Mia
Eine schaurige Welt stand Mia nun bevor.
Dass sie die mieseste Hexe ihrer Familie war, ist schon schlimm genug für sie und jetzt wird sie auch noch an der Monster High eingeschult.
Eine Schule voller Monster.
Mia ist eigentlich sehr schüchtern. Sie würde gerne neue Freunde treffen, doch sie ist eher für sich.
Kein Monster auf dieser Welt hat es geschafft, ihr Freundschafts Herz zu erwärmen.
~Endstation: Monster High~
Sie kniff ihre Finger zusammen, als sie die Durchsage hörte.
Sie nahm ihre Umhängetasche und stieg aus dem Zug aus.
Ihre blonden Haare mit einer rosa Strähne dazwischen wehten leicht im Wind.
Ihr violettes Minikleid glitzerte in der Sonne, und ihre großen hellblauen Augen sahen auf die größte Schule, die sie je gesehen hatte.
Mit einem leichten Druck in der Brust lief sie langsam zum Schultor.
Was würde sie wohl dort erwarten?
Vielleicht kann sie dort ja endlich so sein, wie sie wirklich ist, ohne sich zu verstecken.
Sie öffnete das Tor.
Eine Horde von Monstern lief im Schulflur hin und her.
Eins rempelte Mia leicht an.
Ein schnelles “Entschuldigung!” kam nur leise heraus, bis es in der Menge wieder verschwand.
Mia fühlte sich jetzt schon unwohl.
Sie krallte sich an ihrer Tasche fest und versuchte, sich durch die Menge hindurch zu quetschen.
Ach, wenn sie bloß einen Zauber wüsste, der ihr eine freie Bahn verschaffen könnte.
Nach ein paar blauen Flecken stand sie endlich vor der Tür der Direktorin Dornenbusch.
“Hier muss es sein,” sprach sie mit ihrer ruhigen Stimme.
Ihre helle Hand klopfte leicht an der Tür.
“Einen Augenblick noch!” kam aus der Tür.
Na also, die Stimme klang schon mal nett.
Mit einem lauten Knarren öffnete sich die Tür.
Davor stand eine einäugige Kreatur mit nur zwei Beinen von Körper ausgestattet,der Rest existierte nicht.
Dafür, dass die Stimme so nett klang, hatte Mia den Schock ihres Lebens.
“Ah, Sie müssen Miranda Babajaga sein,” sprach Mrs. Dornenbusch.
“Nur Mia reicht,” antwortete Mia höflich. Sie mochte es nicht, mit der Hexe Babajaga verbunden zu werden.
“Ah, schon gut, schon gut. Die Babajaga war selber auf dieser Schule. Ach, war sie beliebt,” Mia lächelt schüchtern. “Das kann ich mir gut vorstellen.”
Mrs. Dornenbusch lief an Mia vorbei. “Komm, ich zeige Ihnen Ihr Zimmer.”
Mrs. Dornenbusch watschelte leicht vor ihr, aber besonders schnell war sie nicht.
Dabei hatte Mia genug Zeit, sich die Schule anzuschauen.
Sie war in einem wunderbaren dunklen Violett gefärbt mit einem schwarzen Schein.
Die perfekte Atmosphäre für die Monster High.
“Zimmer 101! Das ist dein Zimmer,” sagte Mrs. Dornenbusch und schlug die Tür auf.
Mia sah schüchtern herein.
Eine Hälfte des Zimmers war hellrosa eingerichtet, die andere Hälfte dunkelviolett.
“Deine Mitbewohnerin kommt einen Tag später. Bis dahin hast du das Zimmer für dich alleine,” gab Mrs. Dornenbusch Mia den Schlüssel. “Genieße die Zeit!”
Mrs. Dornenbusch watschelte wieder davon.
Mia betrat ängstlich den Raum. Eigentlich hatte sie ihr altes Zimmer zu Hause bevorzugt und mochte es überhaupt nicht, woanders zu schlafen.
Aber wer 12 geworden ist und als Erwachsene behandelt werden möchte, muss sich auch solchen Situationen entgegenstellen.
Mia legte ihre Tasche aufs Bett und holte ihre Sachen heraus.
Nach und nach dekorierte sie ihren Nachttisch, sodass es wenigstens ein bisschen Ähnlichkeit mit Zuhause hatte. Doch ihr Wohlbefinden steigerte sich nicht.
Sie setzte sich aufs Bett und hörte der Stille zu.
Als sie ihre Hand noch einmal in ihre Tasche steckte, spürte sie etwas in ihrer Hand, von dem sie sich sicher war, dass sie es nie eingepackt hatte.
Sie holte es vorsichtig heraus.
Vielleicht ein Geschenk von Mama?
Es waren hellgrüne High Heels
mit Schmetterlingen und Blättern geschmückt, ein Wirbel war bis nach oben hin gewirbelt.
„Wow... sind die schön...“ flüsterte Mia.
Sie probierte sie vorsichtig an; sie passten wie angegossen.
Mia stand auf, um ihre Schönheit zu bewundern. Auf einmal fingen sie an zu leuchten:
„Hallo, wie lautet dein Name?“
Die Schuhe sprachen mit einer Telefonstimme zu Mia.
Sie erschrak: „Was ist das denn?“
Die Stimme fragte nochmal:
„Wie lautet dein Name?“
Mia zögerte, doch dann sprach sie deutlich:
„Ich bin Mia.“
Die Schuhe blinkten auf und setzten einen leuchtenden Schleier frei, der Mia umhüllte:
„Was passiert hier?!“
Mia geriet in einen Wirbel, wo sie zuerst ihre Hand betrachtete, die sich langsam in einen Pferdehuf verwandelte.
Der Strahl umwandelte sie komplett, und aus ihr wurde ein kleiner Pegasus mit hellrosa Haaren, was einst ihre Strähne war, und gelbem Fell.
Ihre kleinen Flügel flatterten leicht, doch sie verlor die Kontrolle und stürzte in einen weiteren Schein.
Das Licht wurde zu einem Ort, der mit Gras überwuchert war, und dort landete sie auf dem harten Boden: „Aua, tat das weh...“ Sie stand auf und schüttelte sich einmal.
Mia versuchte, sich zu orientieren und herauszufinden, wo sie jetzt war, bis sie bemerkte, dass sie nicht mehr auf zwei Beinen stehen konnte.
Schnell sah sie auf ihre Beine und eine leichte Panik machte sich in ihr breit:
„Ich habe ja Hufe!“
Sie stolperte nach hinten, doch etwas stützte sie:
„Und ich habe Flügel!“
Sie war zu einem gelben Pegasus geworden mit hellrosa Mähne und Schweif.
Mia entdeckte einen Wasserfall und bewegte sich schnell darauf zu.
Im Wasser erblickte sie ihr Spiegelbild.
Tatsächlich, sie war nun ein Pegasus!
„Okay, Mia... bloß keine Panik bekommen... vielleicht hast du unbewusst einen Zauber gesprochen...“ Sie machte sich auf den Weg.
„Und das heißt, du musst einfach nur einen Gegenzauber finden!“
Sie lief umher, in der Hoffnung, einen Ausweg zu finden oder mindestens einen Hinweis für einen Gegenzauber.
Doch sie spürte eine Magie, und das war nicht die, die sie kannte.
Sie fühlte sich so fremd an und so mächtig aber gleichzeitig auch sehr vertraut.
Langsam verlor sie die Idee, einen Gegenzauber zu manifestieren.
Diese Magie, die hier umschwirrte, kann auf keinen Fall eine Hexe bändigen!
Mia lief ein Wald entlang, bis sie auf einmal ein Wiehern hörte.
Schnell suchte sie sich einen Weg heraus und fand eine riesige, bunte Pferdeherde.
Erleichtert ging sie auf sie zu. Bestimmt sprechen sie ihre Sprache.
Doch sie sprachen nicht.
Sie wieherten nur.
„Na toll... bin ich hier das einzige Pferd, das sprechen kann?!“
Auf einmal wieherte es neben ihr.
„Entschuldige, das einzige Pegasus...“ Mia erschrak.
Hat das Pferd sie etwa verstanden?
„Hast du gerade gesprochen?“
Das Pferd war größer als sie und war ein pinkes Einhorn.
Das Horn war durchsichtig und glitzerte von innen.
„Wie ist dein Name?“ fragte Mia das Einhorn.
Es flüsterte ihr nur leicht zu, was nur Mia verstehen konnte: „Lydia...“
Mia ging näher zu Lydia: „Lydia... das ist ein wunderschöner Name.“
„Wo bin ich hier?“ fragte Mia Lydia.
Lydia hob den Kopf: „In Pferdetopia!“
Mia sah verwirrt Lydia an: „Pferdetopia?“
Lydia sah zur Herde rüber: „Pferdetopia ist die Welt, wo wir alle zu Hause sind.“
Mia sah ebenfalls zur Herde: „Hier ist es wirklich wunderschön.“
Mia spürte etwas, was sie zuvor noch nie gefühlt hatte.
Es war Akzeptanz.
Dieser Ort spiegelte alles wider, wovon Mia je geträumt hatte.
„Komm mit, ich zeige dir alles,“ sagte Lydia und ging voraus, Mia hinterher.
Sie liefen an dem großen Wasserfall vorbei den Mia jetzt aus einer anderen Sicht beobachtete.
Der glitzerte im Sternenlichtschein.
Es fühlte sich so an, als würde dieser Wasserfall Wünsche erfüllen können.
Wenn es so wäre, dann würde Mia sich wünschen, für immer hier zu bleiben.
Doch als sie dies zu Ende dachte, erschien eine Wolke um sie:
„WAS PASSIERT HIER?!“ schrie Mia.
Lydia schaute hinter sich und erschrak.
Sie versuchte, Mia zu packen, aber sie löste sich mit der Wolke auf.
Mia erschien zurück in ihrem Zimmer.
„Nein, NEIN, ich will zurück!“
Sie rieb an ihren High Heels, doch es passierte nichts: „Mann! Warum geht das jetzt nicht?!“
Die Tür öffnete sich, Mrs. Dornenbusch kam herein.
„Mia, geht es Ihnen gut?“ Mia sah hinter sich.
„Mrs. Dornenbusch!“
Mrs. Dornenbusch war verwirrt über das Verhalten von Mia.
„Ich habe Ihnen Ihre neue Mitbewohnerin mitgebracht. Sie ist doch einen Tag früher gekommen.“
Mia stand aufrecht.
Mrs. Dornenbusch öffnete den Rest der Tür.
Hinter ihr stand ein blaues Seeungeheuer junges Mädchen, das schüchtern auf den Boden schaute.
Mrs Dornenbusch zeigte auf das Mädchen:
„Mia, das ist Mara!“.








