Prolog
Prolog – Was niemand kommen sah..
Es gibt Geschichten, bei denen man schon am Anfang ahnt, dass etwas Schlimmes geschehen wird. Und es gibt Geschichten, bei denen alles ganz gewöhnlich beginnt.
Diese Geschichte gehörte zur zweiten Art.
Joseph war ein Mann, der sich durch harte Arbeit ein eigenes Leben aufgebaut hatte. Seine Familie bedeutete ihm viel. Er liebte seine Frau Majel und seine Tochter Yanet und versuchte, ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Doch seine Hilfsbereitschaft endete nicht bei seiner eigenen Familie. Wenn jemand Unterstützung brauchte, war Joseph da.
Als er die Familie Kabul kennenlernte, entwickelte sich mit der Zeit ein enges, beinahe familiäres Verhältnis. Aus Begegnungen wurde Vertrauen, aus Gesprächen entstand Verbundenheit. Besonders Yafer lag Joseph am Herzen. Er sah in ihm gewissermaßen einen Sohn, dem er helfen wollte, seinen eigenen Weg zu finden und sich eine Zukunft aufzubauen.
Joseph glaubte an ihn. Er wollte ihm eine Chance geben und unterstützte ihn dabei, seine Vorstellungen Wirklichkeit werden zu lassen. Aus diesem Vertrauen heraus entstand schließlich auch die Zusammenarbeit, aus der eine gemeinsame Firma hervorging.
Für Joseph war es selbstverständlich, Verantwortung zu übernehmen und dort zu helfen, wo er Möglichkeiten sah. Er dachte nicht in erster Linie daran, was er selbst davon haben könnte. Er wollte, dass es den Menschen um ihn herum gut ging und dass sie gemeinsam etwas erreichen konnten.
So entwickelte sich eine Verbindung, die weit über eine gewöhnliche geschäftliche Zusammenarbeit hinausging.
Niemand aus der Familie hätte damals gedacht, dass sich die Dinge eines Tages so entwickeln würden.
Dann wurde Joseph schwer krank.
Während er mit seiner Erkrankung kämpfte, blieb er der Mensch, der er immer gewesen war.Joseph vertraute den Menschen, denen er vertraute. Seine Familie tat es ebenfalls.
Was nach und nach ans Licht kam, veränderte den Blick auf die Vergangenheit. Ereignisse, die zunächst unvorstellbar erschienen, führten zu Fragen, auf die niemand vorbereitet gewesen war. Aus Vertrauen wurden Zweifel, aus Entsetzen entstand ein Konflikt, der immer größere Kreise zog.
Es folgten Entwicklungen, mit denen niemand gerechnet hatte. Dinge, die zuvor undenkbar gewesen waren, wurden plötzlich Realität.
Niemand hatte sich diese Entwicklung gewünscht. Niemand hatte geglaubt, dass es so weit kommen würde.
Und doch war es geschehen.
Manchmal beginnt das Schwerste nicht mit dem ersten Stein, sondern mit dem Moment, in dem man erkennt, dass man die Vergangenheit mit anderen Augen betrachten muss…








