Prolog
Stell dir vor, gestern hattest du noch alles. Ein Schloss, einen liebenden Vater, Reichtum, Waffen, Diener, Glück. Und dann stell dir vor, jetzt ist alles verschwunden. Selbst deine Erinnerung. Wenn du in so einer Situation bist, tja, dann bist du ganz schön arm dran. Und so arm dran, bin ich nun auch.
Rauchschwaden zogen durch die Nacht. Eine nie endende Nacht, die dazu bestimmt war, alles und jeden zu verschlingen. Das war das einzige, bei dem ich mir ganz sicher war. Als ich eingeschlafen war, befand ich mich noch in einem Schloss, meinem zu Hause, wo ich glaubte, immer sicher zu sein. Aber, was auch immer geschehen war, ich hatte mich schwer getäuscht. Mein Vater, der König eines mörderischen Reiches, hatte sich an dem Tag mit einem liebevollen Stirnkuss von mir verabschiedet und versprochen, eine vergoldete Rose würde mich bei seiner Rückkehr erwarten. Ich wusste nicht, was er mit einer vergoldeten Rose meinen könnte, aber das interessierte mich auch nicht. Denn diese achtzehn Tage sollte ich ganz für mich allein haben. Am Abend ging ich in den Schlossgarten, aber nicht um wie die typische Prinzessin, die man aus den Geschichten kennt, spazieren zu gehen und Blumen zu pflücken. Ich wollte etwas ganz anderes in diesem Garten. Es war kurz nach Mitternacht und ich hatte mein Ziel fast erreicht, als ich von etwas aufgehalten wurde. Voller Vorfreude darauf, die Klingen in meinen Händen, endlich wieder mit Blut tränken zu können, wurde ich aufgehalten. Ein starker Geruch umnebelte mich. Und das letzte, an das ich mich erinnern kann, ist daran, wie ich meine Klinge durch den rosa Nebel geschleudert habe, in der Hoffnung mein Ziel aus der Ferne treffen zu können. Alles, was danach passiert ist, scheint wie ausgelöscht zu sein. Nicht das kleinste Detail wies mich darauf hin, was passiert sein könnte. Aber Tatsache ist, dass ich mit dröhnenden Kopfschmerzen, tränenden Augen und stechenden Schmerzen im Rücken aufgewacht bin. Nur leider hatte ich keine Ahnung, wo genau ich mich befand. Was ein Problem war, da ich gerne die Kontrolle behielt.
Ich strich mir die Haare aus dem Gesicht und öffnete zaghaft die Augen, in der Angst direkt ins Licht zu sehen. Doch ganz im Gegenteil. Das Einzige, was ich sah, war ein einziger schwach funkelnder Stern an einem pechschwarzen Nachthimmel. Vorsichtig setzte ich mich auf und sah mich um. Unter meinen Händen spürte ich weichen, feuchten Sand und an meinen Füßen merkte ich kühles Wasser, das für einige Sekunden da war und dann wieder verschwunden. Wieder für ein paar Sekunden an meinen Füßen und genauso schnell war es wieder verschwunden. Ich musste nicht lange grübeln, um zu bemerken, dass ich an einem Strand lag, mitten in der Nacht und gedämpfte Geräusche aus der Ferne zu hören waren. Doch, wie ich sah, sah ich nichts. Dass plötzliche Eiseskälte aufzog, hob meine Laune auch kein Stück. Langsam, aber sicher rappelte ich mich auf, wobei ich die stechenden Schmerzen in meinem Rücken ignorierte, die sich bei jeder Bewegung bemerkbar machten. So gut, wie es ging, tastete ich meinen Rücken ab, doch merken tat ich nichts. Also versuchte ich in der schwarzen Dunkelheit etwas erkennen zu können. Aber, wie erwartet, konnte ich nicht mal die eigene Hand vor Augen erkennen. Also folgte ich meinem ersten Instinkt und ging in die Richtung, aus der ich die gedämpften Geräusche hören konnte. Weit kam ich allerdings nicht, da ich plötzlich ein metallisches Klicken hinter mir ausmachte. Langsam drehte ich mich um und blickte direkt in den Schein einer hellen Öllampe. Das Gesicht der Person war dennoch in Schatten gehüllt und mehr als einen Vollbart konnte ich nicht erkennen. Dafür sah ich die Waffe, die er auf mich gerichtet hielt umso deutlicher. Die Öllampe in seiner Hand bewegte sich und ein furchterregendes Grinsen erschien in seinem Gesicht, das mir eindeutig sagte, dass er kein Problem damit hätte, einfach abzudrücken. Als ich mich nicht weiter regte und den Mann nur stumm anstarrte, ließ er die Waffe sinken und steckte sie beiseite. Ich hätte es niemals zugegeben, aber ein erleichtertes Seufzen entwich mir.
"Wenn du dich nicht wehrst, wird es keine Probleme geben, wenn ich dich mit mir nehme."
Wahrscheinlich hätte ich dem Mann vertrauen sollen, da er meine einzige Chance auf etwas Erklärung war, aber ich lernte bereits früh, keinem blindlings zu vertrauen.
"Sie können es gerne versuchen, aber an Ihrer Stelle würde ich mich in Ruhe lassen."
Gut geschrieben und flüssig zu lesen. Der Inhalt macht Lust auf mehr