Prolog
„Xenia, ich dulde keinen Widerspruch bei dieser Sache. Mit Palowski ist nicht zu Spaßen. Jetzt wo er weiss, wer du bsit und für wen du Arbeitest, wird er alles daran setzten dich tot zu sehen.“, grollte Mikael, verärgert über die Sturheit seiner Tochter. Diesen störrischen widerspenstigen Kopf hatte die Blonde eindeutig von ihrer Mutter geerbt.
„Ach lass mich doch in ruhe mit deiner Fürsorge, Vater. Ohne dich wäre ich gar nicht in diese scheiße reingeraten. Du hättest mich einfach machen lassen sollen, dann wäre ich nie aufgeflogen. Und diesen Möchtegern Proleten von einem Bodyguard brauch ich weiss Gott nicht!“, fluchte Xenia und schubste den jungen Mann, der stramm hinter ihr stand, aus dem Weg.
Natürlich hatte er sich wegdrücken lassen von ihr. Ein Mann seines Kalibers und seines Standes schubste man nicht einfach so herum. Besonders nicht als Frau. Nicht das sich der Russe das gerne gefallen ließ. Aber ihr Vater bezahlte wohl genug, dass er diese Demütigung über sich ergehen ließ.
Seine blauen Augen durchbohrten sie und sein leichtes Grinsen sagte ihr: ‚Mach das noch mal und ich drück dich gegen die Wand, Bitch.‘ Die Narbe über seinem Nasenrücken, der sich wahrscheinlich durch einen Bruch etwas verschoben hatte, unterstrich seinen Gesichtsausdruck.
Genervt wandte Xenia ihren Blick von dem muskelbepakten Security ab und widmete sich wieder ihrem Vater. „Soll er mich etwa auf schritt und tritt verfolgen? Irgendwann wird er wohl auch schlafen oder scheißen müssen.“
Angewidert von ihrer unmöglichen Ausdrucksweise schüttelte Mikael den Kopf. „Wer hat dir nur solche Worte in den Mund gelegt. Aleksej wird dir nicht von der Seite weichen, bis du in deinem Schlafzimmer bist. Ich habe dort bereits Sicherheitsvorkehrungen vorgenommen. Der Balkon ist tabu, bis dieser Mistkerl aus der Welt geschafft ist. Das wird kein leichtes Unterfangen, also mach mir das Leben nicht noch schwerer und halte dich bedeckt.“, bat er seine Tochter und entließ sie mit einem Wink aus seiner Standpauke.
„Hättest du mich nicht davon abgehalten, wäre dieser verdammte Mistkerl schon lange Tot.“, Xenia spuckte ihre Flüche wie giftige Galle aus und verließ mit strammen Schritten das Büro ihres Vaters. Gefolgt von ihrem Schatten, der sich dicht an ihre Fersen heftete. „Scheiße man, verpiss dich du Welpe!“, fauchte sie, während sie sich stürmisch umdrehte und ihm die geballte Faust gegen die Brust schlug.
Blitzartig hatte er ihr Handgelenk mit seinen Fingern umschlossen und ihr beinahe den Arm ausgekugelt bei der Bewegung die diesen hinter den Rücken bugsierte und ihren Körper wieder schwungvoll umdrehte. Den freien Arm drückte er ihr mit der Elle voran in den Nacken.
Kein Ton entwich Xenia’s Kehle. Einzig ihr pochender Herzschlag dröhnte in ihren Ohren und das kurze Zischen, während sie erschrocken die Luft einsog. Hatte er sie gerade wirklich mit einer Fixiertechnik lahmgelegt?
Ihr war klar, dass der Bodyguard eine exquisite Ausbildung genossen hatte. Aber dass er es wagen würde, Hand an sie zu legen! An die Tochter seines Arbeitgebers. Zumal ihre eigene Ausbildung auch nicht von schlechten Eltern gewesen war. Der Undercoverdienst hatte sie wohl etwas einrosten lassen.
„Mein Name ist Aleksej und ihr Vater hat mich mit ihrer Sicherheit beauftragt. Also seien sie brav und stellen sie nichts dummes an, Schätzchen, sonst muss ich ihnen den Arm brechen.“, hauchte er an ihrer Schulter und löste seinen Griff mit jedem Wort ein bisschen mehr.
Sie glaubte, sich verhört zu haben. Schwer schluckte Xenia ihre Empörung herunter und stapfte ohne einen Blick zurück weiter den Korridor herunter, etliche Gänge entlang, bis sie schließlich vor ihrem Schlafzimmer stand und hastig die Türe aufriss. Sie spürte, dass Aleksej die ganze Zeit mit ihr Schritt hielt, jedoch abrupt stehen blieb, als sie einen Fuß in den Raum setzte.
Schwungvoll drehte sie sich zu ihm um. „Das wird noch ein Nachspiel haben, Arschloch.“, zischte Xenia, während sie ihn mit feurigem Blick musterte. „Ich freu mich schon darauf.“, flüsterte Aleksej beinahe lautlos und warf ihr zum Abschied ein provokantes Lächeln zu.
Ihr platzte gleich der Kragen, wegen diesem arroganten Mistkerl. Aber sie durfte sich jetzt nicht noch weiter vor ihm gehen lassen und knallte die Türe dicht vor seinem Gesicht zu.
Mit zittriger Hand hielt Xenia immer noch den Knauf fest. Ihr Herz pochte wild gegen die Brust. Immer noch spürte sie den Druck in ihrem Nacken und die wärme von Aleksej’s Fingern auf ihrem Handgelenk.
„Verdammt!“, zischte sie und fasste ihren Hals. Heiße Wogen durchzuckten ihren Körper dabei. Was zur Hölle sollte dieses Plötzliche verlangen in ihr.
Okay, das musste das Adrenalin sein, das sich gerade unaufhaltsam durch ihre Venen pumpte. Der heftige Ausstoß dieses Stoffes hatte schonmal sexuelle Regungen zur Folge. Besonders, wenn jemand des anderen Geschlechtes der Auslöser dafür war.
Langsam ließ Xenia den Türknauf los, legte beide Hände in den Nacken und rieb sich beruhigend die Haut. Dabei stieß sie einen langen Seufzer aus und ließ sich rittlings auf ihr Bett fallen.
Bestimmt stand dieser Proletenarsch jetzt stramm vor ihrer Türe und hatte eine mächtige Latte davon, dass er sie erniedrigt hatte. Blöder Wichser! Diese Schmach würde sie ihm heimzahlen.
Plötzlich hörte Xenia ein leises Klicken an der Türe und Schritte, die sich entfernten. War das jetzt wirklich ernsthaft passiert?!
Hatte ihr Vater sie gerade einschliessen lassen, damit sie des Nachts nicht auf den Gedanken kommen würde, das Weite zu suchen?! Dieser verfluchte Mistkerl! Irgendwie würde sie schon einen weg finden hier raus zu kommen.








