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Redwood: Ruf des Rudels

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Summary

Maggie und die Welpen sind verschwunden und Sheriff Robert Montgomery setzt alles daran, sie zu finden. Ein Hinweis von Harvey wirft neue Fragen auf: Seine verschollene Schwester Ava soll etwas mit ihrem Verschwinden zu tun haben. Die Suche nach Antworten führt Robert weit über die Grenzen von Redwood hinaus. Doch je weiter er der Spur folgt, desto tiefer gerät er in seine eigene Vergangenheit.

Status
1h ago
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Vollmond in Redwood

„Nagelt sämtliche Fenster zu!“, rief ich aus meinem Büro, während ich hinter meinen Schreibtisch eilte.

Hastig ging ich in die Hocke und zog die unterste Schublade auf. Darin befand sich eine kleine Kiste, die mit einem Vorhängeschloss gesichert war. Ich zog meinen Schlüsselbund aus der Hosentasche und suchte nach dem passenden Schlüssel. In diesem Moment betrat Deputy Weavor mein Büro. „Soll ich eine Fahndung herausgeben?“

Ich sah erschrocken auf. „Auf gar keinen Fall!“

„Warum?“ Sie runzelte die Stirn. „Robert, Maggie wurde entführt. Wir müssen etwas unternehmen.“

Ich richtete mich auf und knallte die Kiste auf den Schreibtisch. „Weil ich Ava für verdammt gefährlich halte und wir keine Ahnung haben, wie weit Blackwood Industries gehen würde, um ihre Geheimnisse zu schützen!“ Meine Stimme war lauter geworden, als ich beabsichtigt hatte.

Weavor zuckte zusammen. Für einen Augenblick herrschte betretenes Schweigen zwischen uns.

Ich fuhr mir mit der Hand über das Gesicht. „Entschuldige. Ich wollte dich nicht anschreien.“

Bevor sie etwas erwidern konnte, erschien Harvey in der Tür. „Wenn ihr mit eurer Diskussion fertig seid, könnte ich Hilfe beim Eingang gebrauchen.“

„Warte noch mit der Tür“, erwiderte ich und öffnete die Kiste.

Darin lag ein Magazin mit Silberkugeln. Nach unserem letzten Zusammentreffen mit der Werwölfin im Wald hatte ich mir einen weiteren Vorrat besorgt. Ich hatte gehofft, die Munition niemals wieder zu benötigen.

Ich nahm das Magazin heraus, zog meine Dienstwaffe aus dem Holster und wechselte die Munition.

„Was hast du vor?“, fragte Weavor und beobachtete mich misstrauisch.

„Ich gehe nach draußen.“

Harvey verschränkte die Arme. „Das halte ich für eine ausgesprochen schlechte Idee. Wenn die Mutter der Welpen bereits so stark war, will ich gar nicht wissen, wozu ihr Vater fähig ist.“

Ich schob die Waffe zurück in den Holster und griff nach meiner Jacke, die über der Rückenlehne meines Stuhls hing.

„Ich werde ihn aus der Stadt locken und zurück in den Wald führen. Dort erledige ich ihn.“ Ich zog die Jacke über und sah die beiden entschlossen an. „Anschließend werfe ich seine Leiche bei der East Bridge in den Fluss. Die Strömung trägt ihn hinaus ins Meer, und niemand wird jemals erfahren, dass in Redwood Werwölfe existiert haben.“

„Robert, hörst du dir eigentlich selbst zu?“, fragte Harvey.

Ich ignorierte seinen Einwand und ging zur Tür. Doch bevor ich das Büro verlassen konnte, legte er mir eine Hand auf die Schulter.

„Wir sollten das noch einmal in Ruhe durchgehen. Du kannst da draußen unmöglich allein gegen dieses Ding kämpfen.“

Ich blieb stehen und atmete tief durch. „Uns läuft die Zeit davon, Harvey. Dieser Werwolf sucht seine Welpen. Er ist wütend, und solange er sie nicht findet, wird er alles auseinandernehmen, was ihm in den Weg kommt.“ Ich blickte zur Uhr an der Wand. „In wenigen Minuten erreicht der Vollmond seinen höchsten Stand. Dann wird er noch stärker sein.“ Ich schluckte und wandte mich wieder Harvey zu. „Wenn wir jetzt handeln, können wir ein Massaker verhindern.“

„Und wer verhindert, dass du dabei draufgehst?“

Darauf wusste ich keine Antwort. Zumindest keine, die Harvey beruhigt hätte. „Ich bin der Einzige, der ihm gewachsen sein könnte“, sagte ich schließlich.

Harvey betrachtete mich lange. Dann ließ er meine Schulter los und nickte widerwillig. „Pass auf dich auf, Robert.“

„Ihr auch auf euch.“ Mein Blick wanderte zu Weavor, die noch immer neben dem Schreibtisch stand. Sie wirkte, als wollte sie etwas sagen, entschied sich jedoch dagegen. Ich verließ das Büro und ging den Flur entlang zum Ausgang. „Verriegelt die Tür, sobald ich draußen bin!“, rief ich über meine Schulter.

Draußen empfing mich die kühle Nachtluft. Die Straßenlaternen warfen ihr gelbliches Licht auf die verlassenen Gehwege, während sich über den Dächern der Stadt der Vollmond erhob.

Ich blieb kurz stehen und betrachtete ihn. Es dauerte nur noch wenige Minuten, bis er seinen höchsten Punkt erreichen würde. Mit diesem Moment würden auch die Kräfte der Werwölfe ihren Höhepunkt erreichen.

Über die Jahre hatte ich gelernt, mit dem Wolf in mir zu leben. Ich wusste, wie ich seine Instinkte unterdrücken und selbst bei Vollmond die Kontrolle behalten konnte. Doch heute war alles anders.

Seit Harveys Offenbarung über Ava und ihrer möglichen Verbindung zu Blackwood Industries kreisten meine Gedanken unaufhörlich. Meine Schwester, die ich all die Zeit für verschollen gehalten hatte, war womöglich in die Entführung von Maggie und den Welpen verwickelt. Allein der Gedanke daran ließ meine Wut erneut aufsteigen.

Und genau diese Wut machte mir Sorgen.

Tief in meinem Inneren regte sich der Wolf. Ich konnte spüren, wie er gegen die Kontrolle ankämpfte, die ich ihm so mühsam auferlegt hatte. Mit jeder Minute wurde sein Drängen stärker. Zum ersten Mal seit langer Zeit fürchtete ich, die Verwandlung an diesem Abend kaum verhindern zu können.

Ich senkte den Blick, ging zu meinem Wagen und stieg ein.

Langsam fuhr ich durch die Straßen von Redwood. Die Ausgangssperre schien ihre Wirkung zu zeigen. Die meisten Häuser waren dunkel, und auf den Gehwegen begegnete mir kaum eine Menschenseele. Lediglich zwei Jugendliche entdeckte ich im Park, wo sie trotz der Warnungen noch immer herumlungerten. Ich behielt sie einen Moment im Auge, ehe ich meine Fahrt fortsetzte.

Immer wieder wanderte mein Blick durch die Windschutzscheibe zum Himmel. Der Vollmond stand inzwischen so hoch, dass sein Licht selbst die dunkelsten Straßen erreichte.

Ich bog rechts ab und steuerte den nördlichen Stadtrand an, wo die letzten Wohnhäuser allmählich dem dichten Wald wichen. Dort vermutete ich den Werwolf.

Der Bau der Werwölfin, den wir bei unserem letzten Einsatz entdeckt hatten, lag auf dieser Seite des Waldes. Natürlich konnte ihr Gefährte auch an einer anderen Stelle auftauchen, doch mein Gefühl sagte mir, dass er denselben Weg nehmen würde.

Plötzlich durchfuhr mich ein heftiger Schmerz.

Mein Herz begann wie wild zu schlagen, während sich mein Magen zusammenzog. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, kaum noch Luft zu bekommen.

Der Vollmond hatte seinen Höhepunkt erreicht.

Ich kannte diese Reaktion nur zu gut. Für mich fühlte es sich jedes Mal wie eine Panikattacke an, wenn die Kräfte des Mondes ihren Höhepunkt erreichten. Andere Werwölfe erlebten diesen Moment anders, doch mein Körper reagierte seit jeher mit diesem quälenden Druck in der Brust.

Ich umklammerte das Lenkrad und versuchte, meine Atmung zu kontrollieren. Langsam einatmen. Die Luft halten. Wieder ausatmen.

Es waren dieselben Übungen, die mir über die Jahre geholfen hatten, meinen Verstand zu bewahren.

Gerade als sich mein Herzschlag etwas beruhigte, durchschnitt ein lang gezogenes Heulen die Nacht.

Der Laut kam aus dem Wald.

Sofort versuchte ich, meine Sinne zu schärfen und die Richtung genauer zu bestimmen. Doch der Wolf in mir bäumte sich gegen meinen Widerstand auf. Meine Gedanken überschlugen sich, während ich gleichzeitig versuchte, die Verwandlung aufzuhalten. Der innere Kampf kostete mich einen Großteil meiner Konzentration.

Ich fuhr weiter und suchte die Baumreihe mit meinen Blicken ab. Dann bewegte sich etwas zwischen den Stämmen.

Wenige Meter vor meinem Wagen trat eine gewaltige Wolfsgestalt aus dem Wald.

Ich trat auf die Bremse.

Die Kreatur war riesig. Selbst die Werwölfin, gegen die ich gekämpft hatte, wäre neben diesem Ungetüm beinahe klein erschienen. Er überragte sie um mindestens einen Kopf. Seine breiten Schultern waren von dichtem Fell bedeckt, und seine langen Vorderläufe endeten in mächtigen Pranken.

Langsam setzte er eine Pfote auf die Straße, gefolgt von der nächsten. Dabei hob er immer wieder den Kopf und schnupperte in der Luft.

Ich wagte kaum zu atmen.

Plötzlich hielt er inne. Sein Kopf schnellte in meine Richtung, und seine Lefzen zogen sich zurück. Im Scheinwerferlicht blitzten zwei Reihen gewaltiger Zähne auf.

Er hatte mich gerochen.

Für einen Moment starrten wir einander an. Dann setzte er sich in Bewegung. Erst langsam, beinahe vorsichtig. Mit jedem Schritt kam er meinem Wagen näher.

„Verdammter Mist“, murmelte ich und legte den Rückwärtsgang ein.

Ich setzte zurück, schlug das Lenkrad ein und wendete den Wagen. Im Rückspiegel sah ich, wie der Werwolf plötzlich den Kopf senkte und auf mich zustürmte.

Ich trat das Gaspedal durch.

Der Motor heulte auf, und mein Wagen schoss die Straße entlang. Doch bevor ich ausreichend Abstand gewinnen konnte, sprang die Bestie mit einem gewaltigen Satz auf die Ladefläche meines Pick-ups.

Das gesamte Fahrzeug sackte unter seinem Gewicht ein.

„Scheiße!“

Ich riss das Lenkrad herum und nahm eine scharfe Kurve. Der Wagen geriet ins Schlingern, während sich die Krallen des Werwolfs über das Metall zogen.

Mit einem heftigen Ruck verlor er schließlich den Halt und wurde von der Ladefläche geschleudert.

Im Rückspiegel sah ich, wie sein Körper gegen mehrere Mülltonnen am Straßenrand prallte. Plastikdeckel flogen durch die Luft, und eine der Tonnen rollte scheppernd über den Asphalt.

Doch die Bestie war bereits wieder auf den Beinen.

Sie stieß ein wütendes Knurren aus und setzte mir auf allen vieren nach.

Die Häuser zogen immer schneller an mir vorbei. Mein Blick wechselte ständig zwischen der Straße und dem Rückspiegel. Trotz meiner Geschwindigkeit gelang es mir kaum, den Abstand zu vergrößern.

Der Werwolf war erschreckend schnell.

Mit seinen gewaltigen Sprüngen holte er Meter um Meter auf. Seine Krallen schlugen auf den Asphalt, während er sich mit unglaublicher Kraft vorwärtstrieb.

Plötzlich krachte etwas gegen die Ladefläche.

Der Werwolf hatte mich erneut erreicht und eine seiner Pranken in das Heck meines Pick-ups geschlagen. Für einen Augenblick hob sich die Vorderachse vom Boden. Ich verlor beinahe die Kontrolle über das Lenkrad.

Dann ließ die Bestie los.

Der Wagen schlug hart auf dem Asphalt auf, und ich wurde gegen meinen Sicherheitsgurt geschleudert.

„Komm schon!“, presste ich hervor und trat das Gaspedal noch weiter durch.

Vor mir tauchte endlich das Ortsschild von Redwood auf.

Ich raste daran vorbei und bog bei der nächsten Gelegenheit rechts auf einen Waldweg ab.

Sofort änderten sich die Fahrbedingungen. Der Asphalt endete, und die Reifen gruben sich in den unebenen Schotter. Mein Wagen holperte über tiefe Spurrillen und kleinere Schlaglöcher, sodass ich die Geschwindigkeit deutlich reduzieren musste.

Hier draußen war der Werwolf im Vorteil. Er kannte diesen Wald, während ich mich auf den schmalen Wegen kaum schneller als nötig bewegen konnte.

Ich warf einen Blick in den Rückspiegel. Die Bestie war verschwunden.

Verwirrt sah ich über meine Schulter. Zwischen den Bäumen bewegte sich etwas, doch bevor ich genauer hinsehen konnte, verschwand auch dieser Schatten.

Als ich mich wieder der Straße zuwandte, stockte mir der Atem. Der Werwolf stand mitten auf dem Weg. Er hatte sich auf seine Hinterbeine aufgerichtet und überragte meinen Wagen um ein Vielfaches. Seine Arme hingen seitlich herab, während er mir mit gefletschten Zähnen entgegenstarrte.

Mein Fuß zuckte bereits in Richtung Bremse. Doch dann kam mir ein anderer Gedanke. Wenn ich ihn mit voller Geschwindigkeit erwischte, könnte ich ihn womöglich schwer genug verletzen, um ihm anschließend den Rest zu geben.

Ich umklammerte das Lenkrad und drückte das Gaspedal durch. Der Motor brüllte auf. Der Wagen beschleunigte, während die Bestie regungslos auf dem Weg stehen blieb.

Immer schneller raste ich auf sie zu.

Im letzten Augenblick streckte der Werwolf beide Pranken aus und stemmte sie gegen die Motorhaube. Ein ohrenbetäubender Knall erschütterte den Wagen. Ich wurde nach vorne gerissen und mit voller Wucht vom Sicherheitsgurt aufgefangen. Metall verbog sich kreischend unter den Pranken der Bestie. Der Werwolf rutschte mehrere Meter rückwärts über den Schotter, während die Reifen meines Pick-ups durchdrehten.

Dann kam der Wagen zum Stillstand. Ungläubig starrte ich durch die Windschutzscheibe. Er hatte mich aufgehalten.

Der Werwolf hob langsam den Kopf. Sein Blick traf meinen, und ein tiefes Grollen drang aus seiner Kehle.

Für einen kurzen Moment standen wir uns regungslos gegenüber. Dann riss er sein Maul auf und brüllte. Ich wusste, dass mir nur noch eine Möglichkeit blieb. Ich musste den Wolf in mir entfesseln.

Also schloss ich die Augen und gab den Widerstand auf, gegen den ich den ganzen Abend angekämpft hatte.

Die Verwandlung setzte augenblicklich ein. Ein stechender Schmerz schoss durch meine Wirbelsäule. Meine Knochen knackten, verschoben sich und begannen, sich neu zu formen. Ich krümmte mich auf dem Fahrersitz und schrie auf, während meine Muskeln anschwollen.

Der Werwolf vor mir reagierte auf meinen Schrei mit einem wütenden Brüllen.

Ich hörte, wie seine Krallen über die Motorhaube schrammten. Das Blech gab unter seinem Gewicht nach, als er auf den Wagen kletterte und sich der Windschutzscheibe näherte.

Mein Kiefer schob sich nach vorne. Die Zähne wurden länger, während sich meine Finger verkrampften und zu kräftigen Pranken verformten. Überall auf meiner Haut brach Fell hervor, als würden sich Tausende winziger Nadeln durch mein Fleisch bohren. Ich stieß einen letzten, gequälten Schrei aus, der schließlich in ein tiefes Knurren überging. Dann war es vollbracht. Der Schmerz ließ nach, und an seine Stelle trat eine ungeheure Kraft.

Durch die Windschutzscheibe blickte ich direkt in das Gesicht des anderen Werwolfs. Er fletschte die Zähne und ich erwiderte sein Knurren.

Dann spannte ich meine Muskeln an und sprang.

Mit voller Wucht durchbrach ich die Windschutzscheibe. Glassplitter flogen durch die Luft, während ich mich auf meinen Gegner stürzte und ihn von der Motorhaube riss.

Gemeinsam schlugen wir auf dem Schotterweg auf. Ich landete über ihm und fuhr ihm mit meinen Krallen über die Brust. Das Fell riss auf, und Blut quoll aus mehreren tiefen Wunden. Die Bestie brüllte vor Schmerz. Noch bevor ich erneut zuschlagen konnte, packte sie mich mit beiden Pranken und schleuderte mich von sich.

Ich flog mehrere Meter durch die Luft und schlug hart auf dem Boden auf.

Benommen rappelte ich mich hoch. Mein Gegner war ebenfalls wieder auf den Beinen und schüttelte seinen gewaltigen Kopf. Ich wusste, dass ich ihm in einem direkten Kampf körperlich unterlegen war. Er war größer, schwerer und besaß eine Kraft, der selbst mein verwandelter Körper kaum standhalten konnte.

Anstatt erneut anzugreifen, wandte ich mich ab und rannte los.

Meine Pranken wirbelten den Schotter auf, als ich zwischen den Bäumen hindurch in Richtung East Bridge stürmte.

Hinter mir ertönte ein wütendes Heulen. Der andere Werwolf nahm die Verfolgung auf. Zunächst hörte ich seine schweren Schritte auf dem Boden. Dann verstummten sie plötzlich.

Ich hob den Blick. Über mir bewegte sich ein gewaltiger Schatten zwischen den Baumkronen. Die Bestie hatte sich auf einen der Bäume geschwungen und sprang nun mit erstaunlicher Geschicklichkeit von Stamm zu Stamm. Ihre Krallen gruben sich in die Rinde, bevor sie sich mit einem weiteren kraftvollen Satz durch die Luft katapultierte.

Ein lautes Krachen ertönte über meinem Kopf.

Noch bevor ich reagieren konnte, sprang die Bestie auf mich herab.

Ihr Gewicht riss mich zu Boden. Ich schlug bäuchlings auf dem Schotter auf, während sich ihre gewaltigen Pranken rechts und links neben meinem Körper in den Untergrund gruben.

Ich versuchte, mich aufzurichten, doch der Werwolf drückte mich mit seinem gesamten Gewicht nieder.

Dann spürte ich seine Zähne. Sie bohrten sich tief in meine Schulter. Ein qualvolles Jaulen entrang sich meiner Kehle. Ich wand mich unter seinem Körper, doch jeder Versuch, mich zu befreien, ließ seine Zähne nur noch tiefer in mein Fleisch eindringen.

Mein Blick fiel auf seine Vorderläufe. Mit letzter Kraft drehte ich den Kopf, riss das Maul auf und verbiss mich in eines seiner Beine.

Der Werwolf heulte auf.

Er ließ meine Schulter los und sprang zurück. Sein verletztes Bein knickte kurz ein, während er mich mit gefletschten Zähnen anstarrte.

Ich nutzte den Moment und rappelte mich auf. Meine Schulter brannte höllisch. Warmes Blut rann durch mein Fell und tropfte auf den Boden. Trotzdem zwang ich mich weiterzulaufen.

Hinter mir setzte sich der andere Werwolf erneut in Bewegung.

Seine Schritte klangen nun schwerfälliger. Der Biss hatte Wirkung gezeigt, doch auch meine Verletzung machte sich bemerkbar. Mit jedem Sprung schoss ein stechender Schmerz durch meine Schulter. Wir waren beide langsamer geworden. Trotzdem gelang es mir, den Abstand zu halten, bis der Wald endlich lichter wurde.

Vor mir tauchte die East Bridge auf.

Sie führte über eine tiefe Schlucht, durch die sich ein Fluss seinen Weg zum Meer bahnte. Unter der Brücke rauschte das Wasser zwischen den steilen Felswänden hindurch.

Genau hier hatte ich den Werwolf erledigen wollen. Ich blieb stehen und drehte mich um. Die Bestie trat zwischen den Bäumen hervor. Sie bewegte sich langsamer als zuvor, doch ihr Blick war unverändert. Ihre Zähne waren gefletscht, und aus ihrer Kehle drang ein tiefes, bedrohliches Knurren. Schritt für Schritt kam sie näher.

Ich wich zurück, bis ich die Brücke erreicht hatte. Erst jetzt begriff ich, in welche Lage ich mich gebracht hatte. Hinter mir lag der Abgrund. Der Plan, ihn von der Brücke zu stürzen, hatte sich gegen mich gewendet. Ich war derjenige, der in der Falle saß.

Der Werwolf senkte seinen massigen Kopf und spannte die Muskeln an. Er machte sich zum Sprung bereit.

Ich fletschte die Zähne und versuchte, mich trotz der Schmerzen aufzurichten. Doch meine Beine zitterten, und die Verletzung hatte mich bereits zu viel Kraft gekostet. Für einen Augenblick war ich überzeugt, dass mein Leben hier enden würde.

Ich sah den Werwolf auf mich zukommen.

Dann tauchte plötzlich ein grelles Licht zwischen den Bäumen auf.

Die Bestie drehte den Kopf, doch da war es bereits zu spät.

Ein Wagen schoss aus der Dunkelheit und krachte mit voller Wucht seitlich gegen den Werwolf. Der Aufprall war so heftig, dass die gewaltige Kreatur den Halt verlor und über den Schotter geschleudert wurde. Der Wagen schob sich weiter in Richtung Abgrund. Der Werwolf geriet unter die Vorderseite des Fahrzeugs und versuchte verzweifelt, sich mit seinen Krallen am Boden festzuhalten. Doch seine Pranken fanden auf dem losen Schotter kaum Halt.

Der Fahrer trat auf die Bremse. Die Reifen blockierten, und der Wagen kam unmittelbar vor der Kante zum Stehen. Der Werwolf dagegen rutschte weiter.

Für einen kurzen Moment hing sein gewaltiger Körper über dem Abgrund. Seine Krallen scharrten über den Fels, während er verzweifelt versuchte, sich irgendwo festzuklammern. Dann verlor er den Halt. Mit einem letzten, markerschütternden Jaulen stürzte er in die Tiefe. Sein Schrei hallte zwischen den Felswänden wider, ehe er vom Rauschen des Flusses verschluckt wurde.

Ich stand regungslos da und starrte in den Abgrund.

Das Zuschlagen zweier Autotüren riss mich aus meinen Gedanken.

Ich drehte den Kopf und sah Weavor und Harvey aussteigen.

Als sie mich entdeckten, blieben beide stehen.

Ich wollte auf sie zugehen, doch mein Körper reagierte anders. Meine Muskeln spannten sich an, und ein tiefes Knurren drang aus meiner Kehle. Der Wolf in mir sah zwei Menschen, die sich ihm näherten und er wollte angreifen.

Weavor hob vorsichtig beide Hände. „Ganz ruhig, Robert. Wir sind es.“

Ich erkannte ihre Stimme. Ich wusste, wer vor mir stand, doch meine Instinkte ließen sich nur schwer unterdrücken.

Meine Krallen gruben sich in den Boden.

„Wir sind hier, um dir zu helfen“, sagte Harvey und trat langsam neben Weavor.

Ich stieß ein weiteres Knurren aus.

„Robert“, sagte Weavor mit ruhiger Stimme. „Du hast es geschafft. Es ist vorbei.“

Ich sah sie an. Ihr Gesicht kam mir vertraut vor. Ihre Stimme ebenso. Ich versuchte, mich daran festzuhalten und die aufsteigende Aggression zu unterdrücken.

Langsam senkte ich den Kopf. Mein Atem ging schwer. Das Herz raste noch immer in meiner Brust, während das Blut aus meiner verletzten Schulter tropfte. Ich konzentrierte mich auf meine Atmung.

Allmählich ließ die Anspannung in meinen Muskeln nach. Das Knurren verstummte, und meine Gedanken wurden klarer.

Ich schloss die Augen und ließ die Rückverwandlung zu.

Erneut begannen meine Knochen zu knacken. Mein Körper schrumpfte, die langen Pranken zogen sich zurück, und das dichte Fell verschwand langsam unter meiner Haut. Ein gequältes Stöhnen entwich mir, als ich auf die Knie sank.

„Harvey, hol die Decke aus meinem Kofferraum!“, rief Weavor.

Harvey eilte zum Wagen, öffnete den Kofferraum und kam kurz darauf mit einer großen Decke zurück.

Er kniete sich neben mich und legte sie vorsichtig über meine Schultern, während meine Verwandlung ihren Abschluss fand.

„Ganz ruhig. Wir haben dich.“

Ich konnte kaum antworten. Jeder Knochen in meinem Körper schmerzte, und mein Atem ging noch immer unregelmäßig.

Als ich wieder vollständig menschlich war, zeigte sich das Ausmaß meiner Verletzungen. Meine Schulter war tief aufgerissen. Blut lief über meinen Oberkörper und färbte die Decke dunkelrot. Die Wunde, die mir der Werwolf zugefügt hatte, sah in meiner menschlichen Gestalt noch schlimmer aus.

Harvey betrachtete sie mit besorgtem Blick. „Verdammt, Robert.“

Ich versuchte, etwas zu sagen, doch meine Stimme versagte.

„Spar dir deine Kräfte“, sagte er und schob vorsichtig einen Arm unter meine gesunde Schulter. „Wir kriegen dich wieder gesund.“

Weavor kam auf meine andere Seite und half ihm, mich aufzurichten.

Ein heftiger Schmerz schoss durch meinen Körper, und ich biss die Zähne zusammen.

Gemeinsam stützten sie mich, während wir uns langsam zum Wagen bewegten.

Ich warf einen letzten Blick zurück zur Brücke.

Der Werwolf war verschwunden. Tief unter uns rauschte der Fluss unaufhörlich seinem Weg zum Meer entgegen. Zumindest diese Gefahr war vorerst gebannt. Doch während Harvey und Weavor mir zum Wagen halfen, dachte ich bereits wieder an Maggie und die Welpen.

Meine Schwester hatte mir noch einiges zu erklären.

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Heartwarming

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Heartwarming

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Good Writing

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Good Writing

Compelling Plot

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Compelling Plot

Great Character

1

Great Character

Strong Dialog

1

Strong Dialog

author

Spannender Auftakt für die Fortsetzung 🫶
Der Werwolf ist weg, auch wenn es knapp war.
Ohne Weaver und Harvey wäre es für Robert wahrscheinlich nicht so gut ausgegangen 😮‍💨

18 minutes

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