Kapitel 1 - Teil 1/2
So leise wie mΓΆglich schlΓΌpfte Alex mit ihren FΓΌΓen in ihre abgenutzten Sneaker und lieΓ ihre Arme durch die beiden RucksacktrΓ€ger rutschen.
So machte sie sich jeden- und wirklich jeden Abend fΓΌr ihren Job in einer kleinen aber lauten Bar fertig.
Sie befand sich in der dunkelsten Ecke ihrer Heimatstadt und jeden Tag erneut wunderte sie sich wer sich als neuer Gast dort ΓΌberhaupt hintraute. Es war ein Ort voller gruseligen Geschichten und dunklen GerΓΌchten.
Doch Alex wusste, dass die meisten von ihnen nur leeres GeschwΓ€tz waren.
Anfangs glaubte sie vielen dieser Sagen. Doch nach dem ganzen Jahr Erfahrung lernte sie natΓΌrlich auch einiges.
Mit der Vorsicht, mit der sie einen Faden durch ein NadelΓΆhr stecken wΓΌrde, drΓΌckte sie die TΓΌrklinke runter und verlieΓ die bescheidene Wohnung.
Das Treppenhaus war dunkel, nur die kleinen Wandlampen gingen durch einen Bewegungsmelder an.
Sofort stieg ihr der alte Geruch in die Nase. Es war eine Mischung aus den GerΓΌchen aller Mitbewohner und der GroΓteil davon waren Senioren.
Sobald sie drauΓen ankam, Γ€nderte sich alles von altem Seniorenheim zu futuristischer Innenstadt.
Dort roch es nach Benzin und fast jede zweite Minute fuhr ein Polizeiauto oder Rettungswagen vorbei.
Die groΓen Bildschirme an den HochhΓ€usern leuchteten in den buntesten Farben obwohl um diese Uhrzeit kaum jemand mehr durch die StraΓen ging und die Autos das einzige waren, das den Verkehr aktiv hielt.
Die Bar, in der Alex arbeitete, war eine von den Nachteulen.
Nach einem kalten Weg ΓΆffnete sie die TΓΌr mit einem hΓΆrbaren quietschen.
Wie gewohnt war es so voll, dass kein einziger Platz frei- und die Luft schon ganz stickig war.
So unangenehm es sich auch anhΓΆrte, Alex liebte es.
Das GelΓ€chter und die lustigen Geschichten, denen sie lauschen konnte waren etwas, dass sie aufmunterte.
Gelbliches, warmes Licht strahlte von den Lampen an der Decke durch das Chaos und gab der Baar sein heimisches Flair.
"Alex, SahnehΓ€ubchen!"
Kam Dieter ihr mit offenen Armen entgegen und zeigte ihr ein LΓ€cheln, das von der einen Backe zur anderen reichte und seine Gesichtsfalten prΓ€sentierte.
"SahnehΓ€ubchen?"
Verkniff Alex sich ein Schmunzeln und ging weiter auf ihren Chef zu.
"LΓ€uft zuhaus alles jut mit der Tante?"
Man konnte ihn durch den ganzen LΓ€rm klar und deutlich verstehen so laut war seine Stimme.
Sie verzog ihr Gesicht und sofort merkte der Γltere, dass er das Thema wechseln sollte.
Dieter kΓΌmmerte sich so gut um seine Angestellten, dass man ihn schnell mit einem Psychologen vertauschen kΓΆnnte.
Der Γ€ltere legte seinen Arm um ihre Schulter und leitete sie in die KΓΌche.
"Heute is proppenvoll hier also versuch ma den HΓ€ngekopp in der KΓΌche bissl zu motivieren."
Sie runzelte ihre Stirn.
"Eugene?"
"Der Junge Mann is wohl mit dem falschen FuΓ aufjestanden."
So lieΓ er Alex allein und sie holte sich eine SchΓΌrze aus ihrem Spind.
Als sie an dem TΓΌrrahmen stand und auf den RΓΌcken von dem blondhaarigen Jungen schaute, klopfte sie leicht an die offene TΓΌr um sich bemerkbar zu machen.
FΓΌr einen kurzen Moment drehte er sich zu ihr um, doch machte ohne Worte wieder mit seiner Arbeit weiter.
Sie wunderte sich, denn so hatte er sie noch nie ignoriert. Doch ihr war klar, dass man gerne in Ruhe gelassen werden wollte, wenn die Laune nicht die beste ist also entschied sie sich dafΓΌr die Stille zu behalten und wusch ihre HΓ€nde.
Wie sollte sie jetzt am besten handeln, ohne ihren Arbeitskollegen nicht zu stΓΆren?
Nachdenklich musterte sie was Eugene dort auf seinem Brett schnippelte und alles was um ihn rumstand.
Die Speisekarte war nicht groΓ dar es immerhin noch eine Bar war, weswegen Alex schnell identifizieren konnte, dass es sich bei seiner Bastlerei um 'Schnitzel mit Eisbergsalat' handelte.
Das einzige, was ihm noch fehlte, war das Schnitzel, dass sie dann auch eigenstΓ€ndig aus der Gefrierkammer holte.
"Kartoffeln.. Schweinefleisch...HΓ€hnchenschni-"
Klapperte sie die Lagerungen ab. Doch bevor sie nach ihrem Ziel greifen konnte, lieΓ ein abgestumpftes Knallen ihren Arm einfrieren.
Stockend drehte sie ihren Kopf nach hinten, um ihre BefΓΌrchtung zu bestΓ€tigen.
Die TΓΌr der Gefrierkammer hatte sich von selbst geschlossen.
Das Ganze wΓ€re jedoch weniger schlimm gewesen, wenn sie die TΓΌr von innen auch wieder auf machen konnte.
Auf der anderen Seite der dichten TΓΌr ruhte ein mit Klebeband angeklebtes Blatt auf dem stand: "TΓΌrklinke defekt! TΓΌrstopper benutzen!!!"
Doch wie es aussah, war Alex zu sehr in ihre Gedanken vertieft, wie sie als nΓ€chstes handeln sollte, um Eugenes Laune nicht zu verschlechtern.
Voller Hoffnung suchte sie in allen vier Hosentaschen nach ihrem Handy. Vergeblich endete ihre hektische Suche mit zwei leeren HΓ€nden und einem Seufzer.
"Hallo?"
Sie wusste nicht, ob jemand sie hΓΆren wΓΌrde, aber was blieb ihr ΓΌbrig?
"Hallo??"
Versuchte sie, etwas lauter zu schreien und merkte, wie sich eine GΓ€nsehaut auf ihrem Arm verbreitete.
So langsam schien die KΓ€lte an Γberhandzugewinnenen und ein paar Minuten spΓ€ter fing ihr KΓΆrper an zu zittern. Sie versuchte sich zu wΓ€rmen, indem sie mit ihren HΓ€nden ihre Arme rieb.
Die Sekunden die vergingen, fΓΌhlten sie an wie Minuten und die Minuten die vergingen, fΓΌhlten sich an wie Stunden.
"Hier ist jemand in der Gefrierkammer!"
ein paar Sekunden vergingen, bis sie jemanden blitzschnell die Treppe runter stampfen hΓΆrte.
"Alex?!" konnte sie abgedΓ€mpft durch die dicken wΓ€nde hΓΆren.








