Kapitel 01 | Frederik
KapitMISTER HILL, JACOB MÖCHTE SIE SPRECHEN.
Die KI des Gebäudes klang ebenso emotionslos wie gleichgültig, als der Inhaber der Firma Hill Enterprises sich auf der langen schwarzen Lederliege aufstützte und dem Masseur so zu verstehen gab, dass er nun bitte mit seinem Oberkörper weiter machen sollte. Er wirkte nicht sonderlich interessiert, als ein groß gewachsener Mann im schwarzen Anzug in den Raum trat und sich neben der Tür aufbaute.
„Jacob ...“
„Frederik, so geht das nicht weiter.“
„Drück dich klarer aus oder verpiss dich. Bruno hier gibt gerade sein Bestes.“ Als die Hände des Masseurs über den Bauch des Milliardärs wanderten, schmunzelte Frederik ihm kurz mehrdeutig zu.
„Ich kündige.“
„Hm?“ Nun doch zumindest etwas abgelenkt von den Händen, die sich in Öl getränkt über seinen Körper arbeiteten, sah der Milliardär seinen Bodyguard kurz an.
„Frederik, wie soll ich meinen Job machen, wenn du einfach das Gebäude verlässt, ohne mich zu informieren. Es reicht.“
„Wer bist du? Mein Babysitter?“, schnappte Fred genervt und griff nach dem Glas Scotch neben der Liege. „Wenn du gehen willst, dann geh. Ich halte dich nicht auf.“
Offensichtlich völlig gelangweilt gab er dem Mann, der ihn massierte, einen kurzen Wink und erhob sich von der Liege. Dass er dabei völlig nackt war, schien ihn dabei wenig zu interessieren. „Wer nicht will, der hat schon, Jacob. Ich lasse dir dein letztes Gehalt und deine Papiere zukommen.“ Damit drehte Frederik sich um, ging durch die hölzerne Tür seines Büros und sagte: „KeyEye, ich benötige einen neuen persönlichen Bodyguard. Geh die Liste der potenziellen Kandidaten durch. Du kennst die Anforderungen. Und such mir was Ansehnlicheres als Jacob raus, ja?“
SEHR WOHL, SIR.
Damit lehnte er sich zurück, ärgerte sich darüber, dass Jacob es gewagt hatte, diese wundervoll entspannende Massage zu unterbrechen und überlegte, ob er nicht in sein Spielzimmer gehen sollte. Ein Raum voll komplett automatisierter Sex-Androiden.
Menschen waren ihm zuwider. Er umgab sich mit ihnen nur notgedrungen, wenn es keinen künstlichen Ersatz für ihre Dienste gab oder wenn er sie nach seinen Vorstellungen benutzen konnte. Daher war Jacob immer eine nette Abwechslung gewesen. Der Kerl war loyal gewesen wie ein Hund und war ihm überall hin gefolgt. Amüsiert hatte Frederik ihn immer als seinen Schoßhund bezeichnet.
Der Kerl hatte nicht mal mit den Wimpern gezuckt, wenn Frederik sich im Ton vergriff. Aber anscheinend war das Fass jetzt übergelaufen. Nun gut, dann muss halt jemand Neues her. Jemand, mit dem er klarkam und der kein Problem damit hatte, dass sein Boss Sex-Androiden herstellte und vertrieb. Da wird sich doch wohl jemand finden lassen.
Frederik saß am nächsten Tag an seinem Schreibtisch und überflog die Akten der potenziellen Nachfolger von Jacob. Die finale Auswahl übernahm er grundsätzlich selbst. Schließlich konnte von dieser Person sein Leben abhängen. Bisher hatte er drei Kandidaten in der engeren Auswahl, aber so richtig überzeugt war er nicht.
Er öffnete die nächste Akte, hielt inne und setzte sich dann kerzengerade auf. Kurz studierte er die Fakten: Ehemaliger MI6-Agent, mittlerweile für den deutschen Außenminister zuständig – hervorragende Vita. Wieder wanderte Freds Blick zu diesen grünen Augen und den Sommersprossen. Eigentlich stand er überhaupt nicht auf rote Haare, aber dieser Kerl hatte irgendwas an sich. Bei dem hatte KeyEye wirklich ganze Arbeit geleistet. Gut, dass er jemanden im Ministerium kannte. Schwungvoll griff Fred zu seinem Handy und wählte die Nummer.









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