Das Haus in Schwarz

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Zusammenfassung

Lisa ist erst 11 Jahre alt, doch sie fühlt sich oft wie eine Erwachsene – still und zurückhaltend, immer im Schatten ihrer Mutter June. Diese arbeitet in der geheimen Forschungsstation PATEC, dem Physics and Astronomy Tests Edinburgh Centre, und beschäftigt sich dort mit einem geheimen Experiment, das weit über das hinausgeht, was Lisa sich je hätte vorstellen können. Doch als June eines Tages einen seltsamen, glänzenden Stein mit nach Hause bringt und ihn genauer untersucht, verschwindet sie spurlos – und mit ihr das gesamte Haus. Allein und verwirrt muss Lisa sich auf eine gefährliche Reise begeben, um ihre Mutter zu finden und das Geheimnis des mysteriösen Steins zu lüften. Ihr einziger Verbündeter ist Carl, ein Schulfreund, der ebenfalls die merkwürdigen Geschehnisse bemerkt hat. Zusammen stoßen sie tief im Wald auf ein verlassenes Haus – schwarz, düster und geheimnisvoll. Doch dieses Haus ist mehr als nur ein Unterschlupf. Es scheint von unheimlichen Kräften durchzogen zu sein, die die beiden in einen Strudel aus unvorstellbaren Ereignissen ziehen. Als das Haus beginnt, sich in ein geisterhaftes Spukhaus zu verwandeln, wird klar: Die Dunkelheit, die in ihm lauert, ist nur ein kleiner Teil eines viel größeren, gefährlicheren Geheimnisses... Ein packender, spannender Urban-Fantasy-Roman aus der Feder des Autors Elias J. Connor, der Unsichtbares sichtbar und Unmögliches mögli

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
20
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1 - Die Sphere

Die Neonröhren an der Decke flackern wie immer, bevor sie anspringen und den schmalen Korridor mit einem kalten, blassen Licht erfüllen. Es ist ein Licht, das keine Schatten duldet, aber auch keine Wärme spendet. Die Luft in der Forschungsstation ist still, zu still, und trägt den Geruch von Metall, Desinfektionsmitteln und etwas anderem, undefinierbar und doch allgegenwärtig – ein Duft, der wie eine unsichtbare Warnung in den Sinnen hängt.

Dr. June Harrington geht schnellen Schrittes durch den Korridor. Ihr weißer Laborkittel flattert leicht hinter ihr her, ihre Schuhe klacken auf dem glatten Boden. Sie hält ein Tablet vor sich, die Finger laufen über das Display, während sie die letzten Testdaten überprüft. Ihre Stirn ist in tiefe Falten gelegt, und ihre Augen sind auf die Zahlen und Diagramme fixiert, die vor ihr tanzen.

Am Ende des Korridors steht eine massive Tür aus verstärktem Titan. Über ihr prangt ein rotes Schild mit der Aufschrift: „Labor S-13: Kein Zutritt ohne Sondergenehmigung“.

Neben der Tür stehen zwei Wachen. Ihre Uniformen sind dunkel, ihre Gesichter hinter verspiegelten Helmen verborgen. Ihre Haltung ist reglos, ihre Waffen griffbereit. Sie sehen aus wie Statuen, doch June weiß, dass sie jede ihrer Bewegungen registrieren. Als sie näher kommt, scannen sie sie kurz mit einem tragbaren Gerät, bevor sie nicken und einen Schritt zur Seite treten. Die Tür öffnet sich mit einem schweren, zischenden Geräusch, und June tritt ein.

Der Raum dahinter ist dunkel, abgesehen von einem schwachen, pulsierenden Leuchten, das aus der Mitte des Raums kommt. Die Luft hier ist anders – dichter, wärmer, und sie scheint eine eigene Schwere zu haben. Die Quelle des Leuchtens ist unübersehbar: eine gigantische Kugel, die auf einer kreisförmigen Plattform ruht. Sie schwebt nicht, aber sie scheint auch nicht ganz den Boden zu berühren. Sie ist etwa zwei Meter im Durchmesser, und ihre Oberfläche ist wie ein Mosaik gestaltet – hunderte, vielleicht tausende kleiner Stückchen, die wie winzige Spiegel Licht in alle Richtungen brechen.

Das Licht kommt von innen, schimmert durch die Ritzen der Mosaikstückchen hindurch. Es pulsiert langsam, wie ein Herzschlag. Und tatsächlich gibt es ein Geräusch, ein tiefes, rhythmisches Pochen, das den Raum erfüllt. Es ist spürbar, nicht nur hörbar; die Vibration zieht sich durch den Boden, durch die Luft, und June fühlt es in ihrer Brust, wie ein zweites Herz in ihrem eigenen Körper.

Dr. Victor Kane steht an einer Konsole am Rand des Raums. Seine Schultern sind gebeugt, und die dunklen Ringe unter seinen Augen erzählen von langen Nächten ohne Schlaf. Als er June sieht, richtet er sich auf und streicht sich über das Gesicht, als wolle er sich selbst wachrütteln.

„June“, sagt er knapp. „Du bist pünktlich.“

„Natürlich“, antwortet sie, ohne den Blick von der Maschine abzuwenden. Ihre Stimme ist ruhig, aber sie spürt das Zittern in ihrer Brust, das sie immer überkommt, wenn sie diesen Raum betritt. Sie zwingt sich, ihre Faszination zu verbergen. „Gibt es neue Erkenntnisse?“

Victor zögert einen Moment, dann seufzt er.

„Die Frequenz ist stabil. Keine unerwarteten Anomalien.“ Er tippt auf die Konsole, und ein Diagramm erscheint auf dem Bildschirm. Wellenlinien tanzen über die Anzeige, gleichmäßig und geordnet. „Aber... ich bin mir nicht sicher, ob das beruhigend ist.“

„Was meinst du?“ June legt ihr Tablet auf die Konsole und tritt näher an die Kugel heran.

Das Leuchten wird intensiver, je näher sie kommt, und die Vibrationen scheinen sich zu verstärken.

„Ist irgendetwas passiert?“, fragt sie.

Victor nickt langsam.

„Ja. Die elektromagnetischen Sensoren haben etwas registriert.“ Er zeigt auf eine andere Anzeige, die wie eine unverständliche Ansammlung von Datenpunkten aussieht. „Die Maschine reagiert auf uns. Auf Bewegungen. Auf Stimmen. Es ist, als ob sie zuhört.“

June bleibt stehen. Sie runzelt die Stirn und mustert die Kugel. Die Mosaikstückchen an ihrer Oberfläche scheinen sich leicht zu bewegen, fast unmerklich, als würden sie atmen.

„Zuhört?“, wiederholt sie. Das Wort klingt seltsam, falsch, und doch irgendwie passend. Sie spürt die Intensität der Maschine, ihre Präsenz, wie eine unsichtbare Hand, die den Raum beherrscht.

„Ja.“ Victor spricht leise, als fürchte er, die Maschine könnte ihn hören. „Ich weiß nicht, wie ich es sonst beschreiben soll. Sie beobachtet uns. Es fühlt sich an, als hätte sie Bewusstsein.“

„Das ist unmöglich“, sagt June automatisch, doch ihre Stimme klingt nicht überzeugt. Sie weiß, dass Victor nichts leichtfertig behauptet. Wenn er sagt, dass die Maschine reagiert, dann hat er Beweise dafür.

„Und die Tests?“, fragt sie schließlich. Sie versucht, ihre Aufmerksamkeit zurück auf die Arbeit zu lenken, die rationale Wissenschaftlerin in ihr wieder in den Vordergrund zu rücken.

Victor wirft einen Blick auf die Konsole.

„Der heutige Test ist bereit. Aber ich bin mir unsicher, ob wir weitermachen sollten. Es fühlt sich falsch an.“

„Unsere Aufgabe ist es, Antworten zu finden, Victor“, sagt June. Ihre Stimme ist fester jetzt, obwohl sie selbst Zweifel spürt. „Wir führen den Test durch.“

Victor nickt widerwillig. Er gibt die Befehle ein, und ein leises Summen erfüllt den Raum. Die Mosaikstückchen auf der Oberfläche der Kugel beginnen sich schneller zu bewegen, als würden sie in Aufregung geraten. Das Leuchten wird heller, fast blendend, und die Vibrationen werden so stark, dass June sie bis in ihren Kiefer spürt.

Plötzlich verändert sich der Herzschlag der Maschine. Das gleichmäßige Pochen wird unregelmäßig, hektisch. Ein tiefes, dröhnendes Geräusch erfüllt den Raum, wie das Brüllen eines gewaltigen Tieres. June spürt, wie ihr Herz rast, und sie macht einen unwillkürlichen Schritt zurück.

Und dann... Stille. Absolute, erdrückende Stille.

Die Maschine stoppt. Kein Leuchten, kein Pulsieren, keine Bewegung. Es ist, als wäre sie erloschen.

June hält den Atem an. Ihre Augen sind auf die Kugel gerichtet, die jetzt still in der Mitte des Raumes ruht.

„Victor“, flüstert sie, „was passiert hier?“

Doch bevor er antworten kann, beginnt die Oberfläche der Kugel sich zu verändern. Die Mosaikstückchen verschieben sich, gleiten wie flüssiges Metall auseinander. Eine Öffnung erscheint, ein kreisrunder Spalt, der ein warmes, organisches Leuchten preisgibt. Es ist, als würde die Maschine ein Geheimnis offenbaren, das sie bisher verborgen hielt.

June kann nicht wegsehen. Im Inneren der Kugel scheint sich etwas zu bewegen – eine Form, vage und undefinierbar, aber eindeutig lebendig. Sie sieht es nur schemenhaft, doch sie spürt seine Präsenz, spürt, dass es sie ebenfalls wahrnimmt.

„June“, sagt Victor plötzlich, seine Stimme voller Panik. „Wir müssen das hier abbrechen. Sofort.“

Doch June kann nicht antworten. Sie kann sich nicht bewegen. Sie steht einfach nur da, unfähig, den Blick von der Kugel abzuwenden. In ihrem Inneren wächst ein Gefühl, das sie nicht benennen kann – Ehrfurcht, Angst, und etwas, das fast wie Erkenntnis wirkt.

Die Maschine lebt. Und sie sieht sie an.

„June, raus hier, jetzt!“ Victors Stimme klingt panisch, fast brüchig, und ehe sie reagieren kann, packt er sie am Arm. Sein Griff ist fest, beinahe schmerzhaft, und er zerrt sie in Richtung der Tür. Die Stille im Raum lastet schwer, doch irgendwo in ihr lauert etwas, ein Gefühl von Bewegung, das jenseits des Sichtbaren liegt. June stolpert, ihr Blick bleibt an der Kugel haften, an den Mosaikstückchen, die sich weiter verschieben, als ob sie einem unsichtbaren Muster folgen.

„Victor, warte! Wir müssen...“

„Nein!“ Sein Ausruf ist so scharf, dass er sie zum Schweigen bringt. Er zieht sie mit einer Entschlossenheit, die sie nur selten bei ihm gesehen hat, hinaus aus dem Raum. Die massiven Türen gleiten mit einem zischenden Geräusch zu, und Victor schlägt auf das Sicherheitsbedienfeld, um die Verriegelung zu aktivieren. Ein schriller Ton signalisiert, dass der Raum nun vollständig versiegelt ist.

„Niemand betritt diesen Raum mehr“, stößt er hervor, seine Stimme keuchend. „Nicht, bis wir wissen, womit wir es hier zu tun haben.“

June starrt ihn an, ihre Brust hebt und senkt sich schnell.

„Victor, wir können das nicht einfach ignorieren. Was, wenn...“

„Hör auf!“ Er hebt eine Hand, um sie zu unterbrechen, während er sich mit der anderen übers Gesicht fährt. „Das war nicht normal, June. Du hast es selbst gespürt. Wir sind nicht vorbereitet auf das, was dort drinnen vor sich geht.“

Ein langer Moment der Stille folgt, in dem sie nur das leise Summen der Neonlichter im Flur hören können. Schließlich seufzt Victor und sieht sie an.

„Komm. Lass dich untersuchen.“

Victor führt sie durch die labyrinthartigen Gänge der Forschungsstation, vorbei an Kollegen, die ihnen neugierige oder besorgte Blicke zuwerfen. Die sterile Umgebung, die June sonst als beruhigend empfand, wirkt jetzt bedrückend, fast feindselig.

Dr. Meredith Lang erwartet sie bereits in einem kleinen Untersuchungsraum. Sie ist eine resolute Frau in ihren Fünfzigern, mit grauen Strähnen in ihrem dunklen Haar und einem analytischen Blick, der keine Unsicherheit duldet.

„Setzen Sie sich, Dr. Harrington“, sagt Meredith und deutet auf eine Liege. Sie wirkt ruhig, beinahe zu ruhig, als habe sie eine Million solcher Fälle gesehen – was June bezweifelt.

„Was ist passiert?“, fragt Meredith, während sie ein Stethoskop hervorzieht.

Victor antwortet für sie. „Die Kugel – das Objekt – hat sich geöffnet. Und es war etwas darin. Ich kann es nicht beschreiben, aber ich glaube, es hat mit uns interagiert.“

Meredith hebt eine Augenbraue, sagt aber nichts. Sie beginnt mit ihrer Untersuchung, misst Junes Puls, Blutdruck und Reflexe. Sie leuchtet ihr in die Augen, prüft ihre Pupillenreaktion und fragt sie, ob sie Schmerzen oder Schwindelgefühle hat.

„Physisch ist alles in Ordnung“, sagt Meredith schließlich, nachdem sie ihre Notizen gemacht hat. „Kein Anzeichen von Verletzungen oder abnormalen Werten. Aber...“ Sie sieht June direkt an. „Wie fühlen Sie sich?“

June zögert.

„Ich weiß nicht“, gibt sie schließlich zu. „Es war, als hätte die Maschine mich angesehen. Es klingt verrückt, aber ich hatte das Gefühl, dass sie denkt. Dass sie bewusst ist.“

Meredith tauscht einen kurzen Blick mit Victor.

„Ich werde einige weitere Tests anordnen“, sagt sie schließlich. „Aber für den Moment sollten Sie sich ausruhen, Dr. Harrington. Und ich rate Ihnen dringend, sich von diesem Raum fernzuhalten.“

June sitzt später allein in ihrem Büro. Die sterile Umgebung, die klaren Linien der Möbel und die leise surrenden Geräte bieten ihr keinen Trost. Ihre Gedanken kreisen unaufhörlich um das, was im Labor geschehen ist.

Sie tippt auf ihrer Tastatur und ruft das interne Archiv der Forschungsstation auf. Jede Datei, die auch nur im Entferntesten mit der Kugel zu tun hat, durchsucht sie akribisch. Doch die Informationen, die sie findet, sind spärlich. Das Objekt wurde vor mehreren Jahren aus einer unbenannten Quelle geborgen, die Berichte sind lückenhaft, die Daten unvollständig. Niemand scheint wirklich zu wissen, was es ist oder wozu es fähig sein könnte.

Sie öffnet neue Fenster, sucht nach Mustern in den Datenströmen, die sie und Victor aufgezeichnet haben. Sie führt Simulationen durch, lässt Algorithmen laufen, die nach Anomalien oder Mustern suchen könnten. Doch jedes Ergebnis ist eine Sackgasse. Es ist, als würde die Maschine sich weigern, analysiert zu werden.

Frustriert fährt sie sich durch das Haar und schließt die Augen. Sie fühlt sich leer, ausgelaugt. Es ist, als hätte die Maschine ihr etwas entzogen, etwas Unsichtbares und doch Essenzielles.

Schließlich, als die Monitore vor ihr keine neuen Antworten bieten, schaltet sie den PC aus. Das Summen der Elektronik verstummt, und eine unheimliche Stille erfüllt den Raum.

Sie lehnt sich zurück und schließt kurz die Augen, doch ein seltsames Gefühl breitet sich in ihr aus. Es ist nicht nur Müdigkeit; es ist etwas Tieferes, eine Art Erschöpfung, die sie nicht benennen kann.

Es ist spät, als June die Forschungsstation verlässt. Der Parkplatz ist fast leer, die einzigen Geräusche kommen von den automatischen Toren, die sich öffnen, um sie hinauszulassen. Der Himmel ist dunkel, und der Wind trägt den Geruch von Regen mit sich.

Sie fährt durch die stillen Straßen, die Lichter der Laternen ziehen wie verschwommene Muster an ihr vorbei. Normalerweise genießt sie die Fahrt nach Hause – sie hilft ihr, den Kopf freizubekommen. Doch heute fühlt sie sich schwer, als hätte sie eine unsichtbare Last auf den Schultern.

Vor ihrem Haus angekommen, steigt sie aus dem Wagen und blickt in den Nachthimmel. Die Sterne sind verborgen hinter dichten Wolken, und ein seltsames Gefühl von Isolation überkommt sie. Sie weiß, dass sie schlafen sollte, doch der Gedanke, allein zu sein, macht ihr auf eine Weise Angst, die sie nicht ganz verstehen kann.

Während sie die Tür aufschließt, bleibt sie einen Moment stehen. Eine merkwürdige Unruhe regt sich in ihr, ein leiser, kaum wahrnehmbarer Puls, der tief in ihrem Inneren zu vibrieren scheint.

Sie schüttelt den Kopf, versucht, das Gefühl abzuschütteln. Doch es bleibt. Und als sie schließlich die Tür hinter sich schließt, hat sie das unbehagliche Gefühl, dass etwas – oder jemand – sie beobachtet.