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Das Halsband des Verräters

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Summary

Willkommen in einer Welt, in der Macht ihren Preis hat, Loyalität zur tödlichen Falle werden kann und Verrat oft dort beginnt, wo man ihn am wenigsten erwartet. Das Halsband des Verräters ist eine eigenständige Dark-Fantasy-Werwolfgeschichte für ein erwachsenes Publikum. Sie handelt von Machtkämpfen, Intrigen, zerbrochenem Vertrauen und dem schmalen Grat zwischen Kontrolle und Freiheit. Im Mittelpunkt stehen Charaktere mit Ecken und Kanten, eigenen Motiven und nicht immer ehrenhaften Absichten. Nicht jeder ist das, was er auf den ersten Blick zu sein scheint. Und nicht jeder Kampf wird mit Zähnen und Klauen entschieden. Die Geschichte enthält düstere Themen, Gewalt, psychologische Manipulation und erwachsene Inhalte. Sie ist bewusst für Leserinnen und Leser ab 18 Jahren gedacht. Macht es euch bequem, begleitet mich in diese Welt und findet selbst heraus, wem ihr vertrauen könnt. Denn eines sollte von Anfang an klar sein: Nicht jeder, der ein Halsband trägt, hat sich unterworfen.

Genre
Fantasy
Author
Patty P
Status
2d ago
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog - Ein Spiel ohne Regeln


Sharko

Das Blut auf dem Steinboden war inzwischen getrocknet.

Sharko betrachtete die dunklen Flecken vor seinen Füßen, während er versuchte, seine Atmung unter Kontrolle zu halten. Sein Körper schmerzte an Stellen, von denen er bis vor wenigen Stunden nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gab. Die Haut über seinen Rippen war aufgerissen, seine Unterlippe geplatzt, und an seiner Schläfe klebte getrocknetes Blut. Das linke Handgelenk war vom Eisen der Fesseln wund gescheuert.

Er hatte schon bessere Tage erlebt.

Deutlich bessere.

Die Ketten an seinen Handgelenken waren an der Wand befestigt. Sie erlaubten ihm gerade genug Bewegung, um sich aufzurichten, aber nicht genug, um die Fesseln zu erreichen. Das Metall war kalt und schwer. Um seinen Hals lag ein schmales, dunkles Halsband, dessen Oberfläche von feinen, kaum sichtbaren Zeichen durchzogen war.

Es war nicht dafür gedacht, ihn zu töten.

Das wäre zu einfach gewesen.

Die Magie darin unterdrückte Shadow, schnitt ihn von einem Teil seiner Kraft ab und sorgte dafür, dass jeder Versuch, sich gegen die Fesseln aufzulehnen, mit einem stechenden Schmerz beantwortet wurde.

Ein Halsband. Wie aufmerksam. Fehlt nur noch, dass er mir einen Namen gibt und erwartet, dass ich darauf höre.

Ein bitteres Lächeln huschte über Sharkos Gesicht.

Die Tür am anderen Ende des Raumes blieb geschlossen. Dahinter waren Stimmen zu hören, dann Schritte. Mehrere Männer näherten sich, doch nur einer von ihnen schien es nicht eilig zu haben.

Malo.

Sharko hob langsam den Kopf.

Die Tür öffnete sich, und der Alpha trat ein, als würde er einen seiner Gäste in einem Salon besuchen. Er trug ein makellos sitzendes schwarzes Hemd, die Ärmel waren bis zu den Unterarmen hochgeschoben. Sein dunkles Haar war ordentlich zurückgestrichen, sein Gesicht zeigte keinerlei Anzeichen von Anspannung.

Er war ein Mann, der sich seiner Wirkung bewusst war.

Nicht unbedingt der größte oder massigste Alpha, dem Sharko je begegnet war, aber einer, der seine Präsenz auf andere Weise durchsetzte. Malo brauchte weder eine laute Stimme noch demonstrative Drohungen. Er besaß die unangenehme Fähigkeit, einen Raum zu betreten und sofort den Eindruck zu vermitteln, dass er bereits wusste, wie das Gespräch enden würde.

Hinter ihm blieb ein Wächter stehen.

Malo warf ihm einen kurzen Blick zu.

„Draußen warten.“

Der Mann gehorchte, und als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, wandte Malo seine Aufmerksamkeit wieder dem Gefangenen zu.

Er ließ sich Zeit, Sharko zu mustern, wobei sein Blick kurz an den aufgeriebenen Handgelenken und schließlich an dem dunklen Halsband hängen blieb.

„Du siehst müde aus“, bemerkte er mit einer beinahe freundlichen Gelassenheit.

Sharko hob eine Augenbraue, obwohl bereits diese kleine Bewegung an seinen Schläfen zog.

„Und du siehst aus, als hättest du heute Morgen zu lange in den Spiegel geschaut“, erwiderte er heiser. „Wir alle haben offenbar unsere Probleme.“

Ein kaum wahrnehmbares Lächeln legte sich auf Malos Lippen.

„Dein Humor ist bemerkenswert. Selbst nachdem meine Männer sich so viel Mühe gegeben haben, ihn dir auszutreiben.“

„Dann solltest du ihnen vielleicht eine andere Aufgabe geben“, zischte Sharko und zog die Handgelenke ein Stück gegen die Fesseln. „Für körperliche Arbeit scheinen sie geeignet zu sein. Für Erziehung fehlt ihnen offensichtlich das Talent.“

Malo lachte leise, beinahe amüsiert, bevor er einen Stuhl heranzog und sich seinem Gefangenen gegenüber niederließ.

„Weißt du, was ich an dir interessant finde?“

Sharko ließ den Kopf leicht zur Seite sinken.

„Dass du trotz meiner Gesellschaft noch immer nicht gelernt hast, gute Fragen zu stellen?“

„Nein“, erwiderte Malo ruhig. „Es ist deine Fähigkeit, selbst dann noch den Eindruck zu vermitteln, du würdest die Kontrolle behalten, wenn du längst keine mehr hast.“

Sharko musterte ihn einen Moment.

„Du verwechselst Kontrolle mit Macht“, entgegnete er schließlich. „Das passiert offenbar häufiger, wenn man zu lange von Männern umgeben ist, die einem nach dem Mund reden.“

Malo verschränkte die Hände vor sich.

„Du hältst dich für einen außergewöhnlichen Alpha. Du hast mehrere Rudel unter deinem Schutz vereint, dir Verbündete geschaffen und dir einen Namen gemacht. Deine Leute vertrauen dir, weil sie glauben, dass du sie beschützen kannst.“

Er ließ die Worte bewusst einen Augenblick im Raum stehen, bevor er fortfuhr.

„Aber ich frage mich, ob sie dir auch dann noch folgen würden, wenn sie wüssten, wie viel Blut du bereits für deine Macht vergossen hast.“

Sharko verzog keine Miene.

Da ist er also. Der erste Versuch, mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Wie einfallsreich.

„Du solltest vorsichtig sein, Malo“, murmelte er mit einem schiefen Grinsen. „Wenn du noch länger über meine Vergangenheit sprichst, könnte ich am Ende glauben, du wärst an mir interessiert.“

„Vielleicht bin ich das“, gab Malo zurück, ohne den Blick von ihm abzuwenden.

„Dann hoffe ich, dass du bessere Vorlieben hast, als Männer an Ketten zu legen.“

Das Lächeln des anderen wurde ein wenig breiter.

„Du weichst aus.“

„Und du stellst Fragen, auf die du die Antworten längst zu kennen glaubst.“

Malo erhob sich und ging langsam um den Stuhl herum. Seine Schritte hallten über den Steinboden, bis er hinter Sharko stehen blieb. Eine Hand legte er auf die Lehne, während er sich leicht nach vorn beugte.

„Genau deshalb wollte ich dich lebend“, sagte er mit gedämpfter Stimme.

Sharko drehte den Kopf so weit, wie es die Fesseln zuließen.

„Weil du dich gerne reden hörst?“

„Weil du mehr bist als ein Alpha mit einem großen Territorium.“ Malos Stimme blieb ruhig, doch seine Worte wurden mit jedem Satz bedachter. „Du bist ein Symbol für die Rudel, die sich dir angeschlossen haben. Für jene, die glauben, dass sie sich gegen mich behaupten können. Solange du frei bist, werden sie an deiner Seite stehen.“

Er machte eine kurze Pause.

„Wenn du jedoch vor ihnen kniest, wird sich vieles ändern.“

Sharko ließ ein leises, raues Lachen hören.

„Du möchtest also, dass ich mich unterwerfe, damit deine Anhänger nachts besser schlafen können?“

„Ich möchte, dass du erkennst, dass dein Widerstand sinnlos ist.“

„Das ist bedauerlich.“ Sharko hob den Kopf ein wenig weiter, soweit es ihm möglich war, und sah Malo direkt an. „Ich hatte gehofft, du hättest ein ambitionierteres Ziel.“

Für einen Moment blieb Malo regungslos.

Dann trat er wieder vor Sharko und betrachtete ihn mit einer Aufmerksamkeit, die beinahe unangenehmer war als die Drohungen seiner Männer.

„Du hast Menschen, die dir wichtig sind. Verbündete, die sich auf dich verlassen. Männer, die für dich kämpfen würden. Und du hast Schwächen, Sharko. Jeder hat sie.“

Sharko schwieg.

Malo beugte sich erneut zu ihm hinunter. Diesmal kam er so nahe, dass seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern war.

„Du glaubst, deine Loyalität macht dich stark. Aber Loyalität ist eine hervorragende Möglichkeit, einen Mann zu kontrollieren.“

Sein Blick wanderte kurz über Sharkos Gesicht, als wollte er jede noch so kleine Reaktion festhalten.

„Man muss nur wissen, wen man ihm nehmen muss.“

Sharkos Kiefer spannte sich an.

Es war eine kleine Reaktion. Kaum sichtbar. Doch Malo bemerkte sie.

Natürlich bemerkte er sie.

Da bist du also. Du suchst nicht nach meiner Angst. Du suchst nach etwas, das ich nicht verlieren will.

Sharko hob langsam den Kopf und begegnete seinem Blick.

„Du solltest dir einen anderen Beruf suchen“, flüsterte er mit einem dünnen Lächeln. „Als Wahrsager bist du eine Katastrophe.“

Malo richtete sich wieder auf.

„Du wirst noch verstehen, dass ich dir eine Wahl anbiete.“

Sharko stieß ein kurzes, ungläubiges Lachen aus.

„Eine Wahl?“ Seine Stimme klang rau, doch der Spott darin war unüberhörbar. „Du hast mich an die Wand gekettet, mir ein Halsband umgelegt und lässt deine Männer regelmäßig versuchen, mich zu brechen. Wenn das deine Vorstellung von Wahlmöglichkeiten ist, möchte ich nicht wissen, wie du ein Gespräch über freiwillige Entscheidungen führst.“

„Du kannst dich unterwerfen und dein Rudel bleibt verschont“, erwiderte Malo, als spräche er über eine geschäftliche Vereinbarung.

Sharko betrachtete ihn lange.

Dann hob er das Kinn.

„Du erwartest ernsthaft, dass ich dir glaube?“

„Ich erwarte, dass du darüber nachdenkst.“

„Dann muss ich dich enttäuschen.“ Sharkos Stimme wurde kälter. „Ich habe nicht vor, meine Leute gegen ein Versprechen einzutauschen, das du ohnehin nicht halten würdest.“

Malo ließ den Blick nicht von ihm.

„Du bist also bereit, sie für deinen Stolz sterben zu lassen?“

Sharko lachte nicht mehr.

„Mein Stolz?“

Seine Stimme war leise geworden, und gerade deshalb lag in ihr eine Schärfe, die selbst Malo nicht entgehen konnte.

„Du hast offenbar noch immer nicht verstanden, was ein Alpha ist. Es geht nicht darum, wie viele Wölfe vor ihm knien. Es geht darum, wem er Verantwortung schuldet und wofür er bereit ist einzustehen.“

Er hielt Malos Blick fest.

„Du kannst ihnen drohen. Du kannst ihnen Angst machen. Du kannst ihnen erzählen, dass ich sie im Stich gelassen habe. Aber du wirst nicht von mir bekommen, was du willst.“

Malo schwieg für einen langen Moment.

Dann ging er langsam vor ihm in die Hocke, bis sich ihre Gesichter beinahe auf gleicher Höhe befanden. Seine Augen wirkten im schwachen Licht beinahe schwarz, während sich auf seinen Lippen ein Ausdruck ausbreitete, der irgendwo zwischen Belustigung und Verachtung lag.

„Du bist sehr überzeugt von dir, Sharko.“

„Ich versuche nur, dir den Abend nicht unnötig schwer zu machen.“

Malo schmunzelte, doch seine Augen blieben kalt.

„Du glaubst, ich brauche deine Zustimmung?“

„Nein.“ Sharko neigte den Kopf ein wenig. „Ich glaube, du brauchst sie mehr, als du zugeben möchtest.“

Für einen Moment veränderte sich Malos Gesichtsausdruck.

Es war nur ein winziger Riss in seiner sorgfältig gepflegten Gelassenheit. Aber Sharko sah ihn.

Und er genoss es.

Da ist sie. Die Stelle, an der du nicht so unantastbar bist, wie du gerne wärst.

Malo hob eine Hand und legte zwei Finger an das Halsband.

„Du solltest dir überlegen, wie lange du diesen Widerstand noch aufrechterhalten kannst“, flüsterte er.

Ein kaum sichtbares Zeichen leuchtete auf dem dunklen Metall.

Der Schmerz kam ohne Vorwarnung.

Sharkos Körper spannte sich an. Ein brennender Druck zog von seinem Hals durch die Brust, bis hinunter in seine Glieder. Shadow bäumte sich in seinem Inneren auf, versuchte gegen die Magie anzukämpfen und wurde zurückgedrängt.

Sharko biss die Zähne zusammen.

Er würde Malo nicht das Vergnügen bereiten, ihn um Gnade bitten zu sehen.

Der Schmerz hielt an, bis Malos Finger sich wieder vom Metall lösten.

Sharko atmete schwer. Ein dünner Schweißfilm lag auf seiner Stirn, doch als er den Kopf hob, lag noch immer ein spöttischer Ausdruck in seinen Augen.

„War das der Teil, bei dem ich beeindruckt sein sollte?“, brachte er heiser hervor.

Malo betrachtete ihn, ohne sich die Mühe zu machen, seine Zufriedenheit zu verbergen.

„Du wirst lernen.“

„Du wiederholst dich“, zischte Sharko. „Wird das nicht langsam langweilig?“

Malo richtete sich auf und strich seine Ärmel glatt.

„Du verwechselst Geduld mit Nachsicht, Sharko. Ich kann mir Zeit lassen. Ich habe Männer, die deine Grenzen überwachen, ein Rudel, das nicht weiß, wo du bist, und genügend Möglichkeiten, dir jeden Tag ein Stück deiner Sicherheit zu nehmen.“

Er ging zur Tür, blieb jedoch noch einmal stehen.

„Du hingegen hast nur deinen Stolz.“

Sharko hob den Blick.

„Und trotzdem bist du persönlich hier.“ Seine Mundwinkel zuckten. „Das muss dich ziemlich beschäftigen.“

Malo drehte sich langsam um.

„Ich möchte, dass du eines verstehst. Ich habe dich nicht hierhergebracht, um dich einfach nur zu töten. Ein toter Alpha ist ein abgeschlossenes Problem. Ein lebender Alpha, der sich unterwirft, ist eine Botschaft.“

Sharko schwieg.

Malo trat noch einmal näher, bis er direkt vor ihm stand.

„Du wirst vor mir knien. Nicht, weil deine Beine dich nicht mehr tragen, sondern weil du selbst erkennst, dass es keinen anderen Weg gibt.“

Seine Stimme wurde leiser, beinahe vertraulich.

„Und wenn dieser Moment kommt, werde ich dafür sorgen, dass du dich daran erinnerst.“

Sharko sah ihn an, ohne zu blinzeln.

„Dann solltest du hoffen, dass du lange genug lebst, um ihn zu erleben.“

Für einen Sekundenbruchteil verschwand Malos Lächeln.

Dann wandte er sich ab und verließ den Raum.

Die Tür fiel ins Schloss. Das Schloss rastete ein, und seine Schritte verklangen langsam auf dem Gang.

Erst als die Stille zurückkehrte, ließ Sharko den Kopf gegen die kalte Steinwand sinken.

Seine Atmung war flach. Das Halsband lag schwer auf seinem Hals, und Shadow war noch immer kaum mehr als ein wütendes Flüstern in seinem Inneren.

Für einige Sekunden schloss Sharko die Augen.

Er will nicht meinen Tod. Er will meine Zustimmung. Er will, dass ich ihm freiwillig gebe, was er mir nicht nehmen kann.

Ein bitteres Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab.

Dann wird er sich wohl noch eine Weile gedulden müssen.

Sharko öffnete die Augen und betrachtete die Tür.

Er wusste nicht, wie viele Tage er noch in diesem Kerker verbringen würde. Er wusste nicht, wie viele Männer Malo gegen ihn aufbringen konnte oder welche weiteren Mittel er einsetzen würde, um seinen Willen zu brechen.

Aber er wusste, dass sein Gegner einen Fehler machte.

Malo glaubte, Sharko sei ein Mann, den man nur lange genug unter Druck setzen müsse, bis er irgendwann nachgab.

Er hatte noch nicht verstanden, dass Sharko unter Druck nicht zwangsläufig zerbrach.

Manchmal wurde er erst richtig gefährlich.

Und irgendwo hinter den Mauern dieser Festung begann Sharko bereits, nach einem Weg hinaus zu suchen.

Nicht, weil er glaubte, dass Malo ihn gehen lassen würde.

Sondern weil er nicht vorhatte, ihn darum zu bitten.

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