Prolog
In der Nacht, in der mein Haus starb, roch die Luft nach Eisen und verbranntem Haar.
Ich war elf und lag unter dem Küchentisch, weil meine Mutter mich dorthin geschoben hatte, bevor sie hinausging. Sie hatte nicht gesagt, ich solle still sein. Sie hatte nur kurz meine Wange berührt, mit Fingern, die schon nicht mehr ganz ihre waren. Ihre Nägel waren zu lang gewesen, zu dunkel an den Spitzen. Sie hatte sich in diesem Winter zu oft verwandelt, und was sie dabei verlor, hatte sie mir nie gesagt.
Ich hatte nach ihrer Hand gegriffen, als sie sich abwandte. Für einen Augenblick hielt sie inne. Dann löste sie meine Finger von ihrem Ärmel.
Das war das letzte Mal, dass ich sie sah.
Irgendwo über mir krachte ein Balken durch die Decke. Staub rieselte auf den Tisch, während sich Rauch durch die Küche schob. Ich presste meinen Ärmel gegen den Mund. Ich hörte keinen Drachen, das war das Seltsame. Ich hörte Stiefel, Stimmen, das Klirren von Ketten, das Knacken von Balken. Dann wurde es still, und in der Stille kam jemand die Treppe herunter.
Die Schritte blieben vor dem Tisch stehen. Ich sah Handschuhe aus grauem Leder und einen Saum, der nach Rauch und Zimt roch. Eine Hand streckte sich nach unten, öffnete sich und zeigte auf die Hintertür, die einen Spalt offen stand.
„Lauf", sagte eine Stimme, die ich nie wieder vergessen habe, so leise, dass ich sie kaum von meinem eigenen Herzschlag unterscheiden konnte. „Und komm nie zurück."
Ich wartete auf den Griff, der mich unter dem Tisch hervorziehen würde. Auf die Klinge. Auf irgendetwas.
Aber die Hand verschwand.
Also lief ich.
Hinter mir brannte das Haus Orrath.
Zehn Jahre lang zwang ich mich, nicht darüber nachzudenken, weshalb ausgerechnet ich überleben durfte.
Bis ich begriff, dass die wichtigere Frage eine andere war.
Wer hatte entschieden, mich am Leben zu lassen?








