. Ein trockenes Lachen kratzt aus ihm heraus. „Keine Sorge, Madame. Wir gehen gleich wieder zurück dahin, wo der Dreck hingehört.“

Ich drücke seinen Arm warnend. „Lio, hör auf damit. Wir wollen nicht auffallen.“

„Ist ja gut“, murmelt er und senkt den Blick. „Aber manchmal möchte ich, dass sie mich wenigstens ansehen, bevor sie mich verachten.“

Ein schrilles Kreischen fährt durch die Musik des Festes.

Auf einem der Gerüste lösen zwei Arbeiter die Halteklammern eines Aurora-Spiegels. Der gewaltige Rahmen soll neu ausgerichtet werden, doch der Mechanismus verklemmt sich mit einem Ruck. Der Spiegel schwenkt mit einem metallischen Knirschen zur Seite.

Die Menge weicht hastig zurück. Niemand achtet darauf, wer hinter dem schwenkenden Rahmen steht. Menschen prallen gegeneinander. Ein Ellbogen trifft mich in die Seite, irgendwo flucht ein Mann. Ein kleines Mädchen wird von der Hand seines Vaters gerissen.

Ihr weißes Seidenkleid verschwindet zwischen den wallenden Mänteln der Erwachsenen. Um ihr rechtes Handgelenk flattert ein schmales rotes Band. Ein weiterer Stoß treibt sie direkt vor den ausschwenkenden Sockel des Spiegels.

Lio lässt meinen Arm los.

Bevor ich reagieren kann, drängt er sich gegen den Strom der Menge. Er packt das Mädchen unter den Armen und reißt sie zurück. Der schwere Sockel schwenkt so dicht an ihnen vorbei, dass das grelle Licht über Lios Kapuze streift.

Lio sinkt auf ein Knie. Das Kind prallt gegen seine Brust. Unter seinem Schal antwortet das Sigma mit einem harten Puls, doch das Gleißen bleibt verborgen.

„Lio“, warne ich und greife nach ihm.

Er hebt abwehrend einen Finger. Mit der anderen Hand hält er das Mädchen aufrecht. „Einen Moment. Ich versuche gerade, heldenhaft auszusehen.“

Das Mädchen betrachtet ihn mit großen dunklen Augen. Der Saum ihres Kleides ist aufgerissen, sonst scheint sie unverletzt. „Du hast mich da weggezogen“, sagt sie.

Lio ringt schwer nach Luft, aber ein schiefes Lächeln zuckt über seine Lippen. „Pst. Erzähl das bloß niemandem“, flüstert er. „Sonst ruinierst du noch meinen schlechten Ruf.“

„Mira!“ Ein Mann kämpft sich durch die Festbesucher. Sein heller Mantel steht offen, die sorgfältig gelegten Haare hängen ihm ins Gesicht. Als er das Kind entdeckt, fällt er vor ihr auf die Knie. „Bist du verletzt?“

Mira schüttelt den Kopf und deutet auf Lio.

Der Mann wendet sich ihm zu.

Ich erwarte denselben Ekel wie bei der Frau in Licht-Seide. Doch in seinem Gesicht liegt zunächst nur Erleichterung.

„Danke“, sagt er. Das Wort klingt unbeholfen, aber ehrlich. „Wirklich.“

Erst jetzt bemerkt er Lios ausgezehrte Züge, meinen schwarzen Mantel und den Schmutz an unserer Kleidung. Unsicherheit tritt in sein Gesicht. Er zieht Mira näher an sich, doch sein Dank bleibt zwischen uns stehen.

„Wir müssen weiter“, sagt er zu ihr.

Miras Vater zieht sie hastig mit sich. Nach wenigen Schritten dreht sie sich noch einmal um. Ihr rotes Band flattert leicht im Luftzug der hastenden Menge, während sie Lio zuwinkt. Er hebt zwei Finger zum Abschied. Die Menge schließt sich zwischen ihnen.

Erst als Mira in der Menge verschwunden ist, greift Lio wieder nach meinem Arm. Er stützt sich schwerer auf mich als zuvor. Sein Atem geht stoßweise, und unter dem Schal pulst das Sigma so hart, dass ich für einen Moment glaube, es bricht wieder durch.

„Das war auffällig“, sage ich leise.

„Ich weiß.“ Lio schluckt mühsam und sieht dorthin, wo Mira verschwunden ist. „Aber sie stand direkt davor.“

„Du auch.“

Ein schwaches Lächeln zuckt über sein Gesicht. „Dann war es wohl gut, dass ich nicht nachgedacht habe.“

Ich will ihm sagen, dass er damit alles gefährdet hat. Die Menge. Das Sigma. Uns.

Doch ich kenne diesen Blick.

Lio hat nicht abgewogen, ob es klug war. Er hat das Mädchen fallen sehen und sich entschieden.

Einfach so.

Vielleicht ist genau das etwas, das ich niemals für ihn übernehmen kann.

Wir drängen uns weiter durch den Lärm der Menge, bis sich die Gasse öffnet. Auf dem weiten Platz vor uns herrscht hektische Bewegung. Überall hasten Arbeiter in grauen Uniformen über spinnenartige Gerüste, sichern Halteklammern und richten die übrigen Aurora-Spiegel aus. Das Fest nähert sich seinem Höhepunkt. Auf den regennassen Terrassen der Cafés zeichnen wohlhabende Gäste mit grellen Lichtnadeln geometrische Wünsche auf die Unterseite des Lichtwalls.

Zwischen den Projektoren hängen schmale Banner aus Licht-Seide. Darauf steht derselbe Satz, den Kinder in den Lehrsälen auswendig lernen, lange bevor sie ihren eigenen Namen schreiben können:

Fünf hoben die Stadt. Einer hält ihr Herz. Das Licht schützt, was ihm gehört.

„Sieh dir das an“, keucht Lio. Er hebt den Kopf gerade weit genug, um unter der Kapuze hervorzuspähen. „Feiern sich für ein paar Lichtspielereien an der Decke. Wenn ich meinen Schal abnehme, brauchen die keine Aurora-Spiegel mehr.“

Er lacht leise, doch der Ton bricht.

Für einen Moment fällt der Spott von ihm ab. Lio starrt zu den Projektionen hinauf, zu diesem künstlichen Glanz, der über der Stadt liegt und doch keinen Himmel zeigt.

„Glaubst du“, flüstert er, kaum hörbar unter dem Surren der Projektoren, „dass echtes Licht auch so wehtut?“

Ich sehe zu ihm hinüber. „Wie meinst du das?“

Er zieht die Schultern hoch, als hätte er selbst nicht gemerkt, dass er es laut gesagt hat. „Nichts. Vergiss es.“

Aber ich tue es nicht. In seiner Frage liegt eine Sehnsucht, die mir fremd ist. Nach einem Licht, das nicht aus Spiegeln, Sonden oder dieser Stadt stammt.

Ein grüner Leuchtstrahl flackert über uns hinweg und wirft die kleinen Wünsche der Bürger an den künstlichen Himmel. Mir dreht sich der Magen um. Sie spielen lachend mit dem Schein, während das Sigma Lio von innen zerfrisst.

„Komm weiter“, flüstere ich und schlucke die aufsteigende Wut hinunter.

Ich halte ihn fester an meiner Seite und lenke uns an den gewaltigen Projektoren vorbei. Mein dunkler Mantel verbirgt sein unregelmäßiges Stolpern.

Wir tauchen tiefer in das Gassengewirr ein. Der Lärm des Aurora-Festes wird hinter uns leiser, verschluckt von den engen Mauern.

„Erzähl mir mehr vom Garten, Elias“, bittet Lio. Sein Arm zittert an meiner Seite. „Auch vom Brunnen. Ich muss … das Licht hier draußen vergessen.“

Die Erinnerung blitzt hinter meinen Augen auf, und sofort kehrt der stechende Schmerz zurück.

„Nicht jetzt“, sage ich.

Lio sieht kurz zu mir auf. Die Enttäuschung in seinem Blick lässt mich ihn fester an mich ziehen.

„Behalt die Augen offen“, füge ich leiser hinzu. „Bleib im Hier und Jetzt. Wir sind fast da.“

Er nickt, aber sein Griff um meinen Mantel wird schwächer.

Wir biegen in einen schmalen, feuchten Wartungsgang ein, der das Prismenviertel vom industriellen Ring trennt. Hier erreichen uns weder Wachaugen noch die Suchstrahlen der Patrouillen. Ich setze Lio auf eine rostige Kiste und lockere den Schattenmantel um uns.

Dann greife ich darunter in die Innentasche meiner Jacke. Beim Herausziehen der Nährpaste streifen meine Finger das kühle Metall des Prismenkerns. Unser Notstrom. Unser letzter Ausweg, falls wir am Grenztor den Sperrmechanismus überbrücken müssen.

Ich zwinge mich, das Gewicht des Kerns zu ignorieren, ziehe die in Wachspapier gewickelte Ration heraus und breche den grauen Klumpen entzwei.

Lio betrachtet das Zeug. Unter seinem Schal zuckt ein schmaler Lichtsaum über die Wand. „Glaubst du, wenn ich die Augen schließe, schmeckt es wenigstens ein bisschen nach Pfirsich?“

„Es schmeckt nach Pappe und Maschinenfett“, antworte ich trocken, beiße ein Stück ab und reiche Lio die andere Hälfte. „Aber es hält dich auf den Beinen.“

Lio seufzt, steckt sich die Paste in den Mund und kaut mit sichtlichem Widerwillen. Dann streicht er mir mit dem rauen Ärmel über die Wange und wischt eine Spur aus Ruß und kaltem Schweiß fort.

„Du hast da was“, murmelt er. „Schade. Hat dich fast freundlich aussehen lassen.“

Ich schnaube leise. Für einen Moment muss ich fast lächeln. Dann drängt sich das kalte Summen der Stadt wieder in mein Bewusstsein.

„Iss auf, Lio. Wir müssen weiter.“

Der glatte Marmor des Prismenviertels verschwindet unter unseren Stiefeln. An seine Stelle tritt der ölige Asphalt des Asche-Gürtels. Die Luft wird schwerer, und das sterile Summen der Leuchtzeichen geht im dumpfen Dröhnen der Fabriken unter.

Ranziges Fett und beißendes Desinfektionsmittel schlagen uns entgegen, noch bevor wir Beriks schmalen Laden am Ende der Sackgasse erreichen. Über der Tür flackert ein Schild:

Alles für das Licht – Beriks Haushaltswaren.

Eine erbärmliche Lüge.

Darunter klebt ein verblasster Segensstreifen des Ordens.

Möge dein Haus hell bleiben und dein Schatten niemals wachsen.

Jemand hat das Wort „niemals“ mit einer Klinge aus dem Streifen gekratzt.

Die künstliche Helligkeit des Ladens brennt mir sofort in den Augen. Berik steht hinter dem Tresen in einem Hemd aus weißer Seide, so makellos, dass wir daneben wie Schmutz auf einer frisch gewaschenen Wand wirken.

Er sieht uns nicht wirklich an. Sein Blick sucht nur nach dem, was er aus seinem Laden fernhalten will. Seine Haut hat die Farbe von altem Pergament. Eine flache, violette Prüflampe schwenkt nervös über dem Tresen. Als wir eintreten, huschen seine Augen sofort zu unseren Hälsen, dann zu den Schatten auf dem Boden.

„Ihr seid spät“, zischt er. „Ich wollte schließen. Die Patrouillen sind nervös.“

Sein Blick streift mich nur kurz. An Lio bleibt er hängen. Die Kapuze sitzt tief, aber für einen Augenblick dringt ein giftiges Flackern durch den Schal.

Berik erstarrt.

„Er ist markiert“, flüstert er. Das Entsetzen zieht sein Gesicht schief. „Elias, du bringst die Seuche in meinen Laden. Raus. Sofort.“

„Berik.“ Ich senke die Stimme. An meinen Fingerspitzen sammeln sich die Schatten. „Er ist nicht ansteckend. Wir brauchen nur die Ampullen.“

„Nein. Raus hier.“

Sein Blick zuckt zur hölzernen Kiste unter dem Tresen. Natürlich hat er sie. Er will sie uns nur nicht geben. Berik verabscheut Gezeichnete. Aber an ihrem Schmerz verdient er zu gut, um die Kiste leer zu lassen.

Ich schlucke den Fluch hinunter. Lio schwankt neben mir, kaum noch auf den Beinen. Also greife ich unter den Schattenmantel in die Innentasche meiner Jacke und hole den Prismenkern hervor. Das kühle Metall glänzt stumpf im grellen Ladenlicht.

Beriks Augen weiten sich. Die Gier ist schneller als seine Angst. Sein Blick bleibt am Metall hängen, ehe er wieder zu Lio wandert.

Diesmal sieht er ihn wirklich: die zitternden Knie, die Finger an meinem Ärmel, den kalten Schweiß auf seinem aschfahlen Gesicht. Sein Mundwinkel zuckt, als läge dort ein Wort, das er nicht auszusprechen wagt.

Vielleicht erinnert er sich an den Jungen, der früher zwischen seinen Lagerkisten stand – dünn wie ein Schatten und trotzdem schneller als jeder bezahlte Gehilfe. Für einen Herzschlag wirkt es, als erkenne Berik ihn wieder.

Dann wandert sein Blick zurück zum Kern.

„Ein Prismenkern?“, haucht er.

„Nimm ihn.“ Ich lege den Kern auf den Tresen. Härter als nötig. „Und gib mir die Ampullen. Sofort.“

Meine Finger bleiben auf dem Metall liegen. In diesem Kern steckt alles, was nach morgen klingt. Wärme, wenn wir die Stadt verlassen müssen. Strom, wenn die Außenbezirke tot sind. Vielleicht sogar eine Tür, die sich noch einmal öffnen lässt, wenn alle anderen verriegelt sind.

Dann lasse ich los.

Damit gehört unser Morgen nicht mehr uns.

Er gehört Berik.

Vorsichtig berührt er den Kern, zieht ihn aber nicht sofort zu sich. Das Metall liegt zwischen uns wie etwas Herausgerissenes. Kurz scheint er zu begreifen, was ich ihm gerade gegeben habe. Dann schließt sich seine Faust um den Kern.

Sein Ärmel streift das schmale Rechnungsbuch neben der Kasse. Es klappt einen Spalt weit auf.

Keine Preise. Keine Namen. Nur kurze Striche, Sektorzahlen und ein hastig nachgezogenes Schachtzeichen am Rand der Seite.

Berik schlägt das Buch zu schnell wieder zu. Dann reißt er die hölzerne Medikamentenkiste auf. Zwei gläserne Ampullen schlagen klirrend gegen das Holz.

Zwischen den Ampullen rollt ein Kupferring hin und her. Zerkratzt, stumpf, von jahrelanger Arbeit abgeschliffen. Kein Name. Nur ein Datum, beinahe verschwunden.

Der Ring sieht nicht aus wie Ware. Eher wie etwas, das niemand freiwillig zurückgelassen hat.

Ich nehme die Ampullen. Neben der Kiste liegt ein blindes Messingfernrohr, schwer und für Berik offenbar wertlos. Lio würde es lieben. Während Berik noch auf den Kern starrt, lasse ich das Fernrohr unbemerkt in der Innentasche meiner Jacke verschwinden und ziehe Lio mit mir.

Er schwankt, doch sein Blick bleibt an Berik hängen.

Berik hat sich bereits wieder dem Kern zugewandt, als wäre Lio nicht mehr im Raum.

Unter meinem Griff werden Lios Schultern hart.

„Gehen wir“, knurre ich und ziehe ihn aus der künstlichen Helligkeit zurück auf die Straße.

Draußen peitscht uns der eiskalte Wind des Asche-Gürtels entgegen. Lio bleibt abrupt stehen und klammert sich an meinen Arm. Sein Griff ist schwach, doch er hebt den Kopf und sucht meinen Blick.

„Der Kern, Elias“, krächzt er. „Unser Notstrom. Unser letzter Ausweg.“ Seine Finger krampfen sich um meinen Ärmel. „Du hast unseren Morgen verkauft.“

Ich schiebe die Ampullen tiefer in die Innentasche, dorthin, wo eben noch das beruhigende Gewicht des Kerns lag.

„Ein letzter Ausweg nützt uns nichts, wenn du die Nacht nicht überlebst“, sage ich kühl und sehe starr auf die öligen Pfützen.

„Du opferst alles für mich.“

Es klingt nicht nach Dankbarkeit. Eher wie ein Vorwurf.

Ich sehe ihn an. Für einen Moment fällt mir nichts ein.

„Du hättest mich fragen können“, sagt er.

„Wozu?“

„Ob ich lieber noch eine Nacht für den Kern riskiere oder vier Stunden länger lebe.“

Ich starre auf ihn.

Er hält meinem Blick nicht stand. „Du entscheidest immer, was ich verkraften kann.“

„Weil du kaum noch stehen kannst.“

„Das ist nicht dasselbe.“

Ich will etwas erwidern. Doch seine Worte bleiben zwischen uns hängen.

„Ich opfere gar nichts“, lüge ich. „Ich investiere nur.“

Ich löse seinen Griff von meinem Arm und schiebe ihn vorsichtig weiter durch die Nässe.

„Und jetzt weiter. Meine Investition friert.“

Je näher wir der Klamm kommen, desto mehr verliert die Oberstadt ihr künstliches Weiß. Der ölige Asphalt weicht rissigem Beton. Fingerdicke Leitungen spannen sich über unseren Köpfen. Der Lumina-Tau fällt hier nicht mehr als feiner Nebel. Er tropft kalt und rostig von den verfallenen Überdachungen der Randbezirke.

Ich hatte gehofft, dass dieser Durchgang noch unbewacht ist. Hier draußen, so nah am Abgrund, verschwendet der Orden normalerweise keine Ressourcen. Bisher war dies eine der letzten blinden Stellen in seinem Netz.

Doch die Dunkelheit, die uns schützen sollte, brennt gewaltsam weg.

Ein Stück voraus versperrt eine frisch errichtete Straßensperre den Übergang. Ein halbes Dutzend Inquisitoren in fugenlosen weißen Rüstungen kontrolliert den spärlichen Strom der heimkehrenden Arbeiter. In ihren Händen liegen keine normalen Waffen, sondern Licht-Sonden. Ihre Kegel tasten jeden Passanten wie Klingen ab.

Lio stolpert gegen meine Schulter. Jeder seiner Atemzüge kratzt mühsam in seiner Kehle. „Elias …“ Seine Stimme ist kaum hörbar. „Die Sonden. Wenn sie mich anleuchten, reagiert das Sigma. Ich weiß nicht, ob ich es zurückhalten kann.“

„Ich weiß.“

Ich ziehe ihn an meine Seite und klemme ihn so dicht unter meinen Arm, dass er fast völlig von meinem Mantel verdeckt wird. Die Schatten meines Mantels fließen auseinander und legen sich um uns wie ein schwarzer Kokon. Für jeden, der nicht genau hinsieht, sind wir nur noch eine unförmige Gestalt in der Masse der Arbeiter.

„Kopf runter“, murmle ich. „Lass mich das machen.“

Mein Herz hämmert gegen die Rippen, als wir uns Schritt für Schritt dem Licht nähern.

Ich ziehe die Magie enger um uns. Der Stoff knistert leise. Rauch kriecht über meine Haut, doch ich zwinge ihn zurück und verdichte das Dunkel, bis nichts mehr nach außen dringt.

Keine Wärme.

Kein verräterisches Flackern.

Kein Pochen des Sigmas.

Unter der Hülle wird die Kälte unerträglich. Meine Finger um Lios Arm werden taub. Frost blüht an unseren Krägen auf und schmilzt im Licht der Sperre sofort wieder.

Drei Schritte.

Das tiefe, pulsierende Surren der Sonden dröhnt mir im Schädel. Einer der Inquisitoren hebt die Sonde. Sein Gesicht bleibt hinter einem abgedunkelten Visier verborgen. Der weiße Leitstrahl gleitet über den Arbeiter vor uns hinweg.

Eine knappe Geste. Durchgewinkt.

Dann schwenkt der Kegel auf uns.

Sobald der Strahl meinen Schattenmantel berührt, beginnt es zu zischen.

Nicht wie gewöhnliches Licht. Nicht wie die grellen Leuchtbanner im Prismenviertel, die an mir sterben, wenn ich an ihnen vorbeigehe. Das hier ist dichter. Prüfender. Genau dafür wurden die Sonden gebaut: fremdes Licht im Fleisch aufzuspüren. Und ich stelle ihnen meine Dunkelheit entgegen.

Das Kunstlicht frisst sich in meine Magie und brennt durch den Mantel bis in mich hinein. Keine Explosion. Kein Knall. Nur dieses brutale Zischen, wie Säure auf nackter Haut. Die äußere Schicht des Mantels verdampft, und ich klammere mich an die Finsternis, damit Lio darunter verborgen bleibt.

Ich zwinge mich, vollkommen stillzuhalten.

Nicht zucken.Nicht schreien.

Ich verdichte den Mantel neu, reiße die Finsternis mit den Fingern zusammen, während das Licht sie Schicht für Schicht von mir abschält.

Der Inquisitor mit der Sonde verharrt.

Der Strahl fährt über den Schattenmantel und bleibt an meiner rechten Schulter hängen, knapp über Lios gesenktem Kopf. Das Licht frisst sich in die Dunkelheit, heiß und gnadenlos.

Hinter dem schmalen Sichtglas der Kontrollkabine hebt ein weiterer Inquisitor den Kopf.

Für den Bruchteil eines Herzschlags treffen sich unsere Blicke.

Ich kenne dieses Gesicht.

Der Inquisitor aus Sektor Vier. Er war es, der damals bei den Razzien in der Asche-Klamm weggesehen hatte, als wir Waisen durch die Schächte flüchteten.

Kassian.

Auch in seinen Augen flammt für einen Moment Erkennen auf.

Dann wandert sein Blick nach oben.

Zu den langsam rotierenden Beobachtungslinsen unter der Decke.

Sein Gesicht wird vollkommen reglos.

Seine Faust schlägt auf das Bedienfeld. Ein kurzer Signalton antwortet. Der Lichtkegel wird schlagartig heller.

Ein brennender Schmerz frisst sich durch meinen Mantel bis tief unter die Haut.

Ich presse die Zähne zusammen, bis ich Blut schmecke.

Verdammt.

Nicht einmal für einen Augenblick nimmt er die Intensität des Strahls zurück.

Er lässt mich brennen.

Sein Blick zuckt zu den Beobachtungslinsen. Alles andere wäre vielleicht zu auffällig.

Die Sonde sucht nach dem Sigma. Auf meine Dunkelheit reagiert sie offenbar nicht. Trotzdem bleibt Kassians Hand auf dem Bedienfeld, als warte er auf einen Alarm, der nicht kommt. Seine Züge bleiben vollkommen reglos.

„Weiter.“

Das Wort klingt blechern unter dem Helm.

Mehr sagt er nicht.

Der Strahl schwenkt zum Nächsten.

Der Schmerz in meiner rechten Schulter lässt nur langsam nach. Meine Hände brennen bis in die Fingerspitzen. Ich halte Lio dicht an mich gedrückt und zwinge mich durch die Sperre, ohne aus dem Takt der Menge zu geraten.

Die Klamm nimmt uns wieder auf. Mein Mantel fasert zu Rauch aus und verweht zwischen den Stahlpfeilern. Erst dort löse ich Lio von mir und bleibe stehen, bis meine Beine wieder gehorchen. Rote Brandblasen wölben sich auf meinen Händen, wo ich den Schattenmantel zusammengehalten habe. Unter meinem Kragen pocht die verbrannte Haut an der rechten Schulter. Ich balle die Finger zu Fäusten, bis das Zittern nachlässt.

Hier draußen, wo der Asphalt an der Abbruchkante im Nichts endet, sind wir zumindest außerhalb der Sichtweite der Sperre.

„Wir sind durch“, flüstere ich, mehr zu mir selbst als zu ihm.

Lio hebt langsam den Kopf. Die Kapuze rutscht ein Stück zurück. Sein Gesicht ist grau vor Erschöpfung, doch das Glühen des Sigmas bleibt unter dem dicken Stoff verborgen. Sein Blick geht an mir vorbei, direkt auf die fensterlose Betonwand des alten Wasserwerks.

„Elias.“ Der Sarkasmus ist aus seiner Stimme verschwunden. „Dreh dich um.“

Ich fahre herum. Ein kaltes Flimmern frisst sich durch das Dunkel der Klamm.

An der feuchten Wand flammt ein neues Lichtfeld der Zitadelle auf, drei Stockwerke hoch. Das alte, verblasste Werbeplakat verschwindet darunter. Bläuliches Gleißen spaltet den Dunst und taucht jeden rostigen Nagel, jeden Riss im Beton in hartes Blau.

Keine Gesichter.

Nur das zackige Wappen des Lumina-Ordens.

Darunter steht in klaren, gnadenlosen Lettern:

SÄUBERUNGS-PROTOKOLL ERWEITERT. SUCH-MANDAT: UMBRA.

Ich kann mich nicht rühren.

„Elias“, flüstert Lio. Seine Hand krampft sich um den Stoff an seinem Hals. „Die suchen dich.“

Ich starre auf das Wort an der Wand.

UMBRA.

Nicht das Licht in Lio. Die Dunkelheit in mir.

Mein Mantel.Meine Fäden.Meine Dunkelheit.

Eben noch war sie unser Versteck. Jetzt ist sie eine Spur.

Ich stülpe Lio die Kapuze tiefer ins Gesicht. Das Lichtfeld brennt weiter über uns. Kalt. Riesig. Unübersehbar.

Mein Puls schlägt so heftig gegen die Rippen, dass jeder Atemzug wehtut.

Jetzt fürchte ich nicht mehr nur, dass sie Lio finden.

Ich fürchte, dass sie mich finden.

Denn dann stirbt er mit mir.

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Heartwarming

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Shocking

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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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