Prolog
Dieses Buch kann unabhängig von anderen gelesen werden. Es ist der Beginn einer neuen Serie. Band 1: Fostering Love, Band 2: Killing Love... weitere folgen. Jedes Buch handelt von neuen Charakteren. In diesem Buch geht es um Joey und Bellamy. Sie kommen zwar im Buch „Strip. Hit. Slap.“ vor, man muss dieses aber nicht vorher gelesen haben.
Danke an alle, die meine Bücher lesen und mir treu bleiben. Ich schätze euch und eure Unterstützung wirklich sehr.
Warnung: Dies ist ein Erotik-Roman über eine sexuelle Beziehung zwischen zwei Adoptivbrüdern. Es gibt zudem einen großen Altersunterschied von acht Jahren. Bitte beachtet jedoch, dass Bellamys Gefühle für Joey rein brüderlich sind, bis dieser weit über einundzwanzig ist.
Prolog: Joey, acht Jahre. Bellamy, sechzehn Jahre.
BELLAMYS SICHT
Ich war sechzehn, als sie Joey brachten. Meine Eltern sprachen schon seit Jahren davon, ein Pflegekind aufzunehmen. Da ich bald aufs College gehen würde, hielten sie den Zeitpunkt für perfekt. Ich war gerade in die elfte Klasse gekommen und freute mich auf meinen kleinen Bruder. Nachdem ich so lange ein Einzelkind war, fand ich den Gedanken an ein Geschwisterchen cool. Auch wenn es nur vorübergehend sein sollte.
An dem Tag, als die Sozialarbeiterin Joey zu uns brachte, saßen wir alle im Wohnzimmer. Mein Dad hatte stundenlang Gebäck gebacken. Meine Mom hatte ihre berühmte Limonade gemacht. Die Sozialarbeiterin griff ordentlich zu. Joey aber wollte nichts, obwohl wir es ihm mehrfach anboten.
Er saß einfach nur still da und hielt den Kopf gesenkt. Ich hatte noch nie einen Achtjährigen mit so traurigen Augen gesehen.
Irgendwann wollte die Sozialarbeiterin unter vier Augen mit meinen Eltern sprechen. Meine Mom sah mich an.
„Bellamy“, sagte sie lächelnd. „Zeig Joey doch schon mal sein neues Zimmer.“
Ich nickte, stand auf und hielt Joey meine Hand hin. „Komm mit, Joey.“
Er erhob sich vom Sofa und sah mit großen, nervösen grauen Augen zu mir auf. Ich schenkte ihm ein Lächeln, von dem ich hoffte, dass es freundlich wirkte. Er schien sich etwas zu entspannen. Er legte seine kleine Hand in meine und wir gingen zusammen nach oben.
„Das ist das Zimmer von Mom und Dad“, erklärte ich und deutete auf die erste Tür gegenüber der Treppe. „Es ist nicht das größte Zimmer im Haus. Ich glaube, sie haben es gewählt, weil es direkt an der Treppe liegt. So merken sie sofort, wenn ich mich nachts rausschleichen will.“ Ich senkte meine Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. „Aber unter uns: Ich rutsche meistens das Geländer runter. Eigentlich will ich dann sowieso nur Dads frisch gebackene Kekse klauen.“
Joeys Mundwinkel zuckten kurz nach oben. Ich war froh, dass die Traurigkeit von vorhin ein wenig verflog. Ich führte ihn den Flur entlang.
„Das hier ist mein Zimmer“, sagte ich und stieß die Tür auf. Man sah mein ungemachtes Bett und einen Haufen Dreckwäsche daneben. Ein Poster an der Wand fiel fast ab. Mir war das peinlich. „Oha. Kein besonders guter erster Eindruck. Verrate es Mom nicht... sie wollte, dass ich aufräume, aber ich hab's irgendwie vergessen.“
Joey legte den Zeigefinger auf die Lippen, als wollte er „pst“ machen. Ich grinste und tat es ihm gleich. Ich nahm an, dass mein Geheimnis bei ihm sicher war. Er war ein echt cooler Junge.
„Ich glaube, ich finde es gut, dass du jetzt hier bist“, sagte ich. „Du kannst mein kleiner Komplize sein.“
Diesmal lächelte er breiter und nickte.
Mir fiel auf, dass er kaum etwas sagte, aber das war okay. Meine Eltern hatten mir erklärt, dass er vielleicht Zeit brauchte, um aufzutauen. Sie hatten mich gebeten, geduldig zu sein. Er sollte sechs Monate bei uns bleiben. Das war genug Zeit, um Freunde zu werden.
„Dein Zimmer ist direkt gegenüber von meinem“, sagte ich. Wir sahen zur Tür, die keine zwei Meter entfernt war. „Dir gebührt die Ehre.“
Zögernd ließ Joey meine Hand los und öffnete die Tür. Er erstarrte kurz, bevor er eintrat. Er blieb in der Mitte des Raumes stehen. Seine grauen Augen wurden groß, während er sich umsah.
Das Zimmer war hellblau gestrichen und in der Ecke stand ein französisches Bett. Auf der Bettwäsche waren Wale zu sehen. Auch die Lampe auf dem Nachttisch hatte die Form eines Wals. An den Wänden hingen Regale voller Bücher und neuer Spielsachen. Auf dem Schreibtisch lag ein neues Tablet, das mein Dad stundenlang kindersicher gemacht hatte.
„Mom und ich haben das meiste hier eingerichtet“, erzählte ich. „Sie ist Innenarchitektin. Als sie hörte, dass du Wale magst, wollte sie es erst völlig übertreiben. Dad musste sie bremsen, bevor sie das Zimmer in ein Aquarium verwandelt.“
Joey sagte nichts, sondern schaute sich staunend um. Ich lächelte und schnappte mir eines der Dinge aus dem Regal.
„Ein Geschenk von mir“, sagte ich und reichte ihm ein Set mit lufttrocknender Knete. „Mir wurde gesagt, dass du gerne Sachen bastelst.“
Seine Augen wurden noch größer und plötzlich fing er an zu weinen.
„Oh, Mist...“ Ich verfiel sofort in Panik. „War das zu viel? Entschuldige. Ich wollte dich nicht überrumpeln. Ich...“
Joey beendete meine Sorge, indem er mich umarmte. Er schlang seine Arme um meine Taille und drückte seinen Kopf gegen meinen Bauch. Ich beugte mich hinunter und hielt ihn fest, während er weinte.
„Danke“, flüsterte er. „Vielen, vielen Dank.“
„Gern geschehen“, lächelte ich. Ich wollte ihm durch das Haar wuscheln, aber seine Locken sprangen sofort wieder in Form.
Nach einem Moment löste sich Joey von mir. Seine Wangen waren rot, weil es ihm wohl peinlich war.
„Ist schon gut“, beruhigte ich ihn. „Eine Umarmung am Tag vertreibt den Kummer, sagt Dad immer.“
Er nickte und sah auf das Knetset in seinen Händen.
„Was willst du als Erstes basteln?“
Er lächelte und zeigte auf die Wallampe.
Ich lachte leise. „Na klar.“
Wir gingen wieder nach unten. Meine Eltern sahen sehr bedrückt aus. Die Augen meiner Mom waren leicht gerötet, als hätte sie geweint. Aber beide setzten ein Lächeln auf. Dad bot Joey erneut etwas zu essen an.
Der Junge sah mich mit seinen müden grauen Augen fragend an. Ich nickte ihm ermutigend zu. Dann sah er meinen Dad an und nickte ebenfalls. Dad strahlte und hielt ihm sofort einen Teller mit Gebäck hin.
Joey setzte sich wieder neben die Sozialarbeiterin und aß schweigend. Wir unterhielten uns noch kurz mit der Frau. Dann verabschiedete sie sich von Joey. Sie ermahnte ihn, brav zu sein, und versprach, jede Woche nach ihm zu sehen. Er winkte zum Abschied und sie ging.
Sobald sie weg war, verschwand Joey wieder im Wohnzimmer, um weiter Kekse zu knabbern. Er schien die Zuckerkekse zu lieben. Die mochte ich auch am liebsten.
„Bell“, flüsterte Mom mir zu. „Lass uns kurz draußen reden. Dein Dad passt solange auf Joey auf.“
Ich war verwirrt, nickte aber. Dad ging ins Wohnzimmer, während Mom und ich auf die Veranda traten. Sie schloss die Tür hinter uns und sah mich mit traurigen blauen Augen an.
„Wir haben mit der Sozialarbeiterin länger über Joeys Eltern gesprochen. Dein Vater und ich wussten nicht genau, wie viel wir dir sagen sollen. Aber wir glauben, es ist besser, wenn du Bescheid weißt. Dann kannst du aufpassen, ihn nicht zu triggern“, sagte sie.
Ich nickte und machte mich auf das Schlimmste gefasst.
„Joeys Vater hat seine Mutter umgebracht und sich dann selbst erschossen“, flüsterte sie. „Direkt vor Joeys Augen.“
„Was...?“, murmelte ich. Ich war entsetzt und schockiert, aber auch wütend. Ich dachte an das arme, unschuldige Kind im Haus, das eben noch beim Anblick seines neuen Zimmers geweint hatte.
„Seine Frau hat ihn wohl betrogen“, seufzte sie. „Er hat es eines Tages herausgefunden, Joey von der Schule abgeholt und... und dann das getan.“
Was für ein kranker Mensch macht so was? Und lässt sein Kind dabei zusehen?
„Die Polizei sagte, es gab Berichte über Geschrei, aber niemand weiß, was genau gesagt wurde“, flüsterte sie mit Tränen in den Augen. „Als sie am Tatort eintrafen, lag Joey neben seiner Mutter. Sie war schon tot, aber er... er hat einfach nur...“
Meine Mom schluchzte und mir brach das Herz. Die Vorstellung, wie dieses Kind sich an seine tote Mutter klammerte...
„Er wollte der Polizei nicht sagen, was passiert ist“, schniefte sie. „Er hat seit diesem Tag kein Wort mehr gesprochen. Manchmal benutzt er ein Notizheft, aber... er ist nonverbal.“
Ich wunderte mich. Ich hatte Joey oben im Zimmer sprechen hören, wenn auch nur kurz. Er hatte sich bei mir bedankt.
Ich überlegte, ob ich es meiner Mutter sagen sollte. Ich wollte sie aber nicht unnötig aufregen. Vielleicht war es eine einmalige Sache gewesen. Oder Joey hatte mit mir gesprochen, weil er sich bei mir irgendwie sicher fühlte.
Ich blickte durch das Fenster ins Haus. Joey lächelte, während mein Dad albern im Wohnzimmer herumtanzte. In diesem Moment beschloss ich, dass ich alles tun würde, um diesen Jungen zu beschützen.
Es dauerte nicht einmal sechs Monate.
Nachdem er drei Wochen bei uns war, sprach ich mit meinen Eltern. Sie stimmten freudig zu und wir redeten mit Joey. Er war überglücklich. Zwei Monate später erhielten sie die Erlaubnis, ihn zu adoptieren.
Er war mein Bruder, und ich würde alles tun, um ihn in Sicherheit zu wissen.