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Neue Leidenschaft unter den Nordlichtern

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Summary

Schweden, die Liebe und das ganz normale Chaos! Nach dem mutigen Neuanfang hat Lydia Fuß gefasst. Doch die schwedische Gelassenheit wird auf eine harte Probe gestellt, wenn erotische Verwirrungen, unvorhergesehene Herausforderungen und der ganz normale Provinz-Wahnsinn aufeinandertreffen. Gemeinsam mit Maria stürzt sich Lydia in ein neues Kapitel voller Leidenschaft, Herzklopfen und humorvoller Überraschungen – ob am Kaminfeuer oder auf Dienstreise in der alten Heimat. Sie entdeckt Seiten an sich, von denen sie nie zu träumen gewagt hätte – und lernt, dass wahre Leidenschaft keine Regeln kennt. Sinnlich, frech und wunderbar unperfekt: Eine Geschichte über die Kunst, das Leben in vollen Zügen zu genießen, wilde Gefühlswelten zu umarmen und die eigenen Grenzen neu zu definieren. Prickelnd, leidenschaftlich und voller Herz: Das echte Leben geht weiter – und es schmeckt süßer denn je!

Genre
Romance
Author
Lemmi76
Status
3h ago
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Ein Blick zurück.

Hej hej, da bin ich wieder. Die Deutsche in Schweden. 

Ich saß auf der Veranda meines kleinen Holzhäuschens, eingewickelt in eine Decke und auf dem Kopf eine rote Pudelmütze. Und dabei beobachtete ich voller Elan die Eiszapfen, wie sie sich in den ersten zaghaften Sonnenstrahlen des Frühlings in Wasser verwandelten. Eine Beschäftigung, die aus deutscher Sicht absurd erscheint, aber in Schweden durchaus üblich ist. Nein, ich scherze nur. Auch in Schweden beschäftigt man sich in der dunklen Jahreszeit durchaus mit sinnvollen Dingen.

Aber nicht heute. Ich schwelgte lieber in Erinnerungen, dachte zurück an den Tag, als ich vor fast drei Jahren mit einem verheulten Gesicht den See anschrie, weil meine Gefühlswelt in Trümmern lag. Ich erinnerte mich auch an die ersten Tage in einem neuen Job in einem anderen Land, an Sprachkursen und einer ungewohnten Mentalität. Ich musste schmunzeln, als ich in Gedanken wieder auf der Gartenparty war, wo ich Maria zum ersten Mal geküsst hatte. Korrektur: Wo mich Maria zum ersten Mal geküsst hatte. Zwischen meinen Schenkeln wurde es augenblicklich wieder warm. Ich erhob mich, immer noch ein Grinsen auf den Lippen und schlurfte mit meiner Decke vor zum Terrassengeländer. Ich lehnte mich dagegen, nahm einen Schluck Kaffee und sah auf den See Utgrycken hinaus. Ich konnte den Namen von dem Gewässer immer noch nicht richtig aussprechen. Das Eis war schon an vielen Stellen aufgebrochen. Auch die Bäume am Ufer waren nicht mehr voller Schnee, nur noch hier und da waren einige Äste von dem weißen Pulver bedeckt. Vor drei Jahren erlebte ich meinen ersten Winter hier in Schweden. Er war voller Dramatik, voller Melancholie und Wehmut. Damals konnte ich diese traumhafte Schönheit noch nicht erkennen, mein Herz war noch nicht frei genug.

Die Wärme zwischen meinen Schenkeln normalisierte sich wieder und so ging ich ins Haus zurück. Ich schloss die Tür hinter mir, ging zum Kamin und legte noch zwei Scheite Birke nach. Dann streifte ich die Decke ab, legte sie auf die Couch und blieb vor der Wand aus Bildern stehen. Maria und ich hatten einen Raumteiler neben dem Kamin errichtet, eigentlich nur einen Rahmen aus Holzlatten und dazwischen hatten wir runde Holzscheite gestapelt. Inzwischen gut 1,80 Meter hoch und 2 Meter breit. Und an jedem zweiten Holzscheit hing ein Foto. Ich vor meinem Camperbus, (den ich übrigens immer noch habe) mit Maria im Arm auf einem Metalfestival. Ein Selfie auf dem Balkon der Stockholmer Oper. Ein Bild von einem Häufchen zerrissenen Stoffs neben einem Zelt.

Und dann fiel mein Blick auf mein Lieblingsbild. Darauf zu sehen war eine blonde schlanke Frau. Sie steht nackt in einem See. Kleine Wellen bewegen sich kreisförmig von ihren Oberschenkeln weg und zarte Wassertropfen perlten wie kleine Diamanten auf ihrer Haut. Ihre Arme sind nach oben gestreckt und ihre Hände greifen nach der untergehenden Sonne. Ihre langen blonden Haare sind nass und legen sich wie ein zarter Schleier über ihre Brüste. Sie scheint vollkommen mit sich und der Natur, die sie umgibt, im Reinen zu sein.

Die Frau auf dem Bild bin ich.

Die Frau auf dem Bild war einst Hals über Kopf aus einer vierzehnjährigen, toxischen Beziehung ausgebrochen und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Schweden geflohen. Obwohl es eigentlich gar keine Flucht gewesen war – zumindest nicht offiziell. Es sollte ein Urlaub werden, eine kurze Auszeit, um Gedanken und Gefühle neu zu sortieren. Genau genommen war nicht einmal das wirklich geplant gewesen.

Doch Schicksal braucht keine Pläne, und ich ließ mich einfach treiben. Ich entdeckte Seiten an mir, von deren Existenz ich nicht einmal geahnt hatte. Meine Leidenschaft erwachte zu neuem Leben, meine Sexualität wurde komplett auf den Kopf gestellt, und ich tauchte ein in Gefühlswelten, die intensiver waren als alles, was ich bis dahin gekannt hatte.

Ich war nicht auf der Suche nach einer neuen Liebe gewesen. Und trotzdem verliebte ich mich … in eine andere Frau, in meinen schwedischen Wirbelwind Maria.

Was war das nur für eine verrückte Zeit?

Was ist das nur für eine verrückte Zeit? Ich war immer noch mittendrin.

Schweden, Maria! Alles real!

Ich war so sehr in Gedanken, dass ich anfänglich selbst das Klingeln meines Telefons als Erinnerung wertete. Ich schaute auf das Display. Rebecca, meine Chefin. Ja, auch die Arbeit ist real.

„Ja, Lydia hier. Was kann ich für dich tun?”, sprach ich, als das Telefonat angenommen hatte und ließ mich auf das Sofa sinken.

„Kannst du bitte morgen eine Stunde zeitiger ins Büro kommen?”, schnarrte es durch den Lautsprecher.

„Natürlich, kein Problem”, entgegnete ich und Rebecca fügte gleich hinzu: „Und bring Maria mit, es ist wichtig.”

Tuut tuut tuut

Verdutzt schaute ich auf das schwarze Display. „Gern, und ich wünsche dir auch noch einen schönen Tag”, murmelte ich, während ich das Telefon wieder weg legte. In Schweden ist der Feierabend heilig und wenn meine Chefin außerhalb der Bürozeiten anrief, verhieß es nichts Gutes.

—---------------------------------------

Einen Tag später:

Wir hatten gerade die Eingangstür der Agentur hinter uns geschlossen, da kam auch schon Jonne, unser Vertriebler, auf uns zu. „In zwei Minuten bei der Chefin im Büro!“ Ich konnte nur nicken – und selbst das wird Jonne gar nicht mehr mitbekommen haben, als er im Laufschritt an uns vorbeieilte.

„Wir wünschen auch einen guten Morgen“, nuschelte Maria ihm hinterher, während sie ihren Mantel an den Haken hängte. Dabei reckte sie ihren Körper etwas zu mir herüber, und ich konnte nicht anders, als ihr einen kleinen Klaps auf den Po zu geben. Wir trennten Berufliches und Privates zwar theoretisch ganz strikt, aber sie sah in dieser knallengen Lederhose einfach zu verlockend aus. Maria lächelte nur, gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange und klopfte auch schon an die Tür der Agenturleiterin.

„Setzt euch“, sagte Rebecca, ohne von ihrem Monitor aufzublicken. „Lydia, kannst du dich noch an Stockholm erinnern?“

Ich versuchte, die Frage logisch einzuordnen, was mir auf die Schnelle allerdings nicht so recht gelingen wollte.

„Ähm ja, Stockholm …“, wiederholte ich mit eher fragender Betonung. „Hauptstadt? Königin Silvia? Vasa-Museum?“

„Du wirst schon genauso vorlaut wie Maria.“ Rebecca schaute nun doch vom Bildschirm auf, und ihr Blick verriet mir eindeutig, dass keiner meiner drei Vorschläge ins Schwarze getroffen hatte. Ich schluckte hörbar, während Maria prompt für mich antwortete: „Ich bin nicht vorlaut, ich spreche nur manchmal meine Gedanken zu schnell aus!“

Autsch. Rebeccas Miene verfinsterte sich augenblicklich. Marias Einwurf war wohl etwas deplatziert gewesen – da half auch der beste Welpenblick meines Wirbelwinds nichts. Instinktiv zog Maria den Kopf zwischen die Schultern, in Erwartung einer Standpauke. Doch unsere Chefin dachte gar nicht daran, große Reden zu schwingen. Stattdessen erhob sie sich wortlos von ihrem Stuhl, drehte ihren Monitor leicht zu uns herum und wartete geduldig darauf, dass bei ihren beiden Blondinen ein Lichtlein aufging.

Und es war nicht nur ein Lichtlein, sondern ein ganzer Scheinwerfer, der plötzlich in meinem Kopf aufleuchtete!

Auf dem Bildschirm flimmerte das Logo der Campingartikel-Firma, für die ich letztes Jahr in Stockholm diese glorreich gescheiterte Präsentation gehalten hatte. Und augenblicklich wurde auch die Nacht mit Isabell wieder vor meinem geistigen Auge lebendig. Mir klappte glatt die Kinnlade herunter. Fragend sah ich zu Maria, doch die zuckte nur ratlos mit den Schultern.

Dafür lächelte nun Rebecca.

„Es gab Probleme und Streitigkeiten. Die Markteinführung ihrer Artikel geriet in Verzug und ist letztendlich gescheitert.“ Rebecca klatschte in ihre Hände, rief anschließend eine PDF auf und deutete an, dass wir sie lesen sollten. „Schaut euch das Budget an, Mädels“, fuhr sie fort. „Das ist kein kleiner Fisch, das ist ein Hai.“

Rebecca war euphorisch, und mir schlug beim Anblick der Summe das Herz bis zum Hals. Ich tastete nach Marias Hand, fand sie und umklammerte ihre Finger.

„Wo ist der Haken?“, merkte Maria schließlich an.

Rebeccas Miene wechselte schlagartig wieder in den Business-Modus. „Ganz einfach: Wir haben den Auftrag noch nicht. Aber wir sind nah dran.“

„Wie nah?“, hakte Maria nach.

„Ich war noch nie gut in Geographie, aber schätzungsweise sind es 1500 km“, antwortete Rebecca relativ trocken und fuhr fort: „Die Deutschen haben einen neuen CEO, einen Herrn Benjamin Ahlbrink. Er fand Lydias Ausarbeitung vom letzten Jahr sehr gut, möchte allerdings hier und da ein paar Nachbesserungen.“

Rebecca hielt kurz inne und prüfte mit einem Blick unseren Gesichtsausdruck. Wir lauschten gespannt. Innerlich freute ich mich natürlich riesig, dass meine Arbeit doch nicht ganz umsonst gewesen war. Doch äußerlich versuchte ich professionell zu bleiben und verzog keine Miene.

„Und er erwartet unser überarbeitetes Konzept in zwei Wochen …“ Wieder machte unsere Chefin eine Pause und setzte dann zum Finale an: „In der Firmenzentrale in Dresden!“

Dresden. Das Wort schlug in meinem Kopf ein wie eine Bombe. Dresden – die Stadt, aus der ich Hals über Kopf geflohen war. Wo Marcs Agentur saß. Wo mein altes, erstickendes Leben begraben lag. Mein Magen zog sich schlagartig zusammen. Ich hatte immer noch Marias Hand in meiner liegen und erhöhte unbewusst den Druck. Natürlich spürte das meine Partnerin, aber sie erwiderte das Drücken, nahm ihre zweite Hand und streichelte mir über den Handrücken. Meine Anspannung entwich wieder leicht aus meinem Körper, ich atmete zweimal hintereinander kurz ein und wieder aus und richtete meinen Fokus zurück auf das Geschehen im Büro

„Dresden? In Deutschland?“, fragte Maria sichtlich überrascht und riss mich aus meiner Schrecksekunde.

„Auch wenn ich, wie gerade erwähnt, in Geographie eine Niete bin, so gehe ich doch davon aus, dass es DAS Dresden in Deutschland ist“, antwortete Rebecca relativ humorlos, was mir dennoch ein schwaches Schmunzeln über die Lippen lockte. Ich stupste Maria an, in der Hoffnung, dass sie jetzt ebenfalls in den Business-Modus schalten würde. Maria räusperte sich, legte ihre Hände auf die Oberschenkel und streckte den Rücken gerade. Dann sah sie Rebecca direkt in die Augen und sprach: „Dresden in Deutschland, jawohl, Madame Agenturleiterin!“

Es war aussichtslos. Maria war eben ein Wirbelwind. Rebecca ignorierte den schnippischen Einwurf komplett, stand auf und stellte sich genau vor mich hin.

„Lydia, du wirst einsehen, dass ich dich nicht allein mit dem Projekt betrauen kann.“ Rebecca wartete einen Augenblick, doch meine Reaktion war Antwort genug. Ich nickte nur stumm, blinzelte kurz und signalisierte, dass meine Chefin fortfahren solle.

„Deine Ausarbeitung bleibt die Basis, Jonne wird parallel das Vertriebskonzept prüfen und bis Freitag vorlegen.“ Rebecca war unglaublich ruhig; sie lehnte sich mit dem Po gegen den Schreibtisch und stand wie eine Mentorin vor uns. Maria atmete gerade aus, als ob sie etwas erwidern wollte, doch unsere Chefin kam ihr zuvor. Sie drehte sich zu Maria, sah ihr direkt in die Augen und sprach sie an: „Madame Maria, du wirst Lydia nach Deutschland begleiten. Du bringst die nötige Erfahrung für den schwedischen Markt mit, um Lydia unterstützen zu können.“

Ich drehte meinen Kopf zu meiner Partnerin. Marias Augen funkelten, sie griff nach meiner Hand und drückte sie ganz fest. Doch Rebecca erstickte jeden Ansatz von Euphorie gleich im Keim: „Ladys, ihr seid geschäftlich unterwegs. Also benehmt euch dementsprechend.“

Mir war völlig klar, dass diese Ansage ausschließlich Maria galt. Wir saßen im Büro unserer Chefin wie zwei Schulmädchen und nickten eifrig im Takt.

Die Vorbereitungszeit verging rasend schnell. Rebecca hatte natürlich vollkommen recht: Schließlich ging es nicht um die Erstellung eines einfachen Flyers, sondern um eine internationale Markteinführung diverser Camping-Artikel auf dem skandinavischen Markt. Maria und Jonne kannten die Mentalität der Menschen genau und lieferten ein maßgeschneidertes Konzept ab, das perfekt zu Land und Leuten passte.

Es war nach Stockholm meine zweite geschäftliche Dienstreise – und das ausgerechnet in meine alte Heimat. Während der Vorbereitung hatte ich mich mehrfach vergewissert, dass sich unsere geschäftlichen Wege nicht mit denen meiner ehemaligen Werbeagentur und damit mit meinem alten Leben kreuzten. Allerdings war Marc ja nur ein Teil meiner Vergangenheit. Dresden grenzte direkt an das Erzgebirge, wo meine Wurzeln lagen. Also nutzte ich die Gelegenheit, um das Nützliche mit dem Vergnügen zu verbinden. Rebecca hatte dafür vollstes Verständnis gehabt, und so war es beschlossen, dass die Reise nach dem Termin in Dresden direkt weiter zu meinem Elternhaus ins Erzgebirge führen würde. Maria freute sich tierisch darauf, meine Familie endlich kennenzulernen.

Das Abenteuer konnte beginnen.

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