Prolog
Einst gab es eine alte Sage, die die Geburt unserer Welt erzählte.
Man sagte sich, das Licht sei aus dem Chaos geboren worden, und mit ihm alles Lebendige.
Niemand aber sprach über das Opfer, das es kostete, damit ein friedliches Leben möglich war.
Es erzählte die Sage vom Ursprung des Lichts und berichtete was damals geschah, von Liebe und Aufopferung und davon, dass sich jemand mutig dem Unrecht entgegenstellte.
Als das Leben seinen Weg noch nicht gefunden hatte, herrschte das Chaos.
Es ward formlos und unendlich, die Urkraft des Seins.
In ihm ruhten der Anfang und das Ende, Licht und Schatten, voneinander ungetrennt.
Das Chaos allein genügte sich selbst und existierte ohne Maß und Grenzen.
Doch eines Tages regte sich in seiner Endlosigkeit ein Funke.
Dieser Funke nannte sich Licht.
Mit diesem Licht erwachte eine Bewegung im Sein.
Wärme durchdrang das Nichts, und das Leben begann sich zu formen. Leben, das atmete, fühlte und träumte.
Das Licht liebte, was es erschuf. In seinem Glanz erwachte etwas, das selbst das Chaos nicht kannte.
Gefühl.
Aus der Güte und der unendlichen Liebe zu seiner Schöpfung wurde Stolz. Und der Stolz gebar die Zwietracht zwischen den Gefühlen.
So spaltete sich das Licht in Liebe und Verachtung, in Schöpfung und Vernichtung.
Das Chaos erkannte die Uneinigkeit und wollte das Licht dafür verschlingen. Das Licht aber, in seiner Zweifaltigkeit, siegte und verbannte das Chaos in die Finsternis zurück.
Eingesperrt in der Dunkelheit und beschämt über den Verlust seiner Freiheit, sann das Chaos auf Wiederkehr.
Es raubte dem Licht all seine Gefühle, um sich selbst durch sie neu zu gebären. Die Vernichtung allen Lebens und Auflösung jeder Form, die atmete, war sein Ziel. Nur die reine Existenz, das bloße Sein, sollte bestehen.
Bevor das Chaos den Untergang einleiten konnte, trat eine Gestalt hervor, die geformt war aus dem reinen Schein des Lichts. Sie bot dem Chaos Einhalt und opferte sich selbst.
So wurde das Dunkel erneut gebannt.
Doch mit ihrem Opfer erwachte ein Fluch, verdammt auf ewig, gefangen im Kreislauf der Wiederkehr.
Und so bangte die Welt, auf dass der Fluch eines Tages gebrochen werde.