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Faster than hate

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Summary

Faster than Hate - eine Rivalität die alles verändert Noah Parker und Adrian Vale sind erbitterte Rivalen. Auf der Rennstrecke zählt nur der Sieg, und keiner ist bereit, dem anderen auch nur einen Zentimeter zu schenken. Als ein manipuliertes Motorrad Noahs Leben für immer verändert, wird aus Rivalität Vertrauen – und aus Vertrauen vielleicht die große Liebe. Doch können zwei Menschen, die sich so lange bekämpft haben, wirklich zueinanderfinden, wenn nicht einmal die Rennstrecke sicher ist?

Status
Complete
Chapters
43
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1: Noah Parker

Der Rivale


Der Motor vibrierte zwischen meinen Beinen, während ich auf das Startsignal wartete. Vor mir lag die Strecke von Laguna Seca. Der Asphalt flimmerte in der kalifornischen Nachmittagssonne, und irgendwo hinter den Tribünen rief ein Streckenposten etwas, das im Lärm der Maschinen unterging. Der Geruch von Benzin und heißem Gummi hing in der Luft.

Ich senkte den Kopf und konzentrierte mich auf die Lichter.

Rot.

Mein Daumen lag fest am Gasgriff. Die Kupplung zog gegen meine Finger, und mein Puls hämmerte so laut, dass ich für einen Moment glaubte, ihn durch den Helm hören zu können.

Noch ein paar Sekunden.

Neben mir stand Adrian Vale auf seiner silbernen Maschine. Selbst in voller Rennmontur wirkte er, als hätte er alles unter Kontrolle. Seine Haltung war locker, seine Bewegungen ruhig. Nicht einmal jetzt schien er nervös zu sein. Natürlich nicht.

Adrian war es gewohnt, vorne zu fahren. Apex Racing hatte eines der besten Motorräder im Feld, ein Team voller erfahrener Mechaniker und genug Ressourcen, um aus jeder noch so kleinen Schwäche eine technische Frage zu machen, die sich mit Geld und Daten lösen ließ.

Wir bei Light Performance mussten sorgfältiger mit unseren Möglichkeiten umgehen. Das hieß nicht, dass wir schlechtere Arbeit leisteten. Es hieß nur, dass wir uns Fehler weniger leisten konnten.

Und ich hatte nicht vor, heute einen zu machen. Adrian drehte leicht den Kopf zu mir. Durch sein Visier konnte ich seine Augen kaum erkennen, aber ich sah, wie sich sein Mundwinkel hob. Er musste nichts sagen. Das machte es nur schlimmer.

Ich hasste diese selbstzufriedene Art. Dieses Auftreten, als wäre der Rest des Fahrerfeldes lediglich dazu da, ihm den Weg zum nächsten Sieg freizuhalten. Ich wollte ihm zeigen, dass er sich irrte. Nicht irgendwann. Nicht in einer perfekten Saison, in der alles zusammenpasste.

Heute.

Die Lichter erloschen.

Ich ließ die Kupplung kommen und gab Gas.

Die Maschine schoss nach vorn. Für einen kurzen Moment war alles Bewegung und Lärm. Reifen griffen in den Asphalt, Motoren heulten auf, und das Feld zog sich in Richtung der ersten Kurve auseinander.

Ich erwischte den Start gut und schob mich an einem Fahrer vorbei. Der nächste versuchte, die Lücke zu schließen, doch ich hielt meine Linie und ging vor ihm in die Kurve. Dann sah ich Adrian. Er hatte ebenfalls einen sauberen Start erwischt und lag bereits vorne. Natürlich lag er vorne.

Ich schaltete hoch, legte mich in die nächste Kurve und hielt den Abstand so klein wie möglich. Die Maschine reagierte auf jede Bewegung meiner Knie und meines Oberkörpers. Ich spürte, wie die Reifen über den Asphalt arbeiteten, wie das Motorrad beim Herausbeschleunigen leicht wurde und sich wieder stabilisierte.

Das war der Teil des Rennens, den ich liebte. Keine Vorlesungen. Keine Gruppenarbeiten. Keine Menschen, die so taten, als wäre eine gute Idee weniger wert, nur weil sie nicht von ihnen kam. Hier zählte, was ich tat. Und hier konnte ich Adrian schlagen. Zumindest war das der Plan.

In den ersten Runden blieb ich hinter ihm. Ich beobachtete seine Linien, seine Bremspunkte und die Art, wie er aus den Kurven heraus beschleunigte. Adrian fuhr nicht einfach schnell. Er fuhr sauber. Er ließ kaum Raum für Fehler, und wenn er einen machte, war er klein genug, dass die meisten ihn wahrscheinlich nicht einmal bemerkten. Das war einer der Gründe, warum ich ihn ernst nahm. Der andere war, dass er ständig gewann.

Ich hielt mich dicht hinter ihm, ohne meine Reifen unnötig zu belasten. In den schnellen Abschnitten war er kaum zu schlagen. In den engeren Kurven konnte ich dagegen Zeit gutmachen. Ich kannte diese Strecke. Ich kannte die Stellen, an denen ich meine Maschine etwas später aufrichten konnte, und jene, an denen ein zu früher Angriff mich den Schwung für die nächste Gerade kosten würde.

Ich brauchte keine riskante Aktion. Ich brauchte eine bessere. Als wir auf die nächste Gerade kamen, nutzte ich seinen Windschatten. Der Abstand schrumpfte. Ich hielt mich hinter ihm, bis die Geschwindigkeit stieg und die erste Bremszone näher rückte.

Jetzt.

Ich zog neben ihn. Für einen Herzschlag fuhren wir auf gleicher Höhe. Zwei Maschinen, zwei Fahrer, kaum mehr als ein paar Zentimeter zwischen uns. Adrian drehte den Kopf. Er hatte mich bemerkt. Gut.

Ich blieb auf meiner Linie und bremste spät. Die Kurve kam schnell näher, und mein Körper reagierte, bevor ich bewusst darüber nachdenken konnte. Ich legte die Maschine um, hielt den Blick auf den Ausgang gerichtet und gab Gas, sobald ich es mir erlauben konnte.

Als ich wieder aufrichtete, war Adrian noch vor mir. Verdammt. Er hatte den Angriff abgewehrt, ohne auch nur sichtbar aus dem Rhythmus zu geraten. Ich musste mich zurückfallen lassen, um nicht zu dicht an sein Hinterrad zu kommen.

Über Funk knackte die Stimme meines Crew-Chiefs, Richard.

„Guter Versuch, Noah. Bleib ruhig. Du bist dran.“

„Ich bin ruhig“, antwortete ich.

„Dann fahr auch so.“

Ich presste die Lippen zusammen. Ich war ruhig. Ich war nur nicht besonders begeistert davon, dass Adrian Vale offenbar beschlossen hatte, heute wieder einmal unantastbar zu sein.

Die nächsten Runden wurden zu einem Geduldsspiel. Ich hielt den Abstand, sammelte Informationen und zwang mich, nicht auf jede kleine Bewegung vor mir zu reagieren. Adrian verteidigte seine Linie, sobald ich näher kam. Er wusste genau, wo ich schneller war, und er ließ mir keinen einfachen Weg vorbei.

Es war beinahe beeindruckend. Beinahe. In der Boxengasse hätte ich ihm dafür vielleicht Anerkennung gezollt. Auf der Strecke wollte ich ihn dafür am liebsten von seiner Maschine schütteln.

Als wir uns der Corkscrew näherten, verlagerte ich mein Gewicht und bereitete mich auf den Höhenwechsel vor. Die Strecke fiel vor uns ab, und für einen kurzen Moment schien der Asphalt einfach zu verschwinden. Ich nahm die Linie, die ich mir vor dem Rennen zurechtgelegt hatte, und brachte das Motorrad kontrolliert durch die Kombination.

Adrian war vor mir. Aber nicht weit. Ich hatte in diesem Abschnitt Zeit gewonnen. Nicht viel, aber genug, um wieder an seinem Hinterrad zu kleben.

Die Anzeige auf meinem Dashboard wechselte. Noch mehrere Runden. Ich atmete einmal tief durch. Ich musste nicht jede Kurve gewinnen. Ich musste nur dafür sorgen, dass er irgendwann keine Antwort mehr hatte. Die Gelegenheit kam zwei Runden später.

Adrian fuhr die Kurve vor der Geraden etwas enger an als zuvor. Es war kein grober Fehler. Vielleicht hatte er nur seine Linie angepasst, vielleicht wollte er mich dazu bringen, zu früh anzugreifen. Aber beim Herausbeschleunigen hatte ich einen besseren Winkel.

Ich nutzte ihn.

Die Maschine zog nach vorn. Ich blieb im Windschatten, ließ den Motor hochdrehen und wartete, bis ich genug Geschwindigkeit hatte. Dann wechselte ich die Linie. Diesmal kam ich vorbei. Für einen Moment war da nur die Strecke vor mir. Ich lag vorne. Ein breites Grinsen breitete sich unter meinem Helm aus, bevor ich es verhindern konnte.

„Na endlich“, murmelte ich.

Doch Adrian gab nicht nach. Noch vor der nächsten Kurve tauchte er wieder neben mir auf. Ich sah ihn aus dem Augenwinkel, silberne Verkleidung neben meiner roten Maschine, und wusste, dass er nicht vorhatte, mich einfach ziehen zu lassen.

Wir bremsten fast gleichzeitig. Ich hielt dagegen, aber er positionierte sich so, dass ich keinen sauberen Weg an ihm vorbei fand. Als wir aus der Kurve herausbeschleunigten, war er wieder knapp vorn. Sein Hinterrad schien mich auszulachen.

„Du bist echt unerträglich“, sagte ich in meinen Helm.

Ich wusste nicht, ob er mich hören konnte. Vermutlich nicht. Es half trotzdem. Die letzte Rennphase begann, und die Abstände wurden kleiner. Hinter uns hatte sich Christian Hartmann auf den dritten Platz vorgearbeitet. Sein blaues Motorrad war in meinem Rückspiegel zu sehen, wann immer ich einen Blick darauf riskierte.

Christian fuhr aggressiv. Er wartete nicht darauf, dass sich eine Lücke von selbst öffnete. Er suchte sie, und wenn er sie fand, war er schnell genug, sie auszunutzen. Ich konnte es mir nicht leisten, nur Adrian im Blick zu behalten. Ein Fehler von mir, und Christian würde vorbeiziehen. Ein Fehler von Adrian, und ich musste bereit sein. Also konzentrierte ich mich auf beides.

In der vorletzten Runde kam ich wieder näher. Ich kannte Adrians Rhythmus inzwischen gut genug, um zu erkennen, wann er die Maschine früher aufrichtete und wann er den Schwung länger hielt. Ich setzte ihn unter Druck, zwang ihn dazu, seine Linie zu verteidigen, und suchte nach einem Moment, in dem ich nicht nur neben ihn kommen, sondern auch vor ihm bleiben konnte. Doch er machte mir keinen solchen Moment leicht. Die letzte Runde begann.

Die Tribünen verschwammen am Rand meines Sichtfelds. Ich hörte die Motoren, spürte die Maschine und hielt meinen Blick auf Adrian gerichtet. Es gab jetzt keinen Grund mehr, etwas für später aufzusparen.

Ich musste es versuchen. Auf der Geraden ging ich wieder in seinen Windschatten. Ich wartete länger als beim ersten Angriff und zog erst zur Seite, als die Bremszone näher rückte. Adrian reagierte sofort. Wir bremsten spät.

Ich sah die Kurve kommen, spürte, wie sich die Maschine unter mir bewegte, und hielt die Linie so eng, wie ich es verantworten konnte. Für einen Moment war ich fast auf gleicher Höhe. Fast. Dann beschleunigte Adrian aus der Kurve heraus einen Hauch früher.

Dieser winzige Unterschied reichte. Ich blieb an ihm dran, doch die verbleibenden Kurven gaben mir keine saubere Gelegenheit mehr. Ich konnte ihn nicht einfach zu einem Fehler zwingen. Er fuhr zu gut dafür. Die Ziellinie kam näher. Ich gab alles, was noch übrig war, und überquerte sie hinter ihm.

Zweiter Platz.

Der Motor heulte noch einmal auf, bevor ich vom Gas ging. Meine Hände waren angespannt, meine Schultern schmerzten, und mein Atem ging viel zu schnell. Auf meinem Dashboard stand der Rückstand.

0,438 Sekunden. Weniger als eine halbe Sekunde. Ich starrte auf die Zahl, als könnte ich sie allein durch meine Abneigung verändern.

„Verdammt!“

Die Stimme von Richard knackte durch den Funk.

„P2, Noah. Starkes Rennen. Du hast ihn unter Druck gesetzt.“

„Ich hätte gewinnen können.“

„Ja“, sagte er. „Und nächstes Mal machst du es vielleicht. Aber jetzt bring die Maschine sicher zurück.“

Ich wusste, dass er recht hatte. Das machte meine Laune nicht besser. Ich nahm Tempo heraus und fuhr zurück Richtung Boxengasse. Christian kam als Dritter ins Ziel. Als wir später an den Boxen vorbeifuhren, hob er kurz die Hand. Ich erwiderte die Geste, ohne mich lange damit aufzuhalten. Mein Blick suchte bereits die silbernen Farben von Apex Racing. Adrian hatte gewonnen. Schon wieder.

Ich rollte in den vorgesehenen Bereich und stellte den Motor ab. Die plötzliche Stille fühlte sich seltsam an. Eben hatte die ganze Welt aus Geschwindigkeit bestanden; jetzt hörte ich Stimmen, Schritte und das Klacken von Werkzeugen aus den Boxen. Ich nahm den Helm ab. Schweiß lief mir über die Schläfen, und meine Haare klebten an meiner Stirn. Mein Crew-Chief kam auf mich zu und klopfte mir auf die Schulter.

„Du warst heute verdammt nah dran.“

„Nah dran ist nicht Erster.“

„Das weiß ich.“ Er grinste. „Aber du hast gesehen, wo du Zeit gutmachen kannst. Wir schauen uns die Daten an und arbeiten daran.“

Ich nickte. Genau das würde ich tun. Ich würde jede Runde durchgehen, jede Kurve vergleichen und herausfinden, wo die fehlenden vier Zehntelsekunden geblieben waren. Nicht, weil ich Adrian etwas beweisen musste. Sondern weil ich wusste, dass ich schneller fahren konnte. Trotzdem wanderte mein Blick wieder zu Apex Racing.

Adrian stand bereits bei seinem Team. Sein Helm lag auf einer Werkbank, und einer seiner Mechaniker redete begeistert auf ihn ein. Adrian lachte, als wäre der Sieg nichts Besonderes. Als hätte er nicht gerade mit weniger als einer halben Sekunde Vorsprung gewonnen.

Dann sah er zu mir herüber. Unsere Blicke trafen sich.

Er hob leicht die Augenbrauen, und dieses verdammte Grinsen erschien wieder auf seinem Gesicht. Nicht breit, nicht übertrieben. Nur ein kleines, selbstsicheres Lächeln, das mir sofort klarmachte, dass er ganz genau wusste, wie knapp es gewesen war.

Ich hob mein Kinn. Er konnte den Sieg behalten. Für heute.

Ich zog meinen Helm unter den Arm und wandte mich ab, bevor ich auf die dumme Idee kam, zu ihm hinüberzugehen und ihm zu sagen, was ich von seinem Grinsen hielt. Ich hatte Daten auszuwerten, eine Maschine zu verbessern und vier Zehntelsekunden aufzuholen. Genieß es, Adrian Vale. Beim nächsten Rennen würde ich ihm dieses Grinsen schon noch austreiben.

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