Chapter 1
Elara
Am Tag vor meinem einundzwanzigsten Geburtstag verbrenne ich mir die Finger an einem Backblech.
Nicht gerade der märchenhafte Beginn eines neuen Lebensabschnitts.
„Verdammt!“
Ich ziehe meine Hand zurück und presse die Fingerspitzen gegen meine Schürze.
„Elara!“, ruft Mara vom anderen Ende der Küche. „Was habe ich dir über heiße Bleche gesagt?“
„Dass sie heiß sind?“
„Dass du gefälligst Handschuhe benutzen sollst.“
„Das klingt nach einem ziemlich unrealistischen Anspruch an meine Intelligenz.“
Mara schnaubt, doch ich sehe das kleine Lächeln, das sich auf ihre Lippen schleicht.
Immerhin eine Person, die heute wegen mir lächelt.
Ich werfe einen Blick auf die große Wanduhr über der Küchentür.
Sechs Uhr siebzehn.
Seit fast zwei Stunden stehe ich bereits auf den Beinen. Meine Füße schmerzen, meine Haare haben sich aus dem hastig gebundenen Zopf gelöst und meine Schürze sieht aus, als hätte ich einen persönlichen Krieg gegen Mehl verloren.
Alles in allem ein ziemlich gewöhnlicher Morgen.
Nur dass ich morgen einundzwanzig werde.
Einundzwanzig.
Das Alter, in dem Werwölfe zum ersten Mal ihre Gefährten erkennen können.
Das Alter, auf das die meisten Mädchen unseres Rudels seit Jahren hinfiebern.
Und ich?
Ich bin hauptsächlich damit beschäftigt, zweihundert kleine Zitronentörtchen für die morgige Gefährtenzeremonie vorzubereiten.
Romantisch, nicht wahr?
„Du solltest heute gar nicht hier sein“, murmelt Mara, während sie neben mir eine Schüssel abstellt.
Ich zucke mit den Schultern.
„Und wer soll dann die Törtchen machen? Vanessa Thorn? Ich glaube, ihre frisch manikürten Finger würden den Kontakt mit einem Schneebesen nicht überleben.“
Mara lacht leise.
„Du bist unmöglich.“
„Aber charmant.“
„Manchmal.“
Ich grinse und greife nach dem nächsten Törtchen.
Mara ist seit sieben Jahren so etwas wie meine Familie. Sie hat mich unter ihre Fittiche genommen, als ich nach dem Tod meiner Mutter endgültig allein dastand.
Sie hat mir beigebracht, wie man kocht, wie man sich gegen die schlimmsten Gemeinheiten mit einem Lächeln wehrt und wie man weint, ohne dass es jemand bemerkt.
Letzteres hätte ich lieber nie lernen müssen.
„Schon mal alles Gute zum Geburtstag für morgen, mein Mädchen.“
Ihre Worte kommen so unerwartet, dass ich mitten in der Bewegung innehalte.
Als ich aufblicke, hält sie mir ein kleines, in braunes Papier gewickeltes Päckchen entgegen.
„Mara …“
„Keine Widerrede.“
„Du weißt, dass du mir nichts schenken musst.“
„Und du weißt, dass mich deine Meinung dazu herzlich wenig interessiert.“
Ich nehme das Päckchen vorsichtig entgegen.
Darin liegt eine schmale silberne Kette mit einem winzigen Halbmond als Anhänger.
Für einen Moment bekomme ich kein Wort heraus.
„Sie ist wunderschön.“
„Deine Mutter hat den Mond immer geliebt“, sagt Mara leise. „Ich dachte, vielleicht gefällt sie dir.“
Meine Finger schließen sich um den Anhänger.
Meine Mutter.
Manchmal habe ich Angst, ihre Stimme zu vergessen.
Ihr Lachen.
Die Art, wie sie mir früher über die Haare gestrichen hat, wenn ich nicht einschlafen konnte.
„Danke“, flüstere ich.
Mara legt mir eine Hand auf die Wange.
„Sie wäre stolz auf dich.“
Ich senke den Blick.
Das glaube ich nicht immer.
Denn meine Mutter war eine Wölfin.
Eine starke sogar.
Und ich bin …
Nun ja.
Ich.
Eine Omega ohne Wolf.
In unserem Rudel erwachen die Wölfe normalerweise zwischen dem sechzehnten und achtzehnten Lebensjahr. Manchmal früher, manchmal etwas später.
Bei mir ist nichts passiert.
Kein erstes Knurren in meinem Kopf.
Kein fremder Instinkt.
Keine Verwandlung.
Nicht einmal ein winziges Zeichen, dass irgendwo tief in mir ein zweites Wesen existiert.
Mit achtzehn habe ich noch gehofft.
Mit neunzehn habe ich angefangen, Ausreden zu erfinden.
Mit zwanzig habe ich aufgehört, darauf zu warten.
Und morgen, an meinem einundzwanzigsten Geburtstag, weiß ich längst, was die anderen über mich denken.
Wolflos.
Schwach.
Nutzlos.
Eine Omega, die nicht einmal eine richtige Omega ist.
„Du denkst schon wieder zu viel“, sagt Mara.
„Das ist eine meiner wenigen Begabungen.“
„Du hast viele Begabungen, Elara.“
„Törtchen dekorieren und sarkastische Bemerkungen machen zählen nicht.“
„Für mich schon.“
Ich lächle.
Doch bevor ich etwas erwidern kann, verändert sich die Atmosphäre in der Küche.
Es ist kaum wahrnehmbar.
Ein plötzliches Verstummen der Gespräche.
Ein Rascheln von Kleidung.
Das leise Klirren eines Löffels, der auf den Boden fällt.
Und dann spüre ich es.
Diese Präsenz.
Mächtig.
Unübersehbar.
Mein Herz macht einen vollkommen lächerlichen Sprung.
Nein.
Bitte nicht jetzt.
„Alpha Blackwood.“
Einer der Köche senkt respektvoll den Kopf.
Ich brauche mich nicht umzudrehen, um zu wissen, wer gerade den Raum betreten hat.
Damon Blackwood.
Vierundzwanzig Jahre alt.
Alpha des Silverpine-Rudels.
Und der Mann, in den ich seit Jahren hoffnungslos verliebt bin.
Eine ausgesprochen unpraktische Schwärmerei, wenn man bedenkt, dass er vermutlich mehr Zeit damit verbringt, über die Sicherheit unserer Grenzen nachzudenken, als über die Existenz einer kleinen Küchenhilfe.
Ich drehe mich trotzdem um.
Natürlich tue ich das.
Ich bin schließlich nur wolflos, nicht blind.
Damon steht in der Tür, gekleidet in eine schwarze Hose und ein dunkles Hemd, dessen Ärmel bis zu den Unterarmen hochgeschoben sind.
Seine schwarzen Haare sind leicht zerzaust, als wäre er gerade erst von einem Training zurückgekommen.
Und seine Augen …
Götter.
Diese Augen.
Ein tiefes, beinahe unnatürliches Grün.
Ich habe einmal gehört, dass sein Wolf Ragnar dieselbe Augenfarbe besitzt.
Nicht, dass ich Ragnar jemals gesehen hätte.
Damon verwandelt sich selten vor anderen.
Neben ihm steht Kieran Holt, sein Beta und bester Freund.
Während Kieran freundlich in die Runde nickt, sieht Damon aus, als hätte jemand persönlich beschlossen, seinen Tag zu ruinieren.
Also eigentlich wie immer.
„Die Vorbereitungen für morgen Abend?“, fragt Damon.
Seine Stimme ist tief und ruhig.
Ich hasse es, wie sehr ich sie mag.
„Laufen nach Plan, Alpha“, antwortet Mara.
„Gut.“
Sein Blick wandert durch die Küche.
Über die Bleche.
Die Blumenarrangements.
Die halb fertigen Törtchen.
Und schließlich …
Zu mir.
Mein Herz bleibt stehen.
Zumindest fühlt es sich so an.
Seine grünen Augen ruhen einen Moment auf meinem Gesicht.
„Elara.“
Er kennt meinen Namen.
Natürlich kennt er meinen Namen.
Ich arbeite seit Jahren hier.
Trotzdem reagiert mein Gehirn jedes Mal, als hätte er mir gerade einen Heiratsantrag gemacht.
„Alpha.“
Großartig.
Sehr eloquent.
„Sind die Desserts bis morgen Abend fertig?“
„Ja.“
Eine Pause.
„Also, wenn niemand beschließt, sie vorher alle zu essen.“
Kieran grinst.
Damon hebt eine Augenbraue.
Ich möchte sterben.
Am liebsten sofort.
Warum kann ich nicht einfach den Mund halten?
Doch dann passiert etwas Merkwürdiges.
Sein Mundwinkel zuckt.
Nur ganz leicht.
So schnell, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich es wirklich gesehen habe.
„Dann hoffe ich, dass unser Rudel morgen etwas Selbstbeherrschung beweist.“
„Das wäre tatsächlich eine Premiere“, murmle ich.
Kieran lacht.
Diesmal sehe ich es deutlich.
Damon lächelt.
Nicht breit.
Nicht lange.
Aber er lächelt.
Und ich bin offiziell verloren.
„Komm, Damon“, sagt Kieran. „Wir müssen noch die Sicherheitspläne durchgehen.“
Damon nickt.
Dann bleibt er noch einmal stehen.
„Ach, Elara?“
Ich sehe auf.
„Ja?“
„Alles Gute für morgen.“
Fünf Worte.
Fünf vollkommen gewöhnliche Worte.
Und trotzdem fühlt es sich an, als hätte jemand die Sonne mitten in meiner Brust angezündet.
„Danke“, bringe ich hervor.
Er nickt knapp und verlässt mit Kieran die Küche.
Ich starre auf die leere Tür.
Eins.
Zwei.
Drei.
„Du kannst wieder atmen“, bemerkt Mara trocken.
Ich fahre herum.
„Ich habe geatmet!“
„Natürlich.“
„Ganz normal sogar.“
„Wenn du meinst.“
Ich greife nach einem Spritzbeutel.
„Ich weiß nicht, wovon du redest.“
Mara betrachtet mich mit diesem unerträglich wissenden Blick.
„Elara.“
„Mara.“
„Er ist der Alpha.“
„Das ist mir bekannt.“
„Und du solltest dein Herz nicht an jemanden verschenken, der es vielleicht nicht einmal bemerkt.“
Meine Finger erstarren.
Für einen Moment verschwindet mein Lächeln.
„Ich weiß.“
Und das tue ich wirklich.
Ich weiß, dass Damon Blackwood niemals eine Frau wie mich ansehen wird.
Nicht so.
Nicht auf die Weise, von der ich manchmal nachts träume.
Er braucht eine Luna.
Eine starke Wölfin.
Jemanden, der an seiner Seite stehen kann, wenn die anderen Alphas ihre Macht demonstrieren.
Jemanden wie Vanessa Thorn.
Nicht jemanden wie mich.
„Ich erwarte nichts“, sage ich leise.
Mara sieht mich traurig an.
„Das macht es nicht weniger gefährlich, mein Mädchen.“
Am Nachmittag habe ich Sahne in den Haaren, Mehl auf der Wange und den ernsthaften Wunsch, mich für die nächsten drei Jahre unter meiner Bettdecke zu verstecken.
Leider hat das Schicksal andere Pläne.
In Form von Vanessa Thorn.
„Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein!“
Ihre schrille Stimme hallt durch die Küche.
Ich schließe kurz die Augen.
Bitte, Mondgöttin.
Nicht heute.
Als ich mich umdrehe, steht Vanessa vor einem Tablett mit Gebäck und betrachtet es, als hätte ich ihr persönlich eine tote Ratte serviert.
Sie ist wunderschön.
Das muss man ihr lassen.
Lange blonde Haare, makellose Haut, eine schlanke Figur und die selbstverständliche Arroganz einer Frau, die ihr ganzes Leben lang bekommen hat, was sie wollte.
„Gibt es ein Problem?“, frage ich höflich.
„Diese Dekoration ist schrecklich.“
Ich betrachte die kleinen silbernen Zuckersterne auf den Törtchen.
„Die Sterne?“
„Natürlich die Sterne! Was denn sonst?“
„Ich wollte nur sichergehen. Es wäre tragisch, wenn wir über unterschiedliche Katastrophen sprechen.“
Mara hustet hinter mir verdächtig laut.
Vanessas Augen verengen sich.
„Du hältst dich wohl für besonders witzig.“
„Eigentlich nicht.“
„Dann hör auf, so mit mir zu reden.“
Ich senke den Blick.
„Entschuldigung.“
Sie schnaubt.
„Unglaublich, dass man jemanden wie dich überhaupt bei der Zeremonie arbeiten lässt.“
Ihre Worte treffen mich, obwohl ich sie längst gewohnt bin.
„Ich mache nur meinen Job.“
„Dann mach ihn ordentlich.“
Sie greift nach einer Tasse Tee, die neben dem Tablett steht, und schiebt sie mir entgegen.
„Bring das in den großen Saal.“
Ich nehme die Tasse.
Doch als ich an ihr vorbeigehen will, macht sie einen kleinen Schritt zur Seite.
Mein Arm stößt gegen ihren Ellenbogen.
Heißer Tee schwappt über den Rand.
Ein paar Tropfen landen auf ihrem Ärmel.
Vanessa kreischt.
„Bist du vollkommen unfähig?“
„Es tut mir leid! Du bist gegen meinen Arm …“
„Willst du mir etwa die Schuld geben?“
Mehrere Köpfe drehen sich zu uns.
Mein Gesicht wird heiß.
„Nein. Natürlich nicht.“
„Sieh dir das an!“
Vanessa hält ihren Ärmel hoch.
Drei winzige Teeflecken.
Eine Tragödie historischen Ausmaßes.
„Vielleicht sollte man dich endlich aus dem Rudel werfen“, zischt sie. „Eine wolfslose Omega, die nicht einmal Tee tragen kann.“
Ich spüre die Blicke.
Das Tuscheln.
Das bekannte Brennen hinter meinen Augen.
Nicht weinen.
Nicht hier.
Nicht vor ihr.
„Vanessa.“
Die tiefe Stimme kommt von der Tür.
Mein Herz zieht sich zusammen.
Damon.
Er steht im Eingang, sein Blick auf uns gerichtet.
Vanessas Gesicht verändert sich augenblicklich.
„Damon! Diese ungeschickte Kleine hat meinen Ärmel ruiniert.“
Er betrachtet den Fleck.
Dann mich.
Für einen winzigen Moment hoffe ich.
Ich weiß nicht einmal genau, worauf.
Vielleicht darauf, dass er fragt, was passiert ist.
Dass er erkennt, wie Vanessa mich ansieht.
Dass er ein einziges Mal …
„Wir haben wichtigere Dinge zu erledigen“, sagt er schließlich.
Sein Ton ist kühl.
Vanessa lächelt zufrieden.
„Natürlich.“
Damon wendet sich bereits wieder ab.
„Komm.“
Und sie folgt ihm.
Einfach so.
Ohne einen weiteren Blick auf mich.
Ich starre auf die Stelle, an der er gestanden hat.
Es ist lächerlich.
Er hat nichts versprochen.
Er schuldet mir nichts.
Und trotzdem tut es weh.
Mehr, als es sollte.
„Elara“, sagt Mara vorsichtig.
Ich zwinge mich zu einem Lächeln.
„Alles gut.“
Die größte Lüge meines Lebens.
Am nächsten Morgen wache ich auf und starre einen Moment lang an die Zimmerdecke.
Einundzwanzig.
Heute bin ich tatsächlich einundzwanzig.
Ich fühle mich nicht anders.
Keine geheimnisvolle Stimme in meinem Kopf. Kein plötzliches Kribbeln unter meiner Haut. Keine Wölfin, die sich endlich bemerkbar macht.
Nur ich.
Wie immer.
Als ich mich aufsetze, entdecke ich ein Kleid auf dem Stuhl neben meinem Bett.
Ein dunkelblaues Kleid.
Der Stoff schimmert im Licht der Morgensonne, und winzige silberne Stickereien ziehen sich über das Oberteil.
Daneben liegt ein Zettel.
Heute Abend bist du nicht die Küchenhilfe.
Heute Abend bist du einfach Elara.
Alles Liebe, Mara.
Ich setze mich langsam auf die Bettkante.
Meine Finger gleiten über den weichen Stoff.
Es ist wunderschön.
Viel zu wunderschön für mich.
„Oh, Mara“, flüstere ich.
Am Abend stehe ich vor dem Spiegel.
Das Kleid schmiegt sich an meine Kurven, betont meine Taille und fällt in weichen Falten bis zu meinen Knöcheln.
Normalerweise verstecke ich meinen Körper unter weiten Kleidern.
Zu oft habe ich gehört, dass ich zu weich bin.
Zu rund.
Zu viel.
Heute sehe ich mich an und versuche, diese Stimmen auszublenden.
Meine langen dunkelbraunen Haare fallen offen über meine Schultern.
Der silberne Halbmond liegt an meinem Hals.
Meine haselnussbraunen Augen wirken im warmen Licht größer als sonst.
Ich sehe nicht aus wie Vanessa.
Ich werde niemals aussehen wie Vanessa.
Aber vielleicht …
Vielleicht muss ich das auch nicht.
„Du siehst schön aus“, flüstere ich meinem Spiegelbild zu.
Es fühlt sich ungewohnt an.
Fast verboten.
Doch ich wiederhole es.
„Du siehst schön aus, Elara.“
Und zum ersten Mal seit langer Zeit glaube ich mir ein kleines bisschen.
Der große Saal des Rudelhauses ist kaum wiederzuerkennen.
Silberne Lichterketten hängen zwischen dunklen Holzbalken. Weiße Blumen schmücken die langen Tische, und durch die hohen Fenster fällt das Licht des aufgehenden Vollmondes.
Überall stehen Menschen.
Junge Wölfe, die heute zum ersten Mal hoffen dürfen, ihren Gefährten zu erkennen.
Frauen in wunderschönen Kleidern.
Männer in dunklen Anzügen.
Aufgeregte Stimmen.
Lachen.
Hoffnung.
Ich bleibe am Eingang stehen.
Einundzwanzig.
Heute beginnt für viele von ihnen ein neues Leben.
Für mich vermutlich nicht.
Denn wie soll ich einen Gefährten erkennen, wenn nicht einmal meine eigene Wölfin mit mir spricht?
Ich streiche nervös über den Halbmond an meinem Hals.
Vielleicht sollte ich gehen.
Vielleicht war es eine dumme Idee, überhaupt herzukommen.
„Elara?“
Ich drehe mich um.
Mara steht hinter mir und lächelt.
„Du bist wunderschön.“
Meine Kehle wird eng.
„Du bist voreingenommen.“
„Natürlich bin ich das.“
Sie drückt meine Hand.
„Geh hinein, mein Mädchen. Du hast genauso viel Recht, hier zu sein wie alle anderen.“
Ich atme tief ein.
Dann betrete ich den Saal.
Einige Köpfe drehen sich.
Ich höre meinen Namen.
Ein leises Kichern.
Doch ich gehe weiter.
Nur ein paar Schritte.
Bis die Musik plötzlich verstummt.
Eine tiefe Stimme verkündet die Ankunft unseres Alphas.
Und Damon Blackwood betritt den Saal.
Mein Blick findet ihn sofort.
Schwarzer Anzug.
Dunkle Haare.
Diese unmöglich grünen Augen.
Er sieht aus wie jemand, der niemals Angst hat.
Wie jemand, der niemals zweifelt.
Wie jemand, dem die ganze Welt gehört.
Und ich …
Ich bin nur Elara.
Das Mädchen ohne Wolf.
Dann hebt Damon den Kopf.
Unsere Blicke begegnen sich.
Und etwas geschieht.
Ein plötzliches Ziehen tief in meinem Inneren.
So heftig, dass mir der Atem stockt.
Ich presse eine Hand gegen meine Brust.
Was …
Was ist das?
Wärme breitet sich unter meiner Haut aus.
Mein Herz schlägt schneller.
Die Geräusche um mich herum verschwimmen.
Ich rieche etwas.
Zedernholz.
Regen.
Und einen dunklen, warmen Duft, den ich noch nie zuvor wahrgenommen habe.
Meine Knie werden weich.
Damon bleibt stehen.
Mitten im Saal.
Sein Blick ist unverwandt auf mich gerichtet.
Seine grünen Augen verändern sich.
Werden dunkler.
Intensiver.
Ich kann nicht wegsehen.
Und dann …
Dann höre ich es.
Ganz leise.
Tief in meinem Kopf.
Eine Stimme.
Weiblich.
Rau.
Fremd.
Und gleichzeitig so vertraut, als hätte sie mein ganzes Leben lang auf diesen einen Moment gewartet.
Mate.
Mein Herz setzt aus.
Die Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern.
Doch ich weiß sofort, was sie bedeutet.
Meine Wölfin.
Ich habe eine Wölfin.
Und sie hat gerade ihren Gefährten erkannt.
Langsam hebe ich den Blick zu Damon.
Zu dem Mann, den ich seit Jahren heimlich liebe.
Zu dem Mann, von dem ich niemals zu träumen gewagt habe.
Und während der Vollmond durch die hohen Fenster auf uns herabscheint, begreife ich etwas Unfassbares.
Damon Blackwood ist mein Gefährte.








