Nothing But Thieves

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Zusammenfassung

Eigentlich wollt er nur in der Mittagspause eine Zigarette rauchen, während sein Kollege zum Bäcker geht. Wer konnte ahnen, dass der junge Polizist Leon Fluchtwagenfahrer für drei Bankräuber spielen darf? Ohne große Erfahrungen im aktiven Polizeidienst befindet er sich in aussichtsloser Lage. Vorsichtig gilt es die Herrschaften bei Laune zu halten, um mit dem Eierschalentanz auf eine Sache zuzusteuern: Eine gute Fluchtmöglichkeit! Wird der unerfahrene Gesetzeshüter fliehen können oder wird er zum Bauernopfer im Plan der Verbrecher? Erwachseneninhalt umfasst: Schimpfwörter, Umgangssprache, Waffengebrauch, Körperverletzung Hinweis: Diese Geschichte spielt im selben Universum wie 'Eve and Haven'. * Alle Orte, Handlungen und Personen sind frei erfunden. Zufällige Übereinstimmigkeiten sind genau das: Zufall! *

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
16
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

1. Kapitel

Rauchen kann tödlich sein. Die Zigaretten bringen dich früher oder später ins Grab. Die Worte meines Partners hallten in mir wieder. Wie Recht er doch hatte. Nur nicht in dem Sinne, den er wohl gemeint hatte. Doch besser alles auf Anfang.

Eigentlich hatte dieser Mittwoch angefangen wie jeder andere Tag auch. Ich war am Morgen ins Präsidium gekommen um meine Schicht anzutreten. Dort hatte mir meine Uniform angezogen, den Gürtel mit Waffe und allem weiteren umgeschnallt und war mit meinem Partner Caleb auf Streife gefahren. Zwar war ich noch nicht lange ausgelernt, hatte jedoch schon in ihm meinen Lieblingsstreifenpartner gefunden. Caleb war Anfang 50, hatte schon so einiges erlebt und war mit Leib und Seele dabei, mir zu zeigen, wie die Dinge im echten Polizeileben abliefen. Bei den Einsätzen, die wir bisher angefahren waren, hatte er mir wertvolle Tipps gegeben. Und wenn wir um die Mittagszeit zu seiner Lieblingsbäckerei fuhren, brachte er mir meistens irgendwas mit. Wenn Caleb Sykes auf meinem Dienstplan auftauchte, verzichtete ich mittlerweile darauf, mir ein Mittagessen von zu Hause mitzunehmen. Als Single mit wechselnden Schichten hatte ich leider auch noch keinen geeigneten Weg gefunden, dauerhaft meinen Einkauf mit meinem Schichtplan in Einklang zu bringen. Aber wofür gab es denn Lieferservices?

Wir fuhren wie immer durch die Straßen von Morgantown, es war ein sonniger Tag im September. Ich trug meine Pilotenbrille sowie die kurzärmelige Version unserer Dienstkleidung und saß auf dem Fahrersitz. Caleb ließ mich gerne fahren, da er dann die Gegend im Auge behalten und gegebenenfalls auf Auffälligkeiten besser eingehen konnte. Ein Blick auf die Armaturen zeigte, dass es 12:15 Uhr war. Caleb hatte meinen Blick aufgefangen.

„Du weißt, wohin wir als nächstes fahren?“, fragte er mit verstohlenem Grinsen.

Ich nickte mit einem Lachen. „Marcys Backshop. Ich weiß, heute in Muffin-Mittwoch“, antwortete ich mit einem Grinsen. Es handelte sich hierbei um seine Lieblingsbäckerei, die täglich wechselnde Aktionen hatte. Sie wurde betrieben von einer seiner ehemaligen High School Mitschülerinnen. So kam es, dass er immer auf einen kurzen Plausch blieb und belegte Brote und Sandwiches frisch zubereitet bekam. Freundschaftsdienst. Allerdings war er wohl auch ihr bester Kunde. Da hatte er sich seine Sonderbehandlung verdient.

Mein Partner nickte anerkennend. „Du machst dich gut Leon. Aber Spontan-Quiz: was ist an den anderen Tagen?“

Ich überlegte kurz. „Mediterraner-Montag, Tacco-Dienstag, Truthahn-Donnerstag und Veganer-Freitag?“

„Stimmt, du hast aber Steak-Samstag und den Speck-Sonntag vergessen“, tadelte er mit gespielter, ernster Stimme. Auf den Laden ließ er nichts kommen.

Resigniert hob ich die Schultern. „Erwischt, dann musst du wohl einen anderen Partner finden, der deinen kulinarischen Ansprüche gewachsen ist.“

Er lachte. „Von denen könnte sich keiner irgendwas merken. Außer Salat und Proteinpulver nehmen die doch nichts zu sich. Nein, da fahr ich lieber mit dem Rookie, der ein gutes Tomate-Speck-Sandwich zu schätzen weiß.“

Kurz hob ich die Arme, als würde ich mich ergeben. „Schuldig im Sinne der Anklage. Hätte nicht gedacht, dass ein Fitnessraum in einem Polizeipräsidium so hoch frequentiert wird. Mein Tipp wäre auf den Pausenraum mit Kaffeemaschine und Donutschachtel gegangen.“

Mein Beifahrer seufzte gequält auf. „Wenn wir wenigstens eine Schachtel mit Donuts hätten!“ Wieder musste ich lachen. Es war einfach angenehm mit ihm. Er hatte eine väterliche Ausstrahlung, was ich sehr genoss. Meine Eltern lebten ein paar Stunden von Morgantown entfernt, daher sah ich sie nicht so häufig.

Vor dem Laden direkt war kein Parkplatz, also drehte ich noch mal eine Runde um den Block, bis ich vor dem örtlichen Juwelier einparken konnte. Um die Mittagszeit war hier nie etwas los. Entweder befanden sich alle bei Marcy oder hatten andere Erledigungen zu tätigen. Wir stiegen beide aus, ich hatte noch meine Schachtel Zigaretten aus der Mittelkonsole gegriffen. Ich lehnte mich an die Fahrertüre, während Caleb einen Blick in sein Portemonnaie warf. Mit einem Griff in meine Gesäßtasche zog ich einen zerknitterten zehn Dollar Schein hervor.

„Kannst du mir bitte einen Schoko Käsekuchen Muffin mitbringen? Und einen kleinen Kaffee? Restgeld kannst du gerne behalten“, sagte ich und hielt ihm den Schein entgegen. Er sah mich beleidigt an. „Leon, du beschämst mich. Steck dein Geld ein, wohin kämen wir denn, wenn ich dich nicht einladen würde“, sagte er. Während er sich auf den Weg machte zu der Bäckerei hörte ich ein halbwütendes Brummeln und immer wieder ein ‚will der mir wirklich Geld geben’. Betreten lehnte ich weiter an der Türe und fühlte mich erneut schlecht. Es lief immer so. Ich wollte mein Essen selbst zahlen, aber er ließ mich nicht. Zwar fühlte ich mich so, als ob ich ihn ausnutzen würde, doch er hatte mir gleich am Anfang versucht diesen Zahn zu ziehen. Mit geringem Erfolg. Ich fühlte mich immer noch wie ein Schnorrer. Resigniert fischte ich eine Zigarette aus der Schachtel zusammen mit meinem Feuerzeug. Da ich ein notorischer Feuerzeug-Verlierer war, steckte ich es sofort in die Schachtel sobald ich einen Platz dafür frei geraucht hatte.

Caleb drehte sich noch mal kurz um und rief über die komplette Straße: „Die Zigaretten bringen dich noch unter die Erde!“ Ich lief rot an. Wie peinlich. Zum Glück war nicht viel los auf der Straße. Normalerweise kommentierte er das erst, wenn er vom Bäcker mit den Tüten in der Hand zurückkam.

„Richte lieber Marcy einen schönen Gruß aus“, rief ich ihm über die Straße hinterher. Er winkte kurz und machte sich weiter auf in Richtung Laden. Ich begleitete ihn nicht mehr, da es mir unangenehm war neben ihrem Smalltalk daneben zu stehen. Und seine Mitschülerin behandelte mich wie ein Kind. Natürlich könnte ich ihr Sohn sein, trotzdem war es mir peinlich wenn sie wieder fragte, wann ich denn mal eine Freundin finden würde. Es war zwar nett gemeint, dieses Thema wollte ich aber noch nicht mal mit meiner richtigen Mutter aufgreifen, geschweige denn mit der Bäckerin meines Vertrauens. Da es Caleb aber nicht ansprach, dachte ich mir, dass es mir Marcy wohl nicht übel nahm.

Ich zog mein Telefon aus der Hosentasche hervor und scrollte durch meinen Instagram-Account. Nicht viel Neues dabei, die üblichen Vorschläge für Memeseiten. Immer wieder sog ich an meinem Glimmstängel. Ich hatte bereits in der High School angefangen, solche Laster legte man einfach nur schwer ab.

Auf einmal hörte ich laute Schritte um mich herum. Bevor ich mich in diese Richtung drehen konnte, schlug mir jemand mein Telefon aus der Hand, sodass es laut scheppernd zu Boden ging, zusammen mit meinem Zigarettenstummel.