Heartbeats Forbidden Love

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Zusammenfassung

Ana Shepherd ist die Tochter eines angesehenen Chirurgen. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihren beiden Brüdern ist sie von Seattle nach Orange County gezogen. Ihr Start an der neuen Schule hätte nicht besser sein können. Bis ein neuer Schüler auftaucht. Taylor Jones, mit seinen eisigen Blauen Augen. Jedesmal, wenn Ana ihm über den Weg läuft, kann sie hinterher keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ihre Brüder machen ihr zunehmend das Leben schwer. Ana ist hin und her gerissen und allmählich gerät sie zwischen die Fronten. Denn OC ist Mittelpunkt der Bandenkriminalität. Etwas, was sie nicht versteht und dabei unfreiwillig hineingezogen wird...

Status:
In Arbeit
Kapitel:
11
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
16+

Der Umzug nach OC



Ein letztes Mal wandte ich mich um. Mein Herz schien vor Nervosität zu zerbersten. Ich stand in einem leeren Raum, den ich siebzehn Jahre lang mein Zimmer genannt hatte.


Die Erinnerung an jenen Tag, als mein Vater mir offenbarte, dass wir umziehen würden, erlebte ich erneut. Zuerst war ich unglaublich geschockt gewesen. Ich wollte hier nicht weg. Natürlich verstand ich, dass es aufgrund seiner neuen Arbeit sein musste. Mein Vater war einer der angesehensten Chirurgen in Seattle und Umgebung. Nun hatte er ein Angebot bekommen, das er unmöglich abschlagen konnte.


Doch ich liebte Seattle, mit all seinen Makeln. Hier war ich aufgewachsen, hier hatte ich meine Freunde. Nun zogen wir nach Orange County, das nicht weiter entfernt hätte sein können. Meine beiden Brüder waren darüber erfreut gewesen. Joe, mein ältester Bruder, war gerade vierundzwanzig geworden; er war dabei, in die Fußstapfen unseres Vaters zu treten. Rob war zweiundzwanzig. Er und unser Vater waren bereits vor einer Woche gefahren. Rob strebte jedoch eine ganz andere Richtung an: Er wollte Polizist werden. Ich hingegen hatte noch nicht den Hauch einer Ahnung, was ich später einmal werden wollte. Allein der Gedanke daran, die Highschool zwei Jahre vor meinem Abschluss zu wechseln, ließ mein Herz davongaloppieren. Jedoch blieb mir keine andere Wahl, weshalb ich versuchte, meine Angst zu ignorieren. Es gelang mir bisher auch ganz gut.


Nun saß ich gemeinsam mit Joe in seinem Wagen. Meine Nervosität hatte ein völlig neues Level erreicht, welches ich die vergangenen 1160 Meilen relativ gut unter Kontrolle hatte. Aber jetzt waren wir nur noch 10 Meilen von unserem neuen Zuhause entfernt. Schweigen lag über uns, was meine Angst schürte. Auch Joe schien ein wenig angespannter zu sein als zuvor. Die Umgebung an sich war ganz okay, einige Häuser sahen jedoch sehr zerfallen aus. Hier schien es wesentlich mehr ärmliche Viertel zu geben als in Seattle. Wir befanden uns am Rande von Orange County, was mich erneut ungemein beruhigte, denn mitten in der Stadt, fernab der herrlichen Natur, fühlte ich mich schon immer unwohl. Joe bog in eine Straße ein, an deren Ende ich einen kleinen Wald erkannte. Dies würde mein neuer kleiner Rückzugsort werden, wenn mir mal wieder alles über den Kopf wuchs. Als Joe die Geschwindigkeit verringerte, wusste ich, dass wir angekommen waren. Neugierig spähte ich auf das Haus, das zur Einfahrt gehörte, in die Joe einbog.


Es war ein mittelgroßes, freistehendes Haus, dessen Fassade in einem hellen Apricot erstrahlte. Die Fenster sahen allesamt neu aus. Eines davon war ein Erker, welcher einem kleinen Turm ähnelte. Er war im zweiten Stock seitlich angebracht; unter ihm befand sich das Dach der kleinen Veranda, die dazu einlud, in der Sonne zu relaxen. Dad hatte sich wirklich Mühe gegeben, denn diese Veranda war das exakte Ebenbild der Veranda in Seattle. Nicht ein Detail hatte er vergessen. Die beiden Säulen, welche das Vordach bildeten, hatten dieselbe Steinoptik. Sogar die Risse und die herausgebrochenen Stücke hatte er nachempfunden. Der kleine Vorgarten war auch hier eher schlicht gehalten. Steinerne Platten bildeten den Weg zur Veranda, gesäumt von kniehohen Rosenbüschen in den verschiedensten Farben.


„Gar nicht mal so übel“, sprach Joe und stellte den Motor ab. „Findest du nicht, Ana?“, fragte er vorsichtig und sah mich forschend an.


Mein Blick fing erneut an, über das Grundstück zu schweifen. Ich nickte leicht und pustete mir eine schwarze Strähne aus den Augen. „Ja, gar nicht übel“, antwortete ich ihm und öffnete die Tür.


Joe nahm meinen Koffer, welchen ich aus Nervosität vergessen hatte, und wir schlenderten den Weg hinauf zur Veranda. Vor der Tür blieben wir stehen. Joe lächelte mich an.


„Bereit?“, fragte er und stach den Schlüssel ins Schloss. „Bereit“, flüsterte ich und schluckte meine aufkommende Sorge hinab.


Der kleine Flur war trotz der weißen Farbe an den Wänden sehr düster. Es gab kein Fenster hier, nur die Tür. Joe stellte meinen Koffer ab und schritt weiter. Mit weichen Knien folgte ich ihm.


„Da seid ihr ja endlich!“, ertönte die aufgeregte Stimme von Rob. „Kommt, Dad ist im Keller, ich zeige euch das Wohnzimmer“, plapperte er weiter und ging nach rechts in einen Raum hinein.


Joe versperrte mir mit seinem muskulösen Rücken die Sicht. „Das sieht richtig gut aus, Respekt. Hätte ich dir gar nicht zugetraut, Bro“, stichelte er und lachte, während Rob schnaubte.


„Komm schon Joe, du hättest es nicht besser hinbekommen.“


Ich erkannte seinen leicht beleidigten Ton sofort. Rob benötigte schon immer Anerkennung für das, was er tat.


„Dürfte ich auch mal sehen, Joe, oder bist du in der Tür festgewurzelt?“, machte ich mich bemerkbar.


Manchmal schien ich unsichtbar für meine Brüder zu sein. Grinsend wandte er sich um und fuhr sich durch seine braunen Haare.


„Sorry Ana, ich wollte dich nur vor Rob schützen. Er brennt darauf, dich in die Arme zu schließen“, stichelte er weiter.


Ich verdrehte meine Augen. Rob und ich waren immer schon ein Herz und eine Seele gewesen. Er war eben viel sanfter als Joe es war. Rob war meine Vertrauensperson, schon immer. Er knuffte mich in den Arm und gab mir so die Sicht frei. Mit offenem Mund starrte ich in unser neues Wohnzimmer hinein.


„Wow!“, war alles, was ich hervorbrachte, während ich hineintrat.


Rob warf Joe einen siegreichen Blick zu und kam zu mir. „Was sagst du, Ana? Sieht gut aus, oder?“, fragte er aufgeregt und schloss mich in seine muskulösen Arme.


„Wahnsinnig gut!“, nuschelte ich an seiner Schulter, ehe er mich wieder freigab.


Eine Wand erstrahlte in einem Lichtgrau, während die restlichen Wände in Weiß gehalten waren. Die Farbe der Wände spiegelte sich im Boden wider. Ein riesiger Fernseher zierte die Wand links von uns. Es war, als stünde ich in einem kleinen Kino; er nahm fast die gesamte Wand ein. Das Sofa jedoch sprengte den Rahmen. Es sah unglaublich gemütlich aus: weißes Leder mit grauen Kissen, und es war monströs. Hier hätten locker zehn Mann Platz. Anerkennend nickte ich vor mich hin.


„Ana, Joe! Ihr hättet mich rufen können“, riss Dad mich aus meinem Staunen. Lächelnd schritt ich zu ihm und fiel ihm in die Arme. „Dad, es sieht unglaublich aus!“, flüsterte ich und erntete einen Kuss auf meine Stirn.


„Danke, mein Engel, wir haben uns Mühe gegeben“, zwinkerte er mir zu. „Kommt, lasst uns was essen“, sprach er weiter und führte uns in eine modern eingerichtete Küche, welche hell und freundlich wirkte.


Joe deckte den Tisch ein und Rob backte schnell ein paar Brötchen auf.

Nach dem Essen rieb Dad sich sein kleines Bäuchlein.


„Rob, hast du Ana bereits ihr Zimmer gezeigt?“, grinste er verschwörerisch.


Ich war augenblicklich ganz Ohr und blickte meinen Bruder an, welcher gerade dabei war, seine blonden, strubbeligen Haare aus seinem Gesicht zu verbannen. Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen.


„Nein, aber ich denke, sie brennt darauf, es zu sehen. Es ist die erste Tür rechts, gleich neben der Treppe oben“, erwiderte er, und ich sprang auf.


Schnellen Schrittes ließ ich die Treppe hinter mir und ignorierte das Gelächter der Männer, welche mir folgten. Mit zittrigen Händen öffnete ich die Tür und trat ein.

Mein Herz stockte. Es war das Zimmer mit dem Erker, der zu einer gemütlichen Leseecke gestaltet war – vom Raum getrennt durch ein großes, offenes Bücherregal. Mein Bett stand auf der gegenüberliegenden Seite an der Wand. Davor lag ein großer, flauschiger, türkisfarbener Teppich. Türkis war meine absolute Lieblingsfarbe, weshalb Dad und Rob diese auch für die Wand links von der Tür verwendet hatten. Dort stand ein kleines Sofa und ein Fernseher. Ich entdeckte eine weitere Tür in derselben Wand und blickte ungläubig zu meinem Dad.


„Ist es das, was ich denke?!“, flüsterte ich und hoffte auf ein Ja.


„Wenn du damit dein eigenes Badezimmer meinst: ja“, gab Dad lachend von sich.


Theatralisch fasste ich mir ans Herz und stürmte hinein. Es war einfach perfekt, ein schönes kleines Badezimmer mit einer ebenerdigen, großzügigen Dusche. Ich wandte mich ihnen erneut zu.


„Oh mein Gott, danke!“, wisperte ich und konnte es nicht fassen.


Wochenlang hatte ich mir den Kopf zerbrochen, wie es wohl werden würde. Doch in diesem Moment war alles gut, alles schien perfekt.


Völlig genervt schaltete ich meinen Wecker aus. Es war bereits mein dritter. Der Geruch von Kaffee kroch durch den Schlitz meiner Zimmertür hindurch. Der erste Tag nach den Semesterferien war für mich immer purer Horror. Ich schleppte mich ins Bad und sprang unter die Dusche. Ich entschied mich, meine Haare offen zu tragen; sie fielen mir locker über die Schulter und gingen mir mittlerweile bis unter die Brust. Ich betrachtete mich im Spiegel. Etwas Kajal und Mascara würden meine grünen Augen etwas hervorheben. Zufrieden lächelte ich und ging in mein Zimmer zurück. Joe platzte herein, während ich in Unterwäsche vor meinem Kleiderschrank stand.


„Ana? Oh, du bist wach“, stellte er fest und schloss umgehend, peinlich berührt, die Tür.


Kopfschüttelnd schnappte ich mir eine schwarze Jeans und eine türkisfarbene Bluse, schulterte meinen Rucksack und eilte die Treppe hinab. Dad war bereits arbeiten und meine beiden Brüder hatten das Frühstück zubereitet.


„Morgen, Ana. Wie war die erste Nacht?“, lächelte Rob und reichte mir einen Kaffee, während Joe in sein Croissant biss und auf die Uhr blickte.


„Danke. Ganz okay“, antwortete ich und trank einen Schluck. Nickend stand er auf. „Wir können gleich los, ich geh nur noch eben meinen Rucksack holen“, nickte Rob und verließ die Küche.


Ich ließ derweil meinen Blick auf Joe ruhen. Er blickte zu mir auf und hörte auf zu kauen.


„Was?“, nuschelte er und verharrte mit seinem Croissant in der Hand.


„Klopfen, Joe, gewöhn dir das mal an. Stell dir mal vor, ich hätte wen zu Besuch gehabt“, stichelte ich und sah bereits seine Zornesfalte aufblitzen.


„Diesen ‚wen‘ hätte ich umgehend hinausbefördert, aus dem Fenster! Aber ja, ich hab es verstanden, Ana“, gab er von sich und seine Falte verschwand.


Etwas, was wirklich sehr nervig war, wenn man gleich zwei Brüder besaß. Ihr Beschützerinstinkt konnte äußerst nervig sein. In dieser Sache waren beide gleich. Rob stieß zu uns und hielt seine Schlüssel in der Hand.


„Heute Abend dann im Hive and Honey, neun Uhr?“, fragte er an Joe gewandt, welcher kurz zu mir sah, dann aber bestätigend nickte.


War ja klar, die beiden gingen auf die Piste, während ich in meinen vier Wänden schmorte. Im Auto angekommen bemerkte Rob meine Schnute.


„Tut mir leid, An, aber heute beginnt die Highschool. Außerdem ist das Hive nichts für dich. Generell solltest du dich abends von den Straßen hier fernhalten. Hier herrschen oft Bandenkriege“, sprach er, während er fuhr.


Verhörte ich mich da gerade? Was wollte er mir damit sagen?


„Das bedeutet, dass ihr mich einsperren wollt?!“, gab ich entsetzt von mir. „Das kann nicht euer Ernst sein?“, fügte ich hinzu und starrte ihn fassungslos an.


„Ana, wir sperren dich doch nicht ein. Nur würden wir uns wünschen, dass du nur gemeinsam mit uns ausgehst, damit wir dich in Sicherheit wissen“, blickte er mir entgegen. „Dies hier ist nicht Seattle.“


Schnaubend sah ich aus dem Fenster. Das waren ja tolle Aussichten. Die Wut kroch in mir empor; ich wusste, dass dies ein Scheißtag werden würde.

Als die Orange High zum Vorschein kam, wich meine Wut der Nervosität. Rob blieb stehen und sah mich aufmunternd an.


„Sei nicht sauer, Ana, und hab einen schönen ersten Tag“, sprach er und küsste meine Wange.


„Wir werden sehen“, nuschelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart, stieg aus und schulterte meinen Rucksack.


Ohne mich nach ihm umzudrehen, ging ich in Richtung des Campus. Schockiert über die Größe dieser Schule, schnappte ich eine meiner Haarsträhnen und begann sie zu zwirbeln.

Trauben von Schülern drängelten sich durch die Korridore, während ich verzweifelt das Sekretariat suchte. Die Beschilderung hier war wirklich mies. Überall lagen kleine Karten aus, welche den gesamten Campus beschrieben, jedoch wusste ich einfach nicht, wo ich bin, und die Zeit wurde allmählich knapp. Ich ging also einen Schritt schneller, während meine Nase in dieser Karte steckte. Was leider dazu führte, dass ich unsanft mit jemandem zusammenstieß.


„Scheiße! Entschuldige, das war keine Absicht“, sprach ich und blickte einem rothaarigen Mädchen entgegen, welches mich freundlich mit ihren blauen Augen anlächelte.


„Schon gut, ist ja nichts passiert! Du suchst wohl etwas Bestimmtes?“, entgegnete sie mir grinsend.


„Wie kommst du denn darauf?“, lächelte ich sarkastisch und strich meine Haare aus dem Gesicht.


„Die Karte in deinen Händen hat dich verraten“, zwinkerte sie. „Ich bin übrigens Sarah, kann ich dir helfen?“, fügte sie noch hinzu und reichte mir ihre Hand. Dankend nahm ich sie und nickte ihr zu.


„Ana. Ja, ich suche das Sekretariat.“ Nickend gab sie mir zu verstehen, dass ich ihr folgen sollte.


„Du warst auf dem richtigen Weg, es ist gleich hier um die Ecke. Welche Klasse besuchst du?“, führte sie unsere Konversation weiter.


„Die Neunte. Leider hatte ich keine Zeit, mich vorher hier umzusehen. Ich bin gestern erst hier angekommen“, antwortete ich, während sie vor einer Tür zum Stehen kam und sich zu mir wandte.


„Also gut, Ana, hier ist es. Vielleicht kommst du dann ja in meine Klasse. Der Platz neben mir ist noch frei“, lachte sie freundlich.


„Danke, dann vielleicht bis nachher“, grinste ich und trat ein.


Die ganzen Umstände führten dazu, dass ich natürlich auch zum Unterricht zu spät kam. Ich stand vor dem Klassensaal und kaute nervös auf meiner Lippe. Ich nahm einmal tief Luft und klopfte an. Jedoch war ich umso erleichterter, als ich meinen Blick über die Schüler hinweggleiten ließ und in der letzten Reihe Sarah erspähte, welche mir erfreut zulächelte und ihren Kopf mit zwei weiteren Mädchen zusammensteckte. Auch sie lächelten mich freundlich an. Mit klopfendem Herzen schritt ich zu dem Platz neben ihr und setzte mich hin.






„Du bist dir sicher, dass du das tun willst, Rob? Ich meine, du willst Polizist werden“, gab ich nachdenklich meinem jüngeren Bruder zu verstehen.


Ich blickte vom Hive zu ihm, aus dem laute Musik nach draußen drang. „Joe, dies ist die einzige Möglichkeit, Ana in Sicherheit zu wissen. Dies hier ist nicht Seattle. Sie wird sich gegen uns wenden, wenn wir versuchen, sie von allem fernzuhalten“, entgegnete er mir und war sich der drohenden Gefahr äußerst bewusst.


Ich konnte es an seinem Gesichtsausdruck sehen. Das, was er sagte, entsprach der Wahrheit. Wir konnten sie schließlich nicht einsperren, doch wir mussten sie schützen. Nickend blickte ich zu ihm auf.


„Na schön, dann bring uns zu diesem Roy“, flüsterte ich und hoffte, dass nichts schiefgehen würde.