Prolog
Als die Polizisten das Arbeitszimmer erreichten, hatten sie ihre Waffen bereits im Anschlag. Zwischen den dunklen Bücherregalen und den schweren Ledersesseln bot sich ihnen ein Anblick, der keinen Zweifel daran ließ, dass hier etwas Schreckliches geschehen war.
Ein Mann lag bäuchlings auf dem Teppich, reglos, eine dunkle Blutlache unter seinem Oberkörper. Wenige Schritte von ihm entfernt kniete ein anderer Mann in grauen Boxershorts. Seine Hände lagen hinter dem Kopf, die Ellenbogen weit gespreizt. Er rührte sich nicht, während die Pistolen der Beamten auf ihn gerichtet blieben.
Er war jung, muskulös und am Oberkörper schwer verletzt. Blut klebte an seiner Haut, unterhalb der linken Rippen zeichneten sich mehrere Kompressen ab, die sich bereits dunkelrot verfärbt hatten. Ein großflächiges Drachen Tattoo bedeckte seine linke Körperseite und zog sich über Schulter, Arm und Brust bis hinunter auf sein Bein. Das zerzauste blonde Haar fiel ihm leicht in die Stirn. Sein Gesicht verriet wenig. Kein Wort, keine hastige Bewegung, keine erkennbare Regung, an der sich seine Gedanken hätten ablesen lassen.
Die Lichtkegel ihrer Taschenlampen glitten über ihn, über den reglosen Körper und schließlich über die Pistole auf dem Teppich. Die Beamten hielten Abstand, sicherten den Raum und behielten den Knienden im Blick.
Der Verletzte hob den Blick. Seine Hände blieben hinter dem Kopf, während er die Männer vor sich betrachtete. In seinem Gesicht lag eine Ruhe, die beinahe übermenschlich wirkte. Er widersetzte sich nicht, doch seine Ruhe machte die Situation kaum weniger bedrohlich.
Draußen tauchten die Einsatzfahrzeuge die Nacht in flackerndes Blau und Rot...