Kapitel 1 - Tristan
Es war mein erster Arbeitstag und ich würde schon zu spät kommen. Ich hatte mein Bestes gegeben, um pünktlich zu sein und einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Ich hatte sogar alles getan, was ein respektabler Erwachsener so macht. Ich hatte mir einen Wecker gestellt, gefrühstückt, geduscht und keine Zeit mit irgendwelchem Blödsinn verschwendet. Ich war gut in der Zeit und wollte eigentlich 30 Minuten vor Arbeitsbeginn an meinem neuen Schreibtisch sitzen – plusminus ein paar Minuten. Das war zumindest der Plan, bis ich für einen Kaffee anhielt.
Ich hatte gedacht, da ich noch etwas Zeit hatte, könnte ich schnell mal eben einen Kaffee holen und wäre ruckzuck wieder weg.
Das war mein erster Fehler.
Mein zweiter Fehler war, in der bereits langen Schlange stehen zu bleiben. Anscheinend war ich nicht der Einzige, der den Nektar der Götter brauchte, um in den Tag zu starten. Als ich endlich meinen Kaffee und ein Gebäck bestellte, war mein Zeitvorsprung längst dahin. Ich rannte praktisch durch die Straßen von Spectral Falls, während genervte Rufe und Knurren hinter mir her waren.
Ja, tatsächlich *Knurren*.
Spectral Falls war eine belebte neue Stadt, die im Rahmen des Friedensvertrags zwischen Monstern und Menschen entstanden war. Nachdem die Menschen entdeckt hatten, dass Monster tatsächlich existierten, wollten wir sie erst alle ausrotten. Natürlich haben wir dabei ordentlich aufs Maul bekommen. Sie waren schneller, stärker und hatten sogar Magie. Sicher, wir hatten unsere Waffen, aber was immer wir auch auf sie warfen, sie schmissen es uns mit Zinsen zurück.
Bevor es zu einem totalen Krieg kam, setzten sich die Anführer beider Seiten zusammen und redeten wie zivilisierte Wesen miteinander. Es stellte sich heraus, dass viele Vorurteile von unserer Seite kamen. Und obwohl sie anders aussahen als wir, wollten wir im Grunde alle das Gleiche vom Leben. So entstand Spectral Falls.
Die Stadt wurde schnell zum Zufluchtsort für alle, die einen Neuanfang suchten – mich eingeschlossen. Nachdem ich mich bei meinen Eltern geoutet hatte und die auf meine Vorliebe für Männer weniger als begeistert reagiert hatten – gefolgt von viel Geheule und Geschrei –, hatte ich ein One-Way-Ticket in diesen Hafen, wo man frei sein konnte, wer man ist.
Die ersten Monate waren hart. Was ich bei meinem spontanen Abenteuer nicht bedacht hatte: Ich zog ohne Job und mit kaum Geld in eine neue Stadt, so wie viele andere auch. Ohne Job eine Wohnung zu finden, war schwierig. Ohne Wohnsitz einen Job zu finden, war noch schwieriger. Vergiss, was ich vorhin gesagt habe. Es war, als würde man ein Videospiel im *Hell-Mode* zocken.
Als mein Geld zur Neige ging und ich kurz vor der Obdachlosigkeit stand, wollte ich gerade meinen Stolz runterschlucken und mit eingezogenem Schwanz nach Hause zurückkehren. Da erzählte mir meine Mitbewohnerin von einer freien Stelle als Assistent der Geschäftsleitung bei ihrem Job. Ich war zwar absolut nicht qualifiziert für so einen Posten, aber das hielt mich nicht davon ab, es zu versuchen.
Ich habe den Interviewer mit meinem Charme um den Finger gewickelt, ein paar gute Fragen gestellt und schon bald wurde ich gefragt, wann ich anfangen könnte. Ich war überglücklich und dankte jedem Gott, der ein Auge auf mich hatte, dass mein erster Versuch, alleine in der Welt zu bestehen, nicht im Desaster endete.
Aber das galt nur, wenn ich pünktlich zur Arbeit erscheinen würde – und das war noch nicht entschieden.
Ich konnte das monströse Gebäude von VM Consulting schon sehen und hätte vor Erleichterung fast geweint. Ich warf einen flüchtigen Blick auf meine Uhr, bevor ich in eine Backsteinmauer rannte.
Es gab einen stechenden Schmerz in meiner Nase, bevor mein Hintern den Gehweg küsste. Ich hielt mir die Hand vor die Nase, um das Blut zu stoppen, und sah nach, wer zum Teufel eine Mauer mitten auf den Gehweg gestellt hatte. Es war natürlich keine Mauer, sondern der breite Rücken eines Mannes. Ein Vampir. Ein extrem angepisster Vampir – die Fangzähne, die er zeigte, waren ein eindeutiger Hinweis.
Er war verdammt gutaussehend, auf diese „Ja, er ist ein feuchter Traum, aber wahrscheinlich ein riesiges Arschloch“-Art. Wahrscheinlich war es falsch von mir, solche Annahmen zu treffen, aber zu meiner Verteidigung: Der Typ schrie förmlich *Douchebag*. Und zwar ein reicher.
Es war typisch für mein Glück, dass ich in ihn hineinrannte, gerade als er aus seinem Bentley mit Chauffeur stieg – zumindest wirkte der Typ hinter ihm so, als würde er jeden Moment in Ohnmacht fallen. Mein Kaffee ergoss sich über seinen maßgeschneiderten, sündhaft teuren Anzug, der wie angegossen saß. Mir kam der Gedanke, dass man noch nie einen hässlichen Vampir gesehen hat, nicht einmal einen mittelmäßigen. Sie alle sahen aus, als gehörten sie in ein Magazin für Sportwagen oder Luxusuhren.
„Sieh nur, was du angerichtet hast, du verdammter Narr!“ Sein Ausbruch riss mich aus meinen Gedanken.
„Es tut mir so leid, ich habe nicht gesehen, wo...“, begann ich mit näselnder Stimme, wurde aber unterbrochen, bevor ich halbherzig einen neuen Anzug hätte anbieten können.
„Natürlich hast du nicht gesehen. Deine Augen waren zu sehr damit beschäftigt, überall hinzuschauen, *außer* da, wo du hingehst.“ Ich atmete tief durch. Ich hatte keine Zeit für sein Arschloch-Gehabe, und meine Worte wären bei ihm ohnehin auf taube Ohren gestoßen, trotz seines überlegenen Gehörs.
Ich rappelte mich endlich vom Boden auf – wegen der Würde und so –, setzte ein falsches Lächeln auf und versuchte, zerknirscht auszusehen.
„Bitte, mein Herr, es tut mir wirklich leid. Sie können ihn reinigen lassen und mir die Rechnung schicken.“ Er spottete, als hätte ich angeboten, seinen wertvollen Anzug in die Waschmaschine zu stecken.
„Irgendetwas sagt mir, dass du dir die Rechnung nicht leisten könntest“, sagte er schnippisch. Autsch. Nun, das machte es einfacher, mein Angebot zurückzuziehen.
„Hör mal, Arschloch...“, ich verstummte, als sich seine Nasenflügel blähten und seine Augen mit einem raubtierhaften Glühen rot wurden. In diesem Moment erinnerte ich mich daran, dass mein eigenes Hemd blutverschmiert war.
„Ah, Scheiße.“ Bevor ich ihn überzeugen konnte, dass mein Blut eines der ekelhaftesten Dinge auf diesem Planeten war, verschwamm er und war weg. Ich wirbelte herum, als hätte ich irgendeine Chance, ihn zu sehen, bevor er mich anfiel.
Nach ein paar Herzschlägen war nichts passiert, und ich stieß einen erleichterten Seufzer aus. Der Fahrer tat es mir gleich. Es schien, als hätte ich es vermieden, ein unfreiwilliger Blutspender zu werden. Der Fahrer kam auf mich zu und reichte mir ein paar Taschentücher. Ich nahm sie dankbar entgegen, drückte sie auf meine Nase und verzog das Gesicht beim Anblick des Blutes auf meiner Handfläche.
„Das war knapp. Für eine Sekunde dachte ich, ich müsste mir einen neuen Job suchen.“
„Kennst du gute Orte, die jemanden einstellen? Es ist mein erster Tag und ‚ich komme zu spät‘ wäre untertrieben. Wenn ich da so auftauche wie Carries geistesgestörter Bruder, überlebe ich keine fünf Minuten...“, sagte ich schwach. Ich neige zum Quatschen, wenn ich nervös bin. Dass ich mich einem völlig Fremden anvertraute, bewies nur, wie fertig ich wegen meines potenziellen Jobs war.
„Ich bin sicher, das wird schon. So was passiert halt. Ich habe ein Ersatzhemd im Kofferraum, willst du das haben?“
„Wirklich?“, fragte ich. Ich wollte einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen, aber... „Du würdest das wirklich tun? Warum?“ Manchmal scheinen Dinge zu gut, um wahr zu sein.
„Nun...“, er schenkte mir ein verlegenes Lächeln, „er hat mich gerade wegen der Heiligkeit der Pünktlichkeit zur Schnecke gemacht. Seit du ihn angerempelt hast, hat er mich völlig vergessen. Ich schulde dir also was.“ Yep, da war es!
„Jeez, gerne geschehen“, sagte ich trocken, nahm das neue Hemd aber dankbar an und zog das durchnässte Teil kurzerhand mitten auf der Straße aus.
„Also äh, wo wolltest du eigentlich so eilig hin?“
„Nur da rüber“, sagte ich und deutete auf das Gebäude von VM Consulting. Er starrte mich an, als wäre mir ein zweiter Kopf gewachsen, und brach dann in schallendes Gelächter aus, als wäre es der lustigste Scheiß der Welt. Ich lachte ein paar Minuten lang verlegen mit, aber dann hörte er gar nicht mehr auf zu lachen, bis er sich vor Schmerzen an den Seiten hielt und Tränen über sein Gesicht liefen. Ich rümpfte die Nase.
„Was zur Hölle ist daran so witzig?“ Das brachte ihn nur zu einem weiteren Lachanfall, also entschied ich, dass es Zeit für den Abgang war. Während ich wegging, hörte ich den Fahrer ein heiseres „Viel Glück“ rufen.
Ich steckte gerade hastig mein Hemd in die Hose, als ich am Drehkreuz ankam und endlich merkte, dass ich es total vermasselt hatte. Ich hatte meinen Ausweis zu Hause vergessen.
Mist! Ich bin so ein Idiot. Noch vor einer Stunde habe ich mich dafür gefeiert, wie erwachsen ich geworden bin. Ich schüttelte das Gefühl der Niederlage ab. Ich ging zum Sicherheitsschalter, setzte ein strahlendes Lächeln auf und versuchte, *nicht* daran zu denken, wie zerzaust ich aussah. Der Wachmann war ein Lupin – sie machten deutlich, was sie vom Begriff „Werwolf“ hielten – und er schien freundlich genug. Sein Namensschild sagte „Hunter“, also merkte ich mir das.
Ich schlich zum Schalter und versuchte, ein verzweifeltes Gesicht zu machen, anstatt eines, das aussah, als hätte ich Verstopfung.
„Hey Hunter, ich habe meinen Ausweis zu Hause vergessen. Gibt es irgendeine Möglichkeit, wie du mich reinlassen kannst? Es ist mein erster Tag.“
„Sicher, darf ich deinen Vor- und Nachnamen haben?“
„Tristan McArthur.“ Er tippte ein paar Augenblicke auf die Tastatur, klickte ein paar Mal und schüttelte den Kopf.
„Tut mir leid, aber ich sehe dich nicht in unserem System.“
„Nun, das liegt daran, dass ich neu eingestellt wurde...“ Meine Achseln fingen in diesem Moment an zu schwitzen. Je länger es dauerte, bis ich nach oben kam, desto weniger freute ich mich darauf, was mich dort erwarten würde. Vorausgesetzt, ich schaffte das letzte Hindernis.
„Ich bin ein neuer Mitarbeiter, ich schwöre es!“ Ich zerbrach mir den Kopf, wie ich es ihm beweisen könnte. „Kann ich dir die E-Mail zeigen, die sie mir geschickt haben?“ Er zuckte mit seinen massiven Schultern.
„Sicher, aber ohne Bestätigung kann ich dich trotzdem nicht hochlassen.“ Ich atmete tief durch, um ihm nicht gleich den Kopf abzubeißen.
„Der Absender der E-Mail. Du kannst dort anrufen und bestätigen lassen, dass ich neu bin...“
„Ah, stimmt.“ Er durchsuchte seine Datenbank und fand glücklicherweise den Mitarbeiter, der mir die Mail geschickt hatte. Währenddessen war ich ein Nervenbündel und trommelte mit dem Finger auf den Marmorschreibtisch.
„*Anstrengender* Tag?“, fragte er mit einem schiefen Grinsen.
„Ja, das kann man wohl sagen...“ Er fand eine Nummer und rief an, aber niemand ging ran. Ich bettelte, er solle es noch ein paar Mal versuchen.
„Tut mir leid, es geht niemand ran. Soll ich eine Nachricht hinterlassen?“
„Verarschen Sie mich?“, platzte es aus mir heraus. „Was für einen Beweis brauchen Sie noch? Es ist mein erster Tag! Ich habe Ihnen die E-Mail gezeigt und alles.“
Hunter verengte die Augen und stand auf. Alle Freundlichkeit war aus seinem Gesicht verschwunden; er betrachtete mich, als würde ich gleich Ärger machen. Was, ehrlich gesagt, wahrscheinlich stimmte. Er überragte mich bei Weitem und ließ meine respektablen 1,73 Meter klein wirken. Er musste *mindestens* zwei Meter groß sein. Sein kräftiger Körper füllte die knackige schwarze Uniform der Sicherheitsfirma ziemlich gut aus. Mit seinem mitternachtsschwarzen Fell war er durch und durch ein Raubtier.
In der Furry-Community wäre er sicher beliebt.
„Ich brauche dich jetzt ganz ruhig. Wenn du glaubst, du kannst hier in meiner Lobby rumschreien, dann bist du auf dem völlig falschen Dampfer.“
„Ist...“, ich dachte beim ersten Mal noch, es sei Einbildung, aber es gab keine Möglichkeit, dass es ein zweites Mal passiert war. „Veräppelst du mich?“
„Wie meinst du das?“, fragte er mit unschuldigem Gesichtsausdruck, also schob ich es auf den Zufall.
„Es tut mir leid, ich wollte nicht laut werden, aber ich brauche diesen Job wirklich. *Bitte*“, ich hasste die Verzweiflung in meiner Stimme, aber ich war am Ende meines Lateins. „Ich kann nicht nach Hause zurück...“ Er starrte mich nur mit seinen intensiven blauen Augen an, bevor er schließlich seufzte, um den Schreibtisch herumging und direkt vor mir stehen blieb. Er ging leicht in die Hocke und fing an, an meinem Kopf zu schnüffeln, wobei er ab und zu tief einatmete.
„Ähm, was machst du da?“
„Ich lerne deinen Geruch kennen.“ Er schloss kurz die Augen, bevor er mir ein freundliches Lächeln schenkte. „Ich tue dir einen Gefallen, weil du neu bist. Du kannst hochgehen. Aber! Wenn ich höre, dass du oder jemand, der auf deine Beschreibung passt, Probleme macht, kann ich dich leicht aufspüren.“
Nun, das war gleichzeitig beängstigend und irgendwie heiß. Diese Stadt machte mich fertig. Ich hatte nie wirklich in Betracht gezogen, mit einem Monster zu schlafen, aber ich würde meine gesamten Ersparnisse – alle dreißig Dollar – darauf verwetten, dass ich das bis zum Jahresende ändern würde.
„Ich werde keine Probleme machen, Pfadfinderehrenwort“, sagte ich und salutierte sogar ironisch. Er schüttelte nur schmunzelnd den Kopf, ging zurück zu seinem Schreibtisch und drückte einen Knopf. Das Licht am Drehkreuz wurde grün. Ich stürmte hindurch, rief mein Dankeschön und rannte zu den Aufzügen.
Ich checkte mein Handy und sah ein paar verpasste Anrufe. Naja, mehr als ein paar. Zwei waren von einer unbekannten Nummer, aber es war um die Zeit, als ich hätte anfangen müssen, also dachte ich, es sei mein Vorgesetzter. Insgesamt fünf verpasste Anrufe, zwei Sprachnachrichten und *sieben* Textnachrichten allein von meiner Mitbewohnerin. Tja, falls sie fragt, werde ich leugnen, sie je gesehen zu haben. Ja, das sollte funktionieren...
Die Aufzugtüren öffneten sich schließlich zu einem atemberaubend eingerichteten Interieur; der Raum war hell und offen, mit cremefarbenen Sofas in einer Ecke. Ich erinnere mich noch, wie ich das erste Mal auf diesen Dingern saß. Es fühlte sich an, als würde mein Hintern von einer Wolke gestützt. Ich hätte fast geweint, als der Interviewer rauskam, um mich abzuholen.
Am Empfang – dem Schreibtisch, an dem ich jetzt eigentlich hätte sitzen sollen – stand mein Chef. Er rang nervös die Hände und sah aus, als wäre er fünf Sekunden davor, zum nächsten Ausgang zu rennen. Er drehte sich zum Aufzug, sah mich und seine Augen wurden groß. Er kam mit großen Schritten auf mich zu, bis er direkt vor mir stand.
„Wo zum Teufel warst du?“, zischte er. Weg war der selbstbewusste, entspannte Typ, den ich beim Vorstellungsgespräch getroffen hatte. An seiner Stelle stand ein Mann, den ich kaum wiedererkannte.
„Es tut mir leid, ich wollte Kaffee holen, dann bin ich in...“
„Vergiss das. Der CEO kam heute für eine unangemeldete Inspektion vorbei und er sah aus, als würde er gleich jemandem den Kopf abreißen. Er hat zum Glück nicht gefragt, wo du bist, aber wir müssen dich ihm vorstellen.“
Er ließ mich gar nicht erst ausreden, sondern zerrte mich in das riesige Büro hinter meinem Schreibtisch. Mein Vorgesetzter hatte noch den Anstand, anzuklopfen, bevor er die Tür öffnete und mich zuerst hineinschubste – als wäre ich ein menschliches Schutzschild. Ich hatte Geschichten darüber gehört, wie furchteinflößend der CEO war, aber ich wusste nicht, dass es so schlimm war.
Das Büro des Geschäftsführers war in den dunklen Tönen gehalten, die scheinbar alle Alpha-Männchen liebten. Dunkles Holz, akzentuiert durch Möbel aus Silber und Schwarz, verlieh dem großen Raum eine Atmosphäre, die gleichermaßen kühl und doch irgendwie persönlich wirkte. Da war ein massiver Eichentisch, der eher wie ein eleganter Esstisch als wie ein Büromöbel wirkte. Eine Reihe von Monitoren verbarg, wer dahinter saß, während das rhythmische Klackern einer Tastatur den Raum erfüllte. Es hörte plötzlich auf, als wir den Raum betraten.
Mein Vorgesetzter führte mich in die Mitte des Raumes und verbeugte sich – er verbeugte sich tatsächlich –, bevor er mich dem Schreckgespenst der obersten Etage vorstellte.
„Mr. Manning“, sagte er mit zittriger Stimme, „ich möchte Ihnen Tristan McArthur vorstellen, Ihren neuen Assistenten. Tristan, das ist...“ Ein markerschütterndes Knurren schnitt ihm das Wort ab und der Mann wimmerte regelrecht auf.
Der Stuhl klapperte zu Boden und ich sah endlich den Verstand hinter VM Consulting. Mein Herz rutschte mir in die Hose, als ich den Mann erkannte, der mich mit einem so mörderischen Blick fixierte, dass ich überrascht war, noch zu atmen. Es war der Vampir, in den ich vorhin reingerannt war.
Seine Lippen waren zu einem Knurren verzogen, die Zähne gebleckt, die Fangzähne entblößt, als er vor seinen Schreibtisch trat. Er stieß ein einziges Wort aus, ein Wort, bei dem meine Instinkte völlig durchdrehten und mir sagten, ich solle laufen, sonst würde ich sterben.
„*Du*“, sagte er, und das Wort klang regelrecht guttural.
Ich versuchte, auf eine Antwort zu kommen, irgendeinen Weg, um diesen Scheißtag zu retten. Mein Arm bewegte sich wie von selbst zum Winken, und ich fand mich dabei wieder, wie ich sprach, die Worte purzelten aus meinen Lippen, bevor ich überhaupt realisierte, was ich sagte.
„Na, hallo... lustig, dich wiederzusehen...“








